Man nehme: eine verführerisch schöne Frau, eine
gehörige Portion Spionage, den heraufdräuenden Ersten Weltkrieg und packe das alles in
ein klassisches Point&Click-Adventure fertig ist Mata Hari"! Das
Spiel vom Hannoveraner Entwickler Cranberry Production, in deutschsprachigen Gefilden
vertrieben von dtp, basiert auf dem Mythos der berühmten Tänzerin und Spionin und
arbeitet geschickt mit den zahlreichen Legenden, die sich um diese Frau ranken. In der
Haut Mata Haris gilt es, zu spionieren, zu verführen und gelegentlich auch zu
intrigieren. Story und Game Design stammen aus der Feder von Hal Barwood und Noah Falstein
gestandene Adventure-Veteranen, die sich mit Indiana Jones and the Fate of
Atlantis" einen Namen gemacht haben. Na, da kann doch eigentlich gar nichts mehr
schief gehen, oder?
Historischer Hintergrund
Um Mata Hari ranken sich zahllose Legenden und Geschichten, zu deren
Bildung sie selbst kräftig beigetragen hat. Was tatsächlich hinter Margaretha Geertruida
Zelle, alias Mata Hari steckte, also den Blick hinter die Legende, deren sich das Spiel
fast ausschließlich bedient, habe ich dem geneigten Leser hier
zusammengestellt.
Handlung
Der historische Hintergrund wird im Spiel weitgehend ausgeblendet;
zu Beginn erfahren wir lediglich den bürgerlichen Namen Mata Haris. Nach einer kurzen
Anfangssequenz landen wir beim Pariser Künstlerball, wo Mata Hari die Bekanntschaft des
Schweizers Oscar Samsonet macht. Der erkennt rasch, dass Mata Hari noch andere Talente
vorzuweisen hat und engagiert sie vom Fleck weg als Spionin; wegen des Geldes und einer
gehörigen Portion Abenteuerlust sagt die junge Frau spontan zu und hat fortan eine Reihe
Aufträge zu erledigen. Dabei gerät sie rasch zwischen die Fronten, denn die Pariser
Spionageabwehr bekommt, ganz wie in der Realität, Wind von ihrem Treiben und verpflichtet
sie in Gestalt von Capitaine Ladoux ihrerseits zur Spionage gegen das Deutsche Reich. Doch
auch die Deutschen liegen nicht auf der faulen Haut und fordern Gegenleistungen für
bestimmte Informationen ein. Wer noch Freund und wer Feind ist, wird allmählich immer
undurchschaubarer.
Kern der in vier Kapitel und acht Missionen gegliederten Handlung
ist der dräuende Erste Weltkrieg und das Wettrüsten zwischen der Entente cordiale
(Frankreich, Großbritannien) und den Mittelmächten (Deutsches Reich,
Österreich-Ungarn), wobei Großbritannien und Österreich-Ungarn aus dem Geschehen
völlig ausgeblendet werden. Sowohl die Franzosen als auch die Deutschen setzen alles
daran, eine Superwaffe zu erschaffen, mit deren Hilfe sie den jeweiligen Gegner außer
Gefecht setzen können. Matas Aufgabe ist es, die entsprechenden Informationen zu sammeln,
Kriegsvorhaben der Deutschen zu sabotieren und so eventuell den Ausbruch des Krieges zu
verhindern.
Ihre Aufträge führen sie nach Berlin, Madrid und Monaco; sie
trifft historische Persönlichkeiten wie Marie Curie, Arnold von Kalle der
historischen Mata Hari wurde ein Verhältnis mit dem deutschen Major unterstellt
und Elsbeth Schragmüller. Letztere ist als Spionin für das Deutsche Reich historisch
gesichert; während des Ersten Weltkriegs leitete sie die Spionageabteilung gegen
Frankreich eine ungewöhnliche Position für eine Frau in der damaligen Zeit. Ob
sich Schragmüller und Mata Hari tatsächlich jemals begegnet sind, ist nicht verbürgt,
aber der Umstand, dass Schragmüller sowie weitere namhafte Persönlichkeiten der
damaligen Zeit in die Geschichte eingebunden wurden, zeugt von guter Recherche und
vermittelt den Eindruck So könnte es tatsächlich gewesen sein". Insofern
funktioniert die Handlung auch größtenteils recht gut, schwächelt aber leider vor allem
im letzten Drittel des Spiels gewaltig bzw. wird durch die immer gehäufter auftretenden
Minispiele gnadenlos zerrissen, wodurch der letzte Funken Spannung getilgt wird. Doch dazu
später.
Installation, Technisches und Aufmachung
Die Klappbox des Spiels ist wunderschön und aufwändig mit
Prägedruck gestaltet; die Spiel-DVD selbst befindet sich in einer DVD-Box, der wiederum
ein Handbuch beiliegt, das die grundlegenden Funktionen des Spiels kurz erklärt. Wieder
einmal muss ich beklagen, dass bei der Gestaltung des Handbuchs auf Farbe verzichtet
wurde; die einzelnen Seiten sind zwar von gezeichneten Vorhängen umrahmt eine
Reminiszenz an die Covergestaltung -, doch für mehr reichte es offenbar nicht. Schade.
Zur opulent gestalteten Box und dem schönen Cover hätte ein ebenso prächtiges Handbuch
einfach hervorragend gepasst. Ansonsten erfüllt es seinen Zweck aber vollkommen. Noch ein
kleiner Kritikpunkt, dann bin ich mit dem Handbuch auch schon fertig: Genaueres
Korrekturlesen hätte gut getan; so geben sich Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehler
ein fröhliches Stelldichein. Naja. Man kann offensichtlich nicht alles haben.
Die Installation verläuft problemlos und dauert aufgrund des
Umfangs mehrere Minuten; sobald das Spiel fertig installiert ist, kann man übrigens noch
die auf die DVD gepackte Demo von So Blonde" installieren, eine Option, die ich
sehr hübsch fand. Technisch funktionierte das Spiel einwandfrei, bis auf zwei kleine
Ausnahmen: In einem Minispiel, einer Reise, war es mir einfach nicht möglich, den
Zielbahnhof anzuklicken, obwohl ich unmittelbar davor stand und alle feindlichen Agenten
hinter mir gelassen hatte. An einer anderen Stelle, nämlich im Berliner Offiziersclub,
ist mir aufgefallen, dass eine Lupe zur Verfügung stand, was an sich bedeutet, dass man
etwas untersuchen kann. Aber selbst das frenetischste Klicken meinerseits hat hier nichts
bewirkt. Ob es sich bei diesen beiden technischen Ausreißern um Bugs handelt, kann ich
nicht mit absoluter Sicherheit sagen; eine entsprechende Suche in den einschlägigen Foren
hat diesbezüglich nichts ergeben.
Steuerung
Die Steuerung wurde so intuitiv gehalten, wie man es sich nur
wünschen kann. Man benötigt ausschließlich die linke Maustaste; per Klick läuft Mata
Hari zum angezeigten Ort, verwandelt sich der Mauszeiger in einen grünen Pfeil, haben wir
einen Ausgang vor uns. Doppelklick auf den Ausgang bewirkt, dass sich Mata Hari in
Windeseile zum nächsten Ort begibt und wir ihr nicht permanent dabei zusehen müssen, wie
sie sich durch Bahnhofshallen, über Plätze oder durch diverse Räumlichkeiten bewegt
obwohl sie das zugegebener Maßen mit sehr viel Anmut und wiegenden Hüften tut.
Die Bewegungsfreiheit ist dabei sehr eingeschränkt; man kann lediglich vorgegebene Orte
betreten, eine freie Erkundung der Schauplätze ist leider nicht möglich. Aber gut, wir
haben hier auch kein 3D-Spiel im Stil von Sherlock Holmes" vor uns, sondern ein
klassisches Point & Click-Adventure. Per Taxi kann man sich übrigens zwischen
einzelnen Orten bewegen ein Ersatz für die sonst so gern verwendete Karte.
Die übrigen Mauszeiger bieten nichts Neues: Das Mund-Icon lässt
uns sprechen, die Lupe lässt uns etwas näher in Augenschein nehmen, und die Hand
ermöglicht es uns, das Inventar zu füllen. Auch das Handling von Inventar und Tagebuch
bietet keine Innovationen. Inventargegenstände landen in der unteren Bildschirmleiste;
sie können teilweise auf andere Personen oder Gegenstände angewandt sowie untereinander
kombiniert werden.
Um ein Thema oder einen Gegenstand mit einem Gesprächspartner zu
benutzen, muss das Objekt der Begierde angeklickt und auf den Gesprächspartner gezogen
werden. Dabei ist man in der Wahl der Themen äußerst eingeschränkt; das Spiel gibt
strikt vor, was man mit welchem Gesprächspartner bereden kann. Handlungsfreiheit hat man
hier nicht, und man kann auch nichts falsch machen. Bereits gehörte Dialoge überspringt
man per Linksklick. Will man einen Dialog unterbrechen, ist ein Symbol in Form einer
durchgestrichenen Sprechblase stets zu Diensten, das gleichfalls auf den Gesprächspartner
gezogen wird.
Neben Gesprächsthemen und Inventargegenständen stehen Mata Hari
hin und wieder auch ihre Verführungskünste zur Verfügung, die sie im ersten Kapitel
freundlicherweise gegenüber Rupert Zollinger und somit auch für den Spieler erklärt.
Diese Verführungskünste sind passenderweise rosa unterlegt und gliedern sich in
Schmeicheln, Nachgiebigkeit, Zurückweisung und Gewagtheit. Je nach Charakter des
Gegenübers muss die passende Taktik gewählt werden; sie wird wie ein normales
Gesprächsthema angeklickt und auf den Gesprächspartner gezogen. Führt die eine Taktik
nicht zum Erfolg, dann probiert man eben solange, bis man erreicht hat, was man wollte. An
sich eine hübsche Idee, aber dieses Feature wird nur selten eingesetzt, was ich insofern
schade fand, als Mata Hari ja auch für ihre verführerische Anziehungskraft auf Männer
bekannt war.
Liebes Tagebuch
Im unteren rechten Eck des Bildschirms finden wir Matas Tagebuch;
hier hält sie ihre Aufträge und Erfolge fest, erledigte Aufgaben werden abgehakt. Hängt
man mal fest, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick hinein schon ist man wieder voll
im Bilde. Zu Beginn und am Ende jedes Kapitels rekapituliert Mata hier auch ihre
bisherigen Erfahrungen und Eindrücke. Die Epiloge werden außerdem mit Bildern,
Fahrkarten etc. illustriert.
Die Navigation im Tagebuch funktioniert denkbar einfach ein
Klick auf das untere Eck einer Seite ist vollkommen ausreichend. Ein Fragezeichen bringt
uns in Windeseile zu jener Seite, auf der Mata Haris Erfolge als Spionin festgehalten
werden für jede gelungene Aktion gibt es nämlich Punkte, und für jeden
erfolgreichen Tanzauftritt gibt es Geld. Wie viel sich hier am Ende des Spiels ansammelt,
hängt vom Geschick des Spielers in den einzelnen Minispielen ab.
In dem Mini-Menü, das bei Mausberührung in der unteren
Bildschirmecke erscheint, finden wir außerdem einen Shortcut zum Hauptmenü, wo wir
speichern, laden oder uns mit den Optionen spielen können, z.B. um Untertitel
einzublenden; über das Zahnrad-Symbol gelangt man ins Spielmenü, das alternativ auch mit
der Escape-Taste aufgerufen werden kann. Spielstände kann man individuell benennen; sie
werden mit Angabe des Kapitels, der Mission und der Spielzeit abgelegt.
Eine wahre Augenweide
Die Grafik in Mata Hari" ist absolut gelungen. Wir
bewegen uns durch wunderschön vorgerenderte Schauplätze, wo sich auch immer etwas tut:
Da fliegen Vögel herum, ein Ballon zieht vorbei, die Wolken sind ständig in Bewegung,
Wasser plätschert munter vor sich hin, Blätter wiegen sich im Wind, ein Mann fährt auf
einem Hochrad durch die Gegend, und auf spiegelndem Boden wie z.B. in einem Bahnhof
können wir die Reflexion unserer Heldin bewundern. Im Gare du Nord brechen sich
Sonnenstrahlen in der Kuppel des Bahnhofs, ein Buntglasfenster der Polizeistation wird
dank der Sonne auf dem Boden im Inneren des Gebäudes reflektiert. Schön fand ich auch,
dass Mata Haris Kleidung sich mit jedem Kapitel ändert sie geht eben mit der Mode.
Auch ihre Tanzkostüme wechseln ständig und sind, wenn man sich historische Fotografien
der berühmten Tänzerin ansieht, den tatsächlichen Kostümen Mata Haris nachempfunden.
Auch hier wurde offensichtlich gründlich recherchiert.
Sehr schön auch die Charakteranimationen: Geht Mata ein paar
Schritte, beugen sich ihre Knie in realistischer Weise, und auch ihr Kleid macht jede
Bewegung mit. In Gesprächen gestikulieren die Spielfiguren, dass es eine Freude ist, und
Matas koketten Hüftschwung im Gespräch mit einem Mann muss man einfach gesehen haben.
Überhaupt ist die Animation Matas in Gesprächen überaus gut gelungen: Sie wiegt sich in
den Hüften, spielt mit ihrem Haar, wendet verschämt das Gesicht ab und kokettiert mit
ihrem gesamten Körper. Die Proportionen der Figuren sind realistisch wiedergegeben
zu lange Arme gibt es einfach nicht. Lediglich die Animation der Gesichter hätte man noch
verbessern können; zwar gibt es das eine oder andere Wimpernklimpern oder Stirnrunzeln,
die Gesichter bleiben aber weitgehend ausdruckslos der Körpersprache wurde hier
klar der Vorzug gegeben. Und: Die meisten Männer, mit denen es Mata Hari zu tun bekommt,
gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen sie entsprechen zum überwiegenden Teil
dem Typus groß, dunkelhaarig, mit Schnauzbart". Verwechslungsgefahr besteht
dabei aber nicht, zumal jedes Mal der Name des betreffenden Gesprächspartners angezeigt
wird, sobald man mit der Maus über ihn fährt. Grafikfehler wären mir übrigens nicht
aufgefallen; hier wurde sauber gearbeitet.
Sprich mit mir der Sound
Die Musik ist stimmungsvoll und während der Tänze leicht
orientalisch angehaucht; das Grundthema mit Klavier überwiegt bei weitem, was zwar nicht
sonderlich originell ist, aber auch nicht stört. Für manche Schauplätze wurden eigene
Musikstücke komponiert, die zur jeweiligen Atmosphäre passen. Auch für
Hintergrundgeräusche wurde gesorgt: Da dudelt ein Leierkastenspieler vor dem Pariser
Theater seine Melodien, ein kritzelndes Geräusch zeigt uns an, dass Mata gerade einen
Eintrag in ihrem Tagebuch verfasst hat, Züge tuten munter vor sich hin. Die Stimmen sind
durchwegs professionell; besonders Mata Haris Stimme hat mir sehr gut gefallen man
nimmt ihr die selbstbewusste, verführerische Frau ohne Umschweife ab, aber auch die
übrigen Sprecher machen ihre Sache sehr gut. Dabei wurde darauf geachtet, die jeweiligen
Figuren mit dem passenden Idiom zu versehen die französischen Taxifahrer klingen
wie Pierre Brice in seinen besten Zeiten, der Berliner Taxifahrer ist jovial und nennt
Mata permanent Fräulein". Befinden sich die Figuren in einem Gewölbe, hallen
ihre Stimmen wider; auch das ein sehr schönes Feature. Die Dialoge sind dabei mitunter
etwas platt geraten und nicht immer logisch, im Großen und Ganzen gibts aber nichts
zu meckern.
Futter für die grauen Zellen
Die Rätsel in Mata Hari" sind größtenteils von der
einfachen Sorte. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich im Verlauf des Spiels ein wenig.
Meist geht es darum, einen bestimmten Gegenstand zu beschaffen oder in Dialogen an die
passenden Informationen zu gelangen. Wir dürfen aber auch chemische Experimente
durchführen, Codes dechiffrieren und in verschlossene Räume einbrechen. Das Spiel bietet
dabei auch Hilfe an; ist z.B. an einem Ort noch nicht alles erledigt, kann Mata ihn nicht
verlassen bzw. wird daran gehindert. Oder sie gibt selbst einen Tipp, was noch zu
erledigen ist; man wird also permanent an der Hand genommen und muss sich größtenteils
nicht sonderlich anstrengen, was für Adventure-Veteranen vermutlich etwas langweilig ist,
Neulingen ist das Spiel dadurch aber umso leichter zugänglich. Zu den Rätseln gehören
weiters ein relativ leicht zu bewältigendes Labyrinth sowie zwei Schleichsequenzen, die
aber für geübte Spieler ebenfalls keine sonderliche Herausforderung sind. Auch hier kann
man nichts falsch machen; Mata Hari kann auch nicht sterben. In welcher Reihenfolge man
die einzelnen Aufgaben löst, ist mit zunehmendem Spielverlauf relativ egal, da man meist
mehrere Aufgaben zu erledigen hat. Strikte Linearität gibt es somit nicht durchgehend.
Die meisten Inventargegenstände, die von Bedeutung sind, werden an
Ort und Stelle eingesetzt und verschwinden danach aus dem Inventar, so bleibt ihre Anzahl
stets überschaubar. Es gibt zum einen Hotspots, die für den Fortgang des Spiels
unerlässlich sind und die man sich auch anzeigen lassen kann ein kurzer Druck auf
die Leertaste genügt. Daneben gibt es aber auch Hotspots, die man selbst finden muss,
indem man den Bildschirm akribisch absucht. Diese Hotspots bringen zusätzliche
Informationen und außerdem Spionagepunkte pro versteckter Information, die man
aufgedeckt hat, gibt es 50 Punkte. Das Auffinden ist optional, wirkt sich aber auf die
Punktezahl am Ende des Spiels aus und hat laut Verpackung auch Einfluss auf das Ende. Mir
ist diesbezüglich nichts aufgefallen, und ich vermute stark, dass nicht das Ende als
solches beeinflusst wird, sondern lediglich die Punkte-Bilanz, die man zum Schluss
präsentiert bekommt.
Minispiele
Eine eigene Kategorie innerhalb der Rätsel stellen die zahlreichen
Minispiele dar, die sich grob in folgende Untergruppen unterteilen lassen: reisen, tanzen,
Schalter manipulieren.
Bei den Reisen geht es darum, Mata sicher von A nach B zu bringen,
ohne dass sie einem feindlichen Agenten in die Hände fällt. Je schneller man diese
Aufgabe bewältigt, umso mehr Punkte gibt es. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei im
Verlauf des Spiels. Es empfiehlt sich, vor Reiseantritt abzuspeichern oder, wenn man gar
nicht weiter kommt, zum Ausgangsbahnhof zurückzufahren und sein Glück erneut zu
versuchen. Welche Optionen zur Verfügung stehen und wie viele Feinde sich einem an die
Fersen heften, hängt von einem Zufallsgenerator ab. Pro erfolgreich absolvierter Reise
gibt es Geschicklichkeitspunkte, maximal 10.000.
Hat man die einmal erreicht oder will man sich die Hetzjagd nicht
antun, kann man von einem weiteren Feature Gebrauch machen, das im Lauf des Spiels
freigeschaltet wird: der punktelosen Expressreise. Man steht vor der Entscheidung, ob man
Punkte hamstern oder den sicheren Weg wählen will. Die Reisen sind im Übrigen nicht
immer logisch begründet; warum Mata Hari beispielsweise für ein einziges Telefonat von
Paris nach Berlin reisen muss, entzieht sich meinem Verständnis das kostet Zeit
und Nerven, was klar zu Lasten der Handlung geht.
Ein zweites Minispiel hat natürlich mit Tanz zu tun.
Mata Hari kann im Pariser Theater um eine Tanzerlaubnis bitten. Ehe sie ihre Kunst aber
demonstrieren darf, muss sie sich auf die Suche nach einer von insgesamt 12 Inspirationen
machen. Beim Tanz handelt es sich um ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem man
heranschwebende Noten anklicken muß. Je genauer man trifft, umso mehr Punkte gibt es. Der
Schwierigkeitsgrad variiert je nach gefundener Inspiration. Es ist nicht zwingend
notwendig, alle zwölf Tänze erlernt zu haben, um eine spielnotwendige Aufgabe
bewältigen zu können. Für jeden erfolgreich absolvierten Tanz erhält man am Ende Geld;
war man sehr gut, springen dabei schon mal 2000 Franc heraus.
Auch die Tanzeinlagen häufen sich im zweiten Drittel des Spiels in
einer Art und Weise, die einem jeden Spielspaß vermiesen kann, und auch der Frustfaktor
ist ziemlich hoch, wenn man es mit einem schwierigen Tanz zu tun hat.
Das dritte Minispiel befasst sich mit Schaltkreismanipulationen und
dem Dechiffrieren von Codes. Hier winken Geschicklichkeitspunkte je schneller man
die gestellte Aufgabe bewältigt, umso mehr Punkte sahnt man ab. Auch für das Endrätsel
wurde dieses Konzept beibehalten.
Sämtliche Minispiele kann man mit Hilfe des Panikknopfs"
im rechten oberen Eck überspringen; allerdings bringt das weder Punkte noch Geld ein,
dafür spart man sich Zeit und Nerven. Ich habe die Minispiele vor allem im letzten
Drittel des Spiels als äußerst nervtötend empfunden, da sie die Handlung unnötig
auseinander gerissen haben. Es macht irgendwann auch einfach keinen Spaß mehr, von Paris
nach Berlin und von dort nach Monaco zu reisen, nur um an jedem Ort lediglich eine Aktion
durchführen zu können.
Fairerweise muss ich erwähnen, dass die Zahl der Minispiele im
letzten Drittel auch davon abhängig ist, wie man bisher gespielt hat die
Tanzeinlagen etwa lassen sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt absolvieren. Dennoch habe ich
echte Rätsel nach der guten ersten Hälfte sehr vermisst, und auch etwas mehr Abwechslung
hätte dem Spiel gut getan.
Fazit
Ich muss gestehen: Ich bin, was die Bewertung von Mata
Hari" angeht, sehr zwiegespalten. Es gibt vieles, was für das Spiel spricht;
technisch wurde beispielsweise alles richtig gemacht, und auch die Handlung vermag anfangs
noch Interesse zu wecken. Die Minispiele machen aber alles zunichte. War ich in der ersten
Hälfte des Spiels also während der ersten beiden Kapitel noch motiviert
und interessiert, machten sich spätestens ab Kapitel 4 Langeweile und Frust breit. Das
Spiel krankt ganz klar an den Minispielen, die zwar anfangs noch Spaß machen, mit der
Zeit aber in einer Häufigkeit auftreten, die den Verdacht aufkommen lässt, dass die
Entwickler keine zündenden Ideen mehr hatten. Schade, denn der Mythos um Mata Hari gibt
einiges an Stoff her; man hätte mehr daraus machen können. So hält sich der Spielspaß
leider in Grenzen. Dank der schwer zu findenden Spionage-Hotspots" erhöht sich
zwar der Wiederspielwert, aber das wars dann auch schon. Mit gerade einmal zehn
Stunden ist die Spielzeit außerdem sehr kurz bemessen; von den auf der Verpackung
angegebenen 18 bis 20 Stunden Spielzeit ist Mata Hari" selbst dann noch
meilenweit entfernt, wenn man zig Versuche pro Minispiel braucht und ein blutiger
Anfänger im Genre ist. Punkte gibts für die wirklich schöne Grafik und die
hervorragende technische Umsetzung; zum Klassiker reicht es aber bei weitem nicht.