Ein mysteriöser Flugzeugabsturz, eine einsame Insel voller
Geheimnisse, ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen, jeder von ihnen mit einer mehr
oder weniger dunklen Vergangenheit, namenlose Bedrohungen, eine unterirdische Anlage
das sind, in aller Kürze, die Zutaten, aus denen die erfolgreiche TV-Serie
Lost" zusammengemixt wurde. Nach vier Staffeln und jeder Menge Preisen war
klar: Ein Spiel muss her. Und so erobert Lost" nach den TV-Bildschirmen in
Gestalt eines Adventures auch die PC-Monitore. Der Aufgabe angenommen hat sich Ubisoft,
Publisher der Myst"- und CSI"-Spiele, ansonsten aber stark
spezialisiert auf alles, was mit Action und Strategie zu tun hat. Kriegt Ubisoft also ein
Adventure hin, das den Ansprüchen der Community gewachsen ist? Ich habe versucht, das
herauszufinden.
Installation/Technisches/Aufmachung
Lost" gibt sich in Punkto Verpackung minimalistisch: Man
begnügt sich mit einer simplen DVD-Box, in welcher wir neben der Spiel-DVD auch ein knapp
gehaltenes Handbuch finden, dem etwas mehr Farbe und genaueres Korrekturlesen gut getan
hätten. Das Handbuch gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten Charaktere im
Spiel und macht uns mit der Steuerung bzw. dem Gameplay vertraut, ohne dabei aber zu sehr
in die Details zu gehen. So wird z.B. zwar erklärt, dass man bestimmte
Inventargegenstände ausrüsten" muss, um sie benutzen zu können, nicht aber,
wie man dabei vorzugehen hat bzw. ob und wie Inventargegenstände untereinander kombiniert
werden können. Etwas mehr Ausführlichkeit wäre hier wünschenswert gewesen.
Bei der Installation des Spiels hat man die Möglichkeit, eine
Sprache zu wählen; insgesamt stehen fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch,
Spanisch, Italienisch) zur Verfügung, man kann seine Auswahl auch noch jederzeit während
des Spiels über das Setup ändern. Der Installationsbildschirm erinnert noch einmal an
die nicht zu knappen Systemanforderungen, während des Setups dürfen wir verschiedene
Bilder der Insel und des Flugzeugwracks bewundern. Die Installation braucht insgesamt ihre
Zeit, verläuft dabei aber reibungslos. Zusätzlich zum Spiel wird das bereits aus
Sherlock Holmes: Die Spur der Erwachten" bekannte Ageia PhysX installiert, nach
der Installation öffnet sich ein Browserfenster zwecks Registrierung des Produkts. Mein
Browser hat die Website flugs blockiert, weil ihm das Sicherheitszertifikat nicht
authentisch genug war; die Registrierung ließ sich aber trotzdem durchführen. Jetzt kann
aber endlich gespielt werden, oder? Fehlanzeige: Denn zuerst wird noch ein Systemcheck
durchgeführt, um sicherzustellen, dass der Computer auch alle Anforderungen erfüllt
und die sind bei Lost" enorm: Obwohl mein Rechner allen Anforderungen
gerecht wird, musste ich die Grafikdetails auf das absolute Minimum herunterschrauben und
zudem hochauflösende Texturen deaktivieren. Erst dann war es mir möglich, halbwegs
flüssig zu spielen. Dennoch musste ich bei manchen Befehlen regelrecht auf die Tastatur
einhämmern (Minimum: fünfmaliges Drücken der entsprechenden Taste), ehe das Spiel meine
Eingaben umgesetzt hat; da kann ein Tausch von Gegenständen schon mal ein paar Minuten in
Anspruch nehmen. Dass sich diese Langsamkeit auch negativ auf den Spielspaß auswirkt,
muss nicht extra betont werden. Eine endgültige Lösung für die technischen
Schwierigkeiten habe ich nicht gefunden; es scheint, als wäre Lost" mit einer
integrierten Grafikkarte, die Arbeitsspeicher vom Prozessor borgt", selbst dann
nur schwer spielbar, wenn diese Grafikkarte eigentlich den Anforderungen entspricht.
Story
Die streng lineare Handlung des Spiels benutzt die Handlung der
Fernsehserie als Gerüst und gliedert sich in insgesamt sieben Episoden, die jeweils mit
dem Lost"-Logo und einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse
eingeläutet werden. Hat man eine Episode abgeschlossen, so ist diese über das Hauptmenü
des Spiels frei anwählbar, d.h. man kann jede einzelne Episode auch losgelöst vom
Gesamtspiel noch einmal in Angriff nehmen. Der Wiederspielwert ist aufgrund der linearen
Handlung aber äußerst gering und wird nur unwesentlich durch zusätzliche Aufgaben bzw.
freischaltbare Extras erhöht.
Wir steuern einen zu Beginn namenlosen Mann den Namen
herauszufinden ist Teil eines Rätsels, daher möchte ich an dieser Stelle nichts verraten
, der bei dem Absturz sein Gedächtnis verloren hat; seine Mission ist es, seine
Identität zu klären und einen Weg von der Insel zu finden daher auch der
Untertitel Via Domus", also grob übersetzt der Weg nach Hause".
Dabei muss er sich seiner eigenen düsteren Vergangenheit stellen, was auch nicht
unbedingt wünschenswert scheint, denn wenn unserem Helden etwas fehlt, dann sind das
Integrität und Moral. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber: Es gibt durchaus
sympathischere Zeitgenossen als diesen Gestrandeten, und zumindest bei mir hat sich,
nachdem ich sein Geheimnis gelüftet hatte, echter Widerwille eingestellt, diesem Kerl
auch noch zu helfen.
Auf der Insel trifft unser namenloser Held einige Charaktere aus der
TV-Serie (bei weitem nicht alle, soweit ich das beurteilen kann), und hier ist es schon
hilfreich, wenn man zumindest ein paar Episoden gesehen hat und so schneller merkt, wer
Freund oder Feind sein könnte. Nicht-Eingeweihten hingegen werden sich manche Dinge wohl
nicht erschließen, etwa, warum das Flugzeugwrack von einer Episode zur nächsten
verschwindet. Rätselhaft auch, wieso die geheimnisvolle Luke so schnell gefunden und
gesprengt wird oder wie es den Gestrandeten gelungen ist, die Geheimnisse der Luke so
rasch zu entschlüsseln die gesamte Handlung scheint im Zeitraffer abzulaufen,
Anspielungen ergeben oft keinen Sinn, wenn man die Serie nur vom Hörensagen kennt. Aber
auch Lost-Fans werden mit der extremen Straffung des Seriengerüsts vielleicht nicht
unbedingt ihre Freude haben.
In Gesprächen, anhand von Rückblenden und durch die Erkundung der
Insel gilt es, die eigene Vergangenheit zu konfrontieren, während man gleichzeitig
versucht, den Anderen" zu entgehen. Dass unser Held sich nicht so einfach ein
Floß bauen und das Weite suchen kann, ist klar; er muss schon ordentlich was tun, um sein
Ziel zu erreichen, und ganz ungefährlich sind seine Missionen nicht.
Das alles hört sich zunächst sehr spannend an, wurde aber nur
mäßig umgesetzt, da man sich darauf verläßt, dass die Spieler mit der Serie bestens
vertraut sind. Die kurzen Gastauftritte der Serienhelden verleihen ihren Persönlichkeiten
keine Konturen, dem Spiel keine Tiefe. Die Gespräche mit ihnen sind in vielen Fällen
sinnlos und unergiebig, die Figuren bleiben blass, viele Dialoge sind optional und
verzichtbar. Mit manchen Charakteren kann man überhaupt nur ein- oder zweimal sprechen,
ehe sie einfach verschwinden. Andere wiederum entpuppen sich als unverzichtbare Helfer auf
der Insel, werden dabei aber mehr oder weniger zu Stichwortgebern bzw. Statisten
degradiert. Irgendwann fragt man sich auch, ob diese Personen alle schon länger als man
selbst auf der Insel sind, da sie offensichtlich ausgerüstet mit ihrem
Serienwissen" oder bedingt durch den erwähnten Zeitraffer"-Modus
mehr über die Insel und die Vorgänge darauf wissen, als man selbst. Das ist zwar
insofern hilfreich, als sie einem immer wieder nützliche Hinweise geben können, aber es
wirkt auch etwas eigenartig, um nicht zu sagen unrealistisch.
Vor allem im späteren Spielverlauf kommt man ohne Serienwissen nur
noch schwer zurecht. Etwaige Handlungslücken muss man selbst stopfen. Der Schluss wirft
zudem mehr Fragen auf, als er beantwortet; rege Diskussionen in einschlägigen Foren sind
also gewiss. Storytechnisch hätte man auf Nicht-Lost"-Seher Rücksicht nehmen
können. So wird aber klar, dass das Spiel auf die genau definierte Zielgruppe der
Lost"-Fans zugeschnitten ist.
Steuerung
Man merkt, dass Lost" für die Konsole konzipiert ist:
Wir steuern unseren Helden entweder mit der Tastatur oder via Gamepad, wobei die
Standardeinstellung für das Gamepad eine einzige Katastrophe ist man tut also gut
daran, die Tasten nach eigenem Gusto zu belegen, oder man greift auf die Tastatursteuerung
zurück, die nach einer kurzen Gewöhnungsphase durchaus erträglich ist da gibt es
weitaus Schlimmeres. Mit den Tasten WASD und der Umschalttaste lassen wir unseren Helden
laufen bzw. rennen, Interaktionen und Gespräche sind entweder per Leertaste oder über
die Eingabetaste möglich.
Die entsprechenden Hotspots werden schriftlich auf dem Bildschirm
angezeigt, sobald man sich ihnen nähert; zusätzlich gibt uns das Spiel eine kleine
Hilfestellung, mit welcher Taste wir z.B. einen leeren Koffer untersuchen oder mit einem
anderen Charakter sprechen können. Diese Funktion wurde netterweise auch in den Rätseln
beibehalten, sodass sich die Verwirrung darüber, was nun genau wie zu tun ist, doch sehr
in Grenzen hält. Schalttafeln und davon gibt es in Lost" mehr als genug
werden ebenso wie zu fotografierende Ausschnitte in voller Größe angezeigt. Im
Kameramodus also wenn wir etwas fotografieren müssen, um einen Flashback
auszulösen oder um ein Extra freizuschalten navigieren wir ebenfalls mit der
Tastatur, allerdings mit den Pfeiltasten. Auch hier ist das Spiel so nett, uns optisch
unseren Erfolg zu beschreiben und welche Tasten welche Funktionen auslösen. Man muss sich
insgesamt nur wenige Befehle merken und kann frisch und fröhlich drauflos spielen.
Die Maus bleibt bei Lost" nicht gänzlich untätig: Man
kann sie benutzen, um die Kamera zu steuern bzw. den Charakter zu drehen. Wer
beispielsweise schon mal Gothic 2" gespielt hat, wird hier keine Probleme
haben. Im Grunde braucht man, wenn man das erst einmal beherrscht, nur noch die W-Taste,
um vorwärts zu laufen, während man den Charakter mit der Maus in die gewünschte
Richtung dirigiert.
Hin und wieder ändert sich die Perspektive zwar etwas gar schnell
und kommt man unserem Helden zu nahe, wird er durchsichtig , wirklich
verlaufen kann man sich aber selbst im dichtesten Dschungel oder in einem verwinkelten
Höhlensystem nicht zumindest nicht hoffnungslos. Dafür sorgt nämlich unser
namenloser George Clooney für Arme selbst: Sobald man ihn zu oft in die falsche Richtung
bugsiert hat, gibt er uns einen entsprechenden Hinweis; außerdem erscheint ein kleines
Fenster, in dem wir gefragt werden, ob wir den eingeschlagenen Weg beibehalten oder noch
mal neu starten wollen. In letzterem Fall wird man an den letzten Checkpoint katapultiert.
Meist ist der Weg auch vorgegeben; im erwähnten Höhlensystem kann man nur in eine
Richtung gehen. Es besteht also keine Gefahr, sich hoffnungslos zu verirren ein
Feature, für das ich als bekennende Labyrinth-Hasserin sehr dankbar war. So schnell habe
ich ein Höhlensystem in einem Adventure noch nie durchquert
Apropos durchqueren: Manchmal ist es nicht nötig, den Dschungel
neuerlich zu durchqueren, etwa, wenn man vom Dschungel an den Strand geschickt wird oder
zurück. Man läuft einfach so lange, bis man einen Checkpoint erreicht; das Spiel fragt
dann automatisch nach, ob man im Dschungel bleiben oder zurück an den Strand gehen
möchte. Diese Funktion ersetzt in gewisser Weise eine Karte; dennoch bleiben einem
längere Läufe nicht gänzlich erspart. Gut, das hat auch durchaus einen Sinn, denn gäbe
es diese Dschungelprüfungen" nicht, wäre das Spiel noch um einiges kürzer
geraten.
Wahlweise per Maus oder Tastatur kann man im Notizbuch des
Charakters blättern oder im Haupt- bzw. Pausenmenü sowie im Inventar den gewünschten
Punkt bzw. Gegenstand auswählen.
Dem Inventar wurde die Taste I zugewiesen, mit der Maus kann man
durchs Inventar navigieren und via linker Maustaste auch eine Aktion ausführen,
beispielsweise einen Gegenstand auswählen. Die Inventargegenstände lassen sich
untereinander nicht kombinieren; es reicht, z. B. eine Fackel anzuwählen, um sie
anschließend (bei geschlossenem Inventar) per Druck auf eine vorgegebene Taste zu
aktivieren. Das ist ziemlich praktisch, wird aber leider im Handbuch nicht hinreichend
erklärt.
Per Rechtsklick oder Rückstelltaste wird eine Aktion wieder
abgebrochen das funktioniert übrigens auch bei Aktionen außerhalb des Inventars.
Warum man hier die Option der Maussteuerung nur halbfertig eingebaut hat, ist mir
schleierhaft; da sich sämtliche Aktionen ohnehin mit der Tastatur erledigen lassen, ist
der Griff zur Maus nicht wirklich notwendig. Allerdings reagiert sie oftmals etwas
schneller als die Tastatur, etwa, wenn man ein Menü wieder verlassen oder ein Gespräch
beenden möchte.
Über Esc gelangt man ins Pausenmenü; hier kann man Sprach- und
Grafikoptionen regeln (allerdings nur grob, die Feinarbeit ist nur kurz vor Spielstart in
einem separaten Menü möglich), Untertitel zu- oder abschalten, das Spiel verlassen oder
fortsetzen bzw. vom letzten Checkpoint aus spielen. Es empfiehlt sich, so lange zu
spielen, bis man eine Aufgabe oder Episode abgeschlossen hat oder zwischen zwei Bereichen
wie Strand und Dschungel wechselt; denn nur dann wird gespeichert, und zwar automatisch.
Das ist ein für Konsolenspiele, aber auch für manche Egoshooter typisches Feature, das
Adventure-Puristen irritieren dürfte; die einzelnen Aufgaben sind jedoch nicht besonders
groß, sodass man im Fall des Falles nicht allzu viel wiederholen muss. Einziges Manko
dabei: Man kann bereits gehörte Gespräche nicht abbrechen und muss gegebenenfalls auch
Tauschaktionen wiederholen.
Gewöhnungsbedürftig ist dieses Speichersystem auf jeden Fall
ich mag es einfach, wenn ich ohne Zwang jederzeit an von mir gewählten Stellen
speichern und auch laden kann. Beim Konsolenkonzept wäre ein anderes Speichersystem
jedoch gar nicht möglich; Konsolen haben eben nicht so viel Speicherplatz wie ein gut
ausgerüsteter PC, und so findet man unter Eigene Dateien/Lost Via Domus" auch
immer nur ein einsames Savegame, das flugs überschrieben wird, sobald man einen neuen
Speicherpunkt erreicht hat.
Geladen wird ein Spielstand, indem man im Hauptmenü
Fortsetzen" anwählt; das Spiel setzt dann an einer Stelle unmittelbar hinter
dem letzten Speicherplatz ein. Ehe man loslegen kann, muss man sich noch eine kurze
Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse anschauen. Eine sehr hübsche Idee, die aber
nach mehreren Game Overs nervt, da man diese kurzen Filmchen nicht abbrechen kann
ebenso wenig wie die Firmenlogos zu Beginn oder bereits gehörte Gespräche. Da muss man
leider durch.
Grafik/Sound
Die Grafik bei Lost" kann sich auch dann noch sehen
lassen, wenn man wie ich die Details auf das absolute Minimum reduzieren musste wie
die Insel und die Charaktere bei vollen Details aussehen, kann man sich insofern sehr gut
vorstellen. Da wurde auf Fältchen in den Gesichtern der Figuren und auf einigermaßen
realistische Mimik geachtet, da bewegen sich Zweige und Farne im leichten Wind, da raucht
es aus dem Flugzeugwrack, Wasser wirft sanfte Wellen, in denen sich das Licht bricht, die
Licht- und Schatteneffekte sind hervorragend gelungen, die Bewegungen der Figuren sind
flüssig, die Konturen rund und proportional passend grafisch ist Lost"
sicherlich ein Highlight, und insofern sind die hohen Systemanforderungen auch wieder
gerechtfertigt.
Zwar sind die PC-Alter-Egos der Serienstars nicht immer eins zu eins
gelungen, aber selbst für relativ Serienfremde wie mich erkennbar. Bei den Schauplätzen
kommt dank der Flashbacks keine Langeweile auf, und auch auf der Insel selbst gibt es
genügend zu entdecken man darf Höhlen erforschen, in Wracks herumklettern oder
unterirdische Anlagen durchstöbern. Für reichlich Abwechslung ist also gesorgt. In
Punkto Grafik kann man dem Spiel wenig vorwerfen (ein paar Tiere Schmetterlinge,
Vögel, irgendwas im Dschungel wären allerdings nett gewesen, um die Szenerie
zusätzlich zu beleben), und auch soundtechnisch wurde sehr auf Qualität geachtet.
Sollte man während des sehr schön gemachten Eröffnungsfilms oder
während der Zusammenfassungen keine Dialoge hören, dann liegt das übrigens an der
Standard-Einstellung im Optionsmenü. Die Lautstärke muß dort auf Maximum gestellt
werden. Nur dann bekommt man auch die sehr schöne Geräuschkulisse zu hören, die von
plätscherndem Wasser über raschelnde Gräser bis hin zu hektischem Atmen, Herzklopfen
und Schüssen sowie Explosionen und Schritten reicht. Laufen wir durch Gras, dann klingt
das anders als ein Gang durchs Wasser oder auf Betonboden. Dieser Realismus gefällt. Zwar
sieht man kaum andere Lebewesen im Dschungel, die lebhafte Geräuschkulisse vermittelt
aber das Gefühl, nicht allein zu sein, was zur Atmosphäre des Spiels natürlich
beiträgt. Die Musik ist ebenfalls äußerst gut gelungen und sorgt im richtigen Moment
für Spannung.
Für die aus der Serie bekannten Figuren wurden die deutschen
Synchronsprecher engagiert, was Kenner entzücken dürfte. Auch die Stimme unseres
namenlosen Hauptdarstellers ist gut gewählt und sehr angenehm wenn man sie denn
mal zu hören kriegt, denn aus unerfindlichen Gründen werden eigene Dialogzeilen von
unserem Helden nicht gesprochen. Das ist höchst irritierend und außerdem unnötig, denn
so viel wird nun auch wieder nicht parliert, als dass das eine unzumutbare Belastung für
den Synchronsprecher gewesen wäre. Die Sprecher beenden ihre Sätze schneller als ihre
virtuellen Charaktere deren Münder bewegen sich in der Regel noch, wenn ein Satz
schon längst beendet wurde. Das mag daran liegen, dass ich Lost" nur mit
minimalen Einstellungen spielen konnte. Ob das Problem auf einem (noch)
leistungsstärkeren Computer bestehen bleibt oder dann tatsächlich lippensynchron
gesprochen wird, konnte ich leider nicht testen.
Rätsel
Die Rätsel
ach ja, die Rätsel in Lost", das ist
so ein Kapitel für sich
Sagen wir mal so: Wer sich von diesem Spiel klassische
Adventure-Rätselkost im Sinne von Nimm alles, was du kriegen und tragen kannst,
benutze alles mit allem und jedem und vor allem dein Gehirn" erwartet, wird
enttäuscht werden. Zwar gibt es ein Inventar, dieses besteht aber am Ende der ersten
Episode lediglich aus zwei Wasserflaschen und mehreren Kokosnüssen; sowohl Wasser als
auch Kokosnüsse, später auch Papayas, Bier, Konserven oder Schokoriegel, lassen sich bei
anderen Charakteren gegen nützliche Dinge wie Fackeln, Sicherungen (die braucht man auch
auf einsamen Inseln) oder eine Waffe eintauschen. Für etwas anderes braucht man das
Inventar nicht.
Lobenswert: Unser Held macht keine Zicken, wenn er etwas aufheben
oder ausprobieren soll es gibt nämlich keine großartigen Alternativen. Entweder
er kann etwas aufheben oder betätigen oder eben nicht, und das wird durch die
Hotspot-Hilfe von vornherein angezeigt. Dadurch entfallen Pixelhunting und einfallslose
Kommentare eines Spielcharakters, der eine Aktion partout nicht ausführen will. Unser
Held gibt sich diesbezüglich sehr pragmatisch: Er steckt alles ein, was geht (wenn das
Inventar voll ist, wird uns das durch eine kurze Nachricht angezeigt) und tauscht
Gegenstände kommentarlos mit anderen Charakteren. Kein Gegenstand ist so wichtig, dass
man ihn nicht tauschen könnte mit Ausnahme von sechs Objekten, die in gesonderten Slots
im Inventar untergebracht werden. Diese sind für einen Tausch aber auch gar nicht erst
anwählbar; man kann also nichts falsch machen.
Im Logbuch erscheinen regelmäßig die zu lösenden Aufgaben,
beispielsweise Folge dem Hund zum Strand" oder Stopfe das
Treibstoffleck". Solche Aufgaben sollten geübten Adventurespielern keine Probleme
bereiten. Das Logbuch beinhaltet außerdem die Erinnerungen des Hauptcharakters und
Hilfestellungen zu einzelnen Problemen. Der Schwierigkeitsgrad bleibt über alle sieben
Episoden konstant und ist leicht bis maximal mittel. Echte Kopfnüsse findet man im
einfallslosen, repetitiven Rätseldesign nicht.
Einen Großteil der Rätsel machen lustige Schalttafeln aus, in die
man Sicherungen einbauen muss, um so den Stromfluss zu regulieren. Übertrieben schwierig
sind diese Aufgaben nicht lediglich nach einer Weile etwas unoriginell. Sie sind
für Lost" in etwa das, was das Kistenschieben für Baphomets Fluch
Der schlafende Drache" war, und nein, das war kein Kompliment an den
Einfallsreichtum der Entwickler, auch wenn man dadurch kein Trauma davontragen wird; bei
den Baphometschen Kisten bin ich mir da noch immer nicht so sicher, aber das ist
eine andere Geschichte.
Die passenden Relais oder Sicherungen liegen zuhauf herum bzw.
können auch bei bestimmten Charakteren eingetauscht werden. Den Schalttafeln sind in den
meisten Fällen Hinweise beigefügt, wie hoch oder niedrig die Stromspannung am Ende sein
muss wenn man dann noch Addieren und Subtrahieren nicht völlig verlernt hat, ist
man im Grunde aus dem Schneider. Um das Gehirn aber nicht komplett zu unterfordern, haben
die Entwickler lustige IQ-Tests am Computer eingebaut einen davon muss man unter
Zeitdruck erledigen, was schon für etwas Stress (Game Over) sorgen kann.
Eine Besonderheit sind bei Lost" Fotos, mit deren Hilfe
man Flashbacks auslösen muss. Der Hauptcharakter wird mit Erinnerungsfetzen konfrontiert,
die er nach und nach wie ein Puzzle zusammensetzen muss. Die Kamera wechselt dann in den
Fotografier-Modus; mit Hilfe der Pfeiltasten und der Maus muss man im nachfolgenden
Filmchen den richtigen Zeitpunkt und die richtige Szene auswählen, wobei man auf Zoom und
Schärfe achten muss. Das klingt komplizierter, als es ist, denn man bekommt bereits
vorher Hinweise darauf, wie das fertige Erinnerungsfoto aussehen könnte. Zusätzlich
erhalten wir audiovisuelle Hilfen zu den Einstellungen. Man kann sich bei diesen Aufgaben
soviel Zeit lassen, wie man will. In den zusammengesetzten Erinnerungen sind zuweilen auch
Aktionen bzw. kurze Gespräche möglich; man tut gut daran, sich auch in diesen Sequenzen
genau umzusehen, um keine Hinweise zu verpassen, die Aufschluss über die Vergangenheit
unseres Helden geben. Man verlässt die Flashbacks für gewöhnlich, nachdem man mit einem
anwesenden Charakter kurz gesprochen hat.
Manchmal kann unser Held auch interessant erscheinende Gegenstände
oder Begebnisse auf Film bannen (er gibt dann einen entsprechenden Hinweis wie Das
wäre doch ein Foto wert", nur um sich anschließend darüber auszulassen, was für
ein Teufelskerl er ist, weil er im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt hat);
dadurch werden Extras in Form von Informationen freigeschaltet. Dummerweise wird einem
nicht gesagt, welche Extras man gerade freigeschaltet hat, ob diese spielrelevant sind und
so erkennt man den Sinn dieser Fleißaufgaben nicht. Die gefundenen Extras werden in einem
Unterpunkt des Hauptmenüs aufgelistet. Vermutlich wurden diese leicht zu bewältigenden
Neben-Quests eingebaut, um dem Spiel etwas mehr Spannung und Tiefe zu verleihen. Aber wenn
man grade um sein Leben läuft, hat man nicht unbedingt Muße, im Dschungel nach, sagen
wir, einem Wrack zu suchen, denn man kann diese Passage auch so bewältigen und das Wrack
sprichwörtlich links liegen lassen. Man kommt also auch weiter, wenn man sich auf das
Allernötigste beschränkt (in diesem Fall: am Leben zu bleiben). Insofern ist natürlich
schon ein gewisser, wenn auch nicht besonders hoher Wiederspielwert gegeben.
Actioneinlagen
Zusätzlich gibt es Actioneinlagen, die sich meist relativ leicht
bewältigen lassen, manchmal aber auch etwas Übung und Geschicklichkeit erfordern. Die
berüchtigte schwarze Wolke etwa lässt sich z.B. durch Verstecken umgehen. Lediglich wenn
man Dynamit bei sich trägt, sollte man auf keinen Fall rennen, schwarze Wolke hin oder
her, denn sonst macht es kabumm" und man endet als menschliches Puzzle. Diese
spezielle Sequenz ist vor allem eines: nervig und obendrein ein hervorragendes Beispiel
dafür, wie man Actioneinlagen nicht umsetzen sollte. Haben die lieben Menschen bei
Ubisoft denn nie Baphomets Fluch Der schlafende Drache" gespielt und
sich mit einer ähnlich nervigen Schleichsequenz unter Montfaucon geplagt? Gutes Gameplay,
Herrschaften, schaut anders aus, so aber ganz bestimmt nicht. Denn wenn die Steuerung
technisch bedingt ohnehin schon nicht ordentlich funktioniert, man obendrein nicht
sprinten darf und sich gleichzeitig auch noch im Dschungel orientieren muss, dann kriegt
einen die schwarze Wolke schneller, als man Lost" schreiben kann, auch dann,
wenn die Orientierung durch Hilfsmittel wie Markierungen an Bäumen oder Fähnchen etwas
erleichtert wird.
Mir drängte sich der Verdacht auf, dass derartige Sequenzen nur
eingestreut wurden, um die gerafft erzählte Story künstlich zu strecken. Ohne erschwerte
Fluchteinlagen könnte man nämlich auch die Herausforderung, eine Stange Dynamit von A
nach B zu transportieren, locker bewältigen. Lasst mich bitte einfach
rennen!", möchte man den Entwicklern stattdessen händeringend zurufen, nur um sich
irgendwann frustriert zu fragen, was sie sich um alles in der Welt bei diesem Murks
gedacht haben.
Rasant geht es in zwei Jump-and-Run-Einlagen zu, die einem gegen
Ende das Leben schwer machen. Man muss sich unter tief hängenden Ästen hinwegducken,
über rollende Steine, herabfallende Baumstämme und sonstige Hindernisse springen und
dabei einmal dem schwarzen Rauch, ein andermal Schüssen ausweichen letzteres
netterweise auch noch unter enormem Zeitdruck. Geübte Actiongamer dürften diese
Sequenzen beim ersten, spätestens beim zweiten Anlauf erledigt haben. Wer aber seine
Spiele hauptsächlich mit der Maus steuert und kein Freund von Action-Adventures ist, dem
wird hier vermutlich der eine oder andere Fluch über die Lippen kommen.
Wird auf einen geschossen, hilft meist ebenfalls eine flottere
Gangart und in Deckung zu gehen. Mit Dynamit sollte man aber auch hier lieber gemächlich
spazieren erstaunlicherweise passiert einem dabei trotz Schüssen eh nichts, was
nun wieder etwas unlogisch ist, aber gut, vielleicht hatte der Schütze einfach einen
schlechten Tag. Man hat übrigens auch die Option, sich zuvor eine Waffe zu besorgen
(vorausgesetzt, man verfügt über genügend Tauschgegenstände) und so das Problem des
feindlichen Angriffs auf aggressive Art, dafür aber endgültig, zu lösen. Ich habe die
Waffe nur gezählte drei Mal im letzten Drittel des Spiels benötigt; besonders
blutrünstig geht es in Lost" also nicht zu. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren
ist insofern völlig in Ordnung.
Gelegenheiten zum überraschenden und teilweise unverständlichen
Game Over gibt es einige. Ärgerlich ist es, dass man danach nicht unmittelbar an jener
Stelle wieder einsetzen kann, an der einem ein fataler Fehler unterlaufen ist (Ausnahme:
Das Spiel hat kurz vorher automatisch gespeichert). Nein, man darf unter Umständen noch
einmal mehrere Stadien durchlaufen, ehe man wieder an diesem Punkt angelangt ist. Auf den
Spielspaß wirkt sich das selbstredend alles andere als positiv aus.
Dialoge/Tauschen
Dialoge werden geführt, indem man sich einer Person nähert und
dann auf Enter" drückt. Dabei stehen einem mehrere Optionen zur Verfügung:
Man kann Sätze auswählen, die der Charakter zu seinem Gesprächspartner sagen soll; noch
nicht verwendete Sätze bzw. Themen werden dabei mit einem kleinen gelben Quadrat
gekennzeichnet. Man kann mit anderen Figuren aber auch Gegenstände aus dem Inventar
tauschen; auch das funktioniert über den Gesprächsmodus. Themen werden entweder per Maus
oder Pfeiltasten ausgewählt.
Zusätzlich kann man im Gesprächsmodus mit den Pfeiltasten von
Themen, die die aktuelle Aufgabe betreffen, zu allgemeinen Themen, ins Inventar oder in
den Tauschmodus wechseln. Die Pfeiltasten kontrollieren ebenfalls die Objektwahl im
Tauschmodus, man gibt noch die entsprechende Menge ein und sucht sich dann aus dem
Inventar des Gegenübers einen nützlichen Gegenstand. Dabei sollte man jedoch darauf
achten, dass die Tauschgegenstände denselben Wert haben; andernfalls fühlt sich das
Gegenüber über den Tisch gezogen und verweigert den Tausch.
Fazit
Lost" gibt sich redlich Mühe, als packendes Adventure
daher zu kommen, kann aber damit nicht so recht überzeugen. Es ist definitiv kein
Adventure im klassischen Sinn; dazu ist die Rätseldichte zu gering, dazu gibt es auch zu
viel Action. Ein reines Action-Adventure liegt aber auch nicht vor, da es doch immer
wieder Aufgaben zu bewältigen gilt, die man nur mit Hilfe von etwas Gehirnschmalz lösen
kann, ohne dass man permanent rennen, springen oder schießen muss. Lost" ist
ein Hybrid, weder Fisch noch Fleisch. Den Zuschnitt auf Konsole merkt man von Anfang an;
vielleicht wäre die Konsole hier auch von vornherein die bessere Wahl, da in diesem Fall
technische Schwierigkeiten entfallen und man nicht erst den Computer bis an die Zähne
aufrüsten muss, um überhaupt spielen zu können. Technische Unzulänglichkeiten wie eine
langsam reagierende Steuerung auch bei erfüllten Systemvoraussetzungen mindern den
Spielspaß erheblich, unnötige Auslassungen wie teils fehlende Sprachausgabe für den
Hauptcharakter oder asynchrone Lippenbewegungen stellen den Entwicklern ebenfalls nicht
das beste Zeugnis aus. Lange Ladezeiten zwischen einzelnen Szenarien hemmen den
Spielfluss; das Gameplay ist insgesamt eher durchschnittlich ausgefallen.
Dennoch hat Lost" auch seine guten Seiten. Optisch weiß
das Spiel zu gefallen, Geräuschkulisse und Musik wurden optimal auf das Spiel abgestimmt
und bringen gute Atmosphäre rüber. Auch mit der Steuerung kommt man nach einer kurzen
Gewöhnungsphase gut zurecht. Die Handlung wird stringent, linear und einigermaßen
spannend erzählt, hätte aber etwas mehr Tiefgang vertragen und weist für Nicht-Kenner
der Serie oft unerklärliche Lücken auf. Vor allem dass die Seriencharaktere
größtenteils zu Statisten degradiert werden und keine eigene Persönlichkeit oder
Geschichte bekommen, hat mich massiv gestört. Auch beim Rätseldesign hätte man sicher
originellere Konzepte entwickeln können als immer dieselben Schalttafeln und Fotografien.
Echte Herausforderungen sehen anders aus.
Begeistert hat mich Lost" nicht, und das liegt sicher
nicht nur daran, dass ich kein Fan der Serie bin. Selten hat mir ein Spiel so wenig Spaß
gemacht wie dieses, selten habe ich mich mit so viel Unlust an den Computer gesetzt, und
kaum ein Spiel hat mir phasenweise so viel Ärger beschert wie Lost". Wenn mein
Rechner die Mindestanforderungen bzw. sogar die empfohlenen Anforderungen erfüllt, dann
erwarte ich, dass das Spiel flüssig läuft! Wenn dann noch wenig herausfordernde Aufgaben
und eine im Kern zwar spannende, aber viel zu rasant erzählte Story hinzukommen, dann
halten sich Spielspaß und Motivation sehr in Grenzen. Es wurde viel prinzipielles
Potenzial vergeigt und auch die technische Umsetzung könnte sicherlich optimiert werden.
Trotz guter Ansätze kommt das Spiel aber insgesamt über Mittelmaß nicht hinaus.
Ganz abgesehen davon halte ich den Vollpreis von über 40 Euro für
ein Spiel nicht gerechtfertigt, das erstens solche Probleme macht und zweitens relativ
kurz ist selbst mit den beschriebenen technischen Schwierigkeiten braucht man für
eine Episode im Schnitt gerade einmal zwischen 20 und 60 Minuten, insgesamt vielleicht
maximal zehn Stunden, je nachdem, wie geschickt man sich bei den Action- und
Fluchteinlagen anstellt. Fans der Serie werden vermutlich dennoch ihre Freude an
Lost" haben, allen anderen Interessierten würde ich dazu raten, auf eine
Budget-Version zu warten oder sich das Spiel auszuleihen und auf jeden Fall vorher
ein paar Folgen Lost" zu gucken, damit man nicht völlig planlos vor dem
Monitor sitzt.