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Lost in Time


Erscheinungsdatum:1993
Entwickler: Coktel Vision
Publisher: Sierra




Spielsprache: englisch, Handbuch und Untertitel deutsch

Boxshots

Biografie Muriel Tramis (Entwicklerin)

 

ESRB/PEGI: keine Einstufung

 

 


Ein Review von   André   11. Mai 2007

 

Das Adventure Lost in Time von Coktel Vision/Sierra ist von 1993 und ziemlich in Vergessenheit geraten, was vor allem daran liegen dürfte, dass es im Gegensatz zu vielen anderen auch heute noch Windows-tauglichen Spielen der Firma nur unter reinem Dos läuft. Auch bei mir fristete das Spiel schon seit vielen Jahren ein Schattendasein als eines der vielen ungespielten Adventures in meiner Sammlung – habe ich es wegen mangelnden Dos-Kenntnissen doch nie geschafft, es zum Laufen zu bringen. Bis jetzt! Denn neulich habe ich mich aufgerafft, mich erneut noch mal mit Dosbox, einem Emulationsprogramm für Dos-Spiele auseinander zu setzten. Dank kompetenter Anleitung war mein Bemühen dieses Mal mit Erfolg gekrönt. Und siehe da, der Aufwand hat sich alleine für dieses Spiel schon allemal gelohnt – denn Lost in Time ist auch heute noch ein wirklich spielenswertes Adventure.

 

Grafik

Pixelig ist es. Für heutige Verhältnisse erst einmal gewöhnungsbedürftig pixelig. Logisch – schließlich ist Lost in Time ja auch uralt. Aber das hat man schon nach kurzer Spielzeit vergessen. Denn ansonsten bietet es für ein Adventure von 1993 vieles, was heute noch recht aktuell wirkt. Lost in Time besteht aus vielen nur wenig animierten Bildern, in die kleine Filme integriert wurden. Klein deshalb, weil die meisten Filmchen in einem kleinen Fenster im Spiel laufen und oft nur einige Sekunden dauern. In den Filmen wurden Darsteller in die künstliche Spielwelt integriert. Gezeigt werden z.B. Handlungen unserer Protagonistin, etwa wenn sie Gegenstände aus unserem Inventar anwendet.

Es gibt aber auch ein paar längere im Vollbild präsentierte Videos. Damit ist Lost in Time im Endeffekt ein frühes FMV-Adventure (Full Motion Video-Adventure), ein Subgenre, welches mit weiteren Spielen der rührigen Firma Sierra (oder auch Access u.a.) in den Jahren danach zur Perfektion gebracht wurde. Ebenfalls für die damalige Zeit fortschrittlich wirken die mehr oder weniger flüssig animierten Übergänge beim Gehen von Bild zu Bild wie etwa bei Atlantis II.

Aber die hohe Qualität zeigt sich wie bei so vielen Sierra-Spielen auch anhand der vielen Details. Es gibt ein Tagebuch in welchem die Fortschritte nachzulesen sind. Hier kann man auch schon bereits gelaufene Filme noch einmal anschauen. Weiter gibt es eine Karte, auf der alle verfügbaren Orte sofort erreichbar sind sowie ein Joker-System. Man hat drei Joker, also quasi dreimal die Möglichkeit auf Hilfestellungen zurückgreifen zu können. In Zeiten, in denen man zwecks Besorgens einer Lösung noch nicht „mal eben schnell" ins Internet gehen konnte, war man sicher dankbar wegen der Joker und hat bestimmt nur im äußersten Notfall auf diese zurückgegriffen.

 

Sound

Ebenfalls noch nicht Standard war die Sprachausgabe, vor allem nicht in solch einer Professionalität. Es gibt noch keine deutsche, sondern „nur" englische Sprachausgabe, da es zu der Zeit noch nicht üblich war, englische Spiele zu synchronisieren. Dabei finde ich es aber erstaunlich, dass Sierra es damals schon mit den deutlichen Sprechern und der großen und gut lesbaren Schrift geschafft hat, dass ich mich sowohl auf die deutsche Schrift, als auch auf die englische Sprachausgabe konzentrieren konnte. Eine Aufgabe, welche die Macher des letzten CSI-Adventures erst 2006 noch mit den winzigen, viel zu schnell weggeblendeten Untertiteln völlig in den Sand gesetzt haben. Auch der Sound ist kein monotones Digital-Gefiepe einfacher sich wiederholender Tonfolgen, wie es oft noch üblich war, sondern besteht schon aus verschiedenen ansprechenden und zur jeweiligen Situation passenden Begleitmusiken.

 

Installation

Lost in Time läuft wie gesagt nur unter reinen Dos oder in der Dosbox – einem Emulationsprogramm, welches es ermöglicht, für Dos programmierte Spiele unter Windows zu spielen. Wobei ich an der Stelle noch einmal darauf hinweisen möchte, dass die ein-zwei Stunden, die ich gebraucht habe, das Programm zu verstehen, wirklich sehr gut investiert waren. Denn wenn man das Prinzip des eigentlich einfach zu händelnden Programms einmal verstanden hat, ist es wirklich nicht schwer, fast alle der sogenannten „Dosspiele" relativ problemlos unter Windows zum Laufen zu bekommen.

Das heißt aber nicht, dass Lost in Time völlig fehlerfrei lief. Viele der langen Zwischensequenzen hängten sich auf - teilweise mehrmals! So musste ich das Spiel zwischendurch immer wieder mit Alt + Tab beenden und neu starten.

 

Handlung

In dem Spiel geht es, wie der Name schon andeutet, um das dankbare und ergiebige Thema Zeitreisen. Die Geschichte ist sehr umfangreich, soviel sei verraten. Jedoch kann ich diese nur anreißen, um nichts vorwegzunehmen, da es kein Intro gibt und man die Handlung nach und nach während des Spiels erfährt. Wir sind Doralice, eine junge, eigentlich in den 90ern des letzten Jahrtausends lebende Frau und wachen in einer Bilge, also unter Deck eines alten Piratenschiffs auf, nicht wissend, wie wir dort hin gekommen sind. Beim Durchforschen der Umgebung stoßen wir auf einen weiteren Raum und können Kontakt mit dem Sklaven Yoruba aufnehmen. Der erzählt uns, dass er in seiner Heimat ein Magier und Hüter eines Schatzes ist. Er wurde gefangen genommen und an Board gebracht, da er ein heimliches Verhältnis mit der Frau seines Herrn Jarlath angefangen hat. Yoruba will sich umbringen, jedoch kann Doralice ihn im letzten Moment davon abhalten. Das ist nur die Ausgangssituation und es passiert noch viel mehr, allerdings möchte ich darüber wie gesagt nichts verraten. Nur soviel: Die Geschichte ist auf jeden Fall sehr spannend erzählt. So treffen wir auf den Zeitpolizisten Melkior und lernen unseren Gegner, einen Dieb, der durch die Zeit reist, kennen. Dynamik bekommt die Story durch die verschiedenen Zeiten. Schon bald kommt die erste Rückblende - wir spielen in der Vergangenheit und erfahren, wieso wir an Board gekommen sind und uns jetzt in dieser brisanten Situation befinden.

 

Rätsel

In Lost in Time gelangen wir nacheinander zu sehr vielen Orten. Dort wo wir uns gerade aufhalten, haben wir immer nur eine begrenzte Zahl an Bildern zur Verfügung. Das heißt, anfangs sind wir auf dem Gelände unseres Hauses, wo wir die nähere Umgebung erkunden können, dann auf einem Schiff usw.. Dadurch wird Lost in Time ziemlich linear und nicht allzu kompliziert oder gar unübersichtlich. Der ersten Eindruck, der dadurch entstehen könnte, dass es sich bei Lost in Time um ein leichteres Adventure handeln könnte, relativiert sich aber mit der Zeit. Meistens ist praktisches Handeln gefragt. Man muss also sinnvoll Dinge benutzen. Das Schwierigste am Spiel ist, wenn man die teilweise abwegigsten Gegenstände miteinander kombinieren muss. Nun ja, viel mehr muss man bei Lost in Time auch gar nicht machen. Ab und zu gibt es ein paar Zahlencodes und gegen Ende des Spiels müssen wir auch mal schnell handeln. Dabei kann es auch zum Game Over kommen.

 

Handhabung

Gesteuert wird Lost in Time mit der Maus in 1st-Person-Sicht bis auf die Filmszenen. Das heißt, die Handhabung funktioniert wie die meisten Adventures von Sierra einfach und problemlos. Es gibt verschiedene Pfeilcursor, welche die Richtung und Hotspots, die Gegenstände oder Personen anzeigen. Bewegt man den Cursor zum oberen Bildschirmrand, erscheint eine Leiste, die Speichern und Laden, das Tagebuch, die Landkarte zum direkten Wechseln der Orte, das Inventar sowie ein, zwei weitere Funktionen beinhaltet. Beachten sollte man nur, dass man relativ oft auch zwei Gegenständen innerhalb des Inventars miteinander kombinieren muss. Hierbei nimmt man einen Gegenstand aus dem Inventar mit der linken Maustaste heraus, geht mit diesem direkt wieder ins Inventar hinein und benutzt diesen dann mit dem gewünschten Objekt. Man kann so viele Speicherstände anlegen, wie man möchte und diese wahlweise selber beschriften. Eine Reglung für Sprachausgabe und Musik gibt es nicht.

 

Fazit

Iris Berben sagte neulich in einem Interview, dass sie sich mit dem Altern einfach etwas Zeit ließe. Recht hat sie. Und was auf Frau Berben zutrifft, kann man auch auf das Spiel übertragen. Denn anhand von Lost in Time zeigt sich mal wieder, dass wirklich gute Adventures anscheinend ebenfalls recht zeitresistent sind. Zwar geht es in dem Adventure noch recht pixelig zu – die Auflösung war damals bekanntlich so. Ansonsten bietet das Spiel aber von flüssigen Übergängen und Drehungen beim Laufen von Bild zu Bild bis hin zu vielen kleinen Videosequenzen alles, was ein solides und abwechslungsreiches Adventure ausmacht. Die Story ist ebenfalls spannend erzählt, was nicht zuletzt an der Zeitreisethematik liegt. Manchmal erscheint es ein wenig abwegig, welche Gegenstände miteinander kombiniert werden sollen. Bei den meisten Rätseln ist aber durchaus praktisches und logisches Denken gefragt, und so machen die überwiegend gut lösbaren Rätsel wirklich Spaß. Was unter dem Strich übrig bleibt, ist ein Spiel, welches mich auch heute noch ziemlich fesseln konnte. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das

 

 

Wertung: 78 %

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

Minimale Systemanforderungen:

  • 3,5"-Disketten-Laufwerk
  • AT 286/16 MHz Prozessor oder höher
  • mindestens 9 MB auf der Festplatte
  • MS kompatible Maus
  • VGA Videokarte 256 Farben
  • Soundblaster kompatible Soundkarte oder Adlib

 

Gespielt unter:

  • Win XP mit DosBox
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

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Das Anfangsbild
Das Anfangsbild

Auf diesem Schiff sind wir gefangen
Auf diesem Schiff sind wir gefangen

Da ist doch wer - Mal ein wenig Mäuschen spielen...
Da ist doch wer - Mal ein wenig Mäuschen spielen...

 

... tatsächlich!
... tatsächlich!

 

Yoruba ist müde
Yoruba ist müde

 

Das Speichern funtionierte 1993 nicht anders als heute
Das Speichern funtionierte 1993 nicht anders als heute

So sehen wir aus!
So sehen wir aus!

 

Mit der Karte kommt man auch an Bord direkt zu den einzelnen Orten Orten
Mit der Karte kommt man auch an Bord direkt zu den einzelnen Orten

 

In kleinen Filmen sieht man sein Handeln
In kleinen Filmen sieht man sein Handeln

 

Im  Tagebuch kann man sich wichtige Sequenzen noch einmal anschauen
Im Tagebuch kann man sich wichtige Sequenzen noch einmal anschauen

 

Es steht ein Pferd vor dem Tor ...
Es steht ein Pferd vor dem Tor ...

Der Eingang zu einem seltsamen Gebäude
Der Eingang zu einem seltsamen Gebäude

 

Eine erste Begegnung mit Melkior
Eine erste Begegnung mit Melkior

 

Ein erster Blick auf das alte Gemäuer
Ein erster Blick auf das alte Gemäuer

 

Der Garten hinter dem Haus
Der Garten hinter dem Haus

 

Yoruba wurde gefangen genommen
Yoruba wurde gefangen genommen


 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 11. Mai 2007

 

 

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