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Nibiru


Erscheinungsdatum: 03/2005
Entwickler: Unknown Identity/Future Games
Publisher: dtp


Spielsprache: Deutsch


Boxshots

USK: ab 12 Jahren

 

Ein Review von   slydos   16. März 2005

 

Fox Mulder glaubt daran, Erich von Däniken verkündet es seit Jahrzehnten: wir sind nicht allein! Aber sie kommen nicht von irgendwo da draußen, nicht aus fernen Systemen oder von der Vega. Relativ nah aber doch so versteckt, daß man seine Existenz nur vermuten kann, soll es in unserem Sonnensystem einen 10. Planeten geben, einen bewohnten Transpluto, von den Sumerern Nibiru genannt.

Man stelle sich vor, daß sich die Nazis (wer sonst mal wieder) mittels eines brillanten Forschers die Geheimnisse, die mit dem Planeten und seinen Bewohnern verbunden sind, zu Nutze machen wollen. Das Kriegsende hindert sie daran.

60 Jahre später stoßen Bauarbeiter westlich von Prag auf einen alten Tunnelkomplex der Deutschen. Hier kommt unser Protagonist ins Spiel, Martin Holan, Student der Archäologie und Sprachwissenschaften in Paris. Sein Onkel, Professsor Francois de Vilde, selbst Archäologe und Mayaspezialist, sieht die Zusammenhänge und setzt seinen Neffen auf die Sache an. Noch am gleichen Tag fliegt Martin nach Prag um dort seine Kontaktperson Barbora zu treffen, die ihm Zugang zu den bereits vom Militär abgeschotteten Tunneln verschaffen soll. Aber Barbora hat am vereinbarten Treffpunkt nicht auf ihn warten können ...

Hier steigen wir in die Geschichte ein und begleiten Martin Holan auf seiner gefährlichen Suche nach der Wahrheit über Nibiru.

Nibiru ist ein Remake des vor 7 Jahren in der Tschechei erschienenen Adventures Posel Bohu der Black Mirror Macher. Sie haben sich eine Geschichte im Indiana Jones Stil augedacht, aber mit einem jüngeren und noch recht unerfahrenen Helden, der jedoch beherzt und konsequent seine Mission erfüllen will. Er muß sich seine Ecken und Kanten und vor allen Dingen seine Narben erst noch verdienen und legt dabei eine überraschend kühle Gelassenheit denn Draufgängertum an den Tag. Die Versatzstücke der Story sind nicht neu aber in ihren Einzelheiten und frisch gesponnenen Zusammenhängen gut ausgearbeitet, so daß man auf die neuen Wendungen gespannt ist und nur sehr ungern eine Pause einlegt.

Es helfen weit über 30 lebendige, glaubhaft gezeichnete Charaktere mit ebenso glaubhaften Dialogen und einem Handlungsrahmen, der seine Logik auch zum Schluß - anders als in Black Mirror - nicht verliert. Trotzdem ruft Nibirus Ende nicht nur Lob hervor, da auch hier einmal mehr die Spieler im Trüben fischen damit man sich das Türchen für eine Fortsetzung aufhalten kann.

 

Rätsel

Die leichten und relativ dünn gesäten Rätsel von Nibiru sorgen dafür, daß man fast ausnahmslos ohne die Fragen "Was mach ich jetzt nur?" und "Wie mach ich's jetzt nur?" auskommt. Nur an 2 oder 3 Stellen wechselt der Schwierigkeitsgrad von leicht auf mittelschwer. Die Objekt-/Inventarrätsel ergeben sich logisch aus der Geschichte, sehen wir mal von einem etwas bizarreren Rätsel mit einer Ratte ab - möge ihre Seele in Frieden ruhen. Auch in Nibiru müssen wir natürlich wieder Zugänge finden und Türen öffnen, allerdings hat man sich diesmal etwas mehr einfallen lassen als "Finde Schlüssel und öffne Tür/Kiste/Safe damit".

Verschiedene Codieraufgaben und Schieberätsel sind prinzipiell auch nicht sehr kompliziert, erwarten aber, daß man die Zusammenhänge auslegt und zwei von ihnen gehören aus diesem Grund zu den mittelschweren Rätseln. Es gibt auch zeitlich begrenzte Aufgaben, die Martin sterben lassen können, aber nach jedem Tod steht er gleich wieder auf und die Szene fängt am Ausgangspunkt erneut an. Häufiges Speichern ist also nicht notwendig. Ebenfalls muß man hier und da eine kurze Zeit abwarten, um damit ein Rätsel lösen zu können. Weitere Ähnlichkeiten mit Black Mirror finden wir im Handlungsablauf, beispielsweise geraten wir auch hier unter die Erde, müssen einen Generator anschalten und finden das Tagebuch eines Mannes, der eine geraume Zeit in den Katakomben zugebracht hat.

Neben der geringen Menge und Komplexität der Rätsel ist Nibiru auch deshalb ein leicht zu bewältigendes Spiel, weil die strenge Linearität (sowohl im Rätselablauf als auch in der fehlenden Möglichkeit, selbstständig die Schauplätze zu wechseln) und die Eliminierung vieler Hotspots nach einmaligem Anklicken nicht mehr viel Auswahl lassen, einen Fehler zu machen oder überhaupt auf eine falsche Spur zu geraten.

Auffallend ist auch die fehlende Interaktivität, weil viele Gespräche und Szenen automatisch ablaufen. Die seltene Themenwahl per Icon muß sowieso durchgespielt werden. Wenn es überhaupt so etwas wie Dialogrätsel gibt, dann dadurch daß wir Personen oft erneut ansprechen sollten, um neue Informationen zu erhalten oder Aktionen auszulösen. Wir erhalten auch in Nibiru eine Karte der Gegend, können aber damit nicht selbst unseren Aufenthaltsort wählen.

Mit ca.15 Stunden Spielzeit ist Nibiru nur halb so lang wie Black Mirror.

 

Handling/Steuerung

Die Bedienung von Nibiru unterscheidet sich nur in winzigen Details von Black Mirror, beispielsweise wechselt die Cursorfarbe über Hotspots diesmal von weiß auf Gold anstatt auf Rot. Sonst ist die wirklich intuitive Mausnavigation beibehalten worden und das ist gut so, da hier wirklich alles beim Vorgänger stimmte.

Die linke Maustaste dient dem Ansehen und manchmal dem Aufnehmen oder sonstigen Aktionen, die rechte Maustaste zusätzlichen Manipulationen oder einer Großdarstellung von Gegenständen im Inventar. Objekte können auch in Nibiru im Inventar verändert oder kombiniert werden und es gibt wieder passende Geräusche zu jedem der angefaßten Teile. Die Savegames scheinen bei Nibiru nicht in ihrer Anzahl begrenzt zu sein, jedenfalls bin ich bei ausgesprochen häufigem Speichern nicht an irgendeine Grenze gestoßen. Leider mußte man nach jedem Verlassen des Spiels beim Laden durch alle alten Spielstände scrollen, bis man den letzten erreicht.

Wieder zeigt die Tab-Taste zur Erleichterung alle möglichen Szenenausgänge, ich muß allerdings anmerken, daß ich keinen Gebrauch von dieser Funktion gemacht habe. Gerne allerdings habe ich Szenenwechsel mit einem Doppelklick beschleunigt, auch eine Funktion, die es bereits bei Black Mirror gab.

Das schwarz-weiß bebilderte 15seitige Hochglanz-Handbuch bietet neben der genauen Beschreibung aller Spielfunktionen auch einige Reklameseiten für andere dtp-Spiele wie die Special Edition von Black Mirror, die auch einen Trailer und die Demo von Nibiru beinhaltet.

 

Grafik/Sound

Eine wahre Augenweide ist die Hintergrundgrafik von Nibiru. Der realistisch-romantische Stil von Black Mirror ist hier noch übertroffen worden. Die klassischen Bildkompositionen führen das Auge geradezu durch perspektivische Linien, geschickt gesetzte Vertikalen oder Diagonalen und sind meisterhafte Beispiele, wie Spielegrafik Einfluß auf Reihenfolge der Beobachtung und Interaktion der Spieler nimmt. Ebenso zielgerichtet sind Licht und Schatten eingesetzt, die erst auf den 3. Blick enthüllen, daß sie nicht realistisch sondern vielmehr hinweisgebend eingesetzt oder weggelassen wurden.

Man kann sich kaum satt sehen an den aufwendigen Details, den Oberflächenstrukturen, dem Farbeinsatz. Da tut es einem fast Leid, daß man die 2D-Hintergründe nicht näher in einer dritten Dimension untersuchen kann. Die Hauptschauplätze in Prag, Frankreich und Mexiko bieten jeweils eine große Zahl von Szenen oder Ansichten, jeweils mit unserem 3rd-Person-Helden in der normalen Perspektive von der Seite oder leicht schräg von oben. Nur ganz selten wechselt die Kameraeinstellung in eine Draufsicht oder wir erhalten eine Nahansicht von näher untersuchbaren Bereichen. Die üppigen Schauplätze werden in den Außenszenen belebt von Vögeln, Schmetterlingen oder windbewegtem Wasser. Neblig-kühl wirkt das Lager am Tunneleingang, während die Morgensonne die französische Hafengegend mit goldwarmen Strahlen aufwärmt und sich die letzten Regenpfützen in Dunst auflösen. Das mexikanische Dorf erstrahlt einmal in gleißendem Sonnenlicht, einmal unter mottenumschwärmten Laternen.

Kleine Anspielungen, wie das Cover von Black Mirror sind augenzwinkernd verborgen. Ein wenig gewundert haben mich die englischen Schilder und Geschäftsbezeichnungen in Frankreich wie z. B. "Paul's Fishes". Nicht wundern müssen wir uns über die der gesetzlichen Zensur zum Opfer gefallenen Nazisymbole, die durch unverfängliche ersetzt wurden. Ein verschämter Reichsadler auf dem Teppich scheint gerade eben noch erlaubt zu sein. Was würden eigentlich Autoren machen, wenn es die Nazis nicht gegeben hätte?

Leider reicht die Qualität der Videoszenen nicht an die der Ingame-Grafik heran. Meist können wir hier beobachten, wie Martin mit irgendeinem Verkehrsmittel seinen Zielort erreicht. Die Charaktergrafik hat sich wesentlich verbessert gegenüber dem Vorgängerspiel. Proportionen, Silhouette und Bewegungen sind nun schon sehr nahe an der Wirklichkeit und auch die Grafik der NPCs wurde stark verbessert. Trotzdem fehlen noch Sprechanimationen und Mimik, was allerdings nur selten zu bemerken ist, da auf Nahaufnahmen - außer in Videoszenen - verzichtet wird. Der windbeeinflußte Schneefall in den Videoszenen wirkt trotz der schlechteren Qualität des Videomaterials realistischer als der gleichförmige Strich-Regenfall im Spiel. Diese Scharte machen allerdings die guten Geräuscheffekte wieder wett, die unaufdringlich und passend zum Geschehen auf dem Bildschirm gesetzt sind. Musik, die besondere Spannungstupfer setzen soll, taucht nur kurz und in ganz wenigen Einstellungen auf.

Die Sprachausgabe mit 36 professionellen Synchronsprechern bringt die Eigenschaften der Charaktere gut zur Geltung. Allerdings wirkt der mexikanische Akzent in den meisten Fällen nicht wirklich echt und aufgesetzt, wie wir es aber durchgehend auch aus vielen TV- und Filmproduktionen gewohnt sind. Es ist ein generelles deutsches Synchronproblem und nicht an Nibiru festzumachen, daß dem Publikum unterstellt wird, daß es beispielsweise nicht zwischen einem slawischen und einem spanischen Akzent unterscheiden kann, siehe Ausgrabungsgehilfe Pedro.

 

Installation/Technisches

Nibiru kommt in einen schönen Miniklappkarton der wiederum eine DVD-Box mit den beiden CDs und einem Handbuch in Form einer Geheimakte enthält. Nach einer reibungslosen, automatischen Installation muß CD1 beim Spielstart zur Kopierschutzprüfung im Laufwerk belassen werden. Nibiru lief ohne jeden Fehler auf dem eingesetzten System. Sowohl Spielstart als auch Spielende sind ohne Verzögerungen mit einem Zwischenstopp im Hauptmenü durchzuführen.

 

Fazit

Nibiru ist ein solides, traditionelles Adventurespiel, das sich keinesfalls auf das glatte Eis der Innovation begibt sondern in allen Teilen auf Altbewährtes zurückgreift. Es kombiniert dabei tolle, stimmungsvolle Grafik, realistisch gelungene Charaktere und traumhafte Schauplätze mit einer wenn auch nicht neuen so doch durchaus fesselnden Abenteuerstory, die Indiana Jones- und Akte X-Elemente verbindet. Ein ausgereiftes, einfaches Handling und die frustrationsfreien Rätsel empfehlen Nibiru als ideales Einsteigerspiel. An den 'großen Bruder' Black Mirror mit seinen komplexeren Rätseln und undurchsichtiger Story reicht es allerdings nicht heran und das nicht nur, weil sich die Spieldauer halbiert hat. Trotz einer ähnlichen Struktur wie Black Mirror werden Fans bei Nibiru zumindest dessen Maß an nichtlinearer Entscheidungsfreiheit und Interaktivität vermissen. Wer kein Problem damit hat, sich führen zu lassen, sollte zu Ostern Nibirus Aufforderung zum Tanz annehmen.



Bewertung: 75 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium III 800 MHz
  • 16x CD/DVDROM
  • 32 MB DirectX kompatible Grafikkarte
  • DirectX kompatible Soundkarte
  • DirectX 9+
  • 1,5 GB Festplattenspeicher
  • Maus/Tastatur/Lautsprecher

 

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 16. März 2005

 

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Hauptmenü
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Prag bei Nacht
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Detektivarbeit
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Martin Holan
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Diesen Tunnel möchte Martin betreten
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