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Nancy Drew 14 - Danger by Design 


Erscheinungsdatum: 07/2006
Entwickler: Her Interactive
Publisher: Atari
Spielsprache: Englisch



ESRB: Everyone (keine Altersbeschränkung)

 

 

Ein Review von slydos   21. August 2006

 

 

Zum zweiten Mal in ihrer digitalen Laufbahn macht sich Meisterdetektivin Nancy Drew zu einer Reise über den Teich auf nach good old Europe. Und tatsächlich landet sie nach einer Fluganimation im Indiana-Jones-Stil in Frankreich, von wo aus sie den Daheimgebliebenen die Bilder eines Amerikaners in Paris liefert, nach denen diese wohl dürsten.

 

Geschichte

Nicht, daß ich unbedingt brennende Autos oder Illegale in unterirdischen Verstecken brauchen würde, aber ein wenig differenzierter und moderner als Weltkriegsbeute, typisch hart-deutsch-parlierende Allemands oder französische Bonvivants, die ihre Tage im Bistro fristen hätte die Thematik dieses Nancy-Drew-Spiels schon sein können, besonders für eine unbelastete Teenagerzielgruppe. Ich glaube, selbst der hinterwäldlerischste Nordamerikaner würde es verstehen, wenn dort nicht nur meschuggene Modemacher, Models und Ex-Resistance-Leute herumliefen. An Paris perlt der übliche amerikanische Klischeeregen zwar ab, aber in Zukunft sollte Nancy lieber wieder auf eigenem, bekannten Terrain agieren.

Aber kommen wir erst mal zum Grund der Reise: Nancy wurde von Amy Grunhild beauftragt, die amerikanische Mödeschöpferin Minette vor Ort in Paris inkognito als Studiohilfskraft zu observieren. Frau Grunhild, eine Klientin von Nancys Vater, ist Minettes größte Geldgeberin. Da die Designerin in letzter Zeit ein bizarres Verhalten an den Tag legt, ist sich Amy Grunhild nicht sicher, ob ihr Geld immer noch gut angelegt ist oder Minette ihre neue Kollektion, übrigens nur für fülligere Größen, überhaupt fertig stellen kann. Sie feuert grundlos Personal, nimmt keine Telefonanrufe mehr an, ist klar hinter ihrem Zeitplan zurück, trägt ganztägig eine Maske und stößt verstörende Emotionsübungen aus, die sie Tantras nennt. Von letzterem kann sich Nancy gleich bei ihrer Ankunft im Studio überzeugen.

Davon abgesehen darf sie sich gleich in die Büroarbeit stürzen, die sie unter Anleitung von Heather McKay, einer weiteren Amerikanerin, erledigen soll. Nancys Koffer mit ihrem Handy ging auf dem Flug verloren und sie muß sich mit einer Telefonkarte von Papa behelfen, die ihr allerdings unbeschränkte Ferngespräche in die Heimat sichert. Bis sie ihre Kleidung zurück hat, wird sie von ihrer Wohnungsgenossin, dem (anscheinend recht bekannten) Modell Jing Jing, mit entsprechenden Klamotten versorgt werden, wie Heather ihr versichert. Nancy entdeckt einen von mehreren Drohbriefen an Minette, die Heather in einer (natürlich kodiert verschlossenen) Box vor der Designerin zurückhält. Wer will der exzentrischen Dame Böses? Vielleicht ihr schlimmster Konkurrent Hugo Butterly, oder das Drapiermodell Jing Jing (Minette entwirft am lebenden Objekt), oder der deutsche Fotograf Dieter von Schwesterkrank!? Und was versteckt sich noch in der alten Mühle am Montmartre, die Minette zum Studio umgebaut hat?

 

Handling

Wir finden auch diesmal das Spiel auf 2 CDROMs vor, die Installation läuft reibungslos. CD1 muß beim Spielstart im Laufwerk vorhanden sein. Wir finden die bekannt praktische Steuerung im 1st-Person-Stil vor. Bewegungen und Aktionen werden wie immer angenehm per Maus kontrolliert, mit einer unverständlichen Ausnahme, die einen zunächst am eigenen Verstand zweifeln läßt, bis man herausfindet, daß man statt der Maus die Tastatur einsetzen muß.

Erstmals können wir auch einen kurzen Blick in Nancys Zuhause werfen bevor wir mit dem Spiel beginnen. Hier haben wir die Möglichkeit, uns über die anderen Nancy Drew Fälle, Änderungen in diesem Spiel und die Handhabung vorab zu informieren. Dazu können wir in Büchern auf ihrem Schreibtisch schmökern. Auch eine Akte des aktuellen Falles ist vorhanden. Wenn wir davon genug haben, klicken wir Nancys Flugticket an und das Spiel beginnt.

Im Gegensatz zur technischen Ausrüstung, die im 13.Teil auf dem neuesten Stand (Fotohandy) ist, muß Nancy, oder besser müssen sich die Spieler, in Paris mit einer Telefonkarte und ellenlangen Telefonnummern herumärgern, die jeweils eingetippt werden müssen. Es ist zwar klar, daß sie nicht von jedem herumstehenden Telefon ihre Fermgespräche direkt führen sollte, aber den Realismus hätte ich mir lieber woanders gewünscht.

Die bekannt komfortable Benutzeroberfläche wurde um eine Geldbörse in Euro ergänzt, die sich automatisch leert, wenn Nancy z.B. Essen geht oder eine Eintrittskarte erwirbt. Zum Auffüllen kann unsere Heldin dann leichte, sich aber leider sehr langweilig wiederholende Malaufgaben übernehmen. Fortbewegen kann sich Nancy, wie sollte es auch anders sein, per Metro, dem einfachsten Ubahnsystem der Welt. Über den Ubahnplan klicken wir die möglichen Zielorte an. Wir müssen in diesem Nancy-Drew-Spiel keine Uhren auf richtige Zeiten einstellen. Aber die Zeit vergeht und wenn es abend wird, kehrt Nancy automatisch in ihr neues Zuhause zurück und geht schlafen. Denn Papa Drew hat sie davor gewarnt, nachts in Paris unterwegs zu sein -> wie langweilig!

Alles andere ist beim Alten geblieben, auch diesmal können wir wieder als Senior- oder Junior-Detektiv spielen. Im Juniormodus ist Nancys Checkliste sehr hilfreich, die im Senior-Modus wegfällt. Obwohl ich sonst immer gedacht habe, unbegrenzte Savegames speichern zu können, wurde diesmal darauf hingewiesen, daß die Anzahl auf 32 beschränkt ist.

Alle bisherigen Nancy-Drew-Spiele waren äußerst benutzerfreundlich und fehlerfrei. Umso mehr überraschte mich diesmal, erstmals kleinere Bugs zu entdecken. Beispielsweise wurde eine Taschenlampe an einer Stelle im Spiel als in die Hand genommen angezeigt, die wir noch gar nicht erworben hatten! Das ist natürlich nichts, was das Spiel aufgehalten hätte, aber doch sehr ungewöhnlich für die sonst perfekt durchgetestete Serie. Einen Spielabbruch hatte ich außerdem zu verzeichnen.

Rätsel

Der Schwierigkeitsgrad im 14. Fall reicht von kinderleicht bis sehr schwer. Eine Spieldauer von ca. 15+ Stunden ist nicht zuletzt auf diese wenigen, schweren Rätsel zurückzuführen. Reine Objekt-/Inventarrätsel finden wir nur wenige. Neben den Nancy-Drew-typischen Dekodier-, Logik- und Merkrätseln wurden verstärkt Zeitbegrenzungen in Kombination mit anderen Aufgaben eingesetzt. Die daraus resultierenden Game Overs sind nur sehr selten frustrierend, da wir ja wie immer mit der Second-Chance-Option gleich wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Besonders schwer ist ein Unterwasserlabyrinth, für das wir nur begrenzte Luft und damit Zeit zur Verfügung haben. Aber auch Minette heizt uns öfter ein: wenn wir ins Büro kommen und nicht schnell genug das Telefon bedienen sind wir entlassen und damit ist das Spiel ebenfalls vorbei! Verzwickt aber nicht schlecht ausgedacht war die Fotoentwicklungsarbeit in völliger Dunkelheit. Wenn wir daneben greifen, führt das Chemikalienchaos zu einem GameOver und wenn wir uns beim Abschätzen der Sekunden durch unregelmäßig auftretendes Geplapper von draußen ablenken lassen, ebenfalls. Die klassischen Minispiele wurden auf eins beschränkt, dafür dürfen wir unser Reaktionsvermögen beim Kakerlakenfangen und sogar in einer Art Faustkampf testen.

Die Rätsel sind weitgehend nichtlinear und man kann das Maß der Hilfestellung, die man im Spiel erhält, selbst bestimmen, zum einen durch den Rat der Freunde am Telefon, zum anderen durch nicht notwendigerweise zu besorgende Literatur, z.B. ein Französischwörterbuch. Auch die Tageszeitung mit dem bezeichnenden Namen "Nouvelles d'Hier" ("Neues von Gestern") bietet Hinweise. Schade, daß es nur in diesem Blatt (z.B. 'Les Bleus siegen über Kamerun durch Tore von Henry') statt in der Story aktuelle Bezüge gibt. Alles in allem erschien mir die Einbettung der Rätsel in die Geschichte - sonst ein lobenswertes Merkmal der Nancy-Drew-Serie - diesmal eher lose und manchmal sogar an den Haaren herbeigezogen, trotz Logik und zeitweiliger Originalität.

Allerdings gibt es auch in diesem Spiel wieder einige Informationen, die wir so nebenbei als Wissenszuwachs verbuchen können, sollten wir noch nichts über die berühmten pariser Katakomben wissen oder die Verschlüsselungsmaschine Enigma und andere Kodiertechniken.

 

Grafik/Sound

Als Nancy einen Fotoapparat in die Hände bekommt, hofft man freudig auf einige Ansichten von Paris. Aber leider gibt's nur ganz wenige Darstellungen der so vielgesichtigen Stadt im Spiel: sie bescheiden sich auf die wenigen Metrostationen, die Nancy anfahren muß und einen kleinen Flohmarkt an der Pont Neuf als Aussenschauplatz. Das ist sicherlich sehr enttäuschend für alle, die sich von dem Ausflug nach Paris mehr Lokalkolorit erwartet haben.

Die Grafikhintergründe entsprechen der üblichen Grafikqualität der Vorgängerspiele. Die sichtbaren Charaktere, um genauer zu sein, die mit Gesichtsanimationen, hat man auf 5 reduziert, wobei man sich bei Hauptfigur Minette das Minenspiel und die Lippensynchronität ganz sparen konnte, da sie dauernd eine Maske trägt. Übrigens auch schon im 13. Teil trug ein sprechender Charakter eine Maske. Mal sehen, was man uns beim 15. Teil in dieser Hinsicht kredenzen möchte. Mit den restlichen Charakteren kann Nancy nur am Telefon kommunzieren bzw. sie sind nicht von Angesicht zu Angesicht zu sehen, sobald man mit ihnen spricht, wie die Händler im Park an der Pont Neuf. Die Arbeitskapazitäten für weitere Gesichtsanimationen waren wohl nicht vorhanden. Insgesamt halten sich die Dialoge auch in engen Grenzen, was mir diesmal besonders oft auffiel. Da wurde viel in die Trickkiste gegriffen, um Interaktivität und Lebendigkeit zu produzieren: Stimmen durch Türen, eine verschleierte Muslima als Straßenverkäuferin, Polizisten, die man durch Ubahngänge kommen und gehen hört ... Ich frage mich, wie stark wohl die Story durch die offensichtlich sehr begrenzten Grafikmöglichkeiten letztendlich beeinflußt wurde.

 

Fazit

Die Nancy-Drew-Serie bestach bisher durch gut durchdachte Stories, originelle und mit der Geschichte verwobene Rätsel und eine fehlerfreie Auslieferung. Dieses Mal aber hat man richtig daneben gegriffen. Es wäre besser, wenn Her Interactive nur ein Spiel im Jahr produzierte, dafür aber die Erwartungen in Bezug auf Dialoge, Grafik und Stimmigkeit erfüllen würde. Das nächste Spiel der Serie wird im Oktober erscheinen. Hoffentlich wird uns 'The Creature of Capu Cave' wieder versöhnen.

 

 

Gesamtwertung: 65%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium 1 Ghz
  • 128 MB RAM
  • 650 MB freier Festplattenplatz
  • 32 MB DirectX-kompatible Grafikkarte
  • DirectX-kompatible Soundkarte
  • 24fach CDROM-Laufwerk

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

 

 

Nancys Schreibtisch - unser Ausgangspunkt
Nancys Schreibtisch - unser Ausgangspunkt

 

Was gibt's Neues in diesem Spiel? - Auch darüber kann man sich vorab informieren
Was gibt's Neues in diesem Spiel? - Auch darüber kann man sich vorab informieren, z.B. über den Metroplan



Heather flieht vor Minettes 'Ausbrüchen'
Heather flieht vor Minettes 'Ausbrüchen'



Nancys neuer Arbeitsplatz
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Minette erhält Drohbriefe
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Das Atelier - eine umgebaute alte Mühle
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Trägt man heute Maske oder hat Minette etwas zu verbergen?
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Äußerst komplizierte Teezubereitung
Äußerst komplizierte Teezubereitung

 

Jin-Jins Wohnung - und nun auch die von Nancy
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Eine Spur führt in die Katakomben von Paris
Eine Spur führt in die Katakomben von Paris

 

Dieter von Schwesterkrank - sehrrr teutsch!
Dieter von Schwesterkrank - sehrrr teutsch!

 

In der Dunkelkammer muß sich Nancy bei ausgeschaltetem Licht zurecht finden
In der Dunkelkammer muß sich Nancy bei ausgeschaltetem Licht zurecht finden

 

Farbauswahl nach Vorlage - Zum Geldverdienen muß Nancy diese Fleißarbeit oft absolvieren
Farbauswahl nach Vorlage - Zum Geldverdienen muß Nancy diese Fleißarbeit oft absolvieren

 

Eine der vielen Dekodieraufgaben
Eine der vielen Dekodieraufgaben

 

Mehr Screenshots

 

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 21. August 2006

 

 

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