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Moorhuhn in: Der Schatz des Pharao 


Erscheinungsdatum: 12/2003
Entwickler: Phenomedia
Publisher: ak tronic
Boxshots

Homepage

Spielsprache: Deutsch

USK: geeignet für alle Altersstufen

 

 

Ein Review von slydos   22. Januar 2004

 

Die Phenomedia AG hat sich durch diverse Werbespiele einen Namen gemacht, darunter auch ein Adventure, nämlich der dritte Teil von "Dunkle Schatten", einem frei erhältlichen Anti-Rassismus-Spiel des Bundesinnenministeriums. Wirklich bekannt und in aller Munde geriet Phenomedia durch die sagenhafte Verbreitung des Moorhuhn-Ballerspiels, daß dem Pausen-Zeitvertreib vieler 'hart' arbeitender Mitmenschen diente. In die Schlagzeilen geriet Phenomedia 2002 dann wiederum durch Bilanzmanipulationen, als die Manager einige nichtexistente Forderungen in Millionenhöhe angaben. Es wurde zwar Insolvenz angemeldet, aber trotz krimineller Machenschaften ging's mit der Firma weiter (mit der halben Belegschaft). Man besann sich auf das gute alte Zugpferd 'Moorhuhn' - und machte es zum Protagonisten eines Adventurespiels, das ohne großen Werbeaufwand (woher auch nehmen) kurz vor Weihnachten 2003 die kuschelige Welt der Händlerregale erblickte.

 

Startmenü
Startmenü



Schottland
Schottland

 

Die Geschichte

Während in einer ägyptischen Pyramide nach 2000 Jahren eine gefährliche Macht zum Leben erwacht, um erneut den Thron zu besteigen, schlägt der Archäologe Moorhuhn im herbstlichen Schottland die Zeit tot. Seine depressive Stimmung läßt ihm gerade noch die Wahl zwischen Bettruhe und Buch lesen. Und dabei stößt er auf Informationen über den sagenhaften Schatz des Pharao Tutatüt in der Pyramide von Inshalalala (wer WDR hört, denkt dabei wahrscheinlich an 'Ullalalala Schmidt'). Er macht sich mit seiner treuen XZ 2012 auf den Weg dorthin, aber eine Gewitterfront gibt seiner Maschine den Rest. Die Eingeborenen sind mehr oder weniger hilfreich. Bakschisch, geschicktes Handeln und ab und zu ein Plausch mit einer Mumie bringen unseren Helden aber auf die Spur des Schatzes ...

 

Installation/Start

"Moorhuhn - Der Schatz des Pharao" kommt auf 1 CD mit Jewelcase ohne Handbuch im Karton. Nach der automatischen Installation der 191 MB landen wir im Startmenü (alle Schritte, werden durch Hilfethemen ergänzt, die man entweder direkt online im Spiel erhält oder auch über die Homepage abrufen kann). Zum einen können wir von hier aus mit dem Menüpunkt "Spielen" ins Hauptmenü wechseln oder eines der interessanten Zusatzangebote wie Highscore, Bonusmaterial oder Hilfe anschauen. Ein Menüpunkt für das sofortige Beenden des Spiels ist ebenfalls vorhanden. Im Hauptmenü-Bildschirm befinden sich gleich praktischerweise die 9 möglichen Savegames mit Bild und eigener Beschriftung, die hier geladen oder gespeichert oder ohne Sicherheitsabfrage überschrieben werden können. Aus dem Spiel heraus erreichen wir es per ESC-Taste. Hier können wir auch ein neues Spiel starten und dürfen dann das zwar mit einfachen Mitteln gemachte, aber durchaus kinoreife Intro erleben. Spätestens hier können wir nicht mehr darüber hinweg sehen, daß mindestens Indiana Jones und Die Mumie eine cinematographische Genspende geleistet haben. Die stimmungsvolle Titelmusik mit Pianoeinleitung und Orchester läßt die kleinen Häarchen sich wohlig auf großes Abenteuerkino ausrichten, bei dem schnell mal alle Helden von Errol Flynn bis Orlando Bloom vor dem geistigen Auge Revue passieren. Nicht schlecht gemacht!

Danach treffen wir auf den kleinen süßen Moorhuhn-Helden, der leicht depressiv aber in jedem Fall sehnsüchtig nach Abenteuern in seinem schottischen Schloß umgetrieben wird - ab dieser Stelle können wir ins Spiel eingreifen.

 

Steuerung/Handling

Das Moorhuhn-Adventure wird fast ausschließlich mit der Maus gesteuert. Die ESC-Taste stellt die Verbindung zum Hauptmenü her. Das Minispiel, in dem wir unser Flugzeug steuern müssen, verlangt Eingaben mit den Pfeiltasten.

Sonst steuern wir unseren Helden in 3rd-Person-Perspektive, indem wir die entsprechenden Hotspots anklicken, auf die er dann zuläuft. Wir können ihn nicht unabhängig von diesen Hotspots frei im Raum bewegen. Moorhuhn hat dabei nur eine Geschwindigkeitsstufe, nämlich langsam im Hühnergang wackelnd. Manchmal überrascht es auch, wenn er nah nebeneinanderliegende Hotspots ganz unterschiedlich in großem Bogen ansteuert - und nervig ist es schon, dabei immer geduldig warten zu müssen, besonders, da man merkt, daß es einer sadistischen Ader der Entwickler entspringt, sprich spielverlängernd wirken soll.

Alle Interaktionen, wie Sprechen oder Objekte aufnehmen oder verwenden, werden mit der Maus ausgeführt. Dabei wählen wir die entsprechende Cursorform mit der rechten Maustaste und führen die Aktion mit der linken aus. Die Hilfefunktion im Startmenü (bei Minispielen ist die Hilfe per Fragezeichen direkt verfügbar) gibt dazu auch nochmal ausführlich Auskunft. Oft mußte zweimal geklickt werden, bevor eine Aktion tatsächlich gewählt oder ausgeführt wurde.

Durch 'falsche' Aktionen, meist durch Verwendung des Sprechicons auf Gegenstände, die logischerweise keine Antwort geben können, gibt es einen Punktabzug. Der aktuelle Punktestand wird immer am oberen Bildschirmrand angezeigt. Normale Spielhandlungen und Minispiele können diesen Punktestand erhöhen. Als Sierra-Fan mag ich diese direkte Erfolgsanzeige ganz besonders und finde auch den Ansporn zum wiederholten Spielen durch die Einträge in die Highscoreliste am Ende des Spiels gelungen.

Das scrollbare Inventar erscheint am unteren Bildschirmrand, sobald man sich mit der Maus nähert. Etwas langwierig ist die Objektauswahl, da man dafür immer den 2-Hand-Cursor verwenden muß. Ausgewählte Objekte werden dem Cursor durchscheind angehängt und können sowohl mit anderen Inventarobjekten als auch Hotspots verwendet werden.

Dialoge funktionieren per Multiple-Choice und werden oft automatisch geschlossen, ohne daß man alle Möglichkeiten ausprobiert hätte. Mit einer ganzen Reihe von 'Fliegenden Händlern' kann man nicht nur reden, sondern auch um Waren feilschen. Hier muß man letztlich einen Geldbetrag eingeben, um an die gewünschten Objekte zu kommen.

Um den Sinn und die Funktionsweise einiger Minispiele zu ergründen, sollte man unbedingt die Online-Hilfe lesen, da man sonst etwas verloren herumprobiert.

Steuerung und Handling gehören nicht gerade zur Topklasse, Moorhuhns langsames Gewatschel und die Umwege nerven, nicht jeder Klick trifft und die Auswahl der Inventarobjekte bzw. die Aktionsauswahl hätte ich mir insgesamt einfacher gewünscht. 9 Savegames sind zu wenig und eine Überschreibewarnung wäre auch nicht schlecht gewesen. Insgesamt aber ein zufriedenstellendes Handling.

 

Grafik/Sound

Unser 3D-Comic-Moorhuhn bewegt sich zwar langsam, aber auf jeden Fall liebenswert animiert durch die insgesamt 28 wunderschön gezeichneten Comic-Schauplätze. Bewegen wir Moorhuhn eine Zeit lang nicht, so kratzt es sich, natürlich durch den entsprechenden Sound unterstützt, und schlendert gelangweilt über den Bildschirm. Seine Schritte unterscheiden nur  Außenansichten (ohne Hall) und Innenansichten (mit Hall).

Handlungen werden ebenfalls durch kleine Geräusche unterstützt, wie das Wasserholen, das metallen klingende Einstecken von Inventarobjekten oder das Rascheln beim Aufklappen der Karte. Moorhuhn selbst und seine hühnerartigen Gesprächspartner oder Statisten sind nett animiert und bewegen sich auch dann, wenn wir sie nicht mit dem (ebenfalls animierten) Cursor anklicken. Selbst Hühneraugen oder der "Zahn der Zeit" führen ein bewegtes Eigenleben, genau wie schnarchende Beduinen, schmatzende Kamele oder ein plätschernder Brunnen gegen den immer hörbaren Wüstenwind.

Was befremdet, ja auch ein wenig stört, sind die ausführlichen Sprechanimationen, obwohl Moorhuhn ganz ohne Sprachausgabe auskommen muß! So müssen wir die Gestik und Mimik der manchmal umfangreichen Unterhaltungen immer erst abwarten, bevor es weitergehen kann. Dazu erhebt sich immer eine orienetalisches Musikthema, dessen Lautstärke wir nicht beeinflussen können, was allerdings nicht sehr viel ausmacht, da die Musik ja keiner Sprachausgabe ins Wort fallen kann. Was mich zunächst immer ein wenig irritiert hat, war eine unüberhörbar tickende Uhr während der Minispiele, auch dann, wenn man gar nicht unter Zeitdruck steht!

Eine schöne Zugabe ist das Bonusmaterial im Hauptmenü. Hier kann man sich Produktionsskizzen, Poster und Desktopmotive anzeigen lassen, die natürlich auch direkt auf der CD zugänglich sind.

 

Rätsel

Zum einen finden wir eine ganze Reihe von klassischen Inventar- objektbasierten Rätseln und Dialogrätseln. Aber in den insgesamt 10 Minispielen, (ohne Game-Over übrigens), müssen wir eine Reihe anderer Rätselarten und auch Reaktionsaufgaben lösen. Dazu gehören Schieberätsel, Puzzleteile zusammensetzen, Dekodierrätsel und ein Tonfolgespiel. Action gibt's im Flugzeug- und im wirklich schweren Kanonenspiel. Beim abschließenden Wächter-Verfolgungsspiel geht es um vorausgeplante Zugfolgen. Und es gibt ein großes Labyrinth mit 80 zusätzlichen Räumen, das für Verwirrung sorgen kann, aber man kann eine Karte dazu finden, die einem den Irrgarten sehr vereinfacht.

Die objektorientierten Rätsel haben ihre 'eigene Logik', denn die Entwickler haben den verrückten Humor nicht nur als unterhaltsame Ergänzung hinzugefügt, sondern zum Bestandteil der Rätsel gemacht und das geht beispielsweise so (Achtung - Auflösung): Eine Spiegelfläche sollte gereinigt werden, aber weder Lappen noch Wasser funktionieren. Hier, wie in vielen anderen Fällen, muß ein Wortspiel herhalten, denn es funktioniert nur mit "des Rätsels Lösung", die sich blauschimmernd in einer kleinen Flasche befindet!

So zieht sich das munter durch das ganze Spiel, was den Schwierigkeitsgrad an manchen Stellen schon auf 'ziemlich schwer' hinaufdreht. Da gibt's Objekte wie den 'Heiligen Strohsack', 'das Hungertuch' an dem man nagen kann, 'Trauerklöße', 'eine verlorene Fassung' und 'Süßholz', das geraspelt wird. Um z. B. den 'Zahn der Zeit' zu fangen, muß man schon in anderen Dimensionen denken. Die Rätsel sind wirklich originell und drängen ihre Lösung nicht gleich auf. Wer hängen bleibt, kann sich die mitgelieferte Hilfedatei zu Gemüte führen, die in den Moorhuhn-Ordner installiert wird.

Frustriert hat mich eigentlich nur das Kanonenspiel, bei dem man mindestens 240 Punkte durch schnelle Reaktionsfolgen erreichen muß und sich keine Fehler erlauben darf, da die Zeit unermüdlich abläuft. Die Chancen stehen nicht besonders gut bei diesem Spiel, denn man hat insgesamt 32 Möglichkeiten, zwischen 6 und 10 Punkte zu erwerben - das wird sehr knapp und ist nur deshalb zu schaffen, da sich die Abfolge immer genau wiederholt.

 

Fazit

Mit ca. 12 Stunden Spielzeit legt "Moorhuhn" gegenüber Vollpreisspielen mit kürzerer Spieldauer wie z. B. "Die Legende des Propheten" u. ä., ein super Preis-Leistungs-Verhältnis an den Tag. Deshalb sollte man bei 15 Euro nicht zögern sich dieses liebenswerte Adventure zuzulegen. Damit kann man kaum etwas falsch machen, und das nicht etwa deshalb, weil die insolvente Phenomedia AG jede finanzielle Unterstützung mitleidiger Adventure- oder Moorhuhnfans gebrauchen kann, sondern weil das Spiel einfach Spaß macht. Übrigens kann man die XS-Version des Moorhuhn-Adventures (sozusagen die Demo, die bis zum Flug nach Ägypten dauert) kostenlos von der Homepage laden.

 

Bewertung: 71 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen PC:

  • Windows 98/Me/2000/NT/XP
  • Pentium III 700 MHz
  • 256 MB RAM
  • ca. 250 MB auf der Festplatte
  • SVGA Grafikkarte mit 16 MB Grafikspeicher
  • DirectX 3.0 oder höher
  • Maus, Tastatur, CDROM-Laufwerk

Gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

Recherche in Fachbüchern
Recherche in Fachbüchern

Ein zerrissenes Papyrusdokument
Ein zerrissenes Papyrusdokument



Á la Indiana Jones nach Afrika
Á la Indiana Jones nach Afrika


Notlandung in der Wüste
Notlandung in der Wüste

Die Karte mß man sich erst mal besorgen
Die Karte mß man sich erst mal besorgen

Der Eingang zur Pyramide
Der Eingang zur Pyramide

Hier kann ein Türöffnungscode eingegeben werden
Hier kann ein Türöffnungscode eingegeben werden


Im Museum des Ortes
Im Museum des Ortes

Moorhuhn muß noch einigen Einwohnern helfen
Moorhuhn muß noch einigen Einwohnern helfen

Eine Pinwand in der Wüste
Eine Pinwand in der Wüste

 

Man muß nur eine Zeile des Schieberätsels lösen
Man muß nur eine Zeile des Schieberätsels lösen


Schicke Moorhuhnposter
Schicke Moorhuhnposter

 

Zuerst muß das Steinrätsel koplettiert werden, dann merkt man sich die Tonfolge
Zuerst muß das Steinrätsel koplettiert werden, dann merkt man sich die Tonfolge

 

Finale
Finale

 

Mehr Screenshots

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 22. Januar 2004

 

 

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