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Nancy Drew 18 - The Phantom of Venice


Releasedatum: 07/2008

Entwickler/Publisher: Her Interactive  

Spielsprache: englisch

Homepage

 

ESRB: E for everyone (10+ empfohlen)

 

 

Ein Review von  slydos   15. Juli 2008

mit einem Addendum von Thelma zur deutschen Version, 18.02.10

 

Geschichte

Diesmal ist Nancy von Anfang an Mitarbeiterin einer polizeilichen Ermittlung in Venedig. Und das kam so: Prudence Rutherford, eine reiche Dame der Gesellschaft, der Nancy bereits in "Secret of the Scarlet Hand" behilflich war, ist eine Liebhaberin von Venedig und engagiert sich in einem Verein von Mäzenen, die sich der Förderung der Kunst in Venedig verschrieben haben.
Natürlich ist Prudence außer sich, als sie erfährt, daß ein Dieb dort unschätzbare Kunstgegenstände entwendet, den alle nur "Das Phantom" nennen, weil er eine Maske trägt und auch sonst wenig verwertbare Spuren hinterläßt. Prudence läßt ihre Verbindungen zur italienischen Polizei spielen und erreicht es, daß Nancy zusammen mit der nationalen Spezial-Polizeitruppe GDiF ermittelt, die für  Finanz- und Wirtschaftskriminalität zuständig ist. Nancy wohnt in einem Palazzo, der früher einmal Prudence gehörte und nun Eigentum der betuchten venezianischen Witwe Margherita Faubourg ist. Nancy ermittelt wieder mal undercover und wartet nach ihrer Ankunft darauf, von der Polizei kontaktiert zu werden.

Und wie das bei geheimen Aktionen mal so ist, kann Nancy sich nicht mit ihren Kontaktpersonen irgendwo treffen, sondern muß mit ihnen im Geheimen kommunizieren. Dabei sind die Leute von der GDiF ziemlich erfindungsreich im Stil von "Kobra, übernehmen Sie" ("Mission Impossible") und lassen Nancy an der langen Leine agieren. Sie recherchiert munter quer durch Venedig, nimmt die Spur einer gut organisierten Verbrecherbande auf und kann sich sogar dort einschleusen. Der Job ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch sehr am Rande der Legalität, denn Nancy übernimmt die Parts, die eine Ordnungsbehörde so nicht ausführen könnte. Aber da wir uns in einem Detektivspiel auch für Kinder befinden, fließt weder sichtbares Blut noch wird unserer Hauptdarstellerin endgültig der Garaus gemacht. Allerdings sind wir in Nancys Schuhen oft nah dran und GameOvers sind diesmal häufiger und einschneidender als in vielen anderen Spielen der Serie. Erzählspannung, optionale, spielerbezogene Abschnitte, Überraschungsmomente, sporadischer Zeitdruck und nicht zuletzt die häufig herausfordernden Rätsel innerhalb eines abschnittsweise nichtlinearen Aufbaus machen "Phantom of Venice" zu einem abwechslungsreichen, fesselnden Adventure und klar zu einem der besten Spiele der Reihe.

 

Technisches

Ich habe keine technischen Bugs gefunden. Ein kleiner inhaltlicher Bug, wenn man das so nennen will, wäre der aus einiger Entfernung gesehen vollkommen leer geputzte Arbeitstisch des Restaurators und Mosaikliebhabers Colin, bei dem ein Hotspot für ein nicht mehr vorhandenes Mikroskop nicht entfernt wurde - klickt man darauf, ist das Mikroskop plötzlich wieder da.

 

Handling: mehr Altbekanntes als Neues

Es gibt nur wenige Änderungen gegenüber dem letzten Spiel: Die Menüfunktionen sind im Spielbildschirm integriert. Speichern, Laden, Spiel verlassen geschieht über Icons im unteren rechten Bildschirmbereich ebenso wie der Aufruf des Optionsmenüs. Unten links finden wir die üblichen Nancy-Icon-Liste mit Inventar, Notizbuch, Checkliste (im Junior-Detektivmodus). Ein  Telefon ist diesmal nur in Nancys Zimmer zugänglich. Man muß hier, da es sich um ein altmodisches Festnetzgerät handelt, wieder selbst die Nummern eingeben. Aber es beschränkt sich sowieso auf sporadische Anrufe bei Nancys Freund Ned (der sich bei den Hardys befindet) und Prudence Rutherford.

Eine - wohl nur für dieses Spiel - neu eingefügte Sonderfunktion des Cursors wird im "Was gibt's Neues-Teil" der Spieleinführung erklärt: wenn sich der Mauscursor in einen grünen Pfeil verwandelt, kann man u.U. per Mausklick auf Straßenabfälle an einige zusätzliche Euros kommen. Nancy hat diesmal ein Anfangskapital von 200 Euro und kann mittels Mülluntersuchung und anderer Anstrengungen Geld verdienen, wenn ihr Portemonnaie zuviel Luft enthält. 

Leider bleibt das Inventarhandling unverändert. Dem würde nämlich ein Update guttun, wenn man sich Gegenstände vergrößert und vor allen Dingen mit einer Textbeschreibung ansehen könnte. Außerdem war mir diesmal das Inventarfenster oft im Wege beim Hin- und Herswitchen: Ich fand es unkomfortabel, jedesmal, wenn ich in einem der mitgeführten Bücher etwas nachschlagen wollte, nicht das oben rechts fixierte Inventar wenigstens per Drag&Drop verschieben zu können. Da bleibt dann nur immer das Schließen und das erneute Öffnen übrig.

Eine kleine Änderung bei der seit einiger Zeit fehlenden 'Second-Chance'-Menü-Option sieht so aus: zum einen wird man in vielen Fällen automatisch an eine Stelle zu Beginn der Sequenz gebracht. Bei manchen Abbrüchen gerät man in speziell nach der Situation gestaltete GameOver-Bildschirme, von wo aus man dann einen neuen Versuch starten kann. Außerdem werden an diesen besonderen Stellen immer Second-Chance-Spielstände automatisch in der Savegameliste abgelegt, in der man sonst unbeschränkt selbstgetextete Spielstände speichern kann.

Auch diesmal kann man wieder zwischen Junior- und Senior-Detective-Level mittels Metallmarken im Polizeistil wählen. Nur im Juniorlevel steht die praktische Checkliste zur Verfügung, die diesmal das weitgehende Fehlen der Telefonhilfestellungen durch sehr dezidierte Aufgabenbeschreibungen ausgleicht. Deshalb sollte man diesmal wirklich zögern, zu oft hineinzuschauen, wenn man sich die Herangehensweise an bestimmte Rätsel selbst erarbeiten möchte. Die Tasks der Checkliste beinhalten nämlich teilweise schon Lösungshilfen.

Ein weiteres Feature dieses Nancy Drew-Spiels ist der PDA, der durch die Kollegen von der Polizei zur Verfügung gestellt wid. Er hat sowohl Email- als auch Telefonfunktion und birgt einen Tracking-Monitor für Wanzen.

 

Steuerung allgemein

Die Steuerung im 1st-Person-Stil per Maus bleibt relativ eingeschränkt in den Bewegungsmöglichkeiten mit Klicks auf Pfeile, durch die man zu neuen, meist statischen Perspektiven oder Szenen wechseln kann. An mehreren Stellen finden wir eine stufenlos scrollende Rundumsichtsfunktion, wenn wir den Cursor an den linken oder rechten Rand des Bildschirms bewegen. Neben Zooms und einigen wenigen Schwenks nach oben oder unten und einigen Bewegungsszenen aus Egosicht ist da nicht viel Abwechslung aber auch wenig Probleme.

Innerhalb Venedigs kann sich Nancy über eine Stadtkarte fortbewegen und hat dabei 3 Möglichkeiten: entweder, sie geht zu Fuß, fährt per Wassertaxi oder Gondel. Bei allen drei Fortbewegungsmöglichkeiten kann sie kostenlos davon kommen, nur wenn sie bei den Gondelfahrten ausdrücklich bestimmte Gondoliere mit 'Musikprogramm' wählt, muß sie dafür bezahlen. Auf  Kartenpunkte, die mit einem Auge versehen sind (ähnlich den Inventarobjekten, die man sich näher anschauen kann) muß man 2x klicken, wenn man sich nicht nur dorthin bewegen will, sondern auch die Szene aufrufen möchte. In einigen Verfolgungssequenzen müssen die Spieler mit Mausklicks auf dieser Karte ein sich bewegendes Ziel verfolgen. Auch dies ist einfach auszuführen, kann allerdings bei zu bedächtigen Handlungen zu GameOvers führen.

Ebenfalls mausgesteuert sind einige Arcadesequenzen, bei denen man in einer Art Pacman-Draufsicht Sicherheitsrobotern geschickt ausweichen muß. In diesen Spielteilen habe ich den Stadard-Lupencursor als etwas zu groß und unhandlich empfunden, ein Pfeilcursor wäre da besser gewesen. Manchmal hat sich mein Nancypüppchen dabei auch in irgendwelchen Ecken vor sich hinstrampelnd aufgehangen. Aber das war auch kein Problem, weil Nancy immer nach einem Strahlen-Treffer wieder am Ausgangspunkt des jeweiligen Levels auftauchte, bzw. nach einer erfolgreichen Batteriezerstörung an genau diesem Punkt.

Scrollbalken und Scrollpfeile der Dialogetexte sind zu klein, daran wurde noch keine Änderung vorgenommen. Insgesamt bietet die Steuerung aber den üblichen, lobenswerten Nancy-Drew-Komfort.

 

Charaktere

Auch in Phantom of Venice sind die sichtbaren NP-Charaktere auf 5 beschränkt, wobei davon nur 3 tatsächlich interaktiv in Dialogen befragt werden können und zwei in automatischen Sequenzen agieren, inklusive Scopa-Spiel. Daneben kommuniziert Nancy per Telefon und PDA und bekommt Anweisungen aus dem Off. Auffällig sind die leeren Plätze tagsüber in Venedig und auch am Blumenstand, im Klamottenladen oder Kiosk bedient sich Nancy ganz ohne Gegenüber. Auch wenn das alles sehr geschickt inszeniert wird und durch diverse italienische Off-Stimmen auf der Straße oder die Sangeseinlagen der Gondoliere ein belebtes Bild der Stadt gezeichnet werden soll, so bleibt doch das offensichtliche Fehlen von Menschen in der Touristenstadt unerklärt. Man wünscht sich trotz der vielen Dialoge, Kommentare und Hintergrundstimmen und der Ablenkung der Spieler durch die spannende Geschichte und knackigen Aufgaben endlich mal eine Aufstockung des Spielpersonals. 

 

Dialoge/Sprachausgabe

Bei den Charakteren dieses Spiels darf nicht unerwähnt bleiben, daß ihre Synchronsprecher sozusagen 'unter erschwerten Bedingungen' zu arbeiten hatten, natürlich mit Ausnahme der allseits bekannten Stimmen von Nancy, Ned und Joe Hardy sowie unserem jungen, britischen Restaurator.

Prudence Rutherford, bereits bekannt und wahrscheinlich den meisten auch noch gut im Ohr durch "Secret of the Scarlet Hand", wird wieder von Simone Choule gegeben. Ich habe ernsthaft in den Credits nachgeschaut, ob es nicht eventuell doch Barry Humphries (der australische Komiker, der Dame Edna Everage verkörpert) sein könnte, da Duktus und Exzentrizität dem fiktiven, selbsternannten Megastar schon sehr nahe kommen. Man sollte also keins der optionalen Telefonate mit der schrillen Auftraggeberin verpassen, bei denen ich nicht verhindern konnte, sie mir mit einer lilaschimmernden Perücke und einer brillibesetzten Flügelbrille vorzustellen.

Wenn man nun denkt, daß der Rest der Sprechercrew nur mit einem italienischen Akzent auf der sonst englischen Unterlage zu kämpfen hatte, dann liegt man nicht ganz richtig. Manche Off-Stimmen auf den Straßen und Plätzen sind reines Italienisch. Neben einem recht übertrieben gesetzten Akzent der Hauseigentümerin und dem schon etwas realistischer wirkenden Italo-Englisch der Verbindungspolizistin Sophia, kommen wir auch in den Genuß eines wohlgemeinten deutschen Akzents. Nun, die Synchronsprecherin von Helena Berg scheint sich den in der Schweiz antrainiert zu haben, da er doch zuweilen mehr französisch angehaucht klingt als rein deutsch. Aber das tut dem Spaß und den Überraschungen keinen Abbruch, die uns diese Figur beschert. Spätestens beim ersten "Moin, Moin" muß man lachen, egal wie's ausgesprochen wurde.

 

Sprachkurs inklusive

Unser italienisches Wörterbuch nehmen wir gleich beim Start des Spiels von Nancys Schreibtisch mit. Als nettes Feature bzw. Teil des Rätseldesigns wurde dann der Gebrauch dieses Wörterbuchs ins Spiel eingebaut. Natürlich wäre es nicht realistisch, wenn Geschäftsnamen, Schilder, Funktionsbeschreibungen und Ähnliches in Venedig gleich in englischer Sprache geliefert würden. So kann man jedesmal, wenn Nancy etwas nicht versteht mit dem Italienischwörterbuch drauf klicken und die Spielgrafik verwandelt sich in einen englischen Text.

In Nancys Zimmer findet man einen kleinen Venedigreiseführer vor, der nicht nur kurze Einführungen in Geschichte und Kultur der Stadt liefert, sondern sogar einen interaktiven Sprachkurs wichtiger italienischer Begriffe, die nicht nur niedlich mit einem kleinen Bruder von Mike Molto (italienische Fensehmaus) grafisch präsentiert werden, sondern auch mit Mauspiepsstimme die  Aussprache des jeweiligen Begriffes auf Mausklick liefern. Der kleine Sprachkurs wird sogar in eine Aufgabe, ein Minispiel, eingebaut.

Aber nicht genug. Diesmal bleibt's nicht nur beim Italienischen. Im vorigen Fall unserer Freundin Nancy gab's ja bereits ein Rätsel mit einem kurzen deutschen Text. Das wird in dieser Folge bei weitem übertroffen. Helena Berg ist eine deutsche Journalistin, von der wir sehr ausführliche Zeitungsartikel, Briefe, Notizen usw. in deutsch zu lesen bekommen. Die umfangreichen Texte wurden mit winzigen Fehlern, die wohl auf ein fehlendes abschließendes Redigieren zurückzuführen sind, in gutes Deutsch gebracht und zeigen, wie einfach es sein könnte, die Serie auch in unsere Sprache zu portieren. Übrigens müssen Leute, die kein Deutsch können, hier nicht verzweifeln - man kann sich am Kiosk auf dem Markusplatz ein deutsches Wörterbuch kaufen und die Texte genauso komfortabel wie die italienischen übersetzen.

Sie haben noch nicht genug? Am 8.8.08 steht uns ja bekanntlich Olympia-Peking ins Haus. Im "Phantom of Venice" gibt's auch ein kleines Rätsel auf Chinesisch. Dazu benötigt man einige wenige Kenntnisse der Schrift. Nur das Gröbste: Zahlen und einige Begriffe. Und wenn man sie sich notiert bzw. abgezeichnet hat - denn man kommt um ausführliche Notizen nicht herum - dann bleibt vielleicht sogar der eine oder andere Begriff länger hängen als bis zum Ende des Spiels.

 

Rätsel

Auch dieses Mal haben es die Rätsel in sich! Sie sind zahlreich, unterschiedlich und teilweise ausgesprochen knackig.

Neben Objekt- und Inventarrätseln, die eher in der Minderheit sind, stellen sehr unterschiedliche Kodier- bzw. Dekodierrätsel die Hauptherausforderungen dar. Aber die Rätseltypen sind natürlich nicht auf einfaches Türöffnen beschränkt, sondern erfordern meist vom Spieler verschiedene Fähigkeiten zur gleichen Zeit und ihre logische Kombination. Da sind beispielsweise mechanisch-hydraulische Vorgänge zu durchschauen, Eine Musiksession per Icon-Klicks zum richtigen Zeitpunkt in Tanzfiguren zu verwandeln oder eine Art sprachlich-audio-visuelles Reaktionsspiel im Stil von Gut-Böse-Indentifikations-Shootern.

Eine Anzahl von Minispielen sind wieder einfallsreich in die Handlung integriert worden und reichen von dem aus "Crystal Skull" bekannten Wespenshooter, der in diesem Fall als optionaler Bienenshooter zur Geldbeschaffung absolviert werden kann, über das Scopa-Kartenspiel bis zu einem Roboter-Arcadespiel. Zwar kann und wird man des öfteren die individuell und nett gestalteten Game-Over-Bildschirme zu sehen bekommen, aber keines der Reaktions- und Genauigkeitsspiele oder der zeitabhängigen Sequenzen ist so schwer, daß man sie nicht nach mehreren Anläufen von selbst verstehen und bestehen könnte. Ich möchte sie als spannend und unterhaltsam charakterisieren. Wenn man nicht gleich mit dem Gefühl an sie herangeht, daß sie schwer zu schaffen sind und auch mal bis zum nächsten Tag warten kann, um sie mit einer durchdachten Taktik neu anzugehen, dann macht ihre Bewältigung richtig Spaß.

Im Gegensatz zu vielen neuen Adventures, bei denen den Spielern viele Arbeiten abgenommen werden, wie z.B. das Notizen machen, hält einen auch dieser Nancy-Drew-Fall dazu an, selbst zu denken, selbst zu verstehen, selbst zu lernen wie was funktioniert. Man legt sich beispielsweise selbst Listen an, um eine Schachkodierung zu entschlüsseln und erkennt die Notwendigkeit einer eigenen Notation, um ein bestimmtes Schloss zu knacken, besonders dann, wenn man es zum dritten, vierten oder fünften Mal machen muß, weil man vorher etwas vergesssen hat, dort zu tun. Die Nancy-Drew-Rätsel stellen immer den Anspruch, daß man sich wirklich auf sie einläßt und mit ihnen beschäftigt und auch bereit ist, dafür die Arbeit zu tun. Umso befriedigender ist dadurch die erarbeitete Lösung, umso einsehbarer der Lösungsweg und umso wertvoller das Resultat. Die Resultate basieren selten auf Zufall oder Versuch- und Irrtum, sondern ergeben sich aus dem fließenden Zusammenspiel von Hinweisplatzierung und Deduktion.

Sollte man die in die Geschichte, Dialoge, Dokumente oder Umgebung eingebetteten Hinweise mal nicht erkennen und interpretieren können und auch bei einem der anderen oft gleichzeitig angehbaren Rätsel nicht weiterkommen, so gibt es immer noch Hilfestellung innerhalb des Spiels durch den Freund am Telefon. Diesmal sind allerdings Ned und die Hardys nicht ganz so tippfreudig wie sonst, dafür bietet aber die Checkliste erstmals nicht nur eine Aufzählung der erledigten bzw. unerledigten Aufgaben, sondern weist oft auch darauf hin, wie und wo sie zu erledigen sind. Deshalb gibt's von mir auch erstmals eine Spoilerwarnung bei zu frühem Anklicken der Checkliste.

In "Phantom of Venice" kann sich Nancy umziehen, manchmal muß sie das sogar, um eine Aufgabe zu erledigen. Dazu kann sie einkaufen gehen. Interessant sind die individuellen Reaktionen der anderen Charaktere auf ihr jeweiliges Outfit. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der möglichen Aktionen ist optional - man kann bespielsweise zigmal seinen Geschäften im Badezimmer nachgehen und bekommt dabei immer neue Kommentare. Mindestens ein schönes Easteregg ist versteckt worden, das nach dem Auffinden als konkretes Ei im Inventar auftaucht. Durch die vielen optionalen Spielanteile ist keine genaue Angabe über die Spielzeit möglich.

20 Stunden aber auch weit mehr kann man deshalb für "The Phantom of Venice" einplanen, je nachdem wie man im Geldausgeben und -beschaffen ist (ich war mein Geld schnell los mit sinnlosem Eis essen, Klamotten kaufen und Gondoliere singen lassen), wie man sich in den Minispielen anstellt und wie lese- und kommunikationsfreudig man ist.


Grafik/Sound

Die Hintergrundgrafik von "Phantom of Venice" gefällt deshalb so gut, weil wir uns in der Touristenstadt Venedig nicht nur in einem kleinen privaten Bereich bewegen, wie das im Paris von "Danger by Design" der Fall und auch der Fehler war. Schon von Nancys Balkon aus haben wir einen wunderbaren Ausblick auf die Lagunenstadt, mit fantastisch echten Wasseranimationen, die sich durch das ganze Spiel ziehen. Sobald wir die kostenpflichtigen Sangesgondeln benutzen, gibt es fotorealistisches Sightseeing aller touristisch wichtigen Stellen der Stadt, begleitet von mehr oder weniger gekonnten Canzoni der Bootsführer. Es ist im 18. Fall großer Wert auf Lokalkolorit durch Sprache, Hintergrundinfos und Grafik gelegt worden. Zumindest streifen wir den Markusplatz, auch wenn er menschenleer erscheint. Da plappern Passanten in Italienisch, italienische Hintergrundweisen erzeugen Urlaubswünsche und auch die unumgängliche Taubenplage ist Thema eines Rätsels. Hintergrundgeräusche, bewußt gesetzte Geräuscheffekte, Sprachausgabe und Musik, hier und da sogar ein altes Nancy-Drew-Thema, lassen eine fast idyllische Urlaubsatmosphäre aufkommen, die allerdings in Schreck- und Spannungsmomenten durch ebenso entsprechende Effekte vertrieben wird.

In den Videoszenen aus Egosicht simuliert eine wackelnde Kameraführung mit verzögerter Bewegung das morgendliche Erwachen oder ein wippendes Auf und Ab den festen Schritt unserer Hauptdarstellerin in den venezianischen Gassen.

Überzeugt von den Körperbewegungen, der abwechslungsreichen und passenden Mimik und der Lippensynchronität hat mich diesmal allerdings nur eine der Hauptcharaktere. Die anderen werden weniger intensiv gezeichnet, bleiben fast auschließlich am Platz und werden kaum animiert. Nicht zum ersten Mal wünsche ich mir mehr interaktive NPC und Statisten, bin aber froh, daß zumindest jetzt einige Charaktere in automatischen Animationsszenen auftreten dürfen. Trotzdem finde ich es bewundernswert, wie auch diesmal wieder eine abwechslungsreiche, packende Handlung mit eigentlich so geringem Personal hergezaubert wurde und wie man die Illusion von Realität mit sorgsam gewählten, wenn auch minimalen Mitteln, ermöglicht.

Man sollte sich übrigens die Gags nach den Credits nicht entgehen lassen - also dran bleiben bis zum Schluß.

 

Fazit

Die italienische Polizei arbeitet mit einer amerikanischen Teenagerdetektivin daran, einen smarten Kunsträuber zu fangen? Während Nancy sonst recht glaubhaft den kleinen und auch größeren Gaunern im eher privaten Bereich nachstellt, ist das Ausmaß des hier verfolgten Verbrechens doch eine ganze Nummer größer, um nicht zu sagen zu groß. Nicht, daß wir Nancy das nicht alles zutrauen würden - ganz im Gegenteil! Aber der italienischen Wirtschaftspolizei? Doch in Italien ist sehr vieles möglich, und damit meine ich nicht nur die erneute Wahl des Mafiosis Berlusconi! Sehen wir die fiktive Geschichte also mal in diesem Lichte und erfreuen uns an ihrer inneren Logik, den sorgsam ausgearbeiteten Hintergrundgeschichten, dem Gruß an die deutschen Fans mit vielen deutschen Zitaten und Spielteilen, der mitreißenden Heldin und nicht zuletzt den wieder herausfordernden Rätseln gemischt mit heiter-leichten Edutainmentbonbons.

 

 Meine Gesamtbewertung: 80%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • Pentium 1 GHz
  • 128 MB RAM
  • 24x CDROM-Laufwerk
  • 1 GB MB auf der Festplatte
  • 32 MB DirectX kompatible Grafikkarte
  • 16 bit DirectX kompatible Soundkarte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • Pentium IV 3,6 GHz
  • 2 GB RAM
  • 48x DVD-ROM
  • NVidia GeForce 7600GS 256 MB
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 15. Juli 2008

 

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Bei den sangesfreudigen Bootslenkern wird man schnell sein Geld los
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Interaktiver Sprachkurs - Für Mädchen, die keine Angst vor einer Maus haben!
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Nancys Umkleideecke
Nancys Umkleideecke

 

Die Wasseranimationen sind wirklich sehenswert!
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Colin steht in Diensten von Margherita Faubourg
Colin steht in Diensten von Margherita Faubourg

 

Einige von Helenas Aufzeichnungen
Einige von Helenas Aufzeichnungen

 

Helena Berg ist der ausdrucksstärkste Charakter
Helena Berg ist der ausdrucksstärkste Charakter

 

Die interaktive Übersichtskarte
Die interaktive Übersichtskarte

 

Tatsächlich: Nancy in Person!
Tatsächlich: Nancy in Person!
Oder sagen wir lieber Punchy, Punchy LaRue!

 

Nancy hat Signore Fango im Visier
Nancy hat Signore Fango im Visier

 

Let's shop!
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Mmh! Kennen Sie schon den Pralinencode? Wenn es brenzlig wird, kann man ihn einfach hinunterschlucken ...
Mmh! Kennen Sie schon den Pralinencode? Wenn es brenzlig wird, kann man ihn einfach hinunterschlucken ...

 

Es ist nicht so schwer, die Zuhaltungen zu knacken wie in Post Mortem ... dafür muß man es jedesmal machen, wenn man hinein will
Es ist nicht so schwer, die Zuhaltungen zu knacken wie in Post Mortem ... dafür muß man es jedesmal machen, wenn man hinein will

 

 

Kein Teil des Rätseldesigns - nur ein Bild an der Wand ... für Leute die die Schlichtheit des Binäralphabets mögen ;-)
Kein Teil des Rätseldesigns - nur ein Bild an der Wand ... für Leute die die Schlichtheit des Binäralphabets mögen ;-)

 

 

Game Over - die Bienen haben gewonnen!
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Da heißt es eine Nadel im Heuhaufen ... Verzeihung, eine Taube auf dem Markusplatz finden
Da heißt es eine Nadel im Heuhaufen ... Verzeihung, eine Taube auf dem Markusplatz finden

 

 

In Kontakt mit den Agenten vom CDiF
In Kontakt mit den Agenten vom CDiF

 

 

Enrico Tazza macht nur Geschäfte, wenn man ihn im Scopaspiel schlägt
Enrico Tazza macht nur Geschäfte, wenn man ihn im Scopaspiel schlägt

 

 

Allein gegen die Roboter
Allein gegen die Roboter

 

 

Ein Rätsel mit Wasserständen - was wäre passender für Venedig?
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Ein Vorgeschmack auf Nancy Drew 19 - The Haunting of Castle Malloy - im Herbst geht's nach Irland
Ein Vorgeschmack auf Nancy Drew 19 - The Haunting of Castle Malloy - im Herbst geht's nach Irland

 

 

 

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Addendum: die deutsche Version

 

Nancy Drew - Das Phantom von Venedig

Erscheinungsdatum Deutschland: November 2009

Entwickler : Her Interactive
Publisher: dtp

Spielsprache und Handbuch: Deutsch

Boxshots

Altersfreigabe: USK ab 6 Jahren
PEGI: 7+

 

Ein Addendum von Thelma vom 18.02.2010


Wiederum habe ich - in Ermangelung der nötigen Englischkenntnisse - das 18. Nancy Drew-Abenteuer in der deutschen Version gespielt. Und wiederum habe ich das sehr gern getan und sehr genossen. Meine Beurteilung der deutschen Adaption fällt aber diesmal etwas negativer aus als bei der Legende des Kristallschädels. Insbesondere die Sprachausgabe war nach meinem Gefühl mit der sehr heißen Nadel gestrickt.

Zunächst Technisches: Ebenso wie bei Nancy Drew 17 hatte ich weder Abstürze noch andere technische Probleme. Das Spiel lief stabil und tadellos, anders als bei Mitspieler/innen, die im Forum über Schwierigkeiten klagten. Unter meiner Rechnerkonfiguration benahmen sich beide Spiele absolut perfekt. Kurze Ladezeiten, schnelles Speichern, alles prima. Auch konnte ich keine Ungereimtheiten bei den Rätsel feststellen, die angeblich auf die Übersetzung zurückzuführen seien. Ich habe beide Spiele ohne Lösung gespielt und hätte, wären unlösbare Rätsel dabei gewesen, das Ende wohl kaum erreicht. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein paar Rätsel eher mit trial and error als mit ausgefuchster Strategie bewältigt habe (z.B. das Drachenkopf-Rätsel oder das Zitate-Rätsel im Second-Hand-Shop, ND 17). Also kann es sein, dass ich Ungereimtheiten einfach nicht bemerkt habe. Sorry.



Die reine, auf den Text bezogene Übersetzungsarbeit erschien mir, ebenso wie im letzten Spiel, solide und korrekt. Jedenfalls sind mir keine nennenswerten Fehler aufgefallen, bloß etliche Abweichungen zwischen der Untertitelung und dem gesprochenen Wort. Aber das hat sicherlich an der Synchronisation gelegen, auf die sich auch meine Hauptkritik bezieht. Fast alles Gesprochene war einfach furchtbar!

Kathrin Schmirke als Nancy hat zwar für meinen Geschmack (wohlgemerkt: ich habe keinen Vergleich zur Originalversion) wieder einen guten Job gemacht, aber beinahe alle anderen Stimmen fand ich technisch und fachlich katastrophal. Die Stimme der Prudence Rutherford empfand ich als so garstig, dass ich verzweifelt jedem Gespräch mit ihr aus dem Weg gegangen bin, um ja nicht diesen gekünzelten Akzent und diese manierierte Sprechweise ertragen zu müssen... Ich stelle - allerdings ohne es genau zu wissen - mal folgende Theorie auf: Der Publisher der deutschen Version hat - aus welchen Gründen auch immer - ausschließlich amerikanische Synchronsprecher mit deutschen Sprachkenntnissen verpflichtet. Das hat seine Auswahl sicherlich eingeschränkt. Und wenn die wenigen auserwählten dann auch noch mit italienischen Akzent sprechen müssen, versuchen sie das eben. Bzw. das, was sie für einen italienischen Akzent halten... Für Muttersprachler-Ohren klingt das oft eher polnisch oder tschechisch oder russisch.

Das Ergebnis jedenfalls: liebloses Herunterleiern, furchtbare Stimmen, Akzente und Betonungen. Auffallend und störend waren ebenfalls viele Fehler und Unsauberkeiten im Tonschnitt. Da wird ein Satz beendet, obgleich die letzte Silbe noch in der Luft hängt, oder endet mit einem Kratzen, das da nicht hingehört. Wörter und Halbsätze werden einfach unterschlagen. Häufig passiert es auch, dass beim Lesen eines Dialogs ein oder mehrere Sätze vom falschen Sprecher gelesen werden. Das nervt. Bei ND 17 gab es schon Anlass zur Kritik an einzelnen Stimmen, aber diesmal nerven alle Dialoge so sehr, dass sie einem das ansonsten tolle Spiel vermiesen. Schade!



Was mich ein wenig versöhnt hat: Die lieblose und hastige Synchronisation hat es nicht geschafft, die Gags zu töten - in ND 18 gibt es Humor! Über die immer wechselnden Kommentare, wenn man Nancy zum Toilettengang schickt, konnte ich mich scheckig lachen, und sogar die ansonsten gruselig P.-Rutherford-Stimme konnte mich zum Grinsen bringen ("Ich mag es, reich zu sein! Wenn ich die ganze Zeit Geld ausgebe, werde ich bald unreich sein!")

Dennoch bekommt die deutsche Adaption nur ein "ausreichend" von mir.

Abgesehen von der gesprochenen Sprache kann ich mich bei der Beurteilung des Spieles wieder voll und ganz der Review anschließen. Alle Rätsel haben, wie schon gesagt, funktioniert und mir großen Spaß gemacht. Allerdings habe ich sie im Vergleich zu ND 17 als deutlich schwerer empfunden. Aber das ist vielleicht das Einzelschicksal der Orientierungslosen ;-) Wer sich wie ich schon auf dem Rückweg vom Müllrausbringen zu verlaufen droht, für den ist das Abwasser-Labyrinth am Ende des Spieles die reinste Folter! Vom Scopa-Spielen hingegen konnte ich nicht genug kriegen, und all mein Geld habe ich an die trällernden Gondoliere verpulvert. Schade, dass es kein Mitsing-Rätsel gab :-)))

 

Bewertung  der deutschen Version 76%

 

 

Copyright © Thelma für Adventure-Archiv, 18.02.2010