Zurück zur Adventure-Archiv Startseite
flage.gif (117 Byte) English version of this page

Necronomicon
Das Mysterium der Dämmerung

von Wanadoo (Entwickler/Publisher)
nach H. P. Lovecraft

Ein Review von slydos,  02. Mai 2001

 

Nach "Louvre" oder "The Final Curse", wie das Spiel in Deutschland genannt wurde, und den beiden Dracula-Teilen "Resurrection" und "Die letzte Zufluchtsstätte" von Wanadoo, der Nachfolgefirma von Index+, war ich sehr gespannt auf das neue Mystery-Adventure mit dem Titel "Necronomicon".  Necronomicon ist nach den Geschichten des amerikanischen Horror-Autors Howard Philips Lovecraft gestaltet. Nun habe ich Lovecraft nie gelesen aber zumindest kenne ich den Film "Necronomicon" und habe seinerzeit einige Adventures nach Lovecraft-Stoffen gespielt: "Shadow of the Comet", "Prisoner of Ice" und "The Scroll" und weiß, dass Lovecraft wiederkehrende Begriffe wie das Necronomicon des Abdul El Razad oder den Gott Cthulhu in seinen Geschichten verwendet hat.

Er schrieb für die Zeitung "Weird Tales" und einige andere Autoren verwendeten Elemente seiner Geschichten und versuchten sie weiterzuentwickeln. Daraufhin soll auch Lovecraft wiederum deren Geschichten fortgeschrieben haben. Grundsätzlich geht es darum, dass die Erde einst von "Den Alten" besiedelt war, einer fremden Rasse, die schwarze Magie ausübte und nun unbemerkt von den Menschen weiterhin auf der Erde existiert und darauf wartet, wieder die Herrschaft zu übernehmen. Lovecraft, der nur 47 Jahre alt wurde, wurde 1890 in Providence, in der Nähe von Boston geboren.

Hier spielt auch ein Teil der Geschichte unseres Spiels "Necronomicon" im Jahre 1927. Es beginnt damit, dass der Student William Stanton einen eigenartigen Besuch seines Freundes Edgar Wycherley bekommt. Edgar übergibt ihm eine kleine, mit seltsamen Zeichen versehene Pyramide, und bittet ihn, diese auf keinen Fall irgendjemandem - auch nicht ihm selbst auszuhändigen. Danach taucht gleich Edgars Arzt Dr. Egleton auf, der William von Edgars psychischen Veränderungen erzählt und ihn bittet, sich um ihn zu kümmern. William Stanton macht sich auf, Edgars Veränderung zu ergründen und gerät immer tiefer in okkulte Geschehnisse hinein, die darauf hindeuten, dass sich eine unheimliche Kraft aus der Vergangenheit in die Gegenwart drängt und Macht über seinen Freund und vielleicht die ganze Menschheit zu gewinnen sucht. William sucht nach Informationen im nahegelegenen Fischerdorf Pawtuxet und muß alle seine Fähigkeiten und Kenntnisse aufwenden, um verschlüsselte Hinweise zu deuten und seine Informationen zu einem Ganzen zu kombinieren.

Necronomicon besteht aus zwei CDROMs, die mit der deutschen Anleitung in der normalen Eurobox zu erwerben sind. Die Unterschrift des Titels "nach einem Roman von H. P. Lovecraft" suggeriert zwar, dass Lovecraft ein Buch mit diesem Titel geschrieben hat, was meiner Kenntnis nach allerdings so nicht richtig ist. Das Totenbuch "Necronomicon" war kein Titel eines Romans sondern Inhalt und Thema seiner Kurzgeschichten. Installiert wird das Spiel kinderleicht und nimmt ungefähr nur 10 MB auf der Festplatte ein. Wie seine Vorläufer wird es fast ausschließlich von CD gespielt. Auch wenn man bereits auf der 2. CD angekommen sein sollte, muß man jeweils zum Start CD 1 und danach CD 2 ins Laufwerk einlegen.

Vorsicht: sollte jemand mal zu schnell auf den unter Windows eingerichteten Menüpunkt klicken und aus Versehen die Deinstallation auswählen, dann gibt es kein zurück und noch nicht mal eine Frage wie "Sind Sie wirklich sicher?" erscheint - das Spiel und alle Savegames werden ohne Vorwarnung in Sekundenschnelle gelöscht. Mir ging es so als ich am Bungalow angekommen war und so hieß es wieder von vorne zu beginnen. Allerdings konnte die Spielzeit bis zum Ausgangspunkt durchaus verringert werden, da man mit der Leertaste alle Filmsequenzen (alle Unterhaltungen bestehen aus Videosequenzen) abbrechen kann.

Auch sonst ist das Spiel leicht zu steuern wie seine Vorgänger auch: mit den Bewegungen der Maus bewegt man auch Williams Blick fließend in alle Richtungen - es handelt sich um ein Spiel in 1st Person Perspektive - also aus der Perspektive des Hauptdarstellers, den man nur in Zwischensequenzen einmal sehen kann. Aktionen werden mit der linken Maustaste ausgeführt. Je nachdem, wie sich der Cursor verändert, kann man hier die Richtung wechseln, mit Leuten reden, Objekte kombinieren oder aufnehmen usw.. Ein Rechtsklick öffnet das Inventar, das ganz wie bei den beiden Dracula-Spielen kreisförmig angeordnet ist. Fährt man mit der Maus über ein Icon wird es vergrößert in der Mitte des Inventars angezeigt. Anders als bei Dracula 1 und 2 gibt es jedoch noch 3 weitere Inventar-Abteilungen: Eine Übersichtskarte, mit der man sich schnell von Ort zu Ort bewegen kann, ein Bücherregal in dem wichtige Manuskripte, Briefe oder Bücher zum erneuten Lesen abgelegt sind und (erst zu einem späteren Zeitpunkt aktiv) ein Koffer mit Ingredienzien. Orte oder Hotspots, mit denen man interagieren kann, findet man beim Darüberfahren mit dem Cursor. Muss man ein Objekt aus dem Inventar mit einem Objekt am Bildschirm kombinieren, so zeigt die farbige Umrandung des Icons, ob das möglich ist oder nicht.
Die Betätigung der Escape-Taste ruft das Hauptmenü auf, wo man bis zu 8 Spielstände speichern bzw. laden oder das Spiel verlassen kann. Diese Informationen werden auch in der kurzen Anleitung dargestellt und mehr braucht man auch nicht zu wissen, um mit dem Spiel beginnen zu können.

Zu Beginn sammelt man eine Menge Informationen, läuft viel herum, untersucht alles und bekommt so einen Eindruck von der Umgebung und den Menschen mit denen man es zu tun hat. Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel zu Beginn kann man getrost als kinderleicht bezeichnen, es geht nur darum, die richtigen Menschen in der richtigen Reihenfolge zu befragen. So kann man sich mit Steuerung, der Umgebung und der Benutzung der Karte bestens vertraut machen. Zum Ende der ersten CD steigt der Schwierigkeitsgrad der Rätsel dann jedoch sprunghaft auf schwer bis sehr schwer. Es ist unverzichtbar, sich Notizen und Skizzen zu machen, um die folgenden Kombinationsrätsel angehen zu können. Außerdem gibt es einige wichtige akustische Hinweise. Da es keine Untertitel hierfür gibt, muss man seine Ohren sehr spitzen oder verpasst einige hinweisgebenden Aussagen. Zum Schluss muss man einige Labyrinthe durchlaufen, davon eines zeitabhängig in 2 Minuten um weiter zu gelangen. Die Aufgabe am Ende des abschließenden Labyrinths ist auch zeitabhängig, hinzu kommt, dass man hier nicht mehr speichern kann. Das bedeutet, dass man, wenn man nicht an der richtigen Stelle gespeichert hat, das Labyrinth wieder und wieder und wieder durchlaufen muss, um die Endsequenz zu erleben. 

Ich halte die Häufung der Labyrinthrätsel zum Schluss einfach für Zeitschinderei! Ein Labyrinth lass ich mir gefallen, aber eine Aneinanderreihung führt schließlich die Spieler zu Langeweile oder Frustration und zeigt, dass die Entwickler hier unter Zeitdruck standen oder Ihnen nicht mehr viel eingefallen ist. Zwar sind die Labyrinthe selbst nicht allzu schwer (den Durchgang durch den zeitabhängigen Irrgarten steuert man durch seine eigenen anfänglichen Einstellungen) aber sie verderben den Spielspaß doch stark.

Ebenfalls wird der Spielspaß durch teilweise unlogische Rätsel getrübt: Ich vermisste im unterirdischen Laborbereich Hinweise darauf, aus welchen Zutaten eine gewisse Flüssigkeit herzustellen sei (hier muss durchprobiert werden)  und auch welcher Tag der Woche dort die Tür öffnet. Beim Wochentag kann man natürlich die gesammelten Informationen für alle 7 Tage durchprobieren, muss also maximal 7 Einstellungen machen - das dauerte auch nicht lange, aber trotzdem fehlte mir an dieser Stelle die Logik oder der versteckte Hinweis. In Dracula 1 und 2 fand man durchweg logische und einfallsreichere Rätsel, z.B. auch durch Kombination von Inventarobjekten. Bei Necronomicon geht es hauptsächlich darum, den nächsten Einsatz- oder Aktionsort zu finden und dort eine Aktion/mehrere Aktionen auszuführen oder dort ein Objekt zu finden oder das richtige Objekt zu verwenden. Wenn man das schriftliche Material oder Aussagen von Personen zu deuten weiß, kann man die Spielzeit verkürzen, daneben wird man aber auch eine Menge nutzloser Informationen aufnehmen – wie sich erst später herausstellen wird.

Dialoge mit anderen Spielcharakteren werden in Videoclips automatisch geführt. In einigen Szenen muss man wirklich scharfe Ohren haben, um die leise oder etwas undeutliche Sprachausgabe zu verstehen. Hier kann es geschehen, dass man wichtige Informationen einfach nicht mitbekommt. Die selbstgefällige und etwas englisch anmutende Synchronisation des Dr. Egleton passt zwar zum dargestellten Charakter bringt aber sowenig Spannung ins Spiel wie eine Schlaftablette. Dagegen wirken die Synchronisation und Darstellung des Hauptcharakters Stanton und seines Freundes Edgar lebendig und unterstützen den Spannungsaufbau. Seltsam und störend fiel mir bei allen Sprechern auf, dass sie die Stadt Providence französisch nasal aussprachen („Prowidons“), obwohl es sich ja um eine amerikanische Stadt handelt.  Leider fiel mir auch in den Dialogen ein logischer Fehler auf: Nach Stantons erstem Treffen mit Edgar in dessen Haus erzählt er dem Doktor, dass Edgar ihn nicht erkannt hätte und ihn siezte. Das geschieht allerdings tatsächlich erst beim zweiten Besuch! Nichts Wichtiges aber auch nichts wofür man einen Pluspunkt geben würde.

In einigen Videosequenzen zu Beginn des Spiels fehlten meinen Darstellern die Zahnreihen. Obwohl man sich um Lippensynchronität bemüht hat, ist das ein wenig irritierend. Die Clips beleben das Spiel und ich hätte mir gerne mehr davon gewünscht. Die 3D-Grafik ist wie bei den Vorgängern ausgezeichnet und es macht Spaß, sich in den großzügig gestalteten Locations zu bewegen und alles zu untersuchen. Einfallsreich und gleich Teil eines Rätsels ist die Art der Bewegung speziell im Zeitungsarchiv.
Das Fischerdorf Pawtuxet hat eine verlassene, abweisende und düstere Atmosphäre was durch die ausgezeichneten Soundeffekte unterstützt wird. Ich wurde an das Dorf Illsmouth aus Shadow of the Comet erinnert, das allerdings im Gegensatz zu Pawtuxet in hellen, leuchtenden Farben dargestellt war und ich überlege noch jetzt, welche der beiden Darstellungen wohl Lovecraft eher gerecht wird, der ja das Grauen, das sich hinter den normalen bürgerlichen Fassaden versteckt, darstellen wollte.
Es gibt keine Musikthemen sondern reine Sound- oder Geräuschuntermalung, die sehr passend, spannungsgeladen und niemals störend wirkt. Der Untertitel „Dawning of Darkness“ („Dämmerung der Dunkelheit“) wird tatsächlich beim Wort genommen. Einen Teil des Spieles verbringt man damit nicht nur Licht in die Rätsel sondern auch tatsächlich auf den Bildschirm zu bringen. In fast völlig dunkle Räume einzutreten kostet schon etwas Überwindung und wenn man dann auch noch von Monstern aus der Tiefe angegriffen wird, kann einem der Atem stocken. Allerdings gilt auch hier das, was ich bereits zu den Labyrinthen sagte: all zuviel kann entweder langweilen oder frustrieren. Würde nicht jeder in einem düsteren Labor zuerst mal Licht machen, um sich umzusehen anstatt herumzutapsen wenn man schon ein Feuerzeug hat? Na ja – zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass das Lichtmachen auch zu den Rätseln gehört, die William Stanton zu lösen hat.
Zu erwähnen sei auch noch, dass es einige Game-Over-Möglichkeiten bei Necronomicon gibt. Deshalb sollte man immer wieder mal speichern, um nicht zu lange Sequenzen wiederholen zu müssen.

Nach „Dracula – Die letzte Zufluchtsstätte“ hatte ich mir natürlich eine Steigerung bei Necronomicon erhofft. Eine kleine Anspielung auf den Mönch Barrabas und Transsylvanien aus Dracula findet man auch in einem Brief. Leider reicht Necronomicon von Spannung und Story nicht an Dracula heran und nach der wirklich furiosen Endsequenz von Dracula habe ich mir hier auch etwas anderes erwartet. Es gibt zwar einige Teile in denen Spannung aufgebaut wird, die dann aber leider wieder im Sande versiegt und nicht wirklich verwertet wird. An einigen wenigen Stellen wird der Spieler wirklich erschreckt oder überrascht, aber doch zu wenig, um die Spannung das ganze Spiel über aufrecht zu erhalten. Durch den sich sprunghaft ändernden Schwierigkeitsgrad der Rätsel verliert das Spiel zudem an Homogenität und schließlich gewinnt man den Eindruck, dass den Entwicklern zum Schluss Kraft und Zeit fehlten, einen wirklichen Höhepunkt zu gestalten. Schade! Da wäre sicher mehr drin gewesen!

Die angegebene Spieldauer von ungefähr 30 Stunden kommt hin. Ich brauchte insgesamt ca. 26 Stunden inklusive der Wiederholzeit, da ich mir das Spiel einmal aus Versehen löschte. Weniger erfahrene Spieler werden (ohne Lösungshilfen) nach meiner Schätzung um die 35 Stunden benötigen. Von mir bekommt Necronomicon eine Gesamtwertung von 68% (befriedigend, bedingt empfehlenswert) Abstriche gibt es hauptsächlich deshalb, weil nicht so die rechte Spannung aufkommen wollte und wegen der Lückenfüller-Labyrinthe. Necronomicon gehört sicher nicht zu den herausragenden Adventures aber ist durch sein leichtes Handling, die gute Grafik und teilweise herausfordernde Rätsel kein Adventure von dem ich abrate - wer allerdings eine Steigerung zu Dracula erwartet, wird eher enttäuscht sein.

Im Herbst können wir von Wanadoo ein neues Mystery-Adventure erwarten: Loch Ness. Ich bin gespannt, wie sich dieses Spiel in die anderen Wanadoo-Mystery-Adventures einreihen wird.

USK: geeignet ab 12 Jahren

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

·          80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)

·          70% bis 79%    gut (empfehlenswert)

·          60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)

·          50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)

·          40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)

·          0%   bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvorraussetzungen:

  • Pentium 166 Mhz (empfohlen Pentium 200 Mhz)
  • 16 MB RAM (32 MB RAM mit Windows 98)
  • Grafikkarte mit HighColor
  • 16-bit Soundkarte
  • 4fach CD-ROM-Laufwerk (8fach empfohlen)
  • Windows 95 oder 98

gespielt mit:

  • Windows 95
  • Pentium II 233 Mhz
  • 64 MB RAM

Homepage
Boxshots

Hier wird gespeichert
Hier wird gespeichert

Was ist mit Edgar los?
Was ist mit Edgar los?

Auf der Suche nach dem "Tor"
Auf der Suche nach dem "Tor"

Der Eingang zur Unterwelt?
Der Eingang zur Unterwelt?

Pawtuxet
Pawtuxet

Was bedeuten diese Knöpfe?
Was bedeuten diese Knöpfe?

Mehr Screenshots

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 02. Mai 2001

 

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 

seite gezählt durch: