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Midnight Nowhere

Hersteller: Saturn+
Publisher Deutschland: Data Becker
Releasedatum: 12/2003

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Ein Review von slydos, 30. Januar 2004

 

Vom russischen Entwicklungsstudio Saturn+ kennen wir bereits das Fantasy-Adventure "Jazz & Faust" (Adventure-Archiv Review). "Midnight Nowhere" ist nun ein Jahr nach dem Release in Osteuropa und Ostasien von Data Becker für den deutschsprachigen Raum lokalisiert worden. Es ist ein düsteres, blutiges Horroradventure - nichts für empfindliche Gemüter.

 

Story

Die Story erinnert von der Einführung an Klassiker wie "Countdown" von Access Software oder "Sanitarium". Unser namenloser Hauptdarsteller erwacht in einer Leichenhalle. Aber er kann sich nicht viel Gedanken machen, warum er sein Gedächtnis verloren hat und wie er hierher gekommen ist - der Raum, in dem er sich befindet und alle weiteren Räume, die er entdecken und untersuchen wird, sind Zeugen unglaublicher Gewalttaten - überall Blut, zerstörtes Mobiliar und ... Leichen, jede Menge Leichen!

Aufgabe unseres Charakters ist es, seine Identität wiederzufinden. Dabei muß er sich zunächst Zugang zu dem recht gesicherten Krankenhauskomplex verschaffen, in dem er sich befindet, Türen auf die verschiedenste Art öffnen, Räume und Leichen untersuchen, seine Schlüsse aus gefundenen Unterlagen, Videos, Bildern, Dokumenten und anderen Hinweisen ziehen.

Es scheint, daß ein "Ungeheuer" alle diese Morde begangen hat! Polizei und Militär sind machtlos. Wir erfahren im Laufe des Spiels, daß sich das Morden über viele Jahre hinzieht, ein großer Teil der Bevölkerung von Black Lake aber bereits geflohen ist und eine Sperrmauer errichtet wurde. Die Morde sind zurückgegangen. Vor einigen Jahren wurde sogar eine Spielshow namens "Black Oasis" eingerichtet, bei der sich Freiwillige nach Black Lake begaben.  Verwirrt? Der Clou, die überraschende Auflösung der Geschichte erfolgt erst in der allerletzten Szene.

 

Installation/Start

Nach der reibungslosen Installation von 2 CDROMs gelangt man über ein kurzes Intro, in dem uns Polizeibereichte der letzten Jahre vermittelt werden, ins Hauptmenü in Form einer riesigen Armbanduhr. Hier kann man Speichern, Laden, das Spiel starten oder verlassen und die Optionen einstellen.

Dem Spiel ist in der DVD-Box nur eine kurze, 8seitige Anleitung beigelegt. Ein umfangreicheres, bebildertes deutsches Handbuch wird allerdings als PDF-Datei mit im Spielordner installiert zusammen mit Links zum Support und der Homepage, die sogar offline angesteuert werden können.

In der mit spannender Musik unterlegten Eingangssequenz befinden wir uns im Dunkel eines Plastik-Leichensacks - wir hören jemanden atmen, ganz im Stile Darth Vaders, bis sich der Reißverschluß des Sackes öffnen läßt und die Kamera uns den Auferstandenen von den Füßen bis zum Kopf enthüllt!

Das Intro kann man per ESC-Taste abbrechen und damit beginnen, den Helden aus seinem tiefgekühlten Gefängnis zu befreien ...

 

Handling

Wir steuern unseren Hauptdarsteller in 3rd-Person Perspektive mit der Maus. Einziger Tasteneinsatz ist die Escapetaste, die uns zum Hauptmenü führt und zurück. Die Anzahl der gesicherten Spielstände (man kann sie durchscrollen) scheint nicht begrenzt, dafür aber die Zeichenzahl der Texte (auf 8 Buchstaben - ein DOS-Relikt) die zu den Szenenbildern gespeichert werden können. In den Optionen möchte ich besonders die Funktion Bildschirm-Gamma hervorheben, die besonders wichtig ist, um die meist sehr dunklen Szenarien aufzuhellen.

Ein Linksklick läßt unseren Helden zu einem Punkt am Bildschirm laufen aber auch eines der immer sichtbaren Aktionsicons am oberen Bildschirmrand auswählen. Nach Auswahl eines solchen Icons, z.B. "Nehmen" oder "Benutzen" nimmt der Cursor dessen Form an. Wenn wir einen Gegenstand betrachten, erhalten wir eine Beschreibung durch unseren Helden in Text und Sprache. Der Cursor zeigt durch einen kleine blauen Pfeil die Stellen an, wo man einen Szenenwechsel vornehmen kann.

Ein Rechtsklick öffnet die Inventarleiste am unteren Bildschirmrand und schließt sie auch wieder. Wir können dort Objekte auswählen, die der Cursor dann übernimmt, Objekte mit dem "Anschauen"-Icon untersuchen oder mit dem "Benutzen"-Icon kombinieren. Mit der Zeit nimmt das Inventar eine ganze Reihe von teilweise mehrfach einsetzbaren Gegenständen auf.

Das Handling ist nicht so ganz gelungen, da wir zu einer ganzen Reihe von nicht notwendigen Klicks gezwungen werden: wenn wir das Inventar öffnen, so ist automatisch das Nehmen-Icon angewählt. Möchten wir z. B. alle aufgesammelten Spielkarten betrachten, müssen wir jeweils das Schauen-Icon anwählen und auf die entsprechende Karte klicken. Nach dem Schließen der Zoomansicht wird auch jedesmal das Inventar geschlossen und alles muß erneut durchgespielt werden.

 

Rätsel

Die Objekträtsel sind von Beginn an von mittlerem Schwierigkeitsgrad und werden mit der Zeit recht komplex. Wir müssen Gegenstände suchen und manchmal auch erstellen, und dürfen auch nicht Halt machen, dazu den Finger einer der aufgebahrten Leichen abzuhacken. Auch später werden wir immer wieder mehr oder weniger harmlosen Kontakt mit den anwesenden Toten suchen.

Unser Held muß sich in jedem Fall auch eine Menge von Informationen notieren, die er erst später gewinnbringend einsetzen kann, z. B. für Passwörter und Codes. Da es erst in der Mitte des Spiels eine Notizbuchfunktion gibt, (die auch nur die wichtigsten Informationen speichert), ist der Spieler meist gezwungen, Zahlen und Fakten selbst zu notieren. Das kann eine Notiz in einem herumliegenden Sexmagazin sein oder ein kurz eingeblendeter Sicherheitscode aus einem Überwachungsvideo.

"Midnight Nowhere" ist ein reines Adventure, d. h. es gibt keinerlei Action- oder Geschicklichkeitselemente und auch kein Game-Over. Auch wenn wir in bestimmten Bereichen Rätsel in unterschiedlicher Reihenfolge angehen können, gibt es Schlüsselrätsel, deren Lösung Voraussetzung für das Weiterkommen ist. Das gesamte Spiel ist in 3 Abschnitte unterteilt, von denen jeweils keine Rückkehr in einen vorherigen Spielabschnitt möglich ist.

Die Rätsellösung wird besonders durch 2 Faktoren erschwert: zum einen werden die Icons für Nehmen bzw. Benutzen nicht durchgängig für die gleichen Aktionsarten verwendet, so kann z. B. mit dem Benutzen-Icon ein Gegenstand oft untersucht aber dann auch aufgenommen werden. Zum anderen ist die deutsche Übersetzung streckenweise derart miserabel, daß man nicht nur über den Sinn des Gesagten nachgrübeln muß sondern speziell falsche Bezeichnungen von Gegenständen zur Verwirrung führen.

Türöffnungs- und Passworträtsel überwiegen. Am interessantesten ist der Mittelteil des Spiels, in dem wir komplexere Manipulationen vornehmen und auch einige Wissenrätsel lösen müssen in Kombination mit Dialogen mit den wenigen lebenden NPCs des Spiels.

 

Texte/Sprache

Leider ist die deutsche Übersetzung von "Midnight Nowhere" nicht gelungen. Das resultiert hauptsächlich aus den oben erwähnten Fehlern, die sich auf das Verständnis der Geschichte und auch Lösen bzw. Nicht-Lösen-Können von Rätseln auswirken (beispielsweise die Verwechslung der Begriffe Diskette und CD in einem der letzten Rätsel). Meist fragt man sich, was unser Held mit seinem kryptischen Kommentaren zu diesem oder jedem Gegenstand eigentlich sagen will. Die englische Übersetzung der von mir gespielten umfangreichen Demo (ungefähr die Hälfte des Originalspiels) schien mir da doch um einiges besser gelungen und ich nehme das auch für die englische Version an, die im Februar erscheinen soll.

Positiv zu bewerten sind die Übersetzungen der meisten Ingame-Grafiken, die mit Texten versehen sind, und das sind nicht wenige. Hier wurde ein großer Aufwand betrieben, die vielen Poster, Bilder, Dokumente, Notizen, Pin-Ups, Bücher usw. passend zu übersetzen, auch wenn sie nichts mit der Lösung von Rätseln zu tun haben. Da findet man dann überraschend viele humorvolle Anspielungen z.B. auf einen Arnold Braunschweiger, der ein Buch "Bodybuilding für Anfänger" geschrieben hat oder ein Handbuch für Windows 2015. Es gibt auch jede Menge anzügliche Darstellungen vom therapeuthischen Kamasutra bis zu diversen Pin-Ups und viele Bilder die stilistisch etwas an Manfred Deix erinnern.

Leider ist nicht alles ins Deutsche übersetzt worden, so daß man z. B. im englischen Vorspann erkennen muß, daß Black Lake eigentlich Chernozersk oder so ähnlich heißt und auch sonst russische oder englische Texte auftauchen. Da geht eine Menge west-östlich durcheinander, mal mit englischen Bezeichnungen, mal mit russischen. Verwundert haben auch immer wieder die verschiedensten Daten von 2015 bis 2025. Man bekommt immer wieder ein neueres Datum aufgetischt und fragt sich dann doch irgendwann mal, ob ein 10jähriges Dauermassaker wirklich als glaubhafte Grundlage für unsere Spielgeschichte dienen kann.

Wenn man die miserable Textübersetzung betrachtet, verwundert es doch, daß zumindest die deutsche Sprachausgabe gar nicht so übel klingt. Unser Held spricht ja meist mit sich selbst und hat nur wenige Dialoge mit anderen Charakteren, aber die sind ganz gut gelungen, wenn auch nicht so ausdrucksstark, daß man darüber ins Schwärmen geraten könnte.

 

Grafik/Atmosphäre

Unsere sehr dunkel gehaltene 3D-Figur (er hat gegenüber einer früheren Fassung nun ein schwarzes Sweatshirt an) bewegt sich in einer sehr realistischen und detaillierten 2D-Umgebung. Es handelt sich überwiegend um Innenansichten des Krankenhauses, des Gegängnistraktes und der Polizeidienststelle. Die Charakteranimationen sind zurückhaltend, eher steif, es gibt keine Mimik und wenig Gestik. Dafür wechseln die Kamerapositionen von der normalen Seitenansicht je nach Szene auf schräg von unten oder oben oder Draufsicht. Es gibt keine Kamerawechsel innerhalb einer Szene, außer man klickt einen Gegenstand für eine Zoomansicht an.

Von Beginn an soll alles düster und makaber wirken. Nur wenige, manchmal flackernde Lichtquellen sorgen für Helligkeit. Oft muß man die Bildschirm-Gamma-Einstellung höherschrauben, um die dunklen Ecken untersuchen oder auch manche Texte lesen zu können. In den meisten Räumen finden wir Blutspuren oder ganze Blutlachen, viel verwüstetes Mobiliar, als ob Kämpfe stattgefunden hätten. Allerdings scheinen die Schauplätze auch vor der Verwüstung nicht gerade gemütlich gewesen zu sein, sondern eher heruntergekommen und auch nicht gerade auf dem modernsten Stand.

Viele der Poster, Pin-Ups, Fotos sind unwirklich verfremdet und beschäftigen sich mit Sex, Drogen und Gewalt. Wir erfahren einiges über die herumliegenden Toten, indem wir ihre Sachen oder auch Schreibtische durchsuchen, manchmal auch durch die knappen Kommentare unseres Helden, wenn wir sie denn verstehen. Während er sich darüber Gedanken macht, wer er eigentlich ist, fragen wir uns, ob es sich generell lohnt, in diesem Endzeitchaos überhaupt zu überleben.

Lebendiger wirken die Szenen im Gefängnis mit den Mitgefangenen und Wärtern, die aber nur ein Intermezzo bleiben und wieder durch jede Menge kalter Leichenszenen abgelöst werden. "Midnight Nowhere" will nur durch die Zurschaustellung der Leichen gruselig wirken, Musik oder durchaus vorhandene, passende Geräusche sind für die Atmosphäre nebensächlich.

 

Keine Bugs

Es traten keine technischen Fehler oder Spielabbrüche auf.

 

Fazit

Dadurch wären wir auch schon beim Knackpunkt: die Story bietet spannende Ansatzpunkte, die aber unspannend umgesetzt wurden. Kein aufregendes musikalisches Crescendo beim Anblick einer neuen Leiche, noch nicht mal das Heben einer Augenbraue! Unser Held wandelt scheinbar unberührt unter all den Toten. Die ständige Bedrohung durch den mysteriösen Killer scheint ihn ebenfalls nicht zu schrecken und bewegte mich persönlich dann schließlich auch genauso wenig. Auch wenn die ganze Geschichte voller Unglaubwürdigkeiten steckt, so wird sie doch glaubwürdig aufgelöst - jedenfalls glaubwürdiger als es z. B. bei "The Black Mirror" der Fall war.

"Midnight Nowhere" ist ab 16 Jahren freigegeben, und richtet sich an solche Spieler, die sich neben dem blutigen Ambiente inklusive Gewalt- und Sexdarstellung auch gegen die Schilderung von Drogenkonsum gewappnet haben. Also eher ein Spiel für Erwachsene, die nichts gegen blutverschmierte Kulissen und herumliegende Leichen haben. Ebenfalls wappnen sollte man sich allerdings auch gegen eine trostlose Umgebung mit wenig Kommunikation, die dann noch mißverständlich abläuft und mittelschwere Rätselkost. Die Bezeichnung 'Horror' trifft am ehesten auf die Übersetzung zu.

 

Gesamtwertung: 61%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79%    gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0%  bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

Systemvoraussetzungen:

  • Pentium II 450 MHz und 128 MB bei Windows 98SE/ME
    oder
    Pentium III 500 MHz 256 MB RAM bei Windows 2000
  • DirectX8-kompatible Grafikkarte, Highcolor, 16 Bit mit 32 MB RAM, Auflösung 800 x 600 (Geforce 2MX oder vergleichbar)
  • Ca. 1000 MB freier Festplattenspeicher
  • CDROM-Laufwerk
  • Maus

 

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 30. Januar 2004

 

Hauptmenü
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Die meisten Plakate sind gut ins Deutsche übersetzt
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wie dieses
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aber eben nicht alle
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Die Administratoren haben einige 'wichtige' Programme auf dem Rechner
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Die tote Krankenschwester muß gründlich durchsucht werden
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Unser Held sieht sein Spiegelbild. Das kommt nicht in vielen Adventures vor.
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Ein gefährlicher Ventilator!
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Nur eins von vielen Coderätseln
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Der nächste Tote, bitte!
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Das Inventar erscheint nur auf Rechtsklick
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Endlich draußen ...
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Eine der wenigen Videoszenen
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Im Knast
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Das Essen ist genauso kalt wie der Besitzer
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- ohne Kommentar -
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Unter dem Krimskrams muß doch etwas Braucbares zu finden sein ...
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Blutrausch mal von oben gesehen
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Ein paar Leichen und kostbare Gemälde
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Ist das der Ausgang?
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