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Martin Mystére

Hersteller: Artematica
Publisher Italien: Leader
Publisher UK: GMX Media
Releasedatum Italien: 12/2004

Homepage Italien
Homepage UK

 

Ein Preview von slydos, 18. Februar 2005

 

Martin Mystére ist möglicherweise den Comicfans hierzulande bereits bekannt, neuerdings gibt's sogar eine französische TV-Serie mit dem von Alfredo Castelli erfundenen Helden, der sich seit 1982 speziell mit Mysteryfällen, seien es Außerirdische, Zeitreisen oder das Geheimnis von Excalibur, beschäftigt. MM ist verlobt mit seiner Ex-Sekretärin Diana Lombard, fährt Ferrari und hat für seinesgleichen eine sehr ungewöhnliche Eigenschaft: er altert, sogar in den Comics. Er wohnt in New York und ist nicht nur die Spezialwaffe des FBI bei den oben genannten X-Files sondern auch ein in vielen Wissenschaften und Künsten sehr gebildeter Mensch, sozusagen ein Fox Mulder mit Indiana Jones gekreuzt zur Potenz. Der Untertitel unseres Spiels frei nach Oscar Wilde "Operation Dorian Grey" weist uns darauf hin, daß es diesmal um einen Traum der Menschheit geht - die ewige Jugend.

Ich hatte bereits das Vergnügen, die englische Version von MM anzuspielen und kann die frohe Botschaft an alle Point&Click-Fans weitergeben: Martin Mystére ist ein klassisches Adventurespiel, und was für eins!

Unser 3D-Held verleugnet mit seinem kantigen Gesicht und seiner blonden Haartolle seine Comic-Herkunft nicht. Er bewegt sich geschmeidig dorthin, wohin unsere Maus ihn schickt oder zu Gegenständen, die wir näher untersuchen wollen.

Öffnen und schließen des Inventars am unteren Bildschirmrand funktioniert durch einen Button in der linken unteren Ecke des Bildschirms. So kann man selbst entscheiden, ob das Inventar sichtbar ist oder nicht. Wir schauen uns Gegenstände mit der linken Maustaste an und können mit der rechten Maustaste durch die Aktionsmöglichkeiten zappen, um mit Objekten oder Personen zu interagieren. Dabei ändert der Mauscursor über Hotspots sein Aussehen, es gibt aber keine Textanzeige zu den Objekten oder Personen. Dafür allerdings Untertitel, wenn Martin uns mit Sprache und Text alle diese Dinge ausführlich beschreibt.

Und was für eine Menge von Hotspots das sind. Es macht gleich von Anfang an richtig Spaß, sich die vielen Mitbringsel des weitgereisten Detektivs und Gelehrten anzuschauen. Seine Wohnung birgt natürlich nicht nur fremdländische Masken, Statuen und anderen Nippes sondern auch viele Bücher, deren Inhalt er bereits verinnerlicht hat und uns gerne einen kurzen Abriß davon gibt.

Fast alles ist anklickbar und dabei erhalten wir natürlich auch jede Menge witziger Bemerkungen, wobei wir ganz und gar nicht mit Standardfloskeln abgespeist werden. Der Hotspotfaktor, also das Verhältnis von anschaubaren und benutzbaren Gegenständen in einem Bildbereich ist meiner Einschätzung nach ca. 10:1 während es bei Syberia z. B. 1:1 oder 2:1 ist.

Sein Haus teilt er nicht nur mit seiner Verlobten, sondern auch mit seinem Helfer Java. Java, einem schwergewichtigen Quasimodo nicht ganz unähnlich, gibt für uns im Gegensatz zu Martin Mystére nur ziemlich unverständliche Grummellaute von sich. Mystére allerdings weiß sich mit ihm zu verständigen. Ob er auch die Gefühle und Gedanken dieses Ausnahmewesens aus einer anderen Zeit versteht, bleibt zunächst offen.

Diana, die ihren Martin kennt, hat aus gutem Grund seinen Teil des Kleiderschrankes (natürlich der weitaus kleinere, wie es sich gehört) abgeschlossen und den Schlüssel versteckt, um ihn daran zu hindern, das Haus zu verlassen während sie weg ist. Martin hat - wollen wir es so ausdrücken - großen Respekt vor Diana, so daß er sich auch nicht in ihrer Abwesenheit traut, ihre Kommodenschubladen zu öffnen oder gar zu durchsuchen. "Da sei Gott vor!" warnt er uns nur, wenn wir es ihm vorschlagen. Ja, meine Damen, ich merke schon, wie Sie sich für diesen wohlerzogenen Herren zu interessieren beginnen, der übrigens auch mit Waschmaschinen und Reinigungsmitteln umgehen kann.

Aber Spaß beiseite, Martin Mystére wird telefonisch zu einem Mord an einem Wissenschaftler gerufen. Also sollte er sich endlich von seinem Pyjama und Hausmantel trennen und sich in seinen Ferrari werfen, um der Menschheit zu dienen. Die Rätsel, die er allein dafür bewältigen muß sind logisch, einfallsreich und machen richtig Spaß.

Gegenstände, die Martin auf seine Mission mitnimmt, sind eine Karte von New York, in die automatisch alle neuen zugänglichen Schauplätze eingetragen werden und sein Handy, mit dem er gespeicherte Nummern anrufen kann, auf dem er aber genauso gut kontaktiert werden kann. Eingespeichert ist übrigens vorsichtshalber auch die Nummer von Castelli - weiß man, wozu man einen Autoren noch mal brauchen kann?

Die gerenderte Grafik der Schauplätze ist geradezu opulent und lädt zum durchstreifen und untersuchen ein, wirkt aber gegenüber den Charaktergrafiken weniger comicstilmäßig. Einige Schauplätze stellen klare Reminiszenzen an Runaway und Baphomets Fluch dar, andere wieder sind original und scheinen in keinem Zusammenhang mit bekannten Adventures zu stehen. Ich habe bisher erst Kontakt mit neun oder zehn NPCs gehabt, aber kann auch hier nur von ausgesprochen interessanten, witzigen Dialogen und Bemerkungen berichten. Die weiblichen Charaktere haben nicht die gigantischen Dessousgrößen von Heroinen wie Druuna oder Lula, sind aber auch nicht gerade sparsam ausgestattet, italienisch halt. MM hat ein sofort spürbares eigenes Flair, benutzt dabei keinen trickfilmähnlichen Grafikstil wie Runaway sondern zeigt einen eigenen hell- und weichgezeichneten Ausdruck. Die unaufdringliche Hintergrundmusik trägt zur Atmosphäre bei, durch die wir bereits beim Szenenwechsel spüren können, ob es leicht-heiter weitergeht oder spannend wird.

Martin Mystére mischt Humor mit Spannung, ist leicht steuerbar und läßt einen rätsel- und storymäßig gleich von Anfang an nicht los. Ich bin überzeugt, daß diese italienische Antwort auf Runaway nicht nur ins Schwarze zielt sondern auch die SpielerInnenherzen treffen wird.

 

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium III 866 MHz
  • 128 MB RAM
  • 3D Grafikkarte mit 32 MB
  • DirectX 9
  • 32x CDROM-Laufwerk
  • 700 MB Speicherplatz Festplatte

 

 

 

adventurearchiv - 18-02-05

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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