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Loch Ness 


Erscheinungsdatum: 11/2001
Entwickler: Galilea
Publisher: Wanadoo Edition
Boxshots

 

Ein Review von   André   28. Dezember 2002

 

Ah, endlich spiele ich nach Dracula 1 Ressurection, dem großartigen Dracula 2 und dem umso enttäuschenderen Necronomicon wieder ein Spiel aus der Gruselreihe von Wanadoo, in denen alle Personen immer so starre Blicke haben. Viel Zeit habe ich mir gelassen, denn Necronomicon hat mich wie gesagt nicht gerade begeistert, so dass jetzt wahrscheinlich auch schon das neueste Spiel Post Mortem in den Regalen stehen wird.

Daher waren meine Erwartungen an Loch Ness nicht gerade hoch. Vielleicht liegt es daran, dass Loch Ness dieses Mal eher ein mystisches Detektiv- als ein Horror-Adventure geworden ist, vielleicht auch, weil das Spiel erstmals vom Entwicklungsstudio Galiea und nicht von Index+ produziert worden ist, dass mich das Spiel nicht ganz so gefesselt hat, wie Dracula 2. Damit will ich aber auf keinen Fall sagen, dass Loch Ness schlecht geworden ist. Und wesentlich besser als der offensichtliche Schnellschuss Necronomicon ist es auf jeden Fall. Aber genug des Name-Droppings, here we go:


 

Handlung

Die Story an sich ist spannend und es ergeben sich viele unerwartete
Wendungen. Loch Ness spielt in den 30er-Jahren und (wie der Name schon vermuten lässt) in der Nähe von Loch Ness. Auf die Bitte eines Gutsherrn reist der Privatdetektiv Cameron, stilecht mit rotem Haar versehen, zu dem Gut mit dem unheilvollen Namen Devil´s Ridge Manor an den Ufern von Loch Ness, da sich dort Berichte über übernatürliche Phänomene häufen. Bei seiner Suche stellt Cameron fest, dass er in eine reelle Verschwörung von weltweiter Tragweite hineingeraten ist.
Aber auf übernatürliche Erscheinungen trifft Cameron auch. Und das
Vorzeigemonster Nessie taucht natürlich auch auf. Oder ist alles nur ein Trick?



Grafik

Was mir bei den Wanadoo-Adventures immer positiv auffällt, ist die wunderschöne Grafik, welche wohl den Großteil der Atmosphäre der Spiele ausmacht. Und auch dieses Mal haben die Macher mal wieder alles gegeben. So fallen z.B. die vielen Details auf, welche man in dem riesigen Schloss entdecken kann, auch wenn viele nutzlos sind und lediglich der Zier dienen. Am schönsten fand ich jedoch die Landschaftsbilder, die auf mich trostlos, düster und überwältigend zugleich wirkten. Aber auch die Zwischensequenzen sind sehr professionell und stellenweise rasant animiert.



Handling

Seit ca. 20 Jahren gibt es Grafik-Adventures (Chronisten wissen
es wahrscheinlich besser als ich) und in dieser Zeit haben sich nicht umsonst ein paar Standards durchgesetzt, die ich auch alle für sinnvoll halte. Dazu gehören zum Beispiel übersichtliche Speicherplätze, welche man beschriften kann, wählbare Untertitel und das bequeme Starten von der CD, die man gerade benötigt, wenn man ein Spiel neu aufnimmt.
Aus welchen Gründen auch immer gibt es auch dieses Mal nichts dergleichen und Wanadoo scheinen in dieser Beziehung einfach nicht dazu lernen zu wollen.

So darf man auch bei Loch Ness bei den nur acht schlauerweise im Kreis und nicht etwa nach Nummern angeordneten oder gar beschreibbaren Speicherständen anhand des Datums oder einer der kleinen Abbildungen nachschauen, wo man gerade ein Spiel neu aufnehmen kann. Vorher muss man aber erst einmal mühselig die erste CD einlegen, auch wenn man sich schon längst auf der zweiten "befindet". Untertitel gibt es wie gesagt auch nicht. Das ist z. B. für Menschen mit Hörproblemen ärgerlich oder falls Soundprobleme z.B. durch Konflikte mit einer unbekannten Soundkarte auftreten.

Das restliche Handling wie ein sich verändernde Cursorzeiger oder das Inventar ist wie immer sehr übersichtlich und vorbildlich einfach gestaltet. Zudem lässt sich das ganze Spiel mit der Maus spielen. Schade fand ich nur, dass man zwar zwei Gegenstände im Inventar miteinander verbinden kann, aber es schon durch Blinken angezeigt wird und der zweite Gegenstand dann zudem noch grün aufleuchtet.



Sound

Fairerweise muss ich aber sagen, dass es beim Sound bei mir keine Probleme gab. Die Sprachausgabe war professionell und deutlich zu verstehen, sofern man mal einer Person begegnet ist. Ansonsten gab es noch ein paar Monologe des Protagonisten, die oft zum Weiterkommen im Spiel dienten. Die Musik ist wie schon bei den anderen Spielen der "Serie" dezent im Hintergrund gehalten oder fehlt getreu dem Motto "weniger ist mehr" auch schon mal ganz. Und auch die Soundeffekte wurden angenehm sparsam eingesetzt. So wird der kargen Landschaft rund um das Anwesen beispielsweise ohne Musik und nur vom Wind begleitet noch mehr Atmosphäre verliehen. Und auch ein düsterer Speicher wirkt ohne Musik und nur von dezentem Knarzen begleitet noch etwas unheimlicher.


Rätsel und Schwächen

Ein Grund, weshalb ich 3rd-Person-Adventures den Ego-Adventures oftmals vorziehe, ist, dass in vielen Ego-Adventures oft zu wenige Personen auftauchen. Ich finde, dass diese Spiele dann oft sehr leer und öde wirken. Bei Dracula 2 vermisste man die fehlenden Personen kaum, da man sich eh permanent beobachtet und verfolgt fühlte und die Spannung wurde so permanent aufrecht gehalten. Zudem gab es in dem Spiel auch mehr Personen (glaube ich jedenfalls). Bei Loch Ness hingegen macht es sich doch schon bemerkbar, dass man nur selten auf andere Charaktere trifft, da Spannungsmomente eher selten waren. Zudem laufen die wenigen Dialoge dann auch noch als Filmsequenzen ab, ohne dass man selbstständig am Spielgeschehen teilhaben kann.

Ein zweiter Grund, weshalb ich die meisten 3rd-Person-Adventures den
Ego-Adventures vorziehe, ist, dass es oftmals schwieriger ist, sich in dieser Perspektive zu orientieren. Einerseits sollte ich dazu anmerken, dass ich über einen (ähem) extrem schlechten Ortssinn verfüge. Andererseits habe ich mir aber durch Bekannte mit guter räumlicher Auffassungsgabe sagen lassen, dass sie bei vielen Ego-Adventures die gleichen Probleme haben.

Wie auch immer: Genau das Problem trat bei mir im recht großen Schloss, in dem ein Großteil des Spiels stattfindet, auf. Hinzu kommt noch, dass viele Aufgaben sich darauf beschränken, irgendwelche Gegenstände zu suchen. So rennt man von A nach B. Einige der Objekte findet man eher zufällig und hat man einen Gegenstand noch nicht, kann man noch mal das ganze Haus oder im schlimmsten Fall auch noch mal die ganze Umgebung absuchen. Meistens bekommt man aber netterweise Hinweise, wo man den nächsten Gegenstand finden kann. Manchmal aber
auch nicht. Woher soll ich zum Beispiel wissen, dass ich am Anfang eines neuen Kapitels als erstes zum Kamin des Arbeitszimmers laufen muss, um dort ein metallisches Dröhnen zu hören um dann zu einem Gartenhaus zu laufen? Daher habe ich auch ab und zu in die Lösung geschaut, da ich die Sucherei teilweise langweilig fand und die eigentlich rasante Story dadurch immer wieder ausgebremst wurde.

Was mich ebenfalls gestört hat, waren die vielen einzelnen Bilder, die man
anklicken muss, bis man ein Ziel erreicht. So läuft unser tapferer Held eine
verwinkelte Treppe nicht direkt hoch, sondern erst bis zur Mitte, mit einem
zweiten Click um die Ecke und mit einem letzten erreicht man dann endlich das Ende der Treppe. Zudem dauert es auch zumindest auf meinem Computer meistens einige Sekunden, bis das nächste Bild aufgebaut ist.

Die anderen Rätsel wie z.B. das Bedienen alter Maschinen, Öffnen von Türen oder Mechanismen oder das Anschleichen/Fliehen in/von der Brennerei haben mir aber Spaß gemacht und waren zudem auch auf einem eher leichten bis mittelschweren Schwierigkeitsgrad. Sterben kann man ab und zu auch, manchmal auch unerwartet. Es gab auch einige Rätsel, die man unter Zeitdruck lösen musste. Gegen Ende des Spiels steigt der Schwierigkeitsgrad noch mal an. Auch hier fand ich es eher nervig, in einem recht verschachtelten kreisförmig angelegten Labor manchmal auch unter Zeitdruck herumzuirren. Ich mag solche "Labyrinthe"
als Stilmittel nicht besonders, da ich so etwas für recht einfallslos halte.
Aus denselben Gründen habe ich derzeit Necronomicon abgebrochen. Allerdings möchte ich einwenden, dass eine Besprechung immer nur subjektiv sein kann und es auch Spieler gibt, denen so etwas Spaß (?) machen soll.

Es bleibt noch anzumerken, dass es leider einen Logikfehler gibt. Wer das
Spiel anfängt, sollte daher vielleicht besser in der Lösung hier im
Adventure-Archiv nachlesen, wo der Fehler genau beschrieben ist.



Point + Click + nix passiert?

Eine Erfahrung, die ich an meinem PC bisher bei allen Wanadoo-Spielen gemacht habe, ist folgende: Ich will beispielsweise in eine
bestimmte Richtung laufen und drücke die entsprechende Richtung und nichts passiert.
Erst ein zweiter Click ist nötig, bis das Spiel reagiert. Das hört sich
vielleicht ein wenig kleinlich an, aber wenn es bei jedem zweiten, dritten Click so ist, kann das schon nerven.



Fazit

Anhand der brillanten Grafik und der tollen Story kann man schließen, dass sich Wanadoo wirklich bemüht haben, einen weiteren Adventurehit zu produzieren. Und Loch Ness ist auch wirklich solide und schön geworden. Ich finde aber, dass das Spiel nicht ganz die Klasse von Dracula 2 erreicht. Leider muss man zu oft lediglich Gegenstände suchen und das kann ganz schön langwierig bzw. -weilig sein. Zudem fehlen ein wenig die unerwarteten Ideen im Rätseldesign, wie beispielsweise die mechanischen Dracula-Puppen in Dracula 2. Auch Spannungsmomente kommen zu selten auf, was z.B. daran liegt, dass man in Loch Ness
auf zu wenig Charaktere trifft.

Aber auch wenn ich viele Kritikpunkte aufgezeigt habe, so kann man dem Spiel im Großen und Ganzen auch viele positive Aspekte abgewinnen. Die Rätsel mit den verschiedensten mechanischen und elektrischen Maschinen oder das Anschleichen und Fliehen in/von der Brennerei haben mir viel Spaß gemacht. Ebenfalls das Herumexperimentieren mit Chemikalien, was mich an "Sherlock Holmes" erinnert hat und man ruhig öfters hätte einbauen können. Zudem waren die Rätsel größtenteils auch nicht so schwer und damit nachvollziehbar, so dass bis auf die ganze Rennerei nach Gegenständen wenig Frustration aufkommt. Wägt man alle Vor- und Nachteile ab, so bleibt ein durchaus nettes Adventure etwas oberhalb des Durchschnitts. Allerdings hätte man aus dem Spiel bestimmt noch mehr machen können.



Wertung: 70 %

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 95/98/ME/XP
  • Pentium 166 Mhz (200 Mz empfohlen)
  • 16 MB RAM (32 MB unter Windows 98)
  • Grafikkarte HighColor
  • 16bit Soundkarte
  • 16x CDROM-Laufwerk (24x empfohlen)
  • 12 MB Speicherplatz auf der Festplatte

Gespielt unter:

  • Win 98
  • Pentium III
  • 64 MB Ram
  • Soundblaster Pro
  • 40x CDROM-Laufwerk


 


 



 


 


 


 


 






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Copyright © André für Adventure-Archiv, 28. Dezember 2002

 

 

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