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Nancy Drew 17 -
Legend of the Crystal Skull


Releasedatum: 10/2007

Entwickler/Publisher: Her Interactive 

Spielsprache: englisch

Homepage
Boxshots

 

ESRB: E for everyone (10+ empfohlen)

 

 

Ein Review von  slydos   23. Dezember 2007

mit einem Addendum von Thelma zur deutschen Version, 08.01.10

 

Geschichte

Nancy Drew und ihre beste Freundin Bess wollen einen Kurzurlaub in New Orleans machen. Es soll ein Wochende mit Shopping, Cajun Food und der legendären Musik des Big Easy werden. Während Bess in ihrem Hotel im French Quarter wartet, erledigt Nancy noch eine Angelegenheit für ihren Freund Ned. Sie macht einen Kondolenzbesuch bei Henry Bolet, dessen Großonkel gerade verstorben ist. Ned macht sich ein wenig Sorgen um den Einzelgänger und Nancy soll nachschauen, ob alles o.k. ist. Gewitter und Regen sorgen nicht gerade für Gemütlichkeit. Das Haus wirkt gespenstisch in der Dunkelheit, die manchmal durch Blitze unterbrochen wird. Als sie das Haus betritt, wird sie von einem Skelettmann angegriffen. Wieder bei Besinnung, trifft sie auf Bolets Haushälterin und Henry, der ihr erlaubt, das Unwetter abzuwarten und mehr über die eigenartige Erscheinung herauszufinden.

Natürlich war Bolet kein normaler Zeitgenosse. Nicht nur, daß er Glasaugen sammelte wie andere Leute Bierdeckel, er hielt auch eine zahme Echse mit interessanten Manieren. In seiner Sammlung von bizarren Dingen sollte sich auch ein legendärer Kristallschädel befinden, der, wenn man der Überlieferung traut, seinen Besitzer vor dem Tode bewahren soll ...

Während ihrer Suche nach dem Schädel beginnt Nancy am natürlichen Tod Brunos zu zweifeln. Sie durchstöbert dabei nicht nur das Haus, sondern auch den angrenzenden Friedhof, den Bolet wie seine Westentasche kannte. Freundin Bess wird in die Detektivarbeit diesmal nicht nur per Telefon, sondern auch persönlich einbezogen. Sie ermittelt im French Quarter und begibt sich dort in ganz und gar nicht ungefährliche Situationen!

Die Geschichte ist schön gruselig und bietet trotz der diesmal wieder recht hohen Nichtlinearität einige überraschende Spannungshöhepunkte, die das Spielerherz zwischen ruhigen Explorations- und Rätselphasen durchaus höher schlagen lassen, so daß die Herstellerempfehlung ab 10 Jahren durchaus ihre Berechtigung hat.

Der Hintergrundaufbau der Geschichte ist diesmal nicht ganz so dicht, wie schon in einigen anderen Teilen der Serie. Man hat das Gefühl, da steckt noch sehr viel mehr hinter diesem Bruno Bolet, seiner Familie und seinem Umfeld, was erzählens- und erfahrenswert gewesen wäre. Aber das ist durchaus logisch und o.k., denn Nancy und Bess sind ja nur aussenstehende, zufällig verwickelte Besucher, die in dieser Hinsicht schon erstaunlich viel herausfinden. Übrigens spielt ein richtig witzig eingearbeiteter Sidekick-Charakter aus einem älteren Teil der Serie eine wichtige Rolle, worüber sich Fans natürlich freuen werden.

Zwar weiß man wie immer bei Nancy Drew bis zum Schluß nicht, wer denn nun wirklich die Fäden zieht, aber diesmal fällt es einem wegen der geringen Anzahl von Verdächtigen, nämlich 3, nicht ganz so schwer, bereits ab der Mitte des Spiels eine Ahnung zu entwickeln.

 

Fehlerfrei

Ich habe keine inhaltlichen oder technischen Bugs gefunden. 

 

Handling/Änderungen

Ich vermisse immer noch das alte Hauptmenü mit der Titelmelodie und bin froh, daß man von Teil 16 zu Teil 17 keine neuen Änderungen eingeführt hat, außer der Tatsache, daß man per Telefon zwischen Nancy und Bess wechseln kann, und das gab's ja bereits schon einmal zwischen Nancy und den Hardy Boys.

Es ist also alles beim 'Alten' des vorigen Spiels geblieben: Die Menüfunktionen sind nun im Spielbildschirm integriert. Speichern, Laden, Spiel verlassen geschieht über Icons im unteren rechten Bildschirmbereich ebenso wie der Aufruf des Optionsmenüs. Unten links finden wir die üblichen Nancy-Icon-Liste mit Inventar, Notizbuch, Checkliste (im Junior-Detektivmodus) und nun wieder einem Telefon, in dem man die gespeicherten Teilnehmer nicht mehr selber wählen muß. Ja, die Telefontechnik hat sich wieder mal geändert und wir brauchen uns auch keine neuen Nummern per Hand zu notieren. Danke!

Ebenfalls im Unterschied zum letzten Teil gibt es den störenden Anfangsfilm nicht mehr, in dem unsere mitteilsame Nancy die Treppe zu ihrem Arbeitszimmer hochläuft. Wir starten direkt am Schreibtisch und können sofort mit einem Savegame oder Neustart loslegen. Danke auch hierfür!

Ich vermute einfach mal, daß irgendwann in naher Zukunft auch das Inventarhandling verändert wird. Dem würde nämlich ein Update guttun, wenn man sich Gegenstände vergrößert und vor allen Dingen mit einer Textbeschreibung ansehen könnte. Diesmal sammeln wir nämlich ziemlich viele Objekte und irgendwann, besonders wenn man zwischendurch mal pausieren muß, beginnt man den Überblick über die optisch nicht so leicht erkennbaren Dinge zu verlieren. Positiv ist allerdings zu vermerken, daß die 25 Glasaugen nicht einzeln, sondern in einem Inventarkästchen vereint, gesammelt werden und wir ihre Anzahl angezeigt bekommen.

Zwar hat man seit einiger Zeit keine selbst wählbare 'Second-Chance'-Option mehr, aber dies wird bei den Minispielen oder zeitgesteuerten Aufgaben halt einfach automatisch erledigt, d.h. sollte man versagen, findet man sich an einer (speicherbaren) Stelle zu Beginn der Sequenz wieder. Einfacher geht's praktisch nicht! Auch diesmal kann man wieder zwischen Junior- und Senior-Detective-Level wählen, diesmal mit netten grafischen Metallmarken im Polizeistil. Im Juniorlevel gibt's die praktische Checkliste und eins der Rätsel wurde leichter gestaltet als im Senior-Modus.

 

Steuerung allgemein

Die Steuerung im 1st-Person-Stil per Maus bleibt relativ eingeschränkt in den Bewegungsmöglichkeiten. An 4 Stellen finden wir eine stufenlos scrollende Rundumsichtsfunktion, wenn wir den Cursor an den linken oder rechten Rand des Bildschirms bewegen. Die restlichen Bewegungsmöglichkeiten beschränken sich auf Klicks auf Pfeile, durch die man zu neuen statischen Perspektiven oder Szenen wechseln kann. Da viele Gänge häufig wiederholt werden müssen, wird es etwas langweilig, sich beispielsweise 30x in jede Richtung um den Springbrunnen im Garten herumzuklicken. Es ist natürlich Teil des Rätseldesigns, sich beispielsweise bei der Orientierung auf dem Friedhof einen möglichst zeitsparenden Ablauf auszudenken, aber so wirklich glücklich wird die Bewältigung solcher Fleißaufgaben wahrscheinlich nur wenige Spieler machen. Warum man einen Geheimraum nicht auch durch dessen Eingang verlassen kann, ist ebenfalls nicht so ganz einsichtig.

Bei der Navigation in den Dialogfragen oder -antworten vertrauen die Entwickler auf ein feines Positioniergefühl der Spieler. Sowohl Scrollbalken als auch Scrollpfeile sind hier (genau wie im letzten Spiel) recht winzig, da muß man erstmal genau anvisieren und treffen. Insgesamt bleibt die Steuerung aber im einfachen und gewohnten Rahmen und bietet den üblichen Nancy-Drew-Komfort.

 

Rätsel

Die frohe Botschaft: Die Rätsel haben es diesmal richtig in sich! Sie sind sehr zahlreich, unterschiedlich und teilweise ausgesprochen knackig. Ich fand sie zum Reinlegen gut!

Eine große Klammer stellt sozusagen das Auffinden von 25 bizarren Glasaugen in ebensoviel Rätselaufgaben dar, die dann wiederum ein gigantisches, vorfinales Logikrätsel bilden. Aber das ist nur ein Teil der überwiegend nichtlinearen Herausforderungen, die durch optionale Aufgaben ergänzt werden. Die Lösungen dieser optionalen Aufgaben werden durch echte Ostereier im Inventar belohnt und bei der Endbeurteilung des Spielers erwähnt. 

Die Einbindung der Rätsel und der wenigen Minispiele ist diesmal besonders gut gelungen. Natürlich gibt es Objekt- und Inventarrätsel. Aber meist müssen wir für einen zu findenden Gegenstand schon ein kleines Logik- oder Schieberätsel lösen, im 'schlimmsten Fall' müssen wir eine Schnitzeljagd über den ganzen Friedhof und immer wieder zurück zum Haus veranstalten, um ein einziges weiterführendes Objekt zu erhalten. Aber das alles ist sehr unterhaltsam in die Geschichte eingebettet und wenn man mal nicht mehr weiterweiß, kann man die Checkliste oder Freund Ned am Telefon zu Rate ziehen.

Eine Art maschinelles Ballwurf-Geschicklichkeitsspiel ist ebenso zu absolvieren wie ein recht leichter Wespen-Shooter mit einer Spritzpistole. Hier kann Nancy zwar durch zuviele Stiche ohnmächtig werden, erwacht aber immer wieder am Ausgangspunkt für eine weitere Runde. Viele Logikrätsel in Form von mysteriös formulierten Textaufgaben sind zu knacken, einige Dekodieraufgaben und Schieberätsel, ein Zufalls-Memory und ein Sound-Merkrätsel, das - wie bei Nancy Drew üblich - auch von Hörbehinderten mittels Texthilfen bewältigt werden kann. Die Orientierungsrätsel habe ich bereits erwähnt; sie wiederholen sich für meinen Geschmack zu häufig. Dann wären da noch Dialogrätsel und ein zeitlich begrenztes Reaktionsrätsel.

Ein ausgeklügeltes mechanisches Abfolge-Rätsel im Stil von "Incredible Machine" läßt die kleinen grauen Zellen richtig rotieren. Das ist allerdings noch nichts gegen ein ungewöhnliches Sprachrätsel, das Südstaaten-Aussprachekenntnisse verlangt. Obwohl gerade dieses Rätsel den größten Spaß macht, kann ich es nur Spielern empfehlen, die sich den Klang von geschriebenen Worten im gesprochenen Slang vorstellen können und daraus neue logische Bedeutungszusammenhänge gemäß der Aussprache und nicht der Schreibweise bilden können. Hier ein typisches Beispiel aus dieser Rätselserie, wie man anhand eines Texthinweises den passenden zugehörigen Namen auf einem Grabstein findet: Der Hinweis "All that's left of me are these old bones" bedeutet übersetzt "Diese alten Knochen sind alles, was von mir übrig ist". Aus hunderten von genial erfundenen Namen muß nun der darauf passende herausgefunden werden. Das wäre in diesem Fall: "Myra Maines" was ausgesprochen klingt wie "My remains" also "Meine Überreste". Ähm ... dieses war ein leichteres Beispiel. ;-) Nun, man kann sich vorstellen, daß bei einer anderen Sprachversion des Spiels selbst eine sinngemäße Portation dieses komplexen, einfallsreichen Rätsels Probleme bereiten würde.
Übrigens gibt's in diesem Spiel auch ein Dekodier-Rätsel mit einer deutschen Textlösung! Das sollte dann wiederum kein Problem bereiten.

Diesmal ist man wieder zu einer alten Nancy-Drew-Tradition zurückgekehrt, die im letzten Teil der Serie leider unter den Tisch gefallen war: den gut integrierten Lernelementen. Beispielsweise erfahren wir als Bestandteil eines Merkrätsels diesmal etwas über die Zahnformeln bei Kindern und Erwachsenen.

Gegen den Trend zur Vereinfachung bietet dieses Teen-Adventure so richtig erwachsene, anspruchsvolle Rätselkost in einer Variationsbreite von leicht bis schwer. Sollte man sich der Herausforderung ohne Hilfestellung nähern, so sollte man sich auf 25+ Stunden Spielzeit einstellen.


Grafik/Sound

Grafisch hat "Legend of the Crystal Skull" diesmal einen merklichen Sprung getan. Die Charakteranimationen überraschen durch eine lebensnahe Gestik und Mimik, wie sie so bisher noch in keinem der bisherigen Teile der Serie anzutreffen waren. Zwar finden wir nur insgesamt 4 voll sichtbare, interaktive NPC, aber die sprechen und bewegen sich mit überzeugender Ausdruckskraft. Die Lippensynchronität ist perfekt und wird durch die bekannten klaren und ausdrucksvollen Synchronstimmen für Nancy, Bess, Ned etc. und eine deutliche englische Sprachausgabe ergänzt. Die Charaktere, die wir neu kennenlernen, sind individuell und interessant gezeichnet, entsprechen weder stereotypen Touristenerwartungen noch den üblichen Voodooklischees. Der androgyne Henry mit der sexy Stimme ist sich seiner Attraktivität nicht bewußt und wälzt Probleme, die man bei ihm gar nicht vermuten würde. Brunos Freund Lamont scheint locker aber mysteriös und Haushälterin Renée weiß um ihre Wirkung im flackernden Kerzenlicht.

Unser ganzes Adventure spielt an einem einzigen verregneten Abend in Bruno Bolets Haus und Garten, dem angrenzenden Friedhof und Bayou und einer Ecke im French Quarter. Die meist dunklen Räume und schattigen, höchstens von Laternen oder Kerzen beleuchteten Schauplätze erzeugen eine geheimnisvolle, spannende Atmosphäre die von vielen variationsreichen Musikstücken unterstützt wird. Das reicht von schwermütigem Blues über klassische Jazztitel bis zu spannenden Staccatosequenzen, die natürlich im Geburtsort so vieler Musikrichtungen nicht fehlen dürfen.

 

Fazit

Wow! "Legend of the Crystal Skull" ist das 17. Spiel der Serie und ich bin wirklich überrascht, daß es mich nach all den Jahren noch so in Erstaunen versetzen konnte. Nach einigen Spielen, die versuchten, sich an den Mainstream anzupassen, hat man wieder die guten alten Nancy-Taditionen der knackigen Rätsel und Edutainmentelemente in ein fehlerloses technisches Kostüm gepackt! Tolle Grafik, spannende Geschichte und angenehm lange Spieldauer  ... für mich das bisher beste Spiel der Serie!

 

 Meine Gesamtbewertung: 81%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • Pentium 1 GHz
  • 128 MB RAM
  • 24x CDROM-Laufwerk
  • 1 GB MB auf der Festplatte
  • 32 MB DirectX kompatible Grafikkarte
  • 16 bit DirectX kompatible Soundkarte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • Pentium IV 3,6 GHz
  • 2 GB RAM
  • 48x DVD-ROM
  • NVidia GeForce 7600GS 256 MB
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 23. Dezember 2007

 

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Im Senior-Modus gibt es keine Checkliste
Im Senior-Modus gibt es keine Checkliste

 

Geist oder Realität?
Geist oder Realität?

 

Renée Amande - Bolets Haushälterin
Renée Amande - Bolets Haushälterin

 

Henry konzentriert sich mehr auf seinen Laptop
Henry konzentriert sich mehr auf seinen Laptop

 

Bruno Bolet war Hobby-Modellbauer
Bruno Bolet war Hobby-Modellbauer

 

Nancy bekommt man als schemenhafte Figur zu sehen - immerhin!
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Angriffslustige Wespen
Angriffslustige Wespen

 

Renée topft um. Nein! Nancy kann sich zurückhalten und macht sich diesmal nicht die Fingernägel schmutzig!
Renée topft um. Nein! Nancy kann sich zurückhalten und macht sich diesmal nicht die Fingernägel schmutzig!

 

Übergabe an Bess im French Quarter
Übergabe an Bess im French Quarter

 

War Lamont wirklich ein so guter Freund?
War Lamont wirklich ein so guter Freund?

 

Jedesmal, wenn wir etwas als erledigt markieren, ertönt Nancys fröhliches "Check!"
Jedesmal, wenn wir etwas als erledigt markieren, ertönt Nancys fröhliches "Check!"

 

Eine alte Bekannte aus Blue Moon Canyon?
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Der Bayou ist nicht weit entfernt von Bolets Haus
Der Bayou ist nicht weit entfernt von Bolets Haus

 

Short Stories for Tired Eyes - eins von vielen Büchern
Short Stories for Tired Eyes - eins von vielen Büchern

 

Soul food to go!
Soul food to go!

 

 

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Addendum: die deutsche Version

 

Nancy Drew - Die Legende des Kristallschädels

Erscheinungsdatum Deutschland: November 2009

Entwickler : Her Interactive
Publisher: dtp

Spielsprache und Handbuch: Deutsch

Boxshots

Altersfreigabe: USK ab 6 Jahren
PEGI: 7+

 

Ein Addendum von Thelma vom 08.01.2010

 

Nach allerlei Unkenrufen bezüglich der schlechten Übersetzbarkeit der Nancy-Drew-Abenteuer bin ich sehr skeptisch und gewissermaßen mit sprachlich eingezogenen Schultern an das Spiel herangegangen. Schnell wurde mir auch klar, woher die Unkenrufe rührten: Das Spiel wimmelt nur so vor Sprachrätseln, Silben- und semantischen Spielereien, Scherzfragen, idiomatischen Wendungen, usw.. Eine deutsche Adaption bleibt bei weitem nicht bei der Sprachausgabe stehen, sondern rückt - vor allem mit dem großen, zentralen Sprachrätsel, den "Kurzgeschichten für müde Augen...." - fast in die Nähe einer literarischen Übersetzung: Da muss nicht nur übersetzt, sondern auch gewitzelt, gereimt, gestabreimt, gezählt, gemalt und bei allem auch noch Sinn und Witz erhalten werden.

Bisher hatte ich mich - trotz des begründeten Verdachts, dass mir die Nancy-Drew-Reihe gefallen würde - wegen meiner grottigen Englischkenntnisse an keins der Spiele gewagt und bin also völlig unbeleckt: Ich kann keine Vergleiche zur englischen Version ziehen, sondern nur sagen, wie mir das Spiel auf deutsch gefallen hat.

Spontane Antwort: ganz großartig!!!

Gut, die Synchronisation lässt ein paar Wünsche offen. Die Stimme der Nancy ist zwar mit Kathrin Schmirke nach meinem Geschmack gut besetzt - frisch, jugendlich engagiert (wohlgemerkt: ich bin unbelastet von einem Vergleich mit der englischen Stimme). Aber fast alle Nebenrollen wirkten auf mich eher unpassend. Entweder sind sie schlecht besetzt oder von Laien gesprochen. Die Stimme von Nancys Freundin Bess fand ich richtig schlimm. Soll Bess nicht ein Teenager sein? Die deutsche Stimme klingt wie irgendwas zwischen 45 und 60.

Die Überführung der Sprachrätsel ins Deutsche ist gelungen. Bleiben wir beim Beispiel aus der Review: Der Hinweis "All that's left of me are these old bones" lautet entsprechend "alles, was von mir übrig ist, sind diese alten Knochen, aus "Myra Maines" wird "Maina G. Beine". Passt doch!

Gut, an einigen Stellen hat es schon ein wenig geknirscht: Ein Hinweis lautet "Schick angezogen, stolziert aber nur in Bahnen". Auf die Lösung "Manni Kinn" wäre ich im Leben nicht spontan gekommen! Weil die Semantik Kinn = Teil des Gesichts mir so selbstverständlich ist, dass ich an die Verschiebung von K zu Q = "Mannequin" nicht denken konnte.


Die grafische Gestaltung der handgeschriebenen und -gezeichneten deutschen Textpassagen war dann wieder absolut vorbildlich.

Alles in allem hat mir das Spiel - das mir ja in dieser Version überhaupt erst zugänglich wurde - ganz phantastisch gefallen, und deshalb bin ich richtig dankbar, dass sich jemand die Mühe einer deutschen Adaption gemacht hat. Bei den Rätseln sind zwar einige harte Nüsse dabei, aber ich fand sie sämtlich logisch, lösbar, toll in die Story integriert und sozusagen "gut-schwer" (in Abgrenzung zu "schikanös-schwer"...) :-)

Der Bewertung der englischen Version kann ich in allen Details aus vollem Herzen zustimmen. Vermutlich hätte ich 2-3 Pünktchen mehr vergeben, aber bei mir ist die Nancy-Drew-Begeisterung ja auch noch frisch ;-)

Natürlich weiß ich nicht, wie groß die Zielgruppe "deutschsprachige, anglophobe Adventure-Fans" ist, deshalb kann ich dem Publisher nicht ruhigen Gewissens Mut machen, sofort alles stehen und liegen zu lassen und die ganze Reihe ins Deutsche zu übersetzen... Ich kann aber von mir sagen: jetzt bin ich Nancy-Drew-angefixt und werde auf jeden Fall die zweite deutsche Version "Das Phantom von Venedig" spielen!

 

Bewertung  der deutschen Version 81%

 

 

Copyright © Thelma für Adventure-Archiv, 08.01.2010