Nach Leonardo da Vinci haben sich die Kheops Studios die nächste
schillernde historische Figur vorgenommen: den Wahrsager Nostradamus, dessen wirre
Prophezeiungen noch heute die Phantasie der Menschen anregen und die Phantasie von
Spieleentwicklern. Der historische Hintergrund der Renaissance bildet dabei die Kulisse
für ein spannendes Abenteuer rund um einen Fluch, mysteriöse Todesfälle und eine junge
Frau, die im Namen ihres berühmten Vaters und im Dienste der Katharina de Medici dem
Geheimnis auf den Leib rückt. Spielern wie mir, die noch nie ein Spiel aus dem Hause
Kheops in Händen hielten (ja, das gibts), macht Nostradamus dabei Lust auf mehr
Adventurekost der Marke Kheops, die sich, wie ein Blick auf die Website zeigt, auf
Adventures mit historischem Hintergrund spezialisiert haben dürften.
Aufmachung/Installation/Technisches
Nostradamus Die letzte Prophezeiung kommt in einer hübschen
schwarzen Klappbox mit einem Planetenmobile auf dem Cover daher. In der darin verpackten
DVD-Schachtel finden wir ein Handbuch, das leider in Schwarz-Weiß gehalten wurde und alle
notwendigen Informationen zum Spiel bereithält. Die Special Edition wurde um ein
30-seitiges Büchlein mit den Prophezeiungen Nostradamus ergänzt.
Installiert wird das Spiel von einer DVD, die zum Spielen im
Laufwerk bleibt. Die Installation verläuft flüssig und schnell; beim Starten muss man
keine Hersteller-Logos überspringen, sondern gelangt direkt ins Startmenü. Hat man noch
nie Nostradamus gespielt, dann wählt man zu Beginn eines von fünf astrologischen
Symbolen aus (Sonne, Mond, Mars, Venus, Saturn); unter diesem Symbol werden dann
sämtliche Spielstände gespeichert und geladen. Bis zu fünf Spieler können sich so an
dem Spiel versuchen. Im Optionenmenü kann man wählen, ob die Gegenstände, die man im
Lauf des Spiels aufhebt, beschrieben werden sollen oder nicht; auch die Geschwindigkeit
der Kamera-Rotation, Lautstärke, Helligkeit und Untertitel lassen sich hier einstellen.
Technische Probleme hatte ich beim Spielen nicht, außer an einer
Stelle: Da hatte ich plötzlich einen Gegenstand doppelt auf dem Bildschirm und konnte das
Bild nicht mehr verlassen oder mich drehen. Das Einzige, was in diesem Fall geholfen hat,
war, das Spiel per Task Manager zu beenden und dann neu zu starten. Kurz vor dieser Stelle
ist mir außerdem aufgefallen, dass eine Aufgabe im Notizbuch eingetragen war, ohne dass
ich irgendetwas getan hätte, um auf diese Aufgabe zu kommen. Erst nach einer weiteren
gründlichen Untersuchung einer neuen Umgebung und der Aufnahme eines weiteren
Gegenstandes ins Inventar bekam die Notiz einen Sinn. Lustigerweise wurde sie auch nicht
durchgestrichen, nachdem ich die darin beschriebene Aufgabe schon längst ausgeführt
hatte.
Das sind aber auch die einzigen technischen Mängel", die
mir untergekommen sind. Die Systemanforderungen sind vergleichsweise niedrig und dürfte
auch auf älteren Rechnern flüssig laufen.
Story
Eine unheimliche Mordserie sucht die nähere Umgebung von Katharina
de Medici heim. Im Glauben, es handle sich um einen Fluch, der ihre Familie vernichten
soll, wendet sich die Monarchin an Michel de Nostradamus, der in einem kleinen Dorf in der
Provence lebt. Er soll, als Verfasser eines ominösen Vierzeilers, der den Untergang der
königlichen Familie vorhersagt, Licht ins Dunkel bringen und den Fluch aufhalten. Da der
alte Astrologe aber schon etwas angegriffen und tattrig ist, schickt er seine Tochter
Madeleine auf das Schloss der Königin in Verkleidung, denn eine junge Frau wäre
im Jahr 1566 weder als Astrologin noch als Ärztin geduldet. Madeleine gibt sich als ihr
Bruder César aus und versucht, der geheimnisvollen Mordserie auf die Spur zu kommen.
Dabei muss man als Spieler stets abwägen, welche Konsequenzen der Rollenwechsel haben
könnte.
Die Handlung ist dabei in fünf Tage unterteilt und linear
aufgebaut, auch wenn manche Aufgaben nicht immer in einer bestimmten Reihenfolge erledigt
werden müssen. Bestimmte Aktionen lösen Zwischensequenzen oder Ereignisse aus, die für
den weiteren Verlauf des Geschehens maßgeblich sind. Gegen Ende hin verliert sich die
Story leider ein wenig bzw. entfernt sich leicht von ihrem Ausgangspunkt, lässt einen
oder zwei (unwichtige) Handlungsstränge überhaupt unter den Tisch fallen, und das
eigentliche Ende ist mehr als dürftig leider. Denn obwohl es sich um ein kurzes
Spiel handelt, passt bis auf das abrupte Ende einfach alles und die Geschichte wird
spannend, stringent und ohne viel Firlefanz erzählt; sie bleibt bis zuletzt
nachvollziehbar und verwirrt den Spieler nicht mit Unmengen von Handlungssträngen oder
Informationen. Natürlich fehlt es an Spieltiefe; mir persönlich ist eine klare Handlung
mit interessanten Charakteren in einem kurzen Spiel aber allemal lieber als ein Adventure,
das durch unnötige Minispiele, nervtötende Actioneinlagen, zeitabhängige Rätsel oder
ähnlichen Schnickschnack künstlich in die Länge gezogen wird. Manche dieser Elemente
zeitabhängige Aufgaben etwa finden sich zwar auch in Nostradamus, fügen
sich aber harmonisch in das Spiel als Ganzes ein und wurden nur sparsam eingesetzt.
Steuerung
Wir steuern Madeleine/César aus der Ego-Perspektive und
ausschließlich per Maus. Die Kamera-Rotation kann dabei im Optionsmenü verändert werden
wem die Drehungen zu schnell sind, der kann die Geschwindigkeit der Rotation
herabsetzen. Umgekehrt kann man das Tempo der Drehungen aber auch noch erhöhen und so
für einen lustigen Karussell-Effekt sorgen. Ob das empfehlenswert ist, bleibt natürlich
jedem selbst überlassen; mir persönlich hat das normale" Tempo schon vollauf
gereicht.
Der Mauszeiger hat in seinem normalen Zustand die Form eines
goldenen Pfeils und kann, je nach Interaktionsmöglichkeiten, unterschiedliche Formen
annehmen; ist keine Aktion möglich, ist der Pfeil nach links geneigt. Ein gerader, auf
und ab wippender Pfeil bedeutet, dass man sich in diese Richtung bewegen kann; ein freies
Erforschen der Umgebung ist dabei leider nicht möglich, wohl aber eine 360-Grad-Drehung.
Die Wegfindung ist klar strukturiert, man behält einen guten Überblick darüber, wo man
sich gerade befindet und wo welcher begehbare Ort liegt. Die geringe Anzahl der
Schauplätze erleichtert die Orientierung zusätzlich. Für mich, die ich in
First-Person-Adventures immer dezente Orientierungsprobleme habe, war Nostradamus in
dieser Hinsicht ein echtes Highlight und ein perfektes Beispiel dafür, dass
Ich-Perspektive nicht automatisch verwirrte Orientierungslosigkeit mit sich bringt.
Mit anderen Personen kann Madeleine reden, sobald der Mauszeiger
sich in ein Gesicht verwandelt. Mit dem Augencursor kann man etwas anschauen. Eine Hand
bedeutet: Diesen Gegenstand kann man aufnehmen. Die klassischen Zahnräder deuten auf eine
mögliche Aktion; sind sie durchgestrichen, braucht man noch einen Gegenstand oder der
betreffende Hot Spot wird überhaupt erst später freigeschaltet. Dann gibt es noch
Pfeile, und zwar vertikale (um z. B. Wasser aus einem Brunnen zu holen), horizontale (etwa
um etwas zu verschieben nein, keine Kisten, keine Angst!) und einen sich drehenden
(um, ganz klar, etwas zu drehen). Um etwas zu verschieben, hoch zu holen oder zu drehen
muss man die linke Maustaste gedrückt halten, was an manchen Stellen etwas
Fingerspitzengefühl bzw. mehrere Versuche erfordern kann. Wird der Mauszeiger zur Zange,
kann ein Werkzeug benutzt werden.
Das Inventar wird per rechter Maustaste aufgerufen und verlassen. Es
besteht aus mehreren Teilen: Links findet man Werkzeuge Feder, Schere, Skalpell,
Zirkel, Lupe, Zange -, die sowohl an Hotspots als auch im Notizbuch eingesetzt werden. Das
Mistkübel-Icon entsorgt überflüssige Inventargegenstände keine Sorge, man kann
hier nichts wegschmeißen, was man später noch mal brauchen könnte. Madeleine warnt uns
davor. Überflüssige Gegenstände sind selten und das Inventar ist großzügig genug
angelegt, um auch mal die eine oder andere Unmäßigkeit beispielsweise beim Sammeln von
Kräutern zuzulassen.
Alle Gegenstände, die man aufhebt, landen zunächst in einem
Sammelfach. Man muss sie dann entweder einzeln in den Inventarfächern verteilen oder
nutzt die automatische Verteilfunktion. Jeweils 16 Fächer stehen auf drei Seiten zur
Verfügung. Eine Lupe ermöglicht die genauere Untersuchung der Inventarobjekte. In
manchen Fällen ist auch eine Manipulation mit einem weiteren Werkzeug möglich. Sofern
man Untertitel und Beschreibung der Objekte im Optionenmenü aktiviert hat, werden
Informationen und Madeleines Kommentare zu Gegenständen in einem Textbereich angezeigt.
Im Inventar finden wir außerdem ein Charakterbild von Madeleine,
dem wir an bestimmten Orten neue Kleider aus dem Inventar zwecks Rollenwechsel anziehen
können. Unter dem Charakterbild befindet sich ein Zähler. Für erfolgreiche Aktionen
erhalten wir Punkte, für Fehler gibt es auch Punktabzüge. Einfluss auf den Spielverlauf
haben die Punkte, soweit ich das gesehen habe, aber nicht; am Ende bekommt man mitgeteilt,
mit wie vielen Punkten man das Spiel abgeschlossen hat. Sekundäraktionen also
solche, die für den unmittelbaren Verlauf des Spiels nicht wichtig sind können
zusätzliche Punkte bringen.
Einige Registerkarten bieten weitere Funktionen: Im Notizbuch
(Federsymbol) werden Bemerkungen, Zettel, Notizen und dergleichen abgelegt; auch einige
Rätsel müssen hier gelöst werden. Es gibt ein Rezeptregister, eine Todesopferübersicht
und einen Lageplan des Schlosses. Mit einer fünften Registerkarte können alle Gespräche
noch mal abgerufen und gelesen werden.
Die Benutzung des Inventars ist absolut intuitiv und schnörkellos
genau so gehört sich das auch. Durch die Einbindung von Werkzeugen und einem
Notizbuch ergeben sich außerdem zusätzliche Rätselformen, die dem Spiel noch mehr Reiz
und Tiefe verleihen.
Grafik/Sound
Die Hintergrundmusik ist unaufdringlich, kann aber auch dramatisch
anschwellen, wenn es die Szene erfordert. Die Sprachausgabe ist gelungen, wenn auch hin
und wieder etwas zu emotionslos. Originell ist dabei die Idee, Madeleine zu Beginn
Stimmübungen machen zu lassen, damit sie wie ein Mann klingt für die Hauptfigur
wurden somit zwei Sprecher benötigt, ein Element, das man nun auch nicht alle Tage
antrifft und das von den Sprechern gut umgesetzt wurde. Hintergrundgeräusche im Dorf
kommen in erster Linie von Vögeln; Schritte hört man nur dann, wenn es kritisch wird
oder die Heldin gewarnt werden muss. Ansonsten bewegt sich Madeleine lautlos wie eine
Katze durch die Szenerie, was dem Ganzen einen etwas surrealen Touch verleiht. Allerdings
ist mir die Abwesenheit von Schrittgeräuschen erst etwa in der Hälfte des Spiels
aufgefallen ein Beweis dafür, dass man das permanente Sohlengeklacker nicht
unbedingt braucht, um Stimmung zu erzeugen und einen Spieler in eine Geschichte hinein zu
ziehen.
Über die Grafik der vorgerenderten Hintergründe kann man sich
wirklich nicht beklagen wunderschön gemacht, sehr detailliert und realistisch, was
die Gebäude, Umgebung und Inneneinrichtungen angeht. Auch die Figuren (in 3D) sind gut
gelungen; bei der Mimik wurde auf möglichst synchrone Lippenbewegungen geachtet, die
Gestik wurde dagegen etwas reduziert. Die Gesichter sind realistisch und individuell
gestaltet Madeleine hat beispielsweise putzige Sommersprossen auf der Nase, ihr
Vater Nostradamus darf stolz ein paar Tränensäcke zur Schau stellen, und Katharina von
Medici könnte vielleicht eine gute Faltencreme vertragen.
Bei den Zwischensequenzen hat man zum Teil auf einfache Zeichnungen
zurückgegriffen anstatt einen kurzen Film zu zeigen. Gestört haben diese gezeichneten
Zwischensequenzen man kann sie sich ähnlich wie in Keepsake vorstellen
nicht, mich haben sie lediglich ein wenig irritiert. Die Träume, die Madeleine zwischen
den einzelnen Kapiteln hat, werden in Form schwarz-weißer Kurzfilme dargestellt; sie
lassen sich per Mausklick im Notizbuch erneut abrufen. Manche Träume (oder sind es
Visionen?) suchen Madeleine auch am helllichten Tag heim, was zumindest meinen
Adrenalinspiegel kurzfristig in die Höhe schnellen ließ.
Das Dorf ist trotz der schönen Grafik etwas steril und
ausgestorben, was im Spiel aber auf originelle Weise erklärt wird: Die Leute haben Angst
vor der Pest und verlassen ihre Häuser deshalb nicht. Somit nehmen einem die Entwickler
den Wind aus den Segeln, wenn man sich wieder mal über unbelebte Straßen gerade
in einem First-Person-Adventure keine Seltenheit - echauffieren will. Gut gemacht!
Flackernde Kerzen, stimmungsvolle Wolkenbänke und Vogelschwärme sorgen dafür, dass die
Umgebung nicht gänzlich unbelebt und verlassen wirkt. Bewegt man sich in einem Raum mit
Fenstern, dann fallen warme, helle Sonnenstrahlen herein und sorgen für schöne
Schattenspiele. Ähnlich gelungen sind auch die wenigen Szenen, die nachts spielen; der
Mond taucht dabei die gesamte Umgebung in ein mystisches, geheimnisvolles Licht. Zudem
sorgt der Wechsel zur Nacht für Abwechslung im Spielverlauf.
Ein Highlight ist sicherlich ein Spiegel im Schloss: Steht Madeleine
davor und bewegt man die Maus in irgendeine Richtung, dann dreht sich Madeleine im Spiegel
mit! Wagenspuren im Dorf, aber auch rund um das Schloss beweisen, dass hier tatsächlich
Menschen leben auch wenn sie sich grade alle verkrochen haben. Die weitgehende
Unbelebtheit der Umgebung wirkt sich natürlich auf die Interaktionsmöglichkeiten
Madeleines aus; ihre Ansprechpartner kann man an einer Hand abzählen, und die Gespräche
sind meist auch schnell erschöpft.
Dialoge
Die Dialoge laufen weitgehend nach einem fixen Muster ab, nicht
immer hat man die Möglichkeit, Gesprächsthemen auszuwählen. Die Auswahl der Antwort auf
eine Frage hat dabei nicht unbedingt Auswirkung auf den Spielverlauf; es kann höchstens
passieren, dass einem Bonuspunkte wieder abgezogen werden. In manchen Situationen ist es
erforderlich, ein Gespräch zu einem bestimmten Ende zu bringen, um im Spiel fortfahren zu
können. Wenn man dabei patzt, bekommt man ausreichend neue Chancen.
Gesprochen wird in Nostradamus im Vergleich zu anderen Adventures
herzlich wenig; viele Informationen bekommt Madeleine nicht von einem Gesprächspartner,
sondern aus Büchern, Notizen und dergleichen.
Gesprächsoptionen, die man schon mal benutzt hat, verschwinden oft
erst, wenn sich neue Themen ergeben oder auch gar nicht, was dann schon mal dazu
führt, dass man eine andere Person erneut anspricht, nur um dann festzustellen, dass sie
einem nichts mehr zu sagen hat.
Madeleine selbst macht immer wieder Bemerkungen zu Personen,
Gegenständen oder Entdeckungen; angenehm ist mir aufgefallen, dass sie, wenn eine Aktion
nicht möglich ist, nicht immer dieselben standardisierten Sätze von sich gibt, die einem
rasch auf die Nerven gehen können. Sie verfügt über ein weitaus größeres Repertoire
an solchen Sätzen als ich gewohnt bin genau betrachtet gibt sie situationsbezogen
jedes Mal einen neuen Satz von sich, wenn eine bestimmte Aktion nicht möglich ist. Also
beispielsweise Darum kümmere ich mich später", wenn man will, dass sie einen
Apparat im Observatorium ausprobiert, der Zeitpunkt dafür aber noch nicht gekommen ist.
Oder Ich muss erst x machen, damit ich y erledigen kann", wenn man einen
Handlungsschritt vergessen hat. Oder Es ist blockiert", wenn man ein noch
verriegeltes Schloss öffnen will. Wenn sie etwas nicht nehmen will oder man
beispielsweise beim Zubereiten eines Trankes schon genug Zutaten im Topf hat, wird man
darauf ebenso freundlich wie bestimmt hingewiesen, ebenfalls ohne immer denselben Satz um
die Ohren gedroschen zu bekommen. Gut gelöst das sorgt dafür, dass man bei der
Stange bleibt.
Rätsel
Geübte Spieler sollten in Nostradamus ohne Lösung auskommen,
Neulinge werden vermutlich mehrmals einen Blick in eine Komplettlösung riskieren.
Während alte Adventure-Füchse Nostradamus in etwa zehn bis maximal zwölf
Stunden bewältigen sollten, werden Einsteiger das eine oder andere Rätsel schon als
schwierige Kost empfinden und entsprechend länger daran sitzen.
Eine zentrale Aufgabe besteht in der Verkleidung sowie im
Absolvieren von Tests, um sich des bevorstehenden Abenteuers würdig zu erweisen. Das
Element der Verkleidung ist durchaus originell, auch wenn Kheops nicht die ersten sind,
die es verwenden. Ich musste dabei beispielsweise an Louvre denken, wo man die Heldin
Morgana auch in mehrere Gewänder stecken muss, damit sie sich ungehindert bewegen kann.
Und auch Kate Walker hat in Syberia schon mal Bekanntschaft mit einer Mönchskutte
gemacht. Wirklich originell ist im Fall von Nostradamus daher vielmehr die Tatsache,
dass die Spielfigur eine völlig neue Persönlichkeit annehmen muss, andere Stimme
inklusive, um einen Fortschritt im Spiel zu erzielen; und das für weite Strecken der
Handlung.
Auch Tränke und Pulver müssen gemischt werden dafür steht
ein eigenes, gut ausgerüstetes Labor zur Verfügung. Die Zutaten, meist Pflanzen, finden
sich für gewöhnlich in der näheren Umgebung und sind zudem mit einer Ausnahme -
im Überfluss vorhanden.
Auf Madeleines To-Do-Liste stehen außerdem Aufgaben wie Apparate-
und Logikrätsel, Schiebepuzzles, Texte entschlüsseln, Codes knacken, Horoskope
erstellen, ein Runen-Alphabet dekodieren sowie ein gutes Maß an kriminalistischer Arbeit.
Die Rätselkost ist also sehr ausgewogen, auch wenn die mechanischen Rätsel leicht
dominieren. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich im Lauf des Spiels ein wenig, ist aber
von extrem schwierig, unfair oder gar hundsgemein meilenweit entfernt!
Gegen Ende müssen dann auch Rätsel unter Zeitdruck gelöst werden,
wobei Zeitdruck mal wieder relativ ist man hat durchaus Muße, sich die Indizien
anzusehen und ein wenig auszuprobieren. Richtig stressig wird es nie. Besonders nett: Hat
man den ersten Teil einer Aufgabe gelöst, wird der Zeitbalken zurückgesetzt und man hat
wieder das volle Zeitpensum zur Verfügung. In diesem Fall empfiehlt es sich,
abzuspeichern. Im Fall eines Game Over ja, man kann in Nostradamus auch sterben
landet man unmittelbar vor der kritischen Stelle.
Viele Rätsel erfordern die Zuhilfenahme von Gegenständen im
Inventar. Wenn zwei Gegenstände kombiniert werden müssen, dann geschieht das
ausschließlich außerhalb des Inventars. Viele Objekte werden dabei an Ort und Stelle
angewendet, müssen also nicht permanent herumgeschleppt werden.
Ein Teil der Rätsel hat, wenig überraschend, einen astrologischen
Hintergrund; diese Aufgaben sind aber auch ohne entsprechende Vorkenntnisse zu schaffen.
Wie immer hilft auch genaues Untersuchen der Umgebung, des Inventars und der Notizen; auch
die Gespräche liefern natürlich wichtige Anhaltspunkte und können bei Bedarf
nachgelesen werden. Gut gefallen hat mir in diesem Zusammenhang, dass die Prophezeiungen
Nostradamus immer stärker mit Madeleines Geschichte verwoben werden und man sich
wiederholt fragt, ob das Schicksal wirklich unausweichlich ist bzw. ob man durch die
eigenen Handlungen nicht eine Art Vorsehung erfüllt.
Sämtliche Aufgaben sind logisch und nachvollziehbar in die Handlung
eingebettet; wenn man mal nicht weiter weiß, hilft ein Blick ins Notizbuch mit Madeleines
Checkliste. Das Spiel gibt einem hier eine nette Hilfe an die Hand, die langwieriges
Herumrennen oder Ausprobieren erspart.
Wirkliche Innovationen oder Überraschungen finden sich im
Rätseldesign zwar nicht, die Aufgaben machen aber alle großen Spaß ja, selbst
Schieberätsel und solche, die man unter Zeitdruck lösen muss. Ein Minispiel mit
Zufallsgenerator sorgt dafür, dass man auch etwas leisten muss, um an bestimmte
Informationen zu gelangen. Es zieht das Spiel nicht künstlich in die Länge, sondern
entspricht vielmehr dem Naturell der auslösenden Figur.
Sackgassen habe ich keine gefunden. Richtige Fehler, die sich auf
den Spielverlauf auswirken, kann man ebenfalls nicht machen außer, man reagiert in
den seltenen brenzligen Situationen zu langsam und stirbt. Muss man dann doch mal ein
Gespräch erneut über sich ergehen lassen, dann lässt sich das mit einem schnellen Druck
auf die Leertaste wie bei den Zwischensequenzen abbrechen.
Fazit
Nostradamus Die letzte Prophezeiung entführt einen mühelos
in die Welt des 16. Jahrhunderts; historische Hintergründe und Fiktion werden zu einer
spannenden Story verknüpft. Durch das Element der Verkleidung ergeben sich neue
Handlungsmöglichkeiten und der leicht steigende Schwierigkeitsgrad sorgt dafür, dass man
der sympathischen Hauptdarstellerin unbedingt helfen möchte, das Geheimnis zu lüften.
Durch die geringe Anzahl an Morden und die wenig gruselige Darstellung der Leichen ist
Nostradamus auch für jüngere Spieler geeignet; ob sechsjährige Kinder, wie von der USK
freigegeben, mit dem Spiel ihre Freude haben, wage ich aber angesichts der astrologischen
Rätsel doch zu bezweifeln.
Grafisch beweisen die Kheops Studios, dass man keinen Monsterrechner
braucht, um eine hervorragende Hintergrundgrafik, aber auch schön animierte Gesichter zu
präsentieren; technisch kann man dem Spiel praktisch nichts vorwerfen. Zahlreiche logisch
eingebundene Rätsel, die nicht allzu schwierig, aber auch nicht allzu einfach sind,
halten den Spielspaß ebenso aufrecht wie die Frage, wem man nun eigentlich trauen kann,
wer Freund und wer Feind ist und wer hinter den rätselhaften Morden steckt. Einzig die
Spiellänge lässt mit etwa zehn bis zwölf Stunden für Adventureprofis etwas zu
wünschen übrig; der Vollpreis ist somit nur bedingt gerechtfertigt.