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Lost Horizon

Hersteller: Animation Arts
Publisher: Deep Silver

Releasedatum: 2010

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Ein Preview von slydos, 26. November 2009

 

Wer kann schon einer Mischung aus James Hiltons Bestseller 'Lost Horizon', Indiana Jones, Hong-Kong-Filmen und 30er Swing-Musik widerstehen? Ich jedenfalls nicht, vor allem, wenn sie auch noch von einem so charmanten Draufgänger wie Fenton Paddock handelt.

Fenton erscheint wie eine Kreuzung aus einem jungen, augenzwinkernden Phil Collins mit irischer Tweedmütze und Hosenträgern und einem coolen, sexy Kevin Sorbo ("Das ist kein Jim Beam"). Der britische Ex-Soldat und Flieger scheint nichts wirklich schwer zu nehmen, selbst wenn die Tong Triade ihren Schmuggelkonkurrenten in einem Sarg ins Hafenbecken von Hong Kong versenkt. Wir werden ihm behilflich sein, sich zu befreien und natürlich auch bei seinen anderen Aktivitäten.

Mit seinem früheren Arbeitgeber will er nichts mehr zu tun haben, muß sich aber zu Gouverneur Weston begeben, der ihm einen Geheimauftrag überträgt, dem er sich einfach nicht entziehen kann: sein Freund Richard, Lord Westons Sohn, ist auf einer Erkundungsexpedition im nicht kartografierten Gebiet von Tibet verschwunden. Was Fenton in diesem Moment noch nicht weiß, ist, daß nicht nur die Briten, sondern auch die Nazis - es ist 1936 - ihre Fühler in den Himalaya ausgestreckt haben, auf der Suche nach einem unglaublichen Geheimnis ...

Gut recherchiert, mit historischen und geografischen Details gepolstert, spannend aber leicht erzählt, mit einer Schar von interessanten Charakteren, so öffnet sich die Story im ersten Kapitel, das ich anspielen durfte. Der Stil von Animation Arts (Geheimakte 1+2) manifestiert sich im gewohnt komfortablen Handling und einfallsreichen Objekt-,Inventar- und Dialogrätseln, die sich angenehm in die Handlung, sogar in eine interaktive actiongeladene Szene einfügen. Unterstützung bietet der wie immer durch seine Farbanzeige 'sprechende' Mauscursor, die Hotspotanzeige und statt eines Tagebuchs diesmal eine Onlinehilfe, in der die Aufgabenstellung durch die ausdrucksvolle Stimme von Rolf Schult rekapituliert wird, sollte man mal länger pausiert haben.

Apropos Sprecher: bisher ist mir bereits ein ganzer Strauß Profistimmen begegnet, der nicht hätte besser zusammengestellt werden können. Wir dürfen viele Großaufnahmen bewundern, bei denen zwar die Gesichtszüge noch relativ grob wirken, Mimik und Gestik jedoch schon erstaunlich viel an Gefühlsregungen rüberbringen, wie es bisher bei Animation Arts noch nicht zu sehen war. Auch die Lippensynchronität ist o.k.. Was mich nur wundert, ist die starke Unähnlichkeit der Spielcharaktere mit ihren gezeichneten Avataren in der Dialogansicht. Wozu sollen eigentlich diese kleinen Bilder neben den Texten dienen? Sollen sie zeigen, wie die Charaktere eigentlich aussehen sollten, wenn man sie programmtechnisch nur ähnlicher hinbekäme? Bei einer Person sticht der Leberfleck auf der falschen Seite sofort ins Auge. Auch die hübsche Chinesin Kim, der zweite spielbare Charakter, sieht als Cover-Girl des Hauptmenüs und in ihrer Avataransicht noch wesentlich besser aus als im Spiel selbst. Da wünscht man sich, daß die Charaktermodelle noch viel mehr von ihren gezeichneten Gegenstücken abbekommen würden.

Musikalisch geht es ganz unterschiedlich zu: während das Hauptmenü mit einem orchestralen Chorgesang untermalt ist, der zum einen an ein religiöses Thema à la Kyrie eleison erinnert, zum anderen mit Paukenschlägen etwas Großes, Spannendes ankündigt, wechselt der Sound in ein stimmungsvolles asiatisches Flötenthema im Intro, das von aufrüttelnden Posaunenklängen und Schüssen unterbrochen wird. Soundeffekte und Musik ergänzen und verstärken sich rhythmisch und wurden präzise auf den Takt der Videoszenen choreografiert. Sobald das Intro interaktiv wird - ja, wir können dort bereits tätig werden - erklingt leise tradionelle chinesische Musik, wie auch später im Spiel, so daß den feineren Geräuscheffekten Raum gelassen wird. Den Bodenverhältnissen angepaßte Schrittgeräusche, Motorengeräusche von Flugzeugen, Regen, mal prasselnd mal laut auf Öltonnen tropfend, u.v.m., vermitteln die Atmosphäre im nächtlichen Hong Kong. Spannungsmomente werden musikalisch hollywoodmäßig bombastisch hervorgehoben.

Um Logik hat man sich bemüht, und Fenton erklärt uns meist, warum er dies oder jenes tun bzw. nicht tun kann oder will. Allerdings ist mir nicht ganz klar geworden, warum er bei seinem Besuch beim Gouverneur zunächst sein eigenes Auto benutzt, es dann aber anscheinend dort läßt, um mit einem Taxi zurückzufahren. Hofft er, die Kollegen dort waschen es für ihn?

Jedenfalls hat man sich einiges einfallen lassen: das actiongeladene, mysteriöse Intro, der Vorspann mit dem gesungenen Swingtitel "Follow me into the land of sunshine", das man im Radio erneut abrufen kann, die fließende Abwechslung zwischen Filmszenen mit beschwingten Rhythmen und interaktiven Rätselabschnitten, wo man über die Karte bereits zu Beginn mehrere Schauplätze frei wählen kann und bei denen ich zumindest zwei entdecken konnte, die sich auf zwei verschiedene Arten lösen lassen, Multiple-Choice-Dialoge sowohl in Großansicht als auch in der Totalen, ein brisanter historischer Hintergrund, exotische Schauplätze, menschliche und politische Verwicklungen und ... ein großes, mystisches Geheimnis.

Wenn es gelänge, den bisher hohen Unterhaltungsfaktor bis zum hoffentlich weit entfernt liegenden Spielende zu bewahren, dann könnte ein edler Klassiker daraus werden.

 

 

adventurearchiv - 26-11-09

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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