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Lula 3D


Erscheinungsdatum: 22. Juni 2005
Entwickler/Publisher: CDV
Spielsprache: Deutsch

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Boxshots

USK: geeignet ab 16 Jahren

 

Ein Review von   André   11. Juli 2005

 

Lula 3D gehört zu der recht seltenen und ebenso skurrilen Gattung der
Erotik-Adventures. Erotik gibt es bekanntlich kostenlos im Internet zur Genüge und man stolpert quasi darüber, ob man(n) nun will oder nicht. Der Markt dürfte also theoretisch gedeckt sein. Lula 3D wird dennoch sicher wieder ihre Käufer finden. Allerdings werden das vermutlich nicht nur Adventurespieler sondern auch Leute sein, welche sonst Spielesammlungen mit Fummel-Mau-Mau und Grabbel-Poker erwerben - unabhängig davon, zu welchem Urteil sich der Reviewer gleich hinreißen lassen wird.

Zu klären bleibt aber die Frage, ob das Spiel mit Laras schlüpfriger
Schwester auch für den puristischen Adventurespieler interessant ist. Ich
meine schon, dass Lula 3D es tatsächlich verdient hat, dass man ernsthaft einen Blick drauf wirft und hoffe, der Review hilft, einen Eindruck zu gewinnen.

 

Spar-Version

In den Foren konnte man es in den Threads nachlesen: Bei Lula 3D sind
etliche Sequenzen einfach weggelassen worden, so dass das vorliegende Spiel nun als Spar-Version vorliegt. Ebenfalls nicht wirklich attraktiv ist das
dünne Beiblättchen anstelle eines ansprechenden Booklets. Der Grund hierfür war sicher der finanzielle Aspekt, denn das Releasedatum wurde öfters verschoben und lange Zeit war unsicher, ob das Spiel überhaupt erscheinen würde. Erfreuen wir uns also der Tatsache, dass Lula nun überhaupt veröffentlicht wurde, wenn auch in etwas ausgedünnter Form. Anständigerweise erscheint es dafür auch zu einem wirklichen Spar-Preis von ca. 20 Euro bei immerhin (laut Hersteller) 25 Stunden Spielzeit. Es gibt einige teurere Adventures, welche längst nicht diese Spiellänge erreichen.



Handlung

Eines vorweg: Das Spiel besitzt durchaus eine solide Handlung und hätte man die ständigen mal mehr und mal weniger deutlichen Anspielungen und Softsexszenen und die ganzen platten Witzchen einfach weggelassen oder zumindest reduziert, hätte sich der Spielspass sicher um einiges erhöht. Denn eigentlich hätte das Spiel diese Dinge gar nicht nötig gehabt, zumal die ganzen Sequenzen eh völlig unerotisch sind.

So aber nerven die wirklich kreuzdämlichen Dia- bzw. Monologe sowie die
angedeuteten Sexszenen ohne Ende. Diese sind dabei hart an der "Ab-18"-Grenze. Mal beobachtet man z.B., wie Lula sich recht deutlich an einem "Spielzeug" zu schaffen macht und permanent stolpert sie über sich
verlustierende Pärchen. Schon in der Intro-Sequenz ist zu sehen, wie ein von Lulas Stripteaseeinlage sichtlich erregter, geifernder Hush Puppie das Bein des Bösewichts begattet usw. ... Das Vieh heißt übrigens Dusty und ist Lulas ständiger Begleiter im Spiel.

Zwischendurch sind die Gespräche (wie etwa mit der schwerhörigen alten Dame) recht normal, um im nächsten Moment schon wieder auf dirty umzuschwenken. Dabei sind die Texte teilweise gar larryesk, wie etwa die ganzen Anspielungen auf irgendwelche Sternchen wie Ulknudel Verona Feldbusch. Und sogar vor richtigen Stars machte der Drehbuchautor nicht halt und so wird sogar die große Hildegard Knef posthum durch den Kakao gezogen. Das hat sie wirklich nicht verdient!

Wie auch immer: Lula befindet sich in ihrer Rolle als Produzentin zu
Dreharbeiten in ihrer Villa in Beverly Hills, als sie feststellt, dass die
drei Hauptdarstellerinnen verschwunden sind. Sie vermutet, dass die Damen entführt wurden, denn sie findet im Zimmer der drei ein auffälliges
Streichholzbriefchen und bald darauf im Pförtnerhaus Videobänder der
Überwachungskamera, welche die Entführung der kessen Drillinge zeigen und auch gleichzeitig eine erste Spur nach San Francisco sind. Eine Spur führt zur nächsten und schon ist Lula voll in dem Fall involviert ...



Grafik - Lulas Welt

Sicherlich ist Lula 3D von der visuellen Umsetzung solide, auch wenn die
Grafik besonders der Personen, alles andere als aktuell erscheint. Dennoch wird denjenigen recht schnell der Wind aus den Segeln genommen, die es voreilig als billig produziertes Spielchen schlechter Machart abtun wollen, denn das würde dem Spiel absolut nicht gerecht werden. Am besten gelungen ist die schön anzusehende Grafik der Sequenzen und der Spielumgebung. Dabei ist die Grafik zwar nicht aktuell und erinnert fast an Gabriel Knight 3 (immerhin von 1998!). Andererseits ist das ja auch bei weitem nicht die schlechteste Referenz.

Es wurde nicht gegeizt und ein riesiges und abwechslungsreiches Areal zur Verfügung gestellt. Es macht Spaß, die detaillierten 3D-Locations zu
betrachten und z.B. direkt am Anfang des Spiels die recht stilvoll
eingerichtete Schicki-Villa der Sex & Koks-Szene in Beverly Hills mit den
ganzen "Arbeitsräumen", dem opulenten Außengelände mit seinen angelegten Wegen, Pools und dem Fuhrpark zu untersuchen und so einen (vermutlich recht realistischen) Eindruck zu bekommen, was den meisten von uns wohl verwehrt sein dürfte.

Nach und nach eröffnen sich neue Gebiete, die teilweise noch schöner
aussehen, wie etwa die Straßen von San Francisco, wo sich die Umrisse der Häuserschluchten wunderbar im Lack der Autos wiederspiegeln oder das riesige Areal in Las Vegas. Dabei bewegt sich die dreidimensionale Landschaft ähnlich einem Ego-Adventure meistens mit, wenn man Lula mit der Maus steuert. Manchmal sind die Locations aber auch starr. Wirklich erstaunlich dabei fand ich, dass man ganz viele Areale wie z. B. ein riesiges mehrstöckiges Parkhaus oder Dachterrassen einfach so betreten konnte, die anscheinend nur zum Vergnügen der Spieler erstellt wurden, da sie keine weitere Funktion im Spiel haben.

Ziemlich trashig geraten ist hingegen die Umsetzung der meisten Personen. Lula selbst und ein paar andere Hauptcharaktere sind vielleicht noch halbwegs plastisch modelliert worden, während es die Nebencharaktere weniger gut getroffen haben. Die Körperbewegungen sehen ebenfalls nicht immer natürlich aus. Völlig daneben ist aber die Mimik sämtlicher Figuren - besonders bei Gesprächen in Großaufnahme. Teilweise starren die extrem grobkantigen Figuren während des Dialogs apathisch zur Decke oder sie vergessen, während des Sprechens die Lippen zu bewegen. Die Gesichter wirken teilweise so lebendig wie die der Puppen aus der Augsburger Puppenkiste.

Dabei hat sich Lula grafisch im neuen Spiel sichtlich verändert, denn auch
sie hat eine "Geschichte". Lula 3D ist bei weitem nicht das erste Spiel mit der drallen Sexnudel. Eine kurze Suchanfrage bei Google ergibt, dass es mindestens noch Lula Inside (Lula als Tamagotchi), Lula Pinball (also ein Flipper), Lula Attack (Lula im Weltraum?) sowie "Wet - The Sexy Empire", eine Wirtschaftssimulation gibt. Letzteres Spiel ist mir bekannt, lag es doch mal vor einiger Zeit als Vollversion dem letzten PC-Joker bei. Die im Comic-Stil gezeichnete Lula wirkte damals noch recht putzig.

Mit putzig oder niedlich ist es aber spätestens jetzt vorbei. Denn der
Comic-Stil ist einem "realistischeren" 3D-Stil gewichen. Das Früchtchen hat jetzt plastische 3D-Brüste mit denen Sat 1 oder Super RTL mehrere Folgen einer Brust-OP-Serie drehen könnten. Und wenn die neue als 3D-Model getunte Lula mit den Dingern in voller Strapsmontur durch die Straßenzüge wackelt, bleibt nicht mehr allzu viel von dem Charme vergangener Tage. Allerdings fügt sich der etwas "realistischere" Stil weg vom comichaften jetzt aber auch besser in die dreidimensionalen Locations ein.



Sound

Schon bei der Installation erwatet uns Elektro-Sound, zwar mit passend
gestöhnten "Uhs" und "Yeahs", was aber trotzdem sehr ansprechend klingt. Auch im weiteren Verlauf bestätigt sich der Eindruck. Während des Spiels ist meistens keine Musik unterlegt, aber es sind in den Zwischensequenzen und während des Ladens zwischendurch immer wieder vielfältige, extrem professionelle und sehr angenehme Elektro- und/oder Easy-Listening-Tracks zu hören, die mal ruhiger, mal groovig und funkiger und mal fast schon jazzig klingen. In manchen Räumen steht auch ein Radio rum, aus dem Musik schallt.

Die Dialoge hingegen sind wie gesagt nur selten normal und oft schon vom
Sinn her irgendwie neben der Spur und bieten alleine von daher natürlich
schon ein mannigfaltiges Repertoire von selten-mal-lustig über realsatirisch
bis peinlich. Vermutlich war es für die Sprecher(innen) daher recht
schwierig, die hahnebüchenen Dialoge vernünftig zu interpretieren. Mit der
Zeit gewöhnt man sich aber dran, und hört geflissentlich über so manche im wahrsten Sinne des Wortes "ausgelutschte" und "durchgenudelte"
Zweideutigkeit dezent hinweg.



Rätsel

Lula 3D ist in sogenannte Missionen unterteilt. Die erste und sehr einfache
Mission besteht beispielsweise darin, das Zimmer der drei verschwundenen Damen zu finden. Mit der Zeit werden die Missionen bzw. Aufgaben zwar etwas schwerer, allerdings bleibt das Spiel sehr leicht. Im Prinzip werden fast alle Lösungen in den Missionsbeschreibungen vorgegeben und so stellen die meisten Rätsel keine Herausforderung dar.

Wir stoßen auf Indizien, sammeln diese ein und befragen Personen. Dabei ist es mir einmal am Anfang passiert, dass eine falsche Antwort zum völlig
unerwarteten Game Over führte. Haben sich die Umstände geändert und ist etwas Neues passiert, sollte man die Personen in Lulas Umgebung schon mal erneut ansprechen, um neue Hinweise oder Gegenstände zu erhalten.



Action

Erstaunlicherweise schafft es Lula nicht nur, mit den überdimensionierten
Polstern im Gleichgewicht zu bleiben und nicht nach vorne zu kippen.
Nein, sogar gelegentliche Actionsequenzen bleiben ihr dabei nicht erspart.
Und hier wird die ansonsten doch recht sanftmütige Lula zur wilden Bestie
und schreckt auch nicht davor zurück, ein paar ihr folgende Cops einfach
umzunieten! Die Durchführung solch drastischer Maßnahmen erfolgt in kleinen Shooter-Spielchen im Stile von Moorhuhn, die es zu meinem Leidwesen in sich haben. Denn grundsätzlich ist Lula 3D ein richtiges Adventure, aber leider wurden einige wenige aber dennoch besonders gegen Ende wirklich unnötig schwierige Egoshootersequenzen eingebaut. Genau vor Schluss gibt es noch einmal fünf Schießspielchen in Folge und genau die allerletzte Sequenz war wirklich so schwer und nervig, dass ich sie nicht geschafft habe bzw. dass ich nach x Versuchen irgendwann keine Lust mehr hatte! Und da ich deswegen den Abspann nicht sehen konnte, werde ich auch einige Punkte abziehen!



Steuerung - Lula rennt

Lula ist ein Adventure mit kombinierter Maus-/Tastatursteuerung, obwohl andere 3D-Adventures längst schon bewiesen haben, dass man sich durch so ein Spiel auch hervorragend per Maus klicken kann. Sei's drum - die Steuerung ist dennoch völlig okay. Die wenigen Befehle auf der Tastatur kann man sich gut merken und im übersichtlichen Optionsmenü auf Wunsch auch noch selbst ändern.

Optional kann und sollte man im Optionsmenü direkt von "Gehen" auf "Laufen" umstellen, da sie sonst wirklich sehr langsam durch die Gegend trabt. Lula eckt übrigens nirgendwo an, bleibt selten mal an einer Wand hängen und wird genauso selten von selbiger verschluckt, wenn sie sich in einer ungünstigen Perspektive befindet.

Normalerweise schaut man Lula von hinten über die Schulter und kann dabei die Kameraperspektive frei per Maus verändern, es ist aber jederzeit möglich mit der Leertaste auf Lulas Egosicht umzuschalten, was besonders praktisch ist, wenn Lula durch ihren Körper etwas verdeckt, was dem Spieler sonst entgehen würde.



Fazit

Aahrrgg, sie ist wieder da: Aus den Untiefen der wunderbaren Welt der
Unterhaltungsindustrie hervorgewackelt befällt das Früchtchen Lula nun auch arglose Adventurefans, die sich jetzt verzweifelt fragen, ob die 3D-Version für sie mangels Alternativen wegen des Sommerlochs als Spielobjekt womöglich in Frage käme. Es gibt Faktoren, die theoretisch dagegen sprechen:

Einige Spieler werden das Spiel wegen der Egoshootersequenzen im Regal lassen und auch ich werde wegen der zum Schluss hin völlig nervigen, weil unnötig schweren Sequenz einige Punkte abziehen.

Viele Spieler werden sich sicher an der ziemlich freizügigen
Gestaltung der Charaktere und fragwürdigen, überflüssigen Sex-Szenen sowie der teilweise völlig hirnigen und nervigen Dialoge und Anspielungen bzw. an der fehlenden Political Correctness stoßen.

Denn ohne das alles hätte das Spiel definitiv wesentlich mehr Spaß gemacht. Aber wenn man diesen Umstand großzügig außen vor lässt, bleibt unterm Strich ein zwar trashiges, aber dennoch richtig nettes Adventure für schwüle Sommernächte mit entspannenden, weil größtenteils sehr einfachen Rätseln und zumindest von der wirklich riesengroßen Spielumgebung her zwar nicht unbedingt toppaktuellen aber trotzdem sehr ansprechenden Grafik, welches mir im Großen und Ganzen wirklich richtig Spaß bereitet hat. Das Spiel ist sein Geld wirklich wert und daher gibt's von mir tatsächlich völlig unerwartete 70 %.


Gesamtwertung: 70%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemanforderungen:

  • WIN 98/ME/2000/XP
  • Intel Pentium oder AMD mit 1,5 GHz (empf. 2 GHz)
  • 256 MB RAM (empf. 512 MB)
  • DVD-ROM
  • T&L-fähige 3D Grafikkarte, 64 MB (128 MB empfohlen)
  • 2,5 GB freier Speicherplatz

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

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Copyright © André für Adventure-Archiv, 11. Juli 2005

 

 

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