Lunar Deep ist ein kleines, eher mystisches Sci-Fi-Adventure und das
Debüt des neuen Independententwicklers AncientRein Gaming. Gespielt wird es in der
Egoperspektive und die Spielsprache ist Englisch. Da in Lunar Deep aber fast gar nicht
gesprochen wird und es nur wenig zu lesen gibt, ist es auch für Spieler mit bescheidenen
Englischkenntnissen gut geeignet.
Handlung
Lunar Deep ist ein Adventure mit wenig Handlung und so hält man
sich auch nicht großartig mit einem Vorspann auf, sondern man kommt direkt zur Sache. Der
Spieler befindet sich am Meer und hält eine Nachricht aus einer angespülten Kapsel von
einer gewissen Aleetna in der Hand. Aleetna gehört einer alten Kultur, den Lun an, die
den Mond verehrt. Wie sie sagen, tun sie dieses nicht, um ihre esoterischen Neigungen
auszuleben, sondern aus rein wissenschaftlicher Aspekten. Weil sie sich für die
Eigenschaften des Mondes begeistern, haben sie eine Menge Wissen über ihn gesammelt. Aha.
Zudem seien sie friedfertig und lebten seit vielen tausend Jahren verborgen vor der
Zivilisation im Untergrund. Nur eine Maschine versorge die Menschen dort mit Licht, Luft
und Wasser. Auf jeden Fall bittet Aleetna den Finder der Nachricht dringend um Hilfe, da
die Maschine offensichtlich wie alles Irdische den natürlichen Alterungsprozessen
unterworfen ist. Will heißen, das Ding gibt so langsam den Geist auf. Leider ist den Lun
das Wissen um die Reparatur und Wartung der lebenswichtigen Maschine im Laufe der vielen
tausend Jahre verloren gegangen.
Haben wir die Nachricht gelesen, befinden wir uns in der nächsten
Einstellung auch schon direkt vor einem äußerst merkwürdigen eiförmigen und
verschlossenen Etwas, was aus dem Meer herausragt und offensichtlich den Eingang zur
unterirdischen Welt der Lun darstellt. Schnell noch das Codeschloss geknackt und schon
können wir die Welt dort unten retten. Diese Ausgangssituation klingt nach einem
Handlungsansatz, aber viel mehr geschieht eigentlich gar nicht, denn der weitere
Spielablauf beschränkt sich mehr oder weniger auf das Flicken der Maschine.
Grafik
Auch Lunar Deep wurde mit dem bewährten Adventuremaker erstellt, da
es offensichtlich ein beliebtes und geeignetes Programme ist, auf das neue bzw. kleinere
Entwickler immer wieder gerne zurückgreifen. Zu sehen gibt es einfache und daher manchmal
noch etwas kryptische, aber schon nett anzusehende Bilder, wie man sie von
semiprofessionellen Independentadventures kennt. Am ehesten ist es sowohl von der
Qualität als auch von der Art der Darstellung vielleicht mit Acalius zu vergleichen,
zumal es ja ebenfalls ein mystisches Scifi-Adventure, also thematisch ähnlich ist. Auch
hier gibt es viele recht karge bzw. übersichtlich strukturierte Landschaften und Räume
sowie wenige Personen zu bewundern. In Lunar Deep trifft man auf zwei Personen, um genau
zu sein. Diese sind so gut wie gar nicht animiert und passen damit zu den Hintergründen,
für die dasselbe gilt. Mal bewegen sich die Wellen in einem See und es gibt auch wenige
kleine Sequenzen, die etwa zeigen, wie ein Aufzug zum nächsten Ort rast. Diese kurzen
Sequenzen sind in einem kleinen Fenster dargestellt.
Rätsel
Auch was die Rätsel anbelangt, kann man Lunar Deep grob eigentlich
eher bei den mystisch Ego-Adventures einordnen. Es gibt also hauptsächlich Maschinen zu
bedienen. Hierzu flitzen wir mit dem Aufzug von Etage zu Etage. Aber es unterscheidet sich
auch von klassischen mystischen Spielen, da es ein Inventar gibt, man also auch
Gegenstände miteinander benutzen kann. Und zudem bin ich dankbar, dass der
Schwierigkeitsgrad im Vergleich zu anderen Spielen dieser Machart ausgesprochen human -
will sagen einfach ist, da ich ehrlich gesagt kein Freund von diesen abstrakten Spielen
bin, wo man geduldig unter Ausschluss von anderen Charakteren schwierigste
Maschinenrätsel lösen muss. Ich gestehe, dass mein Talent genauso wie meine Geduld
diesbezüglich äußerst begrenzt sind. Ab und an trifft man wie gesagt auch mal einen
Charakter, der kurz mit uns plaudert und dem man vielleicht auch schon mal einen
Gegenstand geben oder einen Gefallen tun kann. Die Handlung wird auch durch ein paar
gefundene Notizen weitergeführt. In Lunar Deep kann man nicht sterben und es gibt keine
Labyrinthe. Sackgassen sind mir ebenfalls nicht bekannt.
Handhabung
Die Steuerung durch Lunar Deep ist prinzipiell einfach und erfolgt
per Point&Click mit der Maus. Der Cursor verändert seine Aussehen bei Hotspots. Wenn
wir Dinge manipulieren können, wird aus dem Handsymbol eine Faust. Verändert es sich zu
einem Pfeil, können wir in die entsprechende Richtung laufen. Die rechte Maustaste ist
nur dafür da, um am oberen Bildschirmrand eine Leiste einzublenden, die für das Laden,
Speichern und Beenden des Spiels zuständig ist. Alles weitere, also die eigentliche
Navigation durch das Spiel erfolgt mit der linken Maustaste.
Man sollte aber wissen, dass einige wenige Hotspots nicht angezeigt
werden. Der Cursor verändert also nicht immer zwingend sein Aussehen, wenn wir über
einen Gegenstand fahren, den wir mit einem anderen Gegenstand aus unserem Inventar
manipulieren können. Sähen wir also beispielsweise ein verdächtiges Loch in einer Tür,
welches aber nicht vom Cursor angezeigt würde und wir hätten zufälligerweise eine
Klinke im Inventar, sollten wir diese trotzdem einfach mal auf Verdacht mit dem Loch
benutzen. Außerdem sind ein paar Hotspots sehr klein und damit schwer zu finden. In
einigen Räumen fand ich die Fortbewegung nicht unbedingt optimal gelöst, da man dort
zwar nach vorne, also näher an einen Gegenstand bewegen kann, aber scheinbar nicht mehr
zurück, sondern nur noch seitlich weg. Ansonsten funktioniert die Orientierung in dem
Spiel aber ziemlich gut.
Sound
Für einfache Independentspiel nicht unüblich, aber in diesem Fall
nicht unbedingt günstig ist, dass es weder einen Lautstärkeregler noch Untertitel bei
Gesprächen gibt. Das bedeutet konkret, dass ich zuerst den Ton an meinem Rechner leiser
gestellt habe, da das Hintergrundgeräusch, ein oft ziemlich eindringliches Pfeifen des
Windes sehr störend war, um anschließend von einem der wenigen kurzen Gespräche
akustisch so gut wie nichts mitzubekommen. Also müssen wir uns entscheiden, ob wir
entweder das nicht gerade dezente tinitusähnliche Windgeräusch im Hintergrund leise
stellen, das in vielen Bildern zu hören ist oder doch lieber die Sprachausgabe verstehen
wollen. Ich habe mich für die erste Variante entschieden, da man die Dialogsituationen
wie gesagt an einer Hand abzählen kann und diese zudem sehr kurz sind. Neben besagten
Windgeräuschen dienen andere späherische Klänge zur akustischen Untermalung.
Fazit
Als ich über eine abschließende Bewertung nachgedacht habe, fiel
mir eigentlich immer nur das Adjektiv nett" ein. Die aus wenig animierten,
übersichtlich gestalteten Bildern bestehende Grafik ist auf einfachem, aber schon soliden
Independentniveau. Lunar Deep verfügt über keine große Handlung und es gibt keine
bösartigen Schurken oder dramatische Liebesgeschichten. Wir bekommen am Anfang des Spiels
eine Aufgabe und müssen sie lösen. Alles weitere würde auch den Rahmen des Spiels
sprengen, denn Lunar Deep ist mit vielleicht drei Stunden Spielzeit doch sehr kurz.
Allerdings ist das nur in einer Papierhülle gelieferte Spiel wirklich sehr günstig vom
Hersteller zu beziehen und daher stimmt auch das Preis-Leistungsverhältnis. Die Rätsel
sind generell eher einfach und gut nachvollziehbar. Abgesehen davon, dass man von der
Sprachausgabe kaum was hört und wenige Hotspots etwas zu gut versteckt wurden, sind mir
keine wirklich größeren Mängel aufgefallen. Alles in allem ist AncientRein Gaming damit
ein wie gesagt kurzes, aber durchaus vorzeigbares Debüt gelungen, auf das sich aufbauen
lässt. Unterm Strich macht das