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Last Half of Darkness -
Shadows of the Servants


Erscheinungsdatum: 2004
Entwickler/Publisher: WRF Studios - William R. Fisher


Spielsprache: Englisch

Homepage
Boxshots


 

Ein Review von   slydos   08. April 2005

 

Adventurespiele aus Independent-Werkstätten mögen so manchen unprofessionellen Schwachpunkt besitzen, aber sie haben einen großen Vorteil vor ihren von großen Publishern vertriebenen Geschwistern - die Entwickler können sich soviel Zeit lassen, wie sie sich selbst geben möchten. Und so beschäftigt sich WRF Productions, hinter denen sich William R. Fisher verbirgt, schon seit Ende der 80er Jahre mit dem Thema Last Half of Darkness, das es schon in älteren Versionen als Download- und CD-Spiel gab. Ich bin ohne Vorkenntnis älterer Versionen an dieses überarbeitete, neu erstellte Produkt herangegangen, das problemlos über die Homepage bestellt werden kann.

Schauplatz ist ein typischer Südstaaten-Landsitz und Umgebung mitten im Bajou, den Feuchtgebieten im Mississippi-Delta. Und unser Spiel bedient unsere Vorstellungen von in magisches Licht getauchten Sumpflandschaften, Voodooläden mit bizarrem Sortiment und Zauberritualen bei denen Blut, Knochen und noch ganz andere Dinge eine Rolle spielen.

 

Geschichte

Beim Studium der Hexenkunst in Südamerika hat Dr. Muretta sich mit einem 'süßen' kleinen Affen angefreundet. Aber das zutrauliche, liebenswerte Haustier mit Namen Jaja wurde von einem unheimlichen affenartigen Primaten gebissen und erkrankte. Sie fühlte sich verantwortlich, dem liebgewonnenen Tier zu helfen und brachte es mit nach Hause. Als sich der Affe erholte, veränderte er sein Wesen und wurde zu einem bösartigen Biest. Ein Fluch ging von dem Tier aus, der seine Umgebung in einen dunklen Alptraum verwandelte und alle die darin lebten verfolgte, was wieder mal zeigt, daß man um süße, kleine Affen lieber einen Bogen machen sollte.

Dr. Muretta sah keine andere Lösung als den kleinen Kerl zu töten und seine Überreste zu verbrennen. Aber es war bereits zu spät, der Fluch war zu stark und das Böse kehrte aus dem Grab zurück! Vor ihrem Tod versuchte die Wissenschaftlerin noch mit DNS-Experimenten dem Greuel Herrin zu werden, aber alle ihre Versuche schienen das Böse nur noch zu stärken. Auch Dr. Murettas Tochter Mira, eine Malerin, hat versucht, dem Fluch mittels Voodoozauber beizukommen - vergeblich. Jetzt spukt sie ebenfalls in dem Geisterhaus herum und ruft Fremde herbei, sie zu erlösen. Wir folgen dem Aufruf. Sie und ihre Schwester geben uns Hinweise für ein letztes Ritual, aber die 'Schatten' versuchen uns daran zu hindern ...

 

Gruselatmosphäre

Unser Auftritt in 1st-Person-Perspektive beginnt in einem Zimmer des nahegelegenen, fast verlassenen Ortes. Wir wissen gleich von der ersten Sekunde an, daß wir nicht allein sind, sondern von dunklen Mächten beobachtet werden, die uns wo sie nur können, in Panik versetzen wollen. Und das gelingt ihnen erstaunlich gut. Nicht nur, daß man oft durch kurze, flashige Videosequenzen von hervorschnellenden Skeletten und anderen Gespenstern bis ins Mark erschreckt wird - bei mir wiederholte sich der Effekt immer wieder aufs neue, obwohl ich bereits die Stellen kannte, an denen etwas derartiges passiert und ich mich eigentlich sehr gut darauf vorbereiten konnte. Das Ganze Spiel hat etwas von einer wirklich aufreibenden Geisterbahnfahrt an sich, es ist allerdings damit verglichen schon ein Maxi-Gruselschocker mit ca. 18 Stunden Spielzeit.

Jeder Raum und jede Szene hat ihre eigene Geräuschkulisse mit heulenden, weinenden oder flüsternden Geisterstimmen, verzerrt, entfremdet, unheimlich. Auch wenn man sie manchmal als übertrieben empfindet, steuern Geräusche und Stimmen zusammen mit den schnellanimierten Szenen den überwiegenden Grusel bei. Nichts für zartbesaitete Gemüter. Allerdings hätte ich mir ein wenig mehr Verständlichkeit bei so mancher mit Hall versehenen Textzeile gewünscht. An einigen Stellen, speziell beim Erzähler, der ohne Untertitel spricht, ist kaum noch etwas zu verstehen, was noch schwerer wiegt, da Last Half of Darkness ja eine englische Sprachausgabe hat. Selbst Muttersprachler werden da ihre Probleme bekommen. Die ganz seltene, unauffällige Musikbegleitung kann im Optionsmenü genau wie die Lautstärke der Stimmen und Geräusche geregelt werden.

 

Grafik

Die Hintergrundgrafiken sind gut aber nicht umwerfend, besonders gefielen mir die Außenansichten der Gebäude. Dagegen ist das, was einem an den wenigen Charaktergrafiken geboten wird, steif und puppenhaft. Da gibt es auch im Independent Bereich schon bessere Beispiele. Die Schauplätze zum einen und das Thema zum anderen erinnerten mich an Spiele wie Laura Bow 1 - The Colonel's Bequest, 7th Guest (natürlich der Treppenaufgang), Gabriel Knight 1 - Sins of the Father's, The Forgotten und das Freeware-Adventure Voodoo, hinter denen sich Last Half of Darkness grafisch keinesfalls verstecken muß.

Wir bewegen uns des nachts in einer kleinen Stadt, dem Landsitz von Dr. Muretta, einem nahegelegenen Sumpf und auf dem Friedhof. Ab und zu sind sogar Kamerafahrten eingebaut, um Szenenwechsel dynamischer zu gestalten. Diese und die Inventaranimationen wirken professionell. Andere Filmsequenzen, die oft durch das Lösen von Rätseln ausgelöst werden, sind von sehr unterschiedlicher Qualität, mal sehr gut und manchmal etwas daneben. Positiv fiel auf, daß die Szenarien niemals zu dunkel für die Hotspotsuche waren. Fast immer gibt es genug Lichtquellen, um die Schauplätze mit gruseligen Licht- und Schatteneffekte zu versehen und sollte mal eine Glühbirne platzen, dann müssen wir eben selbst für den notwendigen Ersatz sorgen.

 

Handling

Last Half of Darkness ist ein Adventure in Egosicht und wird ausschließlich per Maus gesteuert. Ein besonderes Lob muß ich der Cursordarstellung zollen. Obwohl es sich nur um einen einfachen Pfeilcursor handelt, der über Hospots seine Farbe ändert, halte ich es für erwähnenswert, daß hierbei soweit ich mich erinnern kann erstmals an die Linkshänder gedacht wurde. Der Pfeil zeigt schräg nach oben rechts, so daß die Bewegung mit der links geführten Maus z. B. bei der Menüauswahl aber auch bei Hotspots/Objekten endlich mal ganz natürlich und entspannt von Links kommen kann. Inventar und Hauptmenü erscheinen im unteren bzw. oberen schwarzen Bildschirmrand bei Mausberührung.

Nicht sehr angenehm gestaltete sich allerdings das Schließen der Textfenster, nachdem man sich ein Objekt angeschaut hat. Diese Fenster bedeckten immer einen Teil des Bildschirm und sollten schnell mit einem Mausklick auf die richtige Stelle geschlossen werden. Wenn sich darunter allerdings ein anderer Hotspot befand, so wurde dieser ebenfalls angeklickt und man führte manchmal Aktionen durch, die man gar nicht beabsichtigt hatte. Dieser Bug wurde mit einem Patch behoben (der übrigens auch ohne Spielstandverlust während des Spiels installiert werden kann). Man sollte diesen Patch von der Homepage laden um gleich von Beginn an in den Genuß dieser Erleichterung zu kommen. In der aktuellen Version 1.4.3 ist diese Änderung bereits enthalten.

An manchen Stellen fallen Abweichungen auf, die ich als inhomogene Steuerung bezeichne: auch wenn der Cursor nicht die rote bzw. violette Aktionsfarbe angenommen hat, wurden Aktionen bzw. Zoomansichten ausgelöst. Absicht oder nicht, es bedeutet für die Spieler, keinen der vielen Text-Hotspots übersehen zu dürfen.

Nach der Patch-Installation war ich generell zufrieden mit dem Handling. Ich hätte mir zwar noch mehr als 10 Savegames gewünscht, aber ich bin zurecht gekommen.

 

Rätsel

Sehr positiv empfand ich es, gleich von Anfang an den größten Teil der vielen Locations frei begehen zu können. Das Spiel ist in großem Maße nichtlinear und die Spieler können viele der Rätsel in unterschiedlicher Reihenfolge lösen.

Ca. 70 % der Rätsel basieren auf dem Finden und Anwenden von Objekten. Dabei müssen wir diese Objekte teilweise manipulieren oder im Inventar kombinieren. Aus den Informationen, die wir meist schriftlich erhalten, müssen wir unsere Schlüsse ziehen und in Aktionen umsetzen. Dabei geht es darum, Maschinen in Gang zu bringen, Türen zu öffnen oder eine Stromzufuhr herzustellen. Es heißt Codes ableiten oder Passworte finden. Es gibt so eine Art Reaktionsbrettspiel, ein Hütchenspieler fordert uns mal wieder heraus und in einem nur auf den ersten Blick verwirrenden 3D-Labyrinth können wir auch sterben. Alle Rätsel haben eine logische Beziehung zur Geschichte und dienen nicht der Beschäftigungstherapie von allzu aufgeweckten Adventurespielern.

Der Schwierigkeitsgrad variiert von leicht bis sehr schwer, wobei die sehr schweren Rätsel in der Interpretation der gefundenen Dokumente liegen. Kommt man an einer Stelle nicht mehr weiter, beschert einem die Nichtlinearität an einer anderen Stelle meist ein Erfolgserlebnis. Das komplexe Schlußrätsel, auf das wir die ganze Zeit hinarbeiten, ist auch für geübte Spieler herausfordernd aber wie alle anderen Rätsel durch Hinweise und deren logische Interpretation zu lösen. Dazu benötigt man zumindest soviel Englischkenntnisse oder ein besseres Wörterbuch, daß man die oft metaphorischen Texthinweise korrekt übersetzen kann.

Der Hotspotfaktor (das Verhältnis von Hotspots gesamt zu Hotspots, die über eine reine Textbeschreibung hinaus eine Aktion auslösen) liegt zwischen 10:1 (kommt häufiger vor) und 3 bis 4:1 (seltener). Das Inventar kann sich schnell füllen, bleibt aber durch Einzelscrollschritte und Sortierbarkeit (Spieler bestimmen den Anzeigeplatz im Inventar) übersichtlich.

Übrigens erhält man im Abspann eine Aufklärung über den Inhalt eines die ganze Zeit verschlossenen Raumes.

 

Installation/Technisches

Die Installation der 1GB läuft schnell und reibungslos ab. In der DVD-Box befindet sich neben der CD ein Handbuch mit der ausführlichen Vorgeschichte und einer kurzen Bedienungsanleitung. Daneben finden wir eine seltsame Karte, die wir später noch gut gebrauchen können.

In der Version 1.4.3 lief Last Half of Darkness ohne Fehler, lange Ladezeiten oder Abbrüche.

 

Fazit

Atmosphäre, Schreckpotential und Rätsel sind gut gelungen. Die Geschichte wurde im Spiel leider nur angedeutet und läßt zu viel Fragen offen, um am Ende ein - wie ich finde - verdientes Zufriedenheitsgefühl zu erzeugen. Den Spielspaß während des Spiels trübt das allerdings weniger. Da werden auch fortgeschrittene Adventure-Spieler gefordert aber Einsteiger keineswegs schnell frustriert.

Ganz im Gegensatz zu dem sich leise heranschleichenden Grauen und dem thrillerartigen Gänsehautfeeling bei Dark Fall wird in Last Half of Darkness der Schrecken mit Kirmes-Holzhammer-Methoden auf eine ganz andere Art aber durchaus wirkungsvoll verbreitet. Empfindliche Gemüter seien deshalb ausdrücklich gewarnt. Wer aber auf Adrenalinschübe und Schrecksekunden steht, wird gut unterhalten.  



Bewertung: 72 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows 95/98/2000/XP
  • Pentium III 500 MHz
  • 64 MB RAM
  • 16x CDROM
  • 32 MB DirectX kompatible Grafikkarte
  • DirectX 8.1 kompatible Soundkarte
  • 1 GB Festplattenspeicher

 

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 08. April 2005

 

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Hauptmenü

Skelette und Knochen finden wir an jeder Ecke
Skelette und Knochen finden wir an jeder Ecke

Unser Ausgangspunkt
Unser Ausgangspunkt

Nicht sehr belebt
Nicht sehr belebt

Diese Schaltung müssen wir genau einstellen
Diese Schaltung müssen wir genau einstellen

Ein Voodooshop
Ein Voodooshop

Dr. Morettas Haus
Dr. Morettas Haus

Erinnerungen an The 7th Guest
Erinnerungen an The 7th Guest ...

... und an Psycho
... und an Psycho

Eins der vielen Zimmer, die wir uns genau vornehmen sollten
Eins der vielen Zimmer, die wir uns genau vornehmen sollten

Eine merkwürdige Truhe auf dem Dachboden
Eine merkwürdige Truhe auf dem Dachboden

Hier wurde ein Voodooritual abgehalten
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Hilfreiche Hinweise
Hilfreiche Hinweise

Einige leichte Puzzlespiele sind ebenfalls zu bewältigen
Einige leichte Puzzlespiele sind ebenfalls zu bewältigen

Im Inventar können wir Objekte untersuchen
Im Inventar können wir Objekte untersuchen

Dr. Morettas 'Hexenküche'
Dr. Morettas 'Hexenküche'

 

Der Eingang zum Friedhof
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