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Moorhuhn Adventure 2 - Der Fluch des Goldes


Erscheinungsdatum: 12/2004
Entwickler: Phenomedia
Publisher: ak tronic


Spielsprache: Deutsch


Boxshots

USK: ohne Altersbeschränkung

 

Ein Review von   André   04. Februar 2005


Moorhuhn Adventure, zweiter Teil. Oder vielleicht sollte ich besser sagen:
zweite Chance. Ich habe den ersten Teil "Der Schatz des Pharaos" nämlich mittendrin abgebrochen, obwohl man eigentlich direkt merkte, dass die Entwickler adventure-begeistert und auch -erfahren sein müssen und mir das Spiel sympathisch war, da mir die solide Comic-Grafik sowie die Machart generell sehr gefallen hatte.

Ich fand die vielen Labyrinthe aber zu nervig und außerdem kam ich mit den Rätseln nicht zurecht. Irgendwie entsprachen sie nicht "meiner Logik". Und dass Herr Moorhuhn zudem nicht sprechen konnte, machte das Spiel dann auch nicht unbedingt spannender. Hier also der zweite Teil. Mal sehen, ob sich was verändert hat.


Inhalt

Moorhuhn 2 setzt theoretisch da an wo der erste Teil aufhört. Das ist aber
unwesentlich, da man den aktuellen Teil auch versteht, wenn man den ersten nicht gespielt hat.

Die Ausgangssituation ist wie folgt: Herr Moorhuhn war in Ägypten, hat dort ein paar Abenteuer erlebt, einen Schatz erbeutet und ist in sein Schloss zurückgekehrt. Jetzt sitzt er also in seinem Zimmer, (übrigens in haargenau demselben Zimmer in dem er auch schon am Anfang des ersten Teils gesessen hat) und erfreut sich seiner in Ägypten erbeuteten Statue. Den Rest des Schatzes hat der Staat nämlich als Steuern einbezogen. (Womit wir politisch hochaktuell wären, denn im Ausbeuten ist die momentane Regierung ja kaum noch zu übertreffen.)

Alles scheint wie gewohnt. Nur ein Gewitter kündigt Unheil an. Wir schauen uns also um, laufen zum Flur, begeben uns in den nächsten Raum und sind .... wieder im selben Zimmer? Und die übrigen beiden Räume sehen ja genau so aus! Moment mal, da stimmt doch was nicht! Wir haben da doch noch diese ägyptische Statue. Sind die Dinger nicht immer verflucht? Oh, mein Gott, wir müssen uns in Ägypten einen Schlossgeist eingefangen haben!

 

Sound

Die Intention ist folgende: Es gibt keine Sprachausgabe. Dafür kann das
Spiel von Anfang an zu einem sehr günstigen Preis von nur ca. 15 Euro
verkauft werden, was dann wohl mehr Kunden zu einem direkten Kauf
veranlasst.

Die fehlende Sprachausgabe war dafür, dass es das erste Adventure gewesen ist, auch noch okay gewesen, aber spätestens bei diesem Teil hätte ich ehrlich gesagt lieber einen Zehner oder so mehr ausgeben und wäre dafür in den Genuss der Sprachausgabe gekommen. So aber merkt man wieder einmal, wie wichtig Stimmen für ein Adventure sind. Ein persönliches Merkmal eines Charakters fehlt einfach, wenn anstatt Stimmen zu hören nur Untertitel zu lesen sind. Das Spiel wirkt stellenweise irgendwie leer. Na ja, wenn´s halt nicht machbar ist, dann muss es auch so gehen.

Das kann dann auch die Geräuschkulisse oder die schöne orchestrale Filmmusik nicht ganz kompensieren. Diese ist manchmal bombastisch wie bei Abenteuerfilmen und manchmal vernehmen wir auch nur ein paar ruhige Klänge. An einem Ort gibt's sogar netten Jazz-Sound und in Ägypten, wohin es uns auch dieses Mal wieder verschlägt, orientalisch inspirierte Klänge.



Grafik

Moorhuhn ist trotz des niedrigen Preises grafisch in etwa genau so gut und aktuell wie momentan vergleichbare 2D-Adventures aber auch ältere Spiele. Denn der zeitlose Comicstil mit seiner soliden Hintergrundgrafik kommt halt ohne großartige technische Finessen und aufwändige Effekte aus und hat sich in den letzten Jahren gar nicht so stark verändert. Der Moorhuhn-Charakter weiß wieder mit seinem watschelnden Gang und seinen putzigen Bewegungen bzw. Mimik zu gefallen.

Und auch das recht kurze, ein wenig im Noir-Stil gehaltene Intro mit der
bombastischen, orchestralen Musik fand ich sehr schön. Es sieht auch sehr schick aus, wie sich die Schrift in Rauch auflöst.

Ansonsten gilt: Wer den ersten Teil kennt, der weiß was ihn erwartet, denn die Spielgrafik knüpft nahtlos an den ersten Teil an. Der erste Raum (im Schloss) sowie einige Locations in Ägypten sind wie gesagt sogar eins zu eins übernommen worden.

Ein Bisschen Bewegung in Form eines Wasserlaufs hier oder ein paar
vorbeifliegende Wölkchen dort hätten einigen Szenen sicher gut zu Gesicht gestanden. Wenn man dann andererseits den sehr niedrigen Anfangspreis berücksichtigt, dann versteht man schon, dass hier nicht jedes Bild aufwändig animiert werden kann.



Handling

Es ist ziemlich nervig und langwierig alle Funktionen mit der rechten
Maustaste "durchzuzappen", bis man die gewünschte Funktion wie "Sehen", "Sprechen" usw. gefunden hat. Ansonsten ist an der gewohnten Maussteuerung und dem klassischen Inventar nichts auszusetzen.

Per Escape gelangt man ins Menü. Netterweise findet man dort noch ein paar Skizzen und Desktopmotive. Jedoch weiß ich nicht so recht, wer ernsthaft z.B. ein paar im Comicstil gemalte Klumpen Gold in einem Tresor als Motiv verwendet. Im Menü kann man auch auf einem der nur neun Speicherplätze sein Spiel sichern. Ich denke, dass die geringe Anzahl bei dem Spiel aber genügt.



Rätsel

Ich mag es ja eigentlich, wenn man viele unsinnige Gegenstände benutzen muss - getreu dem Motto: "Finde alten Kamm, Schraube und elektrische Zahnbürste und baue daraus eine Motorsäge". In der ersten Hälfte des Spiels war unser Inventar aber teilweise mit über 50 (oder sogar 60 ?) verschiedenen, größtenteils für das Spiel sinnlosen Gegenständen rappelvoll und das war mir dann doch eindeutig zu viel. Manchmal hatte ich alleine sieben verschiedene Schlüssel, einen dicken Schlüsselbund sowie mindestens 45 weitere Gegenstände. Ich wusste stellenweise gar nicht mehr, wo ich ansetzen sollte, was natürlich sehr auf Kosten des Spielflusses ging.

Viele Rätsel haben sicher Spaß gemacht, andere aber waren wie schon im letzten Spiel wieder zu abwegig und alles andere als logisch. Ein Beispiel: Wenn wir (egal ob absichtlich oder nicht) mit Gegenständen reden, bekommen wir Punkte abgezogen. Soweit logisch. Mit dem Grundstein der Burg müssen wir aber reden. Dieser sagt uns dass wir den Stein der Weisen einen schönen Gruß ausrichten sollen. Machen wir dieses, gibt es... genau ... Punktabzug! Viele der Rätsel fand ich zu abstrakt. Daher habe ich den ersten Teil des Spiels dann auch fast komplett nach der Lösung gespielt.

In der zweiten Hälfte entleert sich netterweise das Inventar fast komplett
und die Sammelwut unseres Helden lässt eindeutig nach. Dadurch bedingt
wurden auch die Rätsel nachvollziehbarer. Von da an machte mir das Spiel nicht nur direkt mehr Spaß, sondern wurde sogar richtig gut.

Aber es gibt noch einige andere Arten von Aufgaben. Wir müssen den anderen Charakteren Antworten entlocken, um weiterzukommen und einmal mit der Tastatur ein paar Antworten auf sehr einfache Fragen eintippen oder ein Bild nach Unterschieden vergleichen.

Und dann gibt´s da noch zwei-drei kleinen Minispielchen. Dieses Mal sind
wirklich keine unlösbaren Aufgaben dabei. Unter anderem befindet sich darunter noch eine Variante des Uraltzocks Space Invaders aus den Anfangstagen des Daddelns. (Wobei ich das nur unwesentlich später erschienene Galaga immer besser fand. Aber das sei hier nur als am Rande vermerkt.)



Fazit

Wer den ersten Teil mochte, dem wird auch Moorhuhn 2 gefallen. Ich hatte
beim Vorgänger wegen der oftmals labyrinthartigen Gestaltung und der damit verbundenen vielen Laufwege, sowie der Rätsel, welche ich als ziemlich an den Haaren herbeigezogen fand, meine Probleme, obwohl mir der Comic-Stil und die Umsetzung damals schon gefallen hatte.

Am Stil hat sich beim neuen Teil auch nicht viel verändert, denn von der grafischen Qualität knüpft Moorhuhn 2 nahtlos an seinen Vorgänger an. Die Labyrinthe hat man sich (bzw. mir) glücklicherweise erspart. Geblieben sind neben den logischen auch wieder die vielen schwer nachzuvollziehenden Rätsel, wobei ich oft gar nicht so genau wusste, wo ich ansetzen sollte. Die Unmengen von überflüssigen Gegenständen, welche das Inventar zumüllen, tragen sicher auch dazu bei, dass man den Überblick und damit auch das Interesse verlieren kann. Die Gegenstände nehmen in der zweiten Hälfte quantitativ deutlich ab, was dem Spielfluss wiederum eindeutig zugute kommt. Ab dort wird das Spiel auch richtig spannend.

Aber nicht nur Inventargegenstände gibt es reichlich: Denn das Spiel ist
löblicherweise wirklich sehr umfangreich und es sind viele Schauplätze vorhanden, so dass man auf eine lange Spielzeit kommt. Die fehlende Sprachausgabe lässt Moorhuhn 2 stellenweise etwas monoton erscheinen, besonders wenn man längere Zeit am Stück spielt. Dafür kann man es aber zum Low-Buget-Preis ergattern.

Wenn ich also alle Aspekte abwäge, bleibt unterm Strich für mich ein zwiespältiger Eindruck. Aber mir gefällt Moorhuhn 2 besser als der Vorgänger und ist damit größtenteils ein durchaus schönes, abwechslungsreiches und unterhaltsames Spiel mit einigen Schwächen bei den Rätseln besonders in der ersten Hälfte.



Bewertung: 70 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • DirectX 8.1 oder höher
  • Pentium III 700 MHz oder kompatible
  • 256 MB RAM
  • SVGA-Grafikkarte mit 16 MB Grafikspeicher
  • Maus, Tastatur, CDROM-Laufwerk
  • ca. 600 MB Festplattenspeicher

 

Gespielt unter:

  • Win 98
  • AMD Athlon XP 1800
  • 256 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • 16x CDROM-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 04. Februar 2005

 

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