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Nancy Drew 15 -
The Creature of Kapu Cave


Releasedatum: 10/2006

Entwickler: Her Interactive
 
Publisher: Atari  

Spielsprache: englisch

Homepage
Boxshots

 

ESRB: E for everyone (10+ empfohlen)

 

 

Ein Review von  slydos   06. Januar 2007

 

Nancy Drew hat mal wieder einen Aushilfsjob angenommen und will die Insektenkundlerin Dr. Quigley Kim bei Ihrer Arbeit auf Hawaii unterstützen. Wir starten wieder von Nancys Zimmer aus, wo wir uns vor dem Abflug noch schnell über die Aufgabe, die Bedienung und die früheren Fälle der Hobbydetektivin kundig machen können. Sobald wir uns informiert haben, klicken wir das Flugticket an und ab geht's!

 

Geschichte

Zunächst erreichen wir den örtlichen Touristen-Laden unter der Leitung des fülligen Big Island Mike. Dieser soll uns eigentlich direkt die Schlüssel des Jeeps aushändigen, mit dem wir Dr. Kims Dschungelcamp erreichen sollen, aber der gute Mann findet Spaß daran, kleine Aufgaben, wie das Basteln einer Muschelkette, mit dieser Leistung zu verbinden. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als zunächst einmal den Strand aufzusuchen und dieser wichtigen Aufgabe nachzugehen. Gut, daß wir es getan haben, denn dort erwartet uns gleich die erste Überraschung: die Hardy Boys sind ebenfalls da, welch Zufall! Die beiden gehen im Gegensatz zu Nancy einer bezahlten Tätigkeit nach - sie sollen den Kioskbesitzer und seine Tochter Pua für einen Auftraggeber überprüfen.

Man bleibt in Kontakt, zumindest telefonisch. Jedesmal wenn wir zum Handy greifen - glücklicherweise ist Nancy jetzt wieder technisch auf der Höhe und benutzt automatisch eingespeicherte Nummern - also jedesmal, wenn wie die beiden Hardy-Brüder anrufen, dann wechseln wir den Spielcharakter und damit auch den Schauplatz des Geschehens. Ein neues Feature, das nicht nur Abwechslung bietet sondern auch dafür sorgt, daß wir immer einen Ausweg finden können, falls wir mal festhängen sollten. Zum einen gehen die Hardys und Nancy ihren Aufgaben nach, können sich aber auch gegenseitig helfen und Informationen zukommen lassen, die sie an den verschiedenen Schauplätzen sammeln.

Nancy ist nicht nur telefonisch wieder up-to-date, sondern benutzt auch neue Technologie bei Ihrer Fortbewegung in der fremden Umgebung. Der Jeep hat ein GPS-Gerät, das nicht nur voreingestellte Zielpunkte speichert, sondern auch Koordinateneingaben akzeptiert. Zwar geht damit alles wie am Schnürchen, aber es wäre keine Nancy-Drew-Geschichte, wenn nicht doch etwas Eigenartiges, Unvorhergesehenes geschehen würde.

Nancy findet das Camp verlassen und verwüstet vor. Audiofragmente auf einem Diktiergerät lassen nichts Gutes ahnen, so daß wir uns ernsthafte Sorgen um Leib und Leben der Wissenschaftlerin machen müssen. Jetzt heißt es, Dr. Kim und den Verursacher der Zerstörung zu finden. Nancy stößt auf eine geheimnisvolle Versuchsstation im Dschungel und ermittelt in empirischer Kleinarbeit merkwürdige wissenschaftliche Ergebnisse. Was steckt dahinter? Auch wenn wir es diesmal nur mit 4 NPCs interaktiv zu tun haben (neben den üblichen Telefoncharakteren), ist die Auflösung des Puzzles am Ende wirklich überraschend, spannend und trotzdem logisch - ganz so wie's sein soll. Wenn es trotzdem die eine oder andere langweilige Passage gibt, dann liegt das nicht an der Geschichte, sondern am Rätseldesign.

 

Rätsel

Hier wird in Bezug auf Wiederholungen etwas übertrieben: ein bestimmter Weg im Dschungel muß zigmal durchgeklickt werden und der Gelderwerb mittels Muschelkettenfabrikation oder Fischfang ist auch nicht so wahnsinnig amüsant. Das Angeln funktioniert übrigens so ähnlich wie in "Nancy Drew - Secret of the Old Clock", also als ein kleines Reaktionsspiel - eben wie im richtigen Leben. Man könnte diese Wiederholungen reduzieren, wenn man vorher durchblickte, wieviel Geld man maximal braucht - das ist nämlich gar nicht soviel. Beispielsweise haben uns die Macher diesmal vor Zwangsminispielen an Automaten verschont - dafür einen herzlichen Dank! Der obligatorische Spielautomat im Kiosk ist optional, bietet einen netten kleinen Gewinn, der aber nicht rätselrelevant ist. So ist's richtig! Auch sonst können wir uns meist auf die eine oder andere Art durchschlagen, will heißen, weite Strecken des Spiels sind wieder nichtlinear gestaltet.


Auch wenn ich zunächst einige häufige Wiederholungen kritisiert habe - es gehört zur ausgesprochenen Stärke der Nancy-Drew-Serie, daß Aufgaben so lebensnah wie möglich präsentiert werden. Das bedeutet dann auch oft, daß man reale, mühevolle Kleinarbeit nicht einfach überspringen kann. Man lernt buchstäblich, wie sich gewisse Tätigkeiten 'anfühlen' und wie lange sie tatsächlich dauern. Wer also jemals damit geliebäugelt haben sollte, sich beruflich mit Insektenkunde oder Botanik zu befassen, der/die kann hier schon im Kleinen prüfen, ob er/sie sich wirklich 'ewig binden' möchte. Nicht zuletzt auf solch akribische Kleinarbeit wie z.B. die Untersuchung und Vergleich von Insektenkot von verschiedenen Fundstellen ist auch letztlich die Spieldauer von ca. 12-15 Stunden zurückzuführen. Wem das Sortieren, Wiegen und Spezifizieren von winzigen Samen und Bruchstücken bereits Langeweile oder Übelkeit hervorruft, der kann diese wissenschaftliche Berufswahl schonmal für sich selbst abhaken.

Wie üblich, sind auch diesmal Objekt- bzw. Inventarrätsel in der Minderzahl und werden von Nancy-Drew-typischen De-/Kodierrätseln, Logik- und Merkrätseln überwogen. Auch Dialogrätsel und Orientierungsaufgaben in 1st-Person-Sicht nehmen einen größeren Teil der Aufgaben ein. Ein Audiorätsel ist auch wieder mit von der Partie. Nicht nur für Hörbehinderte ist hierbei eine gleichzeitige Textanzeige sehr hilfreich. Insgesamt geht der Schwierigkeitsgrad des 15. Nancy-Drew-Spiels über ein mittleres Niveau nicht hinaus. Die Wahl des Schwieirgkeitsgrades zu Beginn zwischen Junior- und Senior-Detektiv schaltet nur die Anzeige der To-Do-Liste an bzw. ab und hat diesmal keine Auswirkung auf die Rätselgestaltung. Die Rätsel sind fast alle gut mit dem Inhalt der Geschichte verwoben. Ausnahme: ein Eisgeschmack-Trial&Error-Rätsel, bei dem man sich wirklich fragen muß, ob die Spieler bzw. Hauptcharaktere nicht schlauer an die benötigte Information hätten kommen können.

Spannung bereiten wieder Rätsel, die zeitabhängig sind oder ein Game-Over hervorrufen können. Sie werden durch die eingebaute Second-Chance-Option vereinfacht, die wieder für relativ frustfreies Überstehen dieser Passagen sorgt. Auch diesmal gibt's eine Art Unterwasserlabyrinth wie im Vorgänger, allerdings können wir es abgesehen von eigener Trial&Error-Erkundung diesmal auch mit klaren Hinweisen aus dem Spiel meistern.

Neu ist, daß Nancy bzw. die Hardys kaum Hilfestellung auf Lösungsfragen im bisher bekannten Frage-/Antwort-Stil per Telefon erhalten. Durch eine neue Art von Teamrätseln, bei denen jeder Telefonanruf auf den Gesprächspartner umschaltet, müssen wir auch bei der Lösung der gestellten Fragen oder Aufgaben selbst tätig werden. Und manchmal haben unsere Manipulationen an einer Location auch Auswirkungen für den anderen Spielcharakter. So hat es Her Interactive auch bei der 15. Folge wieder geschafft, neue Einfälle mit Altbewährtem gelungen zu kombinieren.

 

Grafik/Sound

Grafisch hat sich wenig gegenüber dem Vorgänger verändert. Die Charaktergestaltung und -animationen wie Gestik und Mimik unterstreichen die Dialoge ausgezeichnet. Ebenfalls überzeugend die Lippensynchronität und natürlich die bekannt ausdrucksvolle und deutliche englische Sprachausgabe, die wiederum durch ständige und umfassende Untertitel ergänzt wird. Für Hörbehinderte ist dazu noch interessant, daß Geräusche ebenfalls im Textfenster andersfarbig beschrieben werden. So erfahren auch nichthörende Spieler, daß z.B. der Wind bläst oder ein leises Wispern zu hören ist.

Hintergrundanimationen sind relativ selten und auch nicht gerade professionell, wie die Wasseranimationen der Meeresoberfläche, die nur zur Hälfte Bewegung zeigen. Dagegen kommen die leicht verschwommenen Darstellungen des Unterwasserbereichs und der heißen Lavahöhlen der Wirklichkeit schon näher. Schon recht aufregend, obwohl eigentlich ziemlich ungefährlich, die Schnorchel- und Tauchszenen mit den entsprechenden Atemgeräuschen.

Die Anzahl der Schauplätze bleibt recht beschränkt und läßt sich auch an keiner Stelle mehr mit stufenloser Rundumsicht erkunden. Dieses bereits in einigen Vorgängern verwendete Feature wurde vollkommen fallen gelassen. Drehen oder nach oben und unten Schauen geschieht mit den üblichen Richtungspfeilen per Mausklick von Bild zu Bild. Die dafür häufiger eigesetzten Videoszenen sind ziemlich verwaschen und entsprechen auch von den Animationen und Charaktermodellen nicht der Qualität der Ingame-Szenen. Außer dem bekannten und beliebten Nancy-Drew-Hauptthema bleibt es musikalisch im Spiel ausgesprochen ruhig.

 

Handling

Nancy Drew 15 kommt auf 2 CDROMs, die Installation läuft reibungslos. CD1 muß beim Spielstart im Laufwerk vorhanden sein. Wir finden die bekannt praktische Steuerung im 1st-Person-Stil vor aber wie gerade beschrieben, gibt es keine stufenlose Rundumsicht mehr. Bewegungen und Aktionen werden wie immer angenehm per Maus kontrolliert. Das gewohnt einfache Handling wurde sonst nicht verändert. Wie beim Vorgänger können wir uns über die Handhabung zu Beginn auf Nancys Schreibtisch informieren und dort auch einige Testmanipulationen durchführen.

Im Setup-Menü kann man neben den Sound- und Grafikeinstellungen diesmal auch das Muster bzw. Farbe des Spielrahmens wählen. Zusätzlich zum Standardrahmen im dezenten Blau stehen jetzt noch drei grelle hawaiianische Muster zur Verfügung. Naja.

Die Hilfemenüs sind wohl nicht aktuell überarbeitet worden, denn in der allgemeinen Hilfe stehen Bess & George noch als Telefonansprechpartner drin, obwohl die beiden diesmal draußen bleiben müssen oder besser gesagt durch Nancys Freund Ned ersetzt werden. Im Handy-Hilfe-Menü finden wir eine Beschreibung zur Fotofunktion des Telefons. Ich hab sie nicht finden können.

Nancy hat Ihr Handy und für die Bewegung von Ort zu Ort einen Jeep mit GPS zur Verfügung. Während des Spiels sind natürlich einige technische Gerätschaften wie ein Funkgerät oder Computer zu bedienen. Alles ist durch Hilfestellung im Spiel selbsterklärend und benötigt keine zusätzliche Einweisung.

Obwohl die Hilfetexte nicht so ganz aktuell waren, wurde wieder merklich mehr Gewicht auf Fehlerfreiheit gelegt. Mir sind keine sonstigen technischen oder inhaltlichen Bugs aufgefallen.

 

Fazit

Zum Glück hat Her Interactive mit "The Creature of Kapu Cave" wieder zum gewohnten Qualitätslevel zurückgefunden. Das Spiel hat seine spannenden aber auch seine langweiligen Seiten, wobei aber die Spannung, speziell zum Schluß, klar die Oberhand behält. Die Abwechslung zwischen Nancy und den Hardy Boys ist ein Gewinn. Obwohl man sich von allem etwas mehr wünscht, also mehr und komplexere Rätsel, mehr Charaktere und Szenerien, gehört Kapu Cave zu den ordentlichen Teilen der Reihe mit Tendenz nach oben, die sich hoffentlich im angekündigten nächsten Teil "The White Wolf of Icicle Creek" fortsetzt. 

 

 Meine Gesamtbewertung: 74%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • Pentium 1 GHz
  • 128 MB RAM
  • 24x CDROM-Laufwerk
  • 1 GB MB auf der Festplatte
  • 32 MB DirectX kompatible Grafikkarte
  • 16 bit DirectX kompatible Soundkarte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • Pentium IV 3,6 GHz
  • 2 GB RAM
  • 48x DVD-ROM
  • NVidia GeForce 7600GS 256 MB
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 06. Januar 2007

 

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nancykapu002.jpg (9021 Byte)

 

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Wahl des Schwierigkeitsgrades - die gleiche Prozedur wie jedesmal
Wahl des Schwierigkeitsgrades - die gleiche Prozedur wie jedesmal

 

Ankunft bei Big Island Mike's Immersion Excursion
Ankunft bei Big Island Mike's Immersion Excursion

 

Big Island Mike
Big Island Mike

 

Am Strand müssen wir Muscheln sammeln und angeln
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Pua widmet sich ausschließlich dem Surfen
Pua widmet sich ausschließlich dem Surfen

 

Dschungelerkundung
Dschungelerkundung

 

Per Jeep und GPS erreicht Nancy die Dschungelorte
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Mit dem Handy schalten wir zwischen Nancy und den Hardys um
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Merkwürdige Symbole in einer Lavahöhle
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Wir müssen die einheimische Flora kennenlernen
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Es führt kein anderer Weg hinüber
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Welche Experimente gehen denn hier ab?
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Tempel in den geheimnisvollen Lavahöhlen
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Das nächste Abenteuer findet im verschneiten Kanada statt
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