Master of Disaster" schimpft sich das Machwerk vom
Entwickler Novi Disk. Da es zusammen mit dem Untertitel Chaoten, Quoten und
Moneten" schon mal eines der uncoolsten Namen seit langem trägt und auch das
Cover"art"work den scheußlichen Ersteindruck vervollständigt, hatte ich schon
vor der Installation eine gewisse Vorahnung, was mich erwarten würde ...
Handlung bzw. Spielprinzip
Das Spiel enthält sowohl Adventure- als auch Arcadeelemente und
erinnert mich ein wenig an Big Brother, die Art der Darstellung ein wenig an
Celebrity Death Match" - eine Sendung, die schon seit ewig und drei Tagen auf
MTV läuft - offenbar (und darüber bin ich wirklich erstaunt) recht erfolgreich, da sie
ja sonst schon längst abgesetzt worden wäre.
Zur Erklärung: In der Sendung Celebrity Death Match"
geht es darum, dass sich zwei Promis als Knetfiguren dargestellt, verhauen. Master of
Disaster hingegen spielt in einem Haus, in dem das Chaos ausgebrochen ist und dort
plötzlich ein Haufen Irrer rumläuft - warum auch immer. Genauso aus der Luft gegriffen
ist, dass dort plötzlich eine vierköpfige Familie einzieht, um diesen Paroli zu bieten ...
Hierzu kämpft immer einer in der Familie gegen einen Gegner. Das Ganze wird dann à la
Big Brother vor laufender Kamera ins Fernsehen übertragen - so ein Mumpitz!
Nach einer ruckeligen Anfangssequenz (was aber auch an meinem
inzwischen für aktuelle Spiele recht altersschwachen Rechner liegen könnte, muss ich
fairerweise hinzufügen), in welcher ein Nachrichtensprecher via TV die Situation
erklärt, gehts los. Ich kann mir anfangs scheinbar einen der zwölf ekeligen Gegner
aussuchen. Ich entscheide mich für eine halbwegs erträglich aussehende Figur
einen Schlunz mit einer Bierpulle. Ich wähle ihn aus und nein, leider nicht
möglich. Anfangen muss man es auf jeden Fall mit einer extrem fies und unsympathisch
aussehenden Steroidschleuder von Bodybuildingfuzzi aufnehmen, der wohl Schwarzenegger
darstellen soll. Nein, denke ich, Herrgott steh mir bei, gegen den will ich beim besten
Willen nicht spielen!
Aufgabenstellung
Nun gut, es hilft alles nichts, schließlich muss ich das Spiel
besprechen. Also Augen zu und durch. Schon bin ich in einem Raum des Hauses und muss dort
versuchen, dem Gegner aus dem Weg zu gehen und ihn gleichzeitig auszutricksen, so dass ich
gewinne. Auf jeden Fall muss man dem Gegenspieler eine Falle stellen, ohne sich erwischen
zu lassen. Hierzu benutzt man wie üblich Dinge, sammelt sie im Inventar und verwendet sie
an anderer Stelle im Haus. Was sich noch halbwegs erträglich anhört, wird zur Qual, da
man permanent auf der Flucht ist. Wenn ich was falsch mache und jemand den Raum betritt,
haut dieser mir eins auf die Rübe. Das passiert eigentlich ständig und schon im ersten
Level treibt mich der Schwarzenegger-Verschnitt jedes Mal in einen Waschraum.
Wenn man dann dreimal eins auf die Glocke bekommen hat, ist Game
Over und man darf sofern man dann überhaupt noch will - den ganzen Krempel noch
einmal von vorne beginnen. Dann muss man auch alle Gegenstände noch einmal von vorne
einsammeln und wieder an der richtigen Stelle benutzen.
Am oberen Bildschirmrand befinden sich Sterne - unsere
Erfolgsanzeiger. Für jede Falle, die wir einem Gegner erfolgreich stellen, bekommen wir
einen Stern. Wenn wir alle Sterne ausgefüllt haben, bevor wir dreimal verdroschen wurden,
haben wir das Match gewonnen.
Weitere Handhabung
In einem kleinen Fenster am unteren Bildschirmrand ist das Haus als
Radarschirm" abgebildet. Die Figuren sieht man als Punkte und so kann man
erkennen, in welchem Raum sich der Gegenspieler befindet. Bewegt sich der Punkt auf dem
Schirm in unsere Richtung, muss man sich wie gesagt schnell verstecken. Bewegt man seine
Maus an einen der vier Bildschirmränder, scrollt das Bild automatisch in die
entsprechende Richtung. Also sieht man den Nachbarraum. So kann man sich noch einmal
genauer informieren, was sich alles dort befindet oder was der Feind gerade so treibt ...
Wegen des Arcadeprinzips kann man während eines Spiels nicht
speichern. Die beiden Lautstärkenregler für Musik und Effekte sind völlig ausreichend,
da ja so gut wie gar nicht gesprochen wird. Ebenfalls im Menü kann man die Auflösung
auswählen.
Die restliche Handhabung funktioniert im Prinzip wie in jedem
Adventure. Mit der linken Maustaste können wir uns Gegenstände anzeigen lassen. Wenn wir
sie gebrauchen können, werden sie automatisch eingesackt.
Grafik
Die im Comicstil gehaltene Grafik hält, was das scheußliche Cover
verspricht und treibt einem die Schamesröte ins Gesicht. Sie lässt nicht nur überhaupt
keine Atmosphäre aufkommen, sondern ist das, was ich mir unter Begriffen wie hässlich
und geschmacklos vorstelle. Sie ist einfach nur bunt und erinnert mich am ehesten an üble
lustige" Satirezeichnungen im Stil von Juxplakaten oder die großformatigen
Karikaturen von Stars auf den Fahrgeschäften von Rummelplätzen.
Desweiteren stört der mitten ins Bild ragende Fortschrittsanzeiger
in Form von 5 Sternen, der die bunte, mäßig umgesetzte und eh schon überladen wirkende
Grafik noch unruhiger aussehen lässt.
Sprache
Normale Konversation zwischen zwei Personen gibt es in dem Spiel
aber natürlich trotzdem nicht - wir wollen ja hier nicht intellektuell werden und die
Zielgruppe (wer immer das sein mag) überfordern. Statt dessen macht es Poing und Peng,
wenn wir wieder eins drauf kriegen. Wenn eine Figur ein Objekt beschreibt, wird dieses in
Form einer Sprechblase dargestellt. Billiger ist das.
Ein wenig gesprochen wird etwa vom Nachrichtensprecher aber schon.
Ungewöhnlich ist, dass es deutsche Sprachausgabe gibt und die englischen Untertitel
belassen wurden. Normalerweise ist es eher umgekehrt, da man sich die deutschen
Synchronsprecher sparen will.
Fehler
Wirklich störend ist der Fehler, dass während meines Spiels vom
Körper der Spielfigur ausgehend dicke Linien zu einem imaginären Fixpunkt in der Mitte
führen, egal wohin mal läuft. Das muss man patchen, denn der Fehler ist extrem störend
und in der Form ist MoD kaum spielbar.
Was sonst noch?
Verantwortlich als Produzent ist laut Info u.a. ein gewisser Boris
Becker. Im Handbuch ist er mit der Schreibweise Boris Bekker aufgeführt. Soso. Und Steffi
Graf ist dann wahrscheinlich für die Lokalisation und Ivan Lendl für das Cover
verantwortlich. Also wenn ich dieses Spiel produziert hätte, würde ich mir auch ganz
schnell ein lustiges Pseudonym zulegen.
Fazit
Okay, dem Publisher Atari geht es nicht gut, und das scheint wohl
einer der letzten Versuche, das Unternehmen zu retten. Aber wenn die Firma ihre letzten
Moneten bzw. Kröten nur noch in solchen Schund investiert, dann ist es auch nicht
schlimm, wenn sie irgendwann für immer das Zeitliche segnet. Denn wenn man den letzten
Flop von Atari Die drei Wünsche des Dr. Khotabich" betrachtet, dann ist dieses
nur ein weiteres nerviges und völlig sympathie- und sinnfreies Kommerzprodukt ohne
irgendwelche Ambitionen. Wären alle Adventures so ich würde das Genre wechseln.
Eine Mischung aus Adventure und Arcade, das könnte im Idealfall den
Zielgruppen beider Genres Spaß machen. Tut es aber nicht. Ganz ehrlich MoD ist
technisch gerade nicht gut, aber auch nicht völlig schrottig produziert - ich habe schon
schlechter umgesetzte Games gespielt. Allerdings habe ich selten so viel Abneigung
gegenüber einem Spiel empfunden wie bei MoD. Die alberne Grafik erinnert an die
Satirezeichnungen auf den Fahrgeschäften von Rummelplätzen oder Plakate schlimmer
Juxfilme, die heute nicht mal mehr im Nachtprogramm der Privatsender laufen, da sonst
selbst die fertigsten Zuschauer weglaufen würden. Das Spielprinzip Prügelnde
Figuren in einem abgeschotteten Haus vor laufender Kamera" erscheint zudem wie ein
unheilvoller Hybride aus Big Brother sowie die auf sich einprügelnden Stars und Sternchen
aus MTVs Celebrity Death Match zwei der stumpfsten Sendungen, die das TV
hervorgebracht hat. Kloppen, Zoten und Proleten" würde als Untertitel besser
passen.
Nun gut, MoD ist wie gesagt mehr ein Arcade-Adventure und richtige
Handlung gibts dementsprechend nicht. Aber ich mag es in einem adventure-ähnlichen
Spiel gar nicht, ständig auf der Flucht zu sein, um dann einen vor dem Latz geknallt zu
bekommen und nach einem Game Over alle Aufgaben permanent wiederholen zu müssen.
Geschmack ist bekanntlich immer subjektiv, aber ich kann mir beim
besten Willen nicht vorstellen, dass sich hier jemand finden wird, der dem Ganzen etwas
abgewinnen kann bzw. welche Zielgruppe hier überhaupt angesprochen werden soll: Eventuell
Kiddies, die den ganzen Tag vor MTV oder Big Brother sitzen, aber auch die zocken
wahrscheinlich lieber richtige Spiele. Dafür, dass Master of Disaster grafisch recht
professionell umgesetzt wurde und technisch soweit ich gespielt habe bis auf den einen
sehr störenden Fehler technisch zumindest halbwegs rund lief: