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Lifestream


Erscheinungsdatum: 09/2004
Entwickler/Publisher: Unimatrix Productions


Spielsprache: Englisch


Boxshots

USK/ESRB/PEGI: keine Altersangabe

 

Ein Review von   André   18. Februar 2005


Nachdem ich "The Arrangement" begeistert gespielt habe, sind die Erwartungen an Lifestream sehr hoch, denn zwischen beiden Spielen gibt es einige Parallelen und Verbindungen. Beide Spiele sind im selben Jahr erschienen und wurden mit dem Programm "Adventure-Maker" erstellt. Die Macher entstammen beide der Independent-Adventure-Szene. Und sie kennen sich nicht nur, sondern Michael B. Clark, der "The Arrangement" erstellt hat, hat erfreulicherweise auch einige Rätsel zu Lifestream beigesteuert. Außerdem werden beide Spiele in der Ego-Perspektive gespielt und Lifestream vermittelt auf dem ersten Blick grundsätzlich eine ähnlich mystisch-düstere wenn auch nicht ganz so bedrohliche Grundstimmung. Dennoch zeigt sich schnell, dass es wesentliche
Unterschiede gibt.

Bei der Bewertung werde ich im Vergleich zu kommerziellen Spielen wieder andere Maßstäbe anlegen. Denn besonders grafisch kann ein von nur einer oder wenigen Person(en) erstelltes Spiel natürlich längst nicht mit den Spielen professioneller Herstellern mithalten, welchen meist umfangreiche Produktionsteams sowie die neueste Hard- und Software zur Verfügung stehen.



Handlung

Die Grundsituation ist, dass John Holston seinen Vater, den Priester
Randolph Holston, sucht. Wir spielen im Laufe des Spiels beide Charaktere - sowohl John als auch seinen Vater. Dabei erleben wir John in der Gegenwart und wie sein Vater in der Vergangenheit in den Bann des mysteriösen "Lifestream", eine Art Parallelwelt, gezogen wird. Der Entwickler hat es wunderbar umgesetzt, wie wir mit den Geistern langsam in Kontakt treten. Nebenbei entwickelt sich die Geschichte aber auch zum Krimi, aber ich möchte wie immer nicht zu viel verraten.

Dabei kennzeichnet jedes neu angefangene Kapitel meist gleichzeitig, dass wir in den anderen Charakter schlüpfen. Durch den Rollenwechsel und durch die Kirchen-Thematik aber auch wegen der Atmosphäre habe ich mich fast schon ein wenig an Gabriel Knight 3 in "klein" (ohne dessen spielerischen Tiefgang) oder auch The Watchmaker erinnert gefühlt, auch wenn die Vergleiche auf dem ersten Blick etwas gewagt erscheinen. Trotz all der Vergleiche ist Lifestream aber ein absolut eigenständiges Spiel, welches nach kurzer Spielzeit seinen ganz eigenem Charme und eine wundervolle Atmosphäre entwickelt.



Grafik

Die Unterschiede zu den kommerziellen Herstellern macht sich in erster Linie unübersehbar beim Grafikstil bemerkbar. Alles wirkt grober und
"unprofessioneller" als bei den kommerziellen Herstellern, wobei diese
beiden Attribute hier keinesfalls wertend zu verstehen sind. Denn ich finde,
dass die auf diese Weise mit einfachen Mitteln entstandene Grafik im
positiven Sinne sehr interessant wirkt und auf jeden Fall ihren ganz
eigenen Reiz hat.

Auf dem ersten Blick ist "Lifestream" "The Arrangement" vom Grafikstil her
wie gesagt nicht unähnlich. Das hängt sicher auch stark damit zusammen, dass mit dem "Adventure-Maker" die gleiche Engine verwandt wurde. Auch bei Lifestream wurden die Standbilder fast gar nicht animiert. Es gibt wenig unnötige Details, denn die Szenen sind eher sparsam eingerichtet. Dafür bleibt das Spiel ebenfalls schön übersichtlich und wirkt nicht überladen.

Aber es fallen schnell wesentliche Unterschiede im Grafikdesign auf: Das
Intro und die kleinen Zwischensequenzen wirken um einiges flüssiger und nicht so skurril, wie es bei Arrangement der Fall war. Außerdem treffen wir bei Lifestream auf gar nicht mal wenige Charaktere. Diese sehen für ein Independent-Adventure erstaunlich ausgereift und äußerst professionell aus. Die Lippensynchronität ist ausgezeichnet. Es gibt flüssige Übergänge in Form von teils beeindruckenden Kamerafahrten zwischen den einzelnen (Stand-)Bildern. Dabei schwenkt die Kamera in alle möglichen Perspektiven. Wenn man eine Treppe in einen düsteren Keller hinuntergleitet, erweckt es den Eindruck, als fahre man direkt in Teufels Küche. Die grafische Qualität nimmt während der Bewegung dann allerdings ab und die Grafik wirkt dann etwas grobpixeliger, irgendwie verschneit.

Man bewegt sich dadurch auch recht langsam von Bild zu Bild, so dass es am Anfang ein wenig zähflüssig erscheint. Dieser Eindruck relativiert sich mit der Zeit, zumal die Wege generell so angelegt sind, dass man keine weiten Strecken zurücklegen muss.



Fehler

Wohl wissend wird auf dem Beiblatt schon gewarnt, dass es bei einigen
Monitoren vorteilhaft sei, die Helligkeit zu erhöhen, damit man einige
"Szenen" besser erkennen kann. Genau der Fall ist bei mir eingetroffen und einige Stellen waren schlicht und ergreifend pechschwarz. Ich mutmaße mal, dass 99% der anderen Spieler die gleichen Probleme haben dürften. Na ja, einem Indie-Spiel sei dieses kleine Manko, welches doch mit einfachen Mitteln zu beheben ist, verziehen. Nachdem man die Helligkeit nach oben hin reguliert hat, ist es sinnvoll, das Spiel im Dunkeln zu spielen, um die grafischen Details besser zu erfassen. Aber es empfiehlt sich eh nicht, Lifestream bei hellem Tageslicht zu spielen, da sich die richtige Atmosphäre am besten abends im Dunkeln entwickelt.

Weniger schön fand ich, dass eine Geldbörse (Achtung, im zweiten Kapitel) in der Kirche auf dem Boden gar nicht zu sehen ist! Das ist vermutlich ein Fehler im Spiel, aber zumindest können wir die Stelle anklicken und den bis dahin unsichtbaren Gegenstand dann an uns nehmen.



Rätsel

Warum öffnet sich die Tür zu einem Geheimgang durch bloßes Berühren einer auf dem Wohnzimmertisch befindlichen Zierschale? Glücklicherweise sind die wenigsten der ansonsten extrem abwechslungsreichen Rätsel so an den Haaren herbeigezogen. Auf jeden Fall müssen wir etliche andere versperrte Türen öffnen und Geheimgänge finden, denn ganz am Anfang ist der Radius, in dem wir uns bewegen können auf nur wenige Locations beschränkt. Nach und nach wird das Umfeld, in dem wir uns bewegen, aber immer umfangreicher. Wir dürfen natürlich auch allen möglichen Krams aufheben, in unserem Inventar verstauen und gegebenenfalls an der passenden Stelle anwenden. Es gibt Mechanikrätsel, in denen wir beispielsweise mal wieder eine Uhr richtig einstellen müssen, etliche Variationen von Brettspielen wie Solitär und genauso viele Logikrätsel wie das (bei mir) immer wieder beliebte Bilder-Schiebepuzzle.

Viele Rätsel fand ich auch sehr originell, z.B. wie wir mit dem Geist im
Badezimmer Kontakt aufnehmen sollen (mehr möchte ich an der Stelle auch nicht verraten), obwohl ich zugegebenermaßen auf die Lösung nicht gekommen bin.

Damit dürfte die Palette von spaßmachenden Rätseln in fast allen Variationen abgedeckt sein. Lediglich die zwei Labyrinthe hätte man von mir aus auch weglassen können - ich bin kein Freund davon. Glücklichweise sind diese aber nicht sonderlich umfangreich und somit recht schnell absolviert.

Das gilt auch für den Schwierigkeitsgrad im allgemeinen: Viele Rätsel waren nicht wirklich schwer und wenige Aufgabenstellungen unlösbar, während die Schwere der Rätsel auch bei voranschreitender Spiellänge relativ konstant bleibt. Es würde mich nicht überraschen, wenn Michael B. Clark nicht unwesentlich an der äußerst kreative Rätselgestaltung beteiligt war.

Game Over gibt es in dem Sinne nicht. An wenigen Stellen muss man aber schnell die richtigen Entscheidungen treffen, sonst fängt die
Aufgabe/Sequenz von vorne an. Aber glücklicherweise gibt es ja im Notfall
Komplettlösungen. Diese habe ich im ganzen Spiel nur an zwei, drei Stellen gebraucht.



Handling

Grundsätzlich ist die Bedienung sehr reduziert und man kommt mit den
nötigsten Funktionen, mit denen das Spiel ausgestattet ist, sehr gut
zurecht. Die Point&Click-Steuerung und das Inventar sind wie gewohnt
praktisch und einfach zu bedienen und bedürfen eigentlich fast keiner
weiteren Erklärung. Zu erwähnen sei vielleicht noch, dass man sich die
Inventargegenstände noch einmal genauer durch die Lupe anschauen kann. Ansonsten darf man noch speichern, laden und das Spiel beenden. Und das war´s.

Denn leider gibt es auch hier zwei Schwachpunkte, welche ich bei erstaunlich vielen Adventures bemängele und welche doch eigentlich ganz einfach zu beheben wären: Zum einen gibt es keine Untertitel. Da ich über nur mittelmäßige Englischkenntnisse verfüge, wäre es für mich vom Verständnis her z.B. eine enorme Erleichterung, wenn ich die gesprochenen Worte parallel mitlesen könnte. Tatsächlich gibt es einige Passagen, wo die Stimmen mit Effekten belegt werden. Leider habe ich an diesen Stellen gar nichts mehr verstanden. Daher sind mir einige Teile der Handlung entgangen.

Außerdem fehlt eine separate Regulierung von Musik und Sprachausgabe. Genau genommen gibt es überhaupt keine Regelung der Lautstärke! Es sei denn, ich schleppe meinen von den vielen Denksportaufgaben ausgemergelten und entkräfteten Körper mühselig zu meinen Lautsprechern und reguliere dort mechanisch.



Sound

Wie schon erwähnt gleitet man bedingt durch die langatmigen Übergänge
zwischen den einzelnen Bildern sehr langsam, fast schon bedächtig durch das Spiel. Der Eindruck wird durch die ruhigen Klavier- und Syntieklänge noch verstärkt, so dass man nach einiger Zeit so richtig (im positiven Sinne) eingelullt wird. Zumindest verfällt man dadurch nicht so schnell in unnötige Hektik.

Dazu passt hervorragend die charismatische Stimme des Priesters. Sie klingt brüchig, melancholisch, stolz, weise und warmherzig zugleich. Und den vermeintlichen Gegenspieler erkennt man schon in den ersten Minuten alleine an seiner extrem fiesen näselnden Stimme (aber auch an seinem Gesichtsausdruck), noch ehe er sich etwas zu Schulden hat kommen lassen!



Fazit

Die Kirchen-/Fantasyschauplätze sind im ernsten, "realistischem" Stil gehalten und daher dürfen sich ruhig Leute an dem Spiel versuchen, die Gabriel Knight oder auch Watchmaker mögen. Vorraussetzung sollten aber halbwegs gute Englischkenntnisse sein und eine Toleranz gegenüber der (noch) nicht perfekten Grafik des Independent-Adventures.

Für einen Indie ist diese allerdings erstaunlich professionell. Es fallen
besonders die lebendig animierten, markanten Personen auf. Der qualitative Unterschied der Grafik (zumindest bei den Personen) zu den "kommerziellen" Entwicklern ist gar nicht mehr so groß. Es würde mich zumindest nicht wunder, wenn das nächste Spiel im größeren Rahmen entwickelt und auch vermarktet werden würde.

Wie bei GK schlüpfen wir auch in zwei Charaktere, was dem Spielverlauf
zugute kommt und interessanter wirken lässt. Daneben sind die markanten Stimmen hervorzuheben, die den Charakteren noch einmal zusätzlichen Flair verleihen.

Die Rätsel sind extrem unterhaltsam und vielfältig ausgefallen. Ich kann mir vorstellen, dass Michel B. Clark nicht unwesentlich daran beteiligt war.

Zieht man also alle Faktoren zusammen, bleibt unterm Strich ein tolles,
atmosphärisches Adventure mit einer spannenden Story, an dem es fast nichts zu bemängeln gibt. Mit Lifestream hat Christopher M. Brendel seinen ganz eigenen Stil gefunden und ein absolut überzeugendes Adventure kreiert.


Bewertung: 78 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • IBM PC oder kompatible
  • Pentium 733 MHz
  • Windows 95/98/2000/ME/XP
  • 64 MB RAM
  • 600 MB auf der Festplatte
  • 640x480 Auflösung
  • 24-Bit Farbgrafikkarte
  • 4x CD-ROM-Laufwerk
  • Windows-kompatible Soundkarte und Maus
  • Macromedia Flash Player

Gespielt unter:

  • Win 98
  • AMD Athlon XP 1800
  • 256 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • 16x CDROM-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 18. Februar 2005

 

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