This page in English 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 


Mission Sunlight 


Erscheinungsdatum: 1998
Entwickler: Media Factory
Publisher: Wanadoo Edition (früher Index+)
Boxshots

Spielsprache: Englisch
(Eine französische Version wurde ebenfalls veröffentlicht)

 

 

Ein Review von slydos   08. Februar 2005

Auch dieses Adventurespiel vom ehemaligen Publisher Index+ (jetzt Wanadoo) hat es, wie sein Nachfolger, Monet - Mystery of the Orangery, nicht bis nach Deutschland gebracht trotz seines Budgets von 3 Millionen Franc. Und auch die englische Version, die hier als Vorlage diente, gehört zu den Spielen, nach denen man wirklich suchen muß. Nach einigen Jahren war es mir möglich, ein Originalexemplar der UK-Version zu erhaschen und ich möchte gerne meine Eindrücke über dieses 7 Jahre alte Edutainment-Adventure all denjenigen weitergeben, die auf der Suche nach Raritäten sind.




Die futuristische Welt des Intros
Die futuristische Welt des Intros
Die Aufgabe

Im Gegensatz zum Nachfolgespiel über Monet und seine Werke finden wir in diesem Fall keine Spielhandlung vor. Wir bleiben ganz wir selbst und besuchen in einer futuristischen Umgebung, die man sich allerdings leicht in Paris vorstellen kann, ein Van-Gogh-Museum. Im Foyer finden wir nur ein farbloses Selbstporträt des Meisters und eine Vase mit Sonnenblumen vor - seinen Sonnenblumen natürlich.

Da erscheint hinter dem Tresen ein schwebender, sprechender Roboter, der uns gleich das Problem mitteilt: er hat schon tausende Algorithmen durchprobiert, aber in einer Welt ohne Sonne haben auch alle Bilder der Ausstellung ihre Farben verloren. Der automatische Museumshüter bittet uns um unsere Mithilfe, die Sonne und damit die Farben zurückzubringen.

Wir besuchen nacheinander 3 Räume des Museums, die thematisch zusammengehörende Gemälde Van Goghs beherbergen. Hier können wir in die Bilder eintauchen und werden scheinbar durch einen digitalen Kanal in die 3D-Realität der jeweiligen Szenen gesogen. Dort müssen wir eine Anzahl von sogenannten Workshops absolvieren, an deren erfolgreichem Ende jedesmal Van Gogh selbst auftritt um uns eine Sonnenblume zu überreichen. Haben wir alle Sonnenblumen zu einem Thema gesammelt, erstrahlen die Gemälde wieder farbig im alten Glanz.

 

Installation/Start

"Mission Sunlight" kommt auf 1 CD mit englischem Handbuch in Form eines Klapp-Posters und einem kleinen Booklet mit leicht verschlüsselten Hilfestellungen. Das Spiel ist für Windows 95 konzipiert und ich hatte Probleme bei der Installation unter Windows XP mit der Grafikkarte. Deshalb installierte ich es auf einem Original WIN95-Rechner, auf dem alles reibungslos funktionierte. 

Bei der automatischen Installation kann man zwischen 3 Installationsgrößen wählen: Minimum 15,5 MB, Medium 45,6 MB oder Maximum 144,9 MB. Die maximale Installationsgröße ist zu empfehlen, damit die Steuerung in der 3D-Umgebung sanft und fließend abläuft.

Zunächst werden wir nach einem Spielernamen gefragt - nur beim erstmaligen Start mit diesem Namen bekommt man das futuristische Intro zu sehen. Klickt man denselben Namen zu Beginn erneut an, gelangt man sofort an den letzten Aufenthaltsort. Auch wenn man nicht selbst speichern kann, werden automatisch Spielstände gesichert, wenn man einen Workshop erfolgreich beendet hat.

 

Handling

Beim Eintritt ins Museum sind wir ein wenig hilflos bezüglich der Steuerung. Wir müssen uns das Wissen dazu von der Rückseite des mitgelieferten Spielposters beschaffen. Es handelt sich um eine Kombination aus Maus- und Tastatursteuerung. Mit den Pfeiltasten können wir uns stufenlos in 1st-Person-Perspektive in einer 3D-Umgebung bewegen und auch nach oben bzw. unten schwenken.

Verändert sich der Cursor von seiner Standardpfeilform, so können wir per Mausklick Aktionen im Spielbildschirm ausführen, wie z. B. Objekte aufnehmen und manipulieren oder Workshops öffnen. Den ersten Workshop erreichen wir durch anklicken der Sonnenblumen auf dem Tresen. Es handelt sich um einen Trainingsworkshop, in dem uns der animierte Van Gogh höchstpersönlich die Regeln unserer Mission und die Funktionsweise der Workshops erklärt.

Wir können jedes der ausgestellten Bilder in 3D begehen und müssen dort Objekte finden, die in der Szenerie verborgen sind. Diese Objekte nehmen wir in unser Inventar auf, das wir durch die Leertaste am unteren Bildschirmrand öffnen und schließen können. Hotspots werden nur durch eine Veränderung des Cursors sichtbar gemacht. Szenenwechsel löst man teilweise automatisch durch Vorwärtslaufen aus oder aber auch durch einen Linksklick, wenn der Cursor einen roten Punkt erhält.

Die Esc-Taste führt uns zum Hauptmenü mit den Menüpunkten Load, Options, Credits und Quit. Im Optionsmenü können wir neben Bild- und Toneinstellungen auch die Tastaturbelegung abrufen.

Die kombinierte Maus-/Tastatursteuerung ist dort nicht so angenehm, wo wir die Umgebung untersuchen wollen, da wir immer wieder anhalten müssen, um mit der Maus nach Hotspots zu suchen um danach wieder die Pfeiltasten zu benutzen. Sie bietet aber einen annehmbaren Mittelweg. Das Fehlen einer Speichermöglichkeit habe ich nicht als Hindernis empfunden, da man durch die automatischen Speicherpunkte sehr gut versorgt ist.

Man bewegt sich ohne lange Wartezeiten innerhalb der Szenen und das Schwindelgefühl, das bei rein mausgesteuerten 1st-Person-Spielen auftreten kann, wird hier vermieden.

 

Workshops

Verwandelt sich der Cursor in ein kleines Rechteck, das eine Tür symbolisieren soll, dann können wir einen Workshop, das eigentliche Zentrum des Spiels, betreten. Dort finden wir zunächst die Darstellung eines Van Gogh Bildes, in das wir wir per Mausklick zoomen können. Wir erhalten auch Informationen über die tatsächliche Größe dieses Gemäldes und den derzeitigen Aufenthaltsort. Links daneben befinden sich minimal 1 bis maximal 3 Symbole, die wir in der Spielumgebung zu suchen haben. Wenn wir sie gefunden und per Drag&Drop auf das zugehörige Symbol ziehen, erhalten wir zum einen jedesmal Informationen zu Van Goghs Leben, seinem Malstil oder seinen Bildern, zum anderen werden uns auch kleine Aufgaben gestellt, wie z. B. Bildbereiche aus dem Gedächtnis zu memorieren oder Puzzles zu lösen.

Haben wir alle Symbole gefunden und Aufgaben zu einem Workshop gelöst, erhalten wir von Van Gogh eine Sonnenblume, die wir in einer Vase im Inventar ablegen. In jedem der drei Museumsbereiche müssen wir eine bestimmte Anzahl (bis zu 15) dieser Sonnenblumen bekommen, bevor wir ihn wieder verlassen können. Die Anzahl der benötigten Sonnenblumen wird uns als Sperre in der Tür des Museumsraumes angezeigt, wenn wir den Workshop über einen Button zurück zum Museum verlassen.

 

Rätsel

Außerhalb der Workshops müssen wir natürlich Objekte suchen und einstecken. Die können manchmal in verschlossenen Schränken verborgen sein oder auch in perspektivisch versteckten Orten auf uns warten. Obwohl wir innerhalb einer Hauptszenerie eher nichtlinear arbeiten, sind einige Objekte erst nach dem Auffinden anderer Objekte in bereits bekannten Szenen zu finden. Beispielsweise fällt erst später ein Spiegel von der Wand, wenn wir schon andere Aufgaben erledigt haben und diesen Schauplatz wieder aufsuchen. Die Rätsel sind allesamt sehr einfach, nur die kombinierte Maus-/Tastatursteuerung erschwert die Aufgaben ein wenig. Die Zielgruppe der 8 bis 13jährigen sollte keine Probleme bei der Lösung haben. Sollte man einmal stecken bleiben, kann man die beiligenden etwas verschlüsselten Tipps verwenden. "Mission Sunlight" sollte in ca. 5 Stunden beendet sein.

 

Grafik

Die Grafik von "Mission Sunlight" ist etwas Besonderes. Die Spieler können sich frei durch die Gemälde von Van Gogh bewegen. Alle Schauplätze wurden nach seinen Bildern in 3D gestaltet und man hat versucht, den Stil des Künstlers so gut wie möglich zu übernehmen. Das ist auch außerordentlich gut gelungen, vom bäuerlichen Anwesen im Hollandraum über die berühmten Ansichten von Arles mit dem Nachtcafé,  dem Gelben Haus, der Zugbrücke von Langlois und den Szenen der Klinik, in der Van Gogh sich zeitweise aufhielt, bis zu den Kornfeldern von Auvers-sur-Oise und seiner unvergeßlichen Kirche. Während Van Gogh keinen Wert auf perspektivisch richtige Darstellung legte, ja geradezu das Gegenteil eines 3D-Künstlers personifizierte, ist es den Grafikern gelungen, seine Antiräume glaubhaft ihren erforschbaren Strukturen anzupassen. Für mich war das Nachempfinden dieses Vorgangs das spannendste Element des Spiels.

Überraschend ist eine Gewitterszene in Arles, in der wir durch einen harmlosen Klick ein Video anstoßen, daß nicht nur Van Goghs Haus in kurzer Zeit neu einfärbt sondern auch riesige kristallartige Regentropfen auf die traumhafte Szenerie niederprasseln läßt.

Leider wurden aus seinen Bildern alle Menschen entfernt. Nicht nur, daß wir mit niemandem kommunizieren können, aus den nachgestellten Bildern hat man fast alles Leben herausgenommen. Zwar finden wir die Originalbilder in den Workshops mit all den interessanten Charakteren wieder, die Van Gogh so ausdrucksvoll beschreibt, aber im Spiel sind selbst unbewegliche Standbilder weggelassen worden. Nur Van Gogh taucht in den Workshops als animierter 3D-Charakter auf.

 

Sound

Dafür hat man eine Soundkulissen geschaffen, die in ihrer Intensität kaum zu übertreffen ist. Bereits bei den Kartoffelessern im Hollandraum, die im Prinzip in einer recht einsamen Szenerie leben, bläst der Wind so daß die Fensterläden klappern, es schreit ein Baby, Hunde bellen von ferne, Schweine grunzen, Schafe blöken und Hähne krähen ohne daß man ein einziges dieser Tiere sieht. Nur ein einsames Huhn geht seiner Wege und ein Vogel baut sein Nest.

Im 'belebten' Arles hören wir Pferdefuhrwerke, Marschmusik, Geplauder der Gäste, das Zirpen von Grillen, Glockenklänge, Klaviermusik im Garten aber auch verstörende Schreie und Stöhnen im Hospital. Der Dampf einer animierten Eisenbahn stiebt hinter Bäumen hervor während das Pfeifen der Lok erklingt. Abgerundet wird der ausgezeichnete Sound von orchestralen Klängen zu den futuristischen Videosequenzen zu Beginn und Ende des Spiels.

Die Workshops wurden mit einer ausgezeichneten und gut verständlichen englischen Sprachausgabe versehen, bei der sich eine Männer- und eine Frauenstimme abwechseln. Untertitel fehlen allerdings.

 

Fazit

Ich hatte einmal die Chance eine Reihe der hier dargestellten Werke Van Goghs in einer Ausstellung betrachten zu können und weiß, daß die plane Darstellungsweise am Bildschirm oder in einem Buch niemals dem Eindruck eines dieser Originalgemälde auch nur nahe kommen kann. Aber wer hat schon die Möglichkeit, sich die verstreuten Werke am aktuellen Ausstellungsort irgendwo auf der Welt anzuschauen? Hier findet man alles auf engstem Raum zusammengeführt und aus ganz neuem Blickwinkel betrachtbar. Die Idee, Van Goghs Bilder als Spielkulisse zu verwenden, ist außergewöhnlich und ein Augenschmaus mit Lerneffekt für Kinder wie für Erwachsene. Leider hat man in dieser ersten Auseinandersetzung mit einem künstlerischen Gesamtwerk noch auf die Darstellung von Charakteren im Spiel selbst verzichtet und somit dem Werk des Künstlers einen wichtigen Aspekt geraubt. Erst im Nachfolger "Monet - Mystery of the Orangery" wurden Akteure und auch eine Handlung eingefügt und neben der einfachen Beschäftigung mit den Werken auch eine spannende Geschichte erzählt. Dies alles hätte "Mission Sunlight" auch gut getan.

 

Bewertung: 60 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Voraussetzungen:

  • Pentium 133
  • 16 MB RAM
  • Windows 95
  • Videokarte 256 Farben
  • Soundkarte 16 Bits
  • CDROM 4x
  • 2 MB Video RAM

Gespielt mit:

  • Windows 95
  • PII 233 MHz
  • 64 MB RAM
  • 4 MB Grafikkarte
  • 16bit Soundkarte
  • 24x CDROM-Laufwerk

Hauptmenü
Hauptmenü

Vincent Van Gogh erklärt uns die Mission
Vincent Van Gogh erklärt uns die Mission

Der Empfangsroboter bittet uns um Hilfe
Der Empfangsroboter bittet uns um Hilfe

Infos zu Originalgröße, Standort und Erstellungsdatum der Gemälde
Infos zu Originalgröße, Standort und Erstellungsdatum der Gemälde

Das Haus der Kartoffelesser
Das Haus der Kartoffelesser


Im Museum sind die Bilder solange grau, bis wir die Aufgaben der Workshops gelöst haben
Im Museum sind die Bilder solange grau, bis wir die Aufgaben der Workshops gelöst haben

Eine Reise in eine andere Welt beginnt jedesmal wenn wir ein Bild anklicken
Eine Reise in eine andere Welt beginnt jedesmal wenn wir ein Bild anklicken

Wir setzen die Figuren eines Bildes ein
Wir setzen die Figuren eines Bildes ein

Van Goghs Zimmer in Arles
Van Goghs Zimmer in Arles


Ein grandioser Wolkenbruch
Ein grandioser Wolkenbruch

Zu diesem Workshop müssen wir 2 Gegenstände suchen
Zu diesem Workshop müssen wir 2 Gegenstände suchen

 

Das Nachtcafé in Arles ist eines der bekanntesten Bilder Van Goghs
Das Nachtcafé in Arles ist eines der bekanntesten Bilder Van Goghs

 

Im Workshop zu Van Goghs Schlafzimmer, das er zweimal gemalt hat, müssen wir eine Zuordnungsaufgabe lösen
Im Workshop zu Van Goghs Schlafzimmer, das er zweimal gemalt hat, müssen wir eine Zuordnungsaufgabe lösen

 

Die Brücke von Langlois können wir begehen
Die Brücke von Langlois können wir begehen

 

Das Haus von Dr. Gachet in Auvers
Das Haus von Dr. Gachet in Auvers

 

Mehr Screenshots

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 08. Februar 2005

 

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite