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Nancy Drew 12 -
Secret of the Old Clock 


Erscheinungsdatum: 07/2005
Entwickler: Her Interactive
Publisher: Atari


Boxshots

ESRB: Everyone (keine Altersbeschränkung)

 

 

Ein Review von slydos   07. August 2005

 

"Nancy Drew - Secret of the Old Clock" ist das 12. Adventure der erfolgreichen Detektivreihe von Her Interactive. Im Jubiläumsjahr (75 Jahre) sind wieder 2 Spiele mit der Meisterdetektivin vorgesehen. Old Clock basiert auf dem allerersten Buch der Serie.

 

Geschichte

Nancy wird von Emily Crandall durch die gemeinsame Freundin Helen nach Titusville gerufen. Sie ist die noch sehr junge Erbin des Lilac Inn und Nancy fragt sich, warum sie zur ihr kommen soll, wo sie sich doch kaum kennen. Emilys Mutter ist gerade gestorben und es scheint, daß ihr die Führung des Gasthauses über den Kopf wächst. Jane Willoughby steht ihr zur Seite. Sie ist ihr Vormund und eine Freundin ihrer Mutter, aber das kann auch nichts an der mißlichen finanziellen Lage ändern in der sich Emily befindet. Sie kann kein Personal bezahlen und wird wohl den Gasthof verkaufen müssen.

Dabei sah alles so gut aus, denn Emily und ihrer Mutter war von einem verschrobenen Nachbarn ein sorgenloses Leben nach dessem Tod versprochen worden. Der vermögende Nachbar starb, aber die erhoffte Erbschaft blieb aus. Dafür hat sich ein merkwürdiger Parapsychologe auf dem Besitz von Josiah Crowley eingenistet, der ein gültiges Erbschaftsdokument vorweisen kann. Nancy soll eigentlich nur den Schmuck von Emilys Mutter im Safe ihres Vaters deponieren, da überschlagen sich die Ereignisse: in der Küche explodiert der Gasherd und der Schmuck wird gestohlen. Zu allem Überfluß schein Emily Stimmen zu hören und befürchtet, verrückt zu werden. Natürlich ein Fall für Nancy Drew ...

 

Neue Features

Zeitlicher Rahmen sind ausnahmsweise die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, deshalb müssen wir diesmal auf High-Tech-Geräte verzichten. Nancys Freunde George & Bess sind zwar wieder telefonisch erreichbar und erstmals auch ihr Vater, aber es wird nun komplizierter, mit ihnen Konversation zu treiben. Ein einsamer Münzfernsprecher mit 5-Cent-handvermittelten Gesprächen (wie in uralten Lassie-Folgen) grenzt die Kommunikation doch stark ein, da Nancy immer nur über ein Barvermögen von höchstens ein paar Dollar verfügt, die sie auch noch für Benzin und andere Dinge ausgeben muß. Deshalb gibt es in der bekannten Interaktionsleiste jetzt auch ein Portemonnaie, an dem man immer Nancys aktuellen Finanzstand ablesen kann.

In diesem Nancy-Drew-Adventure kommt es scheinbar zu einem Bruch zur bisherigen Reihe durch den Rücksprung in der Zeit. Nancy ähnelt dabei der Kunstfigur Sherlock Holmes, die wir auch in leicht angepaßter Form zu verschiedenen Zeiten seit ihrer literarischen Geburt wiedergespiegelt finden können. So wie Holmes ist Nancy durch eindeutige Charakteristiken zur zeitlosen Referenz geworden. Aber anders als die fast übermenschliche Deduktionskunst des Meisters ist ihr markantester Wesenszug die ungebrochene Beharrlichkeit.

Ja, Nancys Vater hat genügend Vertrauen in seine Tochter, daß er ihr seinen Wagen anvertraut, mit dem sie munter den kleinen Ort Titusville unsicher macht. So finden wir diesmal als neues Feature das Autofahren in Draufsicht á la Police Quest 1+2! Und dabei verbraucht man halt Benzin (Nancy tankt immer für 25 oder 50 Cent) und kann sich bei den schlechten Straßenverhältnissen schnell mal einen Platten holen, den man dann auch noch selbst reparieren muß. (Schnell kommt dann ein unvermutetes Spielende, wenn man die Schrauben nicht richtig festzieht). Das ist es, was ich an den Nancy-Spielen besonders mag: es wird wirklich versucht, auch in den Details und Konsequenzen realistisch oder zumindest glaubwürdig zu bleiben.

Das mit den Reifen passiert einem natürlich nur einmal, danach wird man tunlichst die Schlaglöcher umfahren. Die Steuerung unseres Vehikels funktioniert übringens ausschließlich mit der Maus: zielen und linke Maustaste gedrückt halten. Das Auto bleibt schon mal hängen, aber das ist nur wirklich unangenehm im rasanten Showdown. Sonst kann Nancy keine Unfälle mit dem Auto bauen, auch wenn sie sich durch zu gewagte Mausbewegungen schon mal um sich selbst drehen sollte oder an Bürgersteigen aneckt. In diesem Punkt wollten die Entwickler es dann doch nicht soo lebensecht machen, daß einem eventuell durch zu viele spielbeendende Karambolagen der Spaß verdorben würde. Also doch keine Police Quest-Kopie, Nancy muß nicht wie Sonny Bonds hundert Tode im Verkehr sterben.

Weitere Änderungen finden wir bei den Videoszenen. Sie sind z. T. recht lang und werden auch für nicht spielwichtige Szenen eingesetzt, z. B. können wir den rasanten Lauf eines Golfballs durch seine 'Headcam' beobachten, wenn er auf dem Minigolfplatz durch eine Röhre geschlagen wird.

 

Rätsel

Das 'Sommeradventure' der zwei jährlichen Nancy-Drew-Spiele ist i.d.R. die abgespecktere Version im Vergleich zum 'Herbstadventure'. Wie wir in den vergangenen Jahren lernen konnten, wird dann wieder beim zweiten Spiel des Jahres richtig zugelegt was Rätsel und Spieldauer angeht. So ist es auch diesmal mit Secret of the Old Clock. Jedoch will ich keinesfalls behaupten, es gäbe einen leichten Durchmarsch, auch nicht für Fortgeschrittene. Wie immer können wir zu Beginn zwischen Junior- oder Senior-Detective wählen. Im Senior-Mode fällt die sehr hilfreiche To-Do-Liste weg und der Schwierigkeitsgrad einiger Rätsel ist merklich höher. Aber bereits im Junior-Modus gibt's wieder einige kompliziertere Verknüpfungen zwischen Hinweisen und den zugehörigen Rätseln, die klar auf Fortgeschrittenen-Niveau liegen. Speziell einige Sprachrätsel werden ausländischen Spielern ganz sicher schwerer fallen als sie für Muttersprachler sein werden. Aber logisch und gut verknüpft sind die Aufgaben wie immer und es ist auch diesmal in starkem Maße machbar, die gestellten Aufgaben in sehr unterschiedlicher Reihenfolge anzugehen.

In Old Clock ist es auch möglich, Rätsel auf verschiedene Art und Weise zu lösen. Dieser angenehmen Nichtlinearität und Freiheit stehen jedoch sich vielfach wiederholende Aufgaben gegenüber und nach dem 6 oder 7. Minigolfspiel oder dem 10. Telegramm, das ausgetragen werden muß, verliert sich das prickelnde Gefühl des Neuen. Tatsächlich kann man aber selbst entscheiden, ob man lieber die eine oder die andere Wiederholungsübung durchführen möchte. Ich habe das Minigolfspielen dem Autofahren vorgezogen.

Es gibt noch eine weitere Geschicklichkeitsaufgabe, die ich mal wieder als typisches Nancy-Drew-Rätsel bezeichnen möchte: ein Kleid mit einer Nähmaschine nähen. Das klappt mit einer direkten Maussteuerung genau wie bei einer richtigen Nähmaschine (genauer: wie bei einer elektrischen ohne Fußpedal) und die vielen "Nein, das war nichts!" erinnerten mich dumpf an die Schulstunden, in denen ich meine vergeigten Nähte wieder auftrennen mußte.

Wir müssen ein CB-Funkgerät bedienen, Türen und Geheimfächer öffnen, unter Zeitdruck handeln, ein Puzzle zusammensetzen, Logik- und Maschinenrätsel lösen, verschlüsselte Nachrichten richtig anwenden, Gedanken lesen, Memory und Domino spielen, Worträtsel entwirren, Geräusche zuordnen (auch für Hörgeschädigte machbar), Objekte besorgen und weitergeben, dekodieren, Dialogrätsel lösen und vieles mehr. Bei den Game Overs ist die Second Chance ein hilfreiches Instrument, Frustrationen zu vermeiden.

Wenn man, wie ich, zu dumm ist, einen Holzhammerhinweis zu interpretieren, dann sitzt man wahrscheinlich auch recht lange beim Angeln an Bogart's Pond und versucht einen 19-Inch Largemouth Bass zu fangen. Deshalb habe ich am Ende des Spiels diesmal eine Catch&Release Fishing-Auszeichnung erhalten für 'frequenting the ole fishing hole', oh yeah!

The Old Clock gehört zwar zu den kürzeren Adventures (es gibt auch nur 3 Verdächtige) aber durch die vielen Wiederholungen (z. B. beim Minigolf) kann das Spiel sich durchaus bis zu 20 Stunden hinziehen. Im Durchschnitt sollte man aber in 12-15 Stunden fertig sein.

 

Grafik/Sound

Verbessert wurde diesmal die Grafik der Bewegtszenen z. B. bei den Panoramaaussichten vom Auto aus. Die Charakteranimationen entsprechen der bekannten guten Qualität. Diesmal finden wir nur 3 verdächtige Personen von insgesamt 4 sichtbaren Gesprächspartnern. Das sind allerdings nicht alle kommunizierenden Charaktere. Telefonisch unterhalten wir uns noch mit Nancys Vater und natürlich Bess & George. Andere Personen können wir nur hören aber nicht sehen, z. B. die Leiterin des Waisenhauses oder den Tankwart, um nur einige zu nennen.

Während die wenigen interaktiven Schauplätze farbig gezeigt werden, sind die Orte, an denen wir nur automatische Dialoge führen können durch Schwarzweiß-Fotos aus der Zeit der 30er Jahre dargestellt. Nett der Einfall mit der Draufsicht auf die Stadt Titusville, sobald wir per Auto zu einem anderen Schauplatz wechseln wollen.

Die verschiedenen Musikstücke im Stil der 30er Jahre passen zur Handlung und immer wieder hört man das bekannte Nancy-Drew-Thema als Menübegleitung gerne. Die ausgezeichnete Sprachausgabe wird wieder lobenswerterweise durch entsprechende Textzeilen visuell ergänzt.

 

Handling (überspringen, falls aus 11. Teil bekannt)

Auch "Secret of  the Old Clock" ist wieder ein 1st-Person-Spiel und wird ausschließlich mit der Maus gesteuert. Es gibt nichts Neues bei der Steuerung, die gewohnt komfortabel ist: an bestimmten Stellen im Spiel gibt es die Möglichkeit des Side-Scrollings, der horizontalen 360-Grad-Drehung nur durch eine Mausbewegung zum Bildrand nach links und rechts. Ein Ingame-Tutorial demonstriert übrigens alle Funktionen.

Der Cursor hat wie gehabt die Form einer Lupe. Nimmt er eine rote Farbe an, kann ein Klick eine Bewegung in diese Richtung oder eine Vergrößerung der dargestellten Objekte bewirken. Ebenso können Aktionen, wie z. B. Öffnen oder Objekte nehmen folgen oder man kann so mit einer Person einen Dialog beginnen. Objekte aus dem Inventar wählt man durch einen Klick aus. Im Handlungsbereich verwandelt sich dann der Cursor in die Form des Objekts und man kann es wiederum durch einen einfachen Linksklick anwenden.

Es gibt bei diesem Spiel kein lästiges Überschreiben alter Savegames, die Anzahl ist nicht begrenzt. Das zuletzt gespeicherte Spiel ist immer an erster Stelle zu finden.

Die erstmalig in Nancy Drew 10 eingeführte Bildschirmaufteilung mit großem Aktionsbereich und schmaler Interaktionsleiste mit Menüzugang und Help-Funktion am unteren Bildschirmrand wird auch diesmal eingesetzt. Das Inventar muß per Klick auf das Tools-Icon geöffnet werden auch dann, wenn man nur einen Gegenstand wieder loswerden will. Es hat die übliche Kästchenstruktur, bedeckt den halben Bildschirm und kann wie ein Windowsfenster durch einen Klick auf den Eckpunkt geschlossen werden. Schnell haben wir seinen sichtbaren Teil gefüllt und können dann scrollen oder einen Inventarfilter verwenden. Mit einem Klick auf den mit einem Auge gekennzeichneten Tab zeigen wir ausschließlich interaktive Inventargegenstände an, die ihrerseits, wie auch schon in früheren Spielen der Serie, mit einem kleinen Auge ausgestattet sind. Die nicht interaktiven Objekte können wir ebenfalls mit dem Hand-Tab herausfiltern oder auch alles anzeigen lassen.

Die To-Do-Liste oder das Tagebuch machen uns im Junior-Modus durch Markierungen darauf aufmerksam, wenn ein neuer Punkt hinzugefügt wurde. Das etwas schmale Text-Dialogfenster muß fast immer gescrollt werden. Es gibt hier Probleme mit der Auswahl der richtigen Zeile bei der Auswahl der Fragen/Antworten.

 

Fazit

Alles in Allem ist Old Clock wieder ein sehr unterhaltsames, wenn auch nicht großartiges Adventure aus den Anfangstagen der Detektivin. Nancy Drew 12 beinhaltet sehr viele gleichförmige Wiederholungen und ist vergleichsweise kurz. Dafür gibt's aber wieder einige neue, originelle Einfälle und man kann wie immer nebenbei etwas dazu lernen. Ich hätte mir das Spiel aber mit mehr interaktiven oder zumindest sichtbaren Charakteren gewünscht und hoffe, daß das nächste Adventure zusammen mit den Hardy Boys dem nachkommen wird.

 

Gesamtwertung: 75%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium II 400 Mhz
  • 64 MB RAM
  • 300 MB freier Festplattenplatz
  • 16 bit Farbgrafik- und Soundkarte
  • 12fach CDROM-Laufwerk

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

 

 

 

 


 

Jane Willoughby, Emilys Vormund, kümmert sich um das Lilac Inn
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Die Karte dient der groben Orientierung - hinfinden muß man allerdings selbst
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Emily fühlt sich überfordert
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Die letzten Wertsachen soll Nancy im Safe ihres Vaters sichern
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Ein Fußweg führt vom Lilac Inn zu Josiah Crowleys Anwesen
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Richard Topham leidet nicht an Selbstunterschätzung
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Verschlüsselte Hinweise im Tagebuch
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Den Minigolfkurs müssen wir mindestens einmal genau par absolvieren
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Draufsicht im Police-Quest-Stil
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Nebencharaktere, wie den Tankwart, können wir nicht sehen sondern nur hören
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Mr. Archer ist Bankdirektor
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Nancy muß Ordnung in die Zahnräder der Uhr bringen
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Weder 19 Zoll, noch ein Großmaulbarsch
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Josiah hatte das Schließfach mit der Nummer 23
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Vorschau auf Nancys nächstes Abenteuer
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Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 07. August 2005

 

 

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