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Luka 2 und der verborgene Schatz


Erscheinungsdatum: 12.12.2008

Entwickler: deck13  
Publisher: Polizeiliche Kriminalprävention des Bundes und der Länder


Spielsprache: deutsch

Homepage

 

USK: ohne Altersbeschränkung

 

Ein Review von   André   21. Dezember 2008

 

Yeah, Adventures für alle! Bereits zum zweiten Mal erscheint kostenlos als Download (bzw. oder auch zum Unkostenbeitrag von 2 Euro auf CD) ein Adventure von Deck13, dem Hersteller, der mit Spielen wie Jack Keane und der Ankh-Reihe große Erfolge feiert. Natürlich nicht aus Eigennutz, denn das Spiel wurde entwickelt für die „Polizeiliche Gewaltprävention des Bundes und der Länder" des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, die damit genau das – nämlich Gewalt- und Drogenprävention für Kinder betreiben will und von der das Spiel vermutlich auch komplett finanziert sein wird. Egal, das Ergebnis zählt, und wie das aussieht, zeigt der Test.

 

Handlung

Wir schreiben das Jahr 2008. Es ist ein beliebiger Samstagabend und ich befinde mich mal wieder zwecks Durchreise zur nächsten Party am Hauptbahnhof meiner Heimatstadt. Was ich sehe ist nicht wirklich schön. Am Bahnhof haben sich wie so oft mal wieder unglaublich aggressive, teils sichtlich zugedrogte Jugendliche versammelt, die, als habe eine Anstalt Freigang, wild schreiend, mit Bierflaschen werfend, sich prügelnd durch den Bahnhofvorplatz torkelnd fortbewegen, während sich ein paar Meter weiter die „richtige", also die harte Drogenszene ihr tägliches Stelldichein gibt.

Die von mir beschriebenen Zustände sind keine Ausnahme und auch nicht übertrieben. Ich weiß natürlich, dass man längst nicht alle Jugendliche über einen Kamm scheren darf, dass die größere Menge sich anders verhält. Doch die durch die Regierungen und jahrelange fehlerhafte Politik, wie eine Öffnung hin zur freien Marktwirtschaft, verursachten sozialen Probleme, wie eine immer stärkere Spaltung von Arm und Reich, führen dazu, dass bei vielen die sozialen Kompetenzen verkümmert sind und unter anderem eine Gewalt- und Drogenprävention offensichtlich dringend notwendig scheint.

Und deshalb hat das Adventure durchaus seine Berechtigung, denn genau hier setzt es an. Damit vielleicht die nächste Generation, die da gerade noch in den Kinderschuhen steckt, sich nicht ihrem Schicksal ergibt und sich lediglich durch blind wütenden Frust und maßlosen Alkohol- und Drogenkonsum äußert, sondern es nicht hinnimmt und wieder andere Ziele hat. Vielleicht sich durch konstruktive Auflehnung diesen Missständen entgegensetzt, wie das frühere und andere noch existierende Jugendkulturen wie Hippies, linke Gruppierungen, die Friedensbewegungen etc. mal vorgemacht haben bzw. teilweise ja auch noch vormachen.

Nicht in meiner Heimatstadt, sondern in einer Stadt irgendwo in Deutschland beginnt Luka 2. Luka möchte ins Zeltlager. Nach einer ersten kurzen Aufgabe, die wir erledigen müssen, sind wir auch schon dort. Hier stoßen wir auf ein Geheimnis. Was das ist wird aber nicht verraten, denn das Spiel ist so kurz, dass ich mit jedem weiteren Satz aus der kurzen Inhaltsangabe eine Nacherzählung würde.

 

„Kiffen macht gleichgültig – Ist mir doch egal"

Wenn Luka über die Straße läuft, schaut er bzw.sie demonstrativ erst nach links und dann nach rechts. Immer wieder kommt der erhobene Zeigefinger durch. War Luka Teil 1 eigentlich auch so dermaßen belehrend? Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Menschen die Alkohol trinken oder Cannabis rauchen werden grundsätzlich negativ dargestellt. Ich hätte mir gewünscht, dass etwas weniger Klischees erzeugt worden wären, und statt dessen zu einem sinnvollen Umgang mit Drogen wie Alkohol und Cannabis aufzurufen. Schließlich waren Drogen in verschiedenen Formen seit Menschengedenken schon immer fester Bestandteil jeder Gesellschaft.

Auf jeden Fall weiß ich neben den positiven Eigenschaften um die negativen Seiten bzw. nicht geringen Gefahren des Cannabiskonsums (wie starker psychische Abhängigkeit, oftmaliger Antriebslosigkeit bei dauerhaftem Konsum und das eventuelle Auslösen einer Psychose). Doch angesichts der Tatsache, dass an der legalen Droge Alkohol jährlich in Deutschland tatsächlich etwa unglaubliche 40.000 (!!!) Menschen sterben (schlimmer als mancher Krieg!) und dem verbotenen Cannabis meines Wissens noch niemand, hätte ich mir eine bessere Ausdifferenzierung gewünscht. Warum wird mir bzw. der angesprochenen Zielgruppe – also den Kindern - nie erklärt, warum die eine tödliche Droge Alkohol beworben werden darf und warum sich der Staat durch Steuern daran bereichert während die andere verteufelt wird? Es geht doch um Aufklärung. Generell wird die Aussage im Spiel deutlich transportiert, aber die Betrachtungsweise der offiziellen Seite bietet Diskussionspunkte.

 

Grafik

Luka ist von den Ankh-Machern, und so sieht es auch aus. Sprich, es ist grafisch von der Machart her unverkennbar ein Deck13-Spiel geworden mit allen Vor- und Nachteilen. Letzter wäre ja, dass die geometrischen Figuren bekanntlich manchmal ein wenig eckig wirken. Die Grafik war schon zur Zeit der Veröffentlichung von Ankh 1 für seine Zeit etwas zu unrund und auch die Texturen sind nicht immer optimal. Und das hat sich seit dem dritten Teil auch nicht wirklich verändert. Allerdings ist diesbezüglich auch bei Deck13 schon Besserung in Sicht. Bei Jack Keane hat man es geschafft, die ganze Sache doch schon glatter aussehen zu lassen. Und auch Luka 2 ist in der Hinsicht schon besser gelungen als sein 2005 erschienener Vorgänger.

Ansonsten wäre das aber wieder der einzige Kritikpunkt. Die 3D-Grafik ist wie bei allen Deck13-Spielen schön anzusehen. Man bedient sich wieder freimütig aus allen Töpfchen, welche die Farbpalette so zu bieten hat. Den kleinen Rackern wird’s gefallen. Die mögen es ja farbenfroh. Wer die Deck13-Spiele mag, dem wird also auch die Grafik von Luka 2 zusagen. Vielmehr lohnt es sich auch gar nicht, über die Grafik auszuschweifen, denn Luka ist wie gesagt erstaunlich kurz. Nach vielleicht ein-zwei Stunden ist die Drogenberatung vorbei.

 

Rätsel

Okay, das Spiel soll ja weniger eine Herausforderung sein, sondern die junge Zielgruppe soll sich ja ein wenig spielerisch betätigen und nebenbei die Message mitbekommen. Oder ist es umgekehrt? Denn die Rätsel sind wirklich auf supereinfachem Niveau. Die bestehen aus dem üblichen Aufnehmen und Anwenden von Gegenständen, während es zum Schluss hin noch einmal ein kleines Geschicklichkeitsspielchen gibt, bei dem ein Flugdrache in der Luft ein paar Gegenständen ausweichen muss.

 

Sound

Eine Spezialität von Deck13: Der Protagonist erzählt etwas und im Hintergrund quatschen ständig irgendwelche unwichtigen Nebencharaktere in voller Lautstärke rein. Resultat: unverständliches Stimmengewirr. Das hat mir bei so manchem Ankh-Spiel schon den letzten Nerv gekosten und auch hier findet man dieses tolle Feature. Aber auch hier gibt es ansonsten keine weiteren Beanstandungen. Die Stimmen sind wie man es von der Firma gewohnt ist mit professionellen und größtenteils angenehmen Stimmen besetzt worden.

Die musikalische Begleitung in Form von orchestral wirkendem Sound erinnert ein wenig an Filmmusik wie man sie etwa in alten LucasArts-Streifen hören kann, nun gut vielleicht in light. Sie passt auf jeden Fall bestens als Begleitung zum Spiel und fällt positiv auf, ohne dass sie sich aufdrängen würde. Natürlich vorrausgesetzt, man hört sie in der richtigen Lautstärke.

 

Handhabung

Alle Funktionen wie Benutzen und Nehmen übt man mit Rechts aus, während man Dinge mit Links ansieht. Genau wie in den Ankh-Spielen wurde diese Art der Steuerung gegen die eingeschliffenen Gewohnheiten eingesetzt, da man bei den meisten Adventures ja genau umgekehrt vorgeht, so dass ich mich bis zum Schluss immer mal wieder verklickt habe.

Auch sonst funktioniert Luka 2 im Endeffekt wie alle Spiele des Herstellers. Die Umsetzung ist wie gehabt praktisch. Während des Spielens sieht man unten rechts am Rand drei kleine Piktogramme. Klickt man das obere an, ein Lupensymbol, werden alle im Bild befindlichen Hotspot angezeigt. Wählt man das mittlere, erscheint eine Hilfefunktion und mit dem letzten sowie mit der Escape-Taste kommt man ins übersichtliche Menü, wo man Speichern, Laden, Grafik- und Soundoptionen wie die Lautstärke der Sprache, Hintergründe und der Musik und noch ein paar weitere Werte einstellen kann.

 

Was sonst noch erwähnenswert ist

Das Spiel gibt es wie gesagt gratis zum Downloaden aber auch als Diskversion in allen Polizeidienststellen oder man kann es gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro plus Versandkosten hier bestellen:

www.polizei-shop.net

Im Falle einer Bestellung kommt das Spiel in einer Digifile-Verpackung, einem Klappkarton in Jewelcase-Format, was für Adventure-Sammler bzw. Komplettisten interessant sein dürfte. So hat man hier was in der Hand, was man seiner Sammlung hinzufügen kann.

Der Download funktionierte innerhalb weniger Minuten einwandfrei und ebenso schnell und problemlos funktionierte die anschließende Installation. Auch während des Spieles traten keine Probleme auf.

 

Fazit

Okay, hier haben wir das klassische Beispiel, wo das Schreiben des Reviews eindeutig wesentlich länger gedauert hat als das Durchspielen, denn eine geschätzte gute Stunde bis maximal zwei nach Spielbeginn ist der Spaß auch wieder zuende. Aus pädagogischer Sicht sind manche Meinungen zum Thema Cannabis- und Alkoholkonsum sicher diskutierbar und es werden mit erhobenem Zeigefinger Klischees bedient. Darüber hinaus gibt es, besonders da es sich um ein Gratis-Spiel handelt, nichts zu meckern. Wer die unbeschwert bunte Art der Gestaltung der Ankh-Spiele mag und sich darauf einstellt, dass es ein sehr einfaches Adventure ohne tieferer Handlung für Kinder ist, dürfte Gefallen an dem kurzen Spielchen finden. Die entsprechende Zielgruppe, also die Kleinen selbst, sowieso.

 

 Gesamtwertung  60%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Mindest-Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • DirectX 9.0 kompatible Soundkarte
  • Prozessor mit 800 MHz oder höher
  • 256 MB Hauptspeicher
  • DirectX 9.0 kompatible Grafikkarte. NVIDIA GeForce 2 oder vergleichbarer Chipsatz mit 64 MB Videospeicher
  • DVD-Laufwerk

 

Gespielt unter:

  • Windows XP
  • AMD Athlon 64X2 Dual Processor 36000+, MMX, 3D Now (2CPUs)
  • 1,8 GB RAM
  • Nvidia Geforce 7050 PV / Nvidia Gforce nforce 630 a
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 150 GB

 

 

 

Lukas Zimmer
Lukas Zimmer

 

 

Der Flur
Der Flur

 

 

Vor der Haustür..
Vor der Haustür...

 

 

..gegenüber an der Bushaltestelle sitzt Peter...
...gegenüber an der Bushaltestelle sitzt Peter...

 

 


...und kifft sich gerade einen
...und kifft sich gerade einen

 

 

 

Luka trägt ihre Haare in Palisander
Luka trägt ihre Haare in Palisander

 

 

 

Abends vor der Campinghütte...
Abends vor der Campinghütte...

 

 

 

...und bei Tag
...und bei Tag

 

 

 

Am Lagerfeuer wurde kräftig gefeiert.
Am Lagerfeuer wurde kräftig gefeiert

 

 

Vor der Ruine
Vor der Ruine

 

 

 

 

Mehr Screenshots

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 21. Dezember 2008

 

 

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