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Master of Disaster
Chaoten, Quoten und Moneten


Erscheinungsdatum: 05/2007
Entwickler: Novi Disk
Publisher: Atari




Spielsprache: deutsch

Boxshots

 

USK: ab 12 Jahren

 

 


Ein Review von   André   11. Juli 2007

 

„Master of Disaster" schimpft sich das Machwerk vom Entwickler Novi Disk. Da es zusammen mit dem Untertitel „Chaoten, Quoten und Moneten" schon mal eines der uncoolsten Namen seit langem trägt und auch das Cover"art"work den scheußlichen Ersteindruck vervollständigt, hatte ich schon vor der Installation eine gewisse Vorahnung, was mich erwarten würde ...

 

Handlung bzw. Spielprinzip

Das Spiel enthält sowohl Adventure- als auch Arcadeelemente und erinnert mich ein wenig an Big Brother, die Art der Darstellung ein wenig an „Celebrity Death Match" - eine Sendung, die schon seit ewig und drei Tagen auf MTV läuft - offenbar (und darüber bin ich wirklich erstaunt) recht erfolgreich, da sie ja sonst schon längst abgesetzt worden wäre.

Zur Erklärung: In der Sendung „Celebrity Death Match" geht es darum, dass sich zwei Promis als Knetfiguren dargestellt, verhauen. Master of Disaster hingegen spielt in einem Haus, in dem das Chaos ausgebrochen ist und dort plötzlich ein Haufen Irrer rumläuft - warum auch immer. Genauso aus der Luft gegriffen ist, dass dort plötzlich eine vierköpfige Familie einzieht, um diesen Paroli zu bieten ... Hierzu kämpft immer einer in der Familie gegen einen Gegner. Das Ganze wird dann à la Big Brother vor laufender Kamera ins Fernsehen übertragen - so ein Mumpitz!

Nach einer ruckeligen Anfangssequenz (was aber auch an meinem inzwischen für aktuelle Spiele recht altersschwachen Rechner liegen könnte, muss ich fairerweise hinzufügen), in welcher ein Nachrichtensprecher via TV die Situation erklärt, geht’s los. Ich kann mir anfangs scheinbar einen der zwölf ekeligen Gegner aussuchen. Ich entscheide mich für eine halbwegs erträglich aussehende Figur – einen Schlunz mit einer Bierpulle. Ich wähle ihn aus und – nein, leider nicht möglich. Anfangen muss man es auf jeden Fall mit einer extrem fies und unsympathisch aussehenden Steroidschleuder von Bodybuildingfuzzi aufnehmen, der wohl Schwarzenegger darstellen soll. Nein, denke ich, Herrgott steh mir bei, gegen den will ich beim besten Willen nicht spielen!

 

Aufgabenstellung

Nun gut, es hilft alles nichts, schließlich muss ich das Spiel besprechen. Also Augen zu und durch. Schon bin ich in einem Raum des Hauses und muss dort versuchen, dem Gegner aus dem Weg zu gehen und ihn gleichzeitig auszutricksen, so dass ich gewinne. Auf jeden Fall muss man dem Gegenspieler eine Falle stellen, ohne sich erwischen zu lassen. Hierzu benutzt man wie üblich Dinge, sammelt sie im Inventar und verwendet sie an anderer Stelle im Haus. Was sich noch halbwegs erträglich anhört, wird zur Qual, da man permanent auf der Flucht ist. Wenn ich was falsch mache und jemand den Raum betritt, haut dieser mir eins auf die Rübe. Das passiert eigentlich ständig und schon im ersten Level treibt mich der Schwarzenegger-Verschnitt jedes Mal in einen Waschraum.

Wenn man dann dreimal eins auf die Glocke bekommen hat, ist Game Over und man darf – sofern man dann überhaupt noch will - den ganzen Krempel noch einmal von vorne beginnen. Dann muss man auch alle Gegenstände noch einmal von vorne einsammeln und wieder an der richtigen Stelle benutzen.

Am oberen Bildschirmrand befinden sich Sterne - unsere Erfolgsanzeiger. Für jede Falle, die wir einem Gegner erfolgreich stellen, bekommen wir einen Stern. Wenn wir alle Sterne ausgefüllt haben, bevor wir dreimal verdroschen wurden, haben wir das Match gewonnen.

 

Weitere Handhabung

In einem kleinen Fenster am unteren Bildschirmrand ist das Haus als „Radarschirm" abgebildet. Die Figuren sieht man als Punkte und so kann man erkennen, in welchem Raum sich der Gegenspieler befindet. Bewegt sich der Punkt auf dem Schirm in unsere Richtung, muss man sich wie gesagt schnell verstecken. Bewegt man seine Maus an einen der vier Bildschirmränder, scrollt das Bild automatisch in die entsprechende Richtung. Also sieht man den Nachbarraum. So kann man sich noch einmal genauer informieren, was sich alles dort befindet oder was der Feind gerade so treibt ...

Wegen des Arcadeprinzips kann man während eines Spiels nicht speichern. Die beiden Lautstärkenregler für Musik und Effekte sind völlig ausreichend, da ja so gut wie gar nicht gesprochen wird. Ebenfalls im Menü kann man die Auflösung auswählen.

Die restliche Handhabung funktioniert im Prinzip wie in jedem Adventure. Mit der linken Maustaste können wir uns Gegenstände anzeigen lassen. Wenn wir sie gebrauchen können, werden sie automatisch eingesackt.

 

Grafik

Die im Comicstil gehaltene Grafik hält, was das scheußliche Cover verspricht und treibt einem die Schamesröte ins Gesicht. Sie lässt nicht nur überhaupt keine Atmosphäre aufkommen, sondern ist das, was ich mir unter Begriffen wie hässlich und geschmacklos vorstelle. Sie ist einfach nur bunt und erinnert mich am ehesten an üble „lustige" Satirezeichnungen im Stil von Juxplakaten oder die großformatigen Karikaturen von Stars auf den Fahrgeschäften von Rummelplätzen.

Desweiteren stört der mitten ins Bild ragende Fortschrittsanzeiger in Form von 5 Sternen, der die bunte, mäßig umgesetzte und eh schon überladen wirkende Grafik noch unruhiger aussehen lässt.

 

Sprache

Normale Konversation zwischen zwei Personen gibt es in dem Spiel aber natürlich trotzdem nicht - wir wollen ja hier nicht intellektuell werden und die Zielgruppe (wer immer das sein mag) überfordern. Statt dessen macht es Poing und Peng, wenn wir wieder eins drauf kriegen. Wenn eine Figur ein Objekt beschreibt, wird dieses in Form einer Sprechblase dargestellt. Billiger ist das.

Ein wenig gesprochen wird etwa vom Nachrichtensprecher aber schon. Ungewöhnlich ist, dass es deutsche Sprachausgabe gibt und die englischen Untertitel belassen wurden. Normalerweise ist es eher umgekehrt, da man sich die deutschen Synchronsprecher sparen will.

 

Fehler

Wirklich störend ist der Fehler, dass während meines Spiels vom Körper der Spielfigur ausgehend dicke Linien zu einem imaginären Fixpunkt in der Mitte führen, egal wohin mal läuft. Das muss man patchen, denn der Fehler ist extrem störend und in der Form ist MoD kaum spielbar.

 

Was sonst noch?

Verantwortlich als Produzent ist laut Info u.a. ein gewisser Boris Becker. Im Handbuch ist er mit der Schreibweise Boris Bekker aufgeführt. Soso. Und Steffi Graf ist dann wahrscheinlich für die Lokalisation und Ivan Lendl für das Cover verantwortlich. Also wenn ich dieses Spiel produziert hätte, würde ich mir auch ganz schnell ein lustiges Pseudonym zulegen.

 

Fazit

Okay, dem Publisher Atari geht es nicht gut, und das scheint wohl einer der letzten Versuche, das Unternehmen zu retten. Aber wenn die Firma ihre letzten Moneten bzw. Kröten nur noch in solchen Schund investiert, dann ist es auch nicht schlimm, wenn sie irgendwann für immer das Zeitliche segnet. Denn wenn man den letzten Flop von Atari „Die drei Wünsche des Dr. Khotabich" betrachtet, dann ist dieses nur ein weiteres nerviges und völlig sympathie- und sinnfreies Kommerzprodukt ohne irgendwelche Ambitionen. Wären alle Adventures so – ich würde das Genre wechseln.

Eine Mischung aus Adventure und Arcade, das könnte im Idealfall den Zielgruppen beider Genres Spaß machen. Tut es aber nicht. Ganz ehrlich – MoD ist technisch gerade nicht gut, aber auch nicht völlig schrottig produziert - ich habe schon schlechter umgesetzte Games gespielt. Allerdings habe ich selten so viel Abneigung gegenüber einem Spiel empfunden wie bei MoD. Die alberne Grafik erinnert an die Satirezeichnungen auf den Fahrgeschäften von Rummelplätzen oder Plakate schlimmer Juxfilme, die heute nicht mal mehr im Nachtprogramm der Privatsender laufen, da sonst selbst die fertigsten Zuschauer weglaufen würden. Das Spielprinzip „Prügelnde Figuren in einem abgeschotteten Haus vor laufender Kamera" erscheint zudem wie ein unheilvoller Hybride aus Big Brother sowie die auf sich einprügelnden Stars und Sternchen aus MTVs Celebrity Death Match – zwei der stumpfsten Sendungen, die das TV hervorgebracht hat. „Kloppen, Zoten und Proleten" würde als Untertitel besser passen.

Nun gut, MoD ist wie gesagt mehr ein Arcade-Adventure und richtige Handlung gibt’s dementsprechend nicht. Aber ich mag es in einem adventure-ähnlichen Spiel gar nicht, ständig auf der Flucht zu sein, um dann einen vor dem Latz geknallt zu bekommen und nach einem Game Over alle Aufgaben permanent wiederholen zu müssen.

Geschmack ist bekanntlich immer subjektiv, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich hier jemand finden wird, der dem Ganzen etwas abgewinnen kann bzw. welche Zielgruppe hier überhaupt angesprochen werden soll: Eventuell Kiddies, die den ganzen Tag vor MTV oder Big Brother sitzen, aber auch die zocken wahrscheinlich lieber richtige Spiele. Dafür, dass Master of Disaster grafisch recht professionell umgesetzt wurde und technisch soweit ich gespielt habe bis auf den einen sehr störenden Fehler technisch zumindest halbwegs rund lief: 

 

 

Wertung: 39 %

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows XP SP2
  • Pentium III 1,0 GHz
  • 256 MB RAM
  • 1,0 GB Festplattenspeicher
  • DirectX-9.0c-kompatible 64 MB 3D-Grafikkarte
  • DirectX-9.0c-kompatible Soundkarte
  • DirectX 9.0c (enthalten)
  • DVD-ROM-Laufwerk

 

Gespielt unter:

  • Win XP mit DosBox
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

Los geht's ...
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Links sind wir, rechts ist unser Gegner
Links sind wir, rechts ist unser Gegner

 

Das Hauptmenü
Das Hauptmenü

 

 

Man kann zwischen den Räumen hin- und herschwenken
Man kann zwischen den Räumen hin- und herschwenken

 

 

In diesem Haus findet das Spektakel statt
In diesem Haus findet das Spektakel statt

 

 

In der Sporthalle
In der Sporthalle

 

 

Das sind unsere Gegner
Das sind unsere Gegner

 

 

Eine Nasszelle
Eine Nasszelle

 

 

Schon wieder Game Over! Mann, macht das Spaß!
Schon wieder Game Over! Mann, macht das Spaß!


 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 11. Juli 2007

 

 

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