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Nostradamus - Die letzte Prophezeiung


Releasedatum: November 2007

Entwickler: Elektrogames / Totm Studio / Mzone Studio / Kheops Studio
 
Publisher: MC2 Entertainment / Peter Games (Morphicon)

Spielsprache: deutsch

Homepage
Boxshots

 

USK: ab 6 Jahren
PEGI: 7+

 

 

Ein Review von  Jehane   30. November 2007

 

Nach Leonardo da Vinci haben sich die Kheops Studios die nächste schillernde historische Figur vorgenommen: den Wahrsager Nostradamus, dessen wirre Prophezeiungen noch heute die Phantasie der Menschen anregen – und die Phantasie von Spieleentwicklern. Der historische Hintergrund der Renaissance bildet dabei die Kulisse für ein spannendes Abenteuer rund um einen Fluch, mysteriöse Todesfälle und eine junge Frau, die im Namen ihres berühmten Vaters und im Dienste der Katharina de Medici dem Geheimnis auf den Leib rückt. Spielern wie mir, die noch nie ein Spiel aus dem Hause Kheops in Händen hielten (ja, das gibt’s), macht Nostradamus dabei Lust auf mehr Adventurekost der Marke Kheops, die sich, wie ein Blick auf die Website zeigt, auf Adventures mit historischem Hintergrund spezialisiert haben dürften.

 

Aufmachung/Installation/Technisches

Nostradamus – Die letzte Prophezeiung kommt in einer hübschen schwarzen Klappbox mit einem Planetenmobile auf dem Cover daher. In der darin verpackten DVD-Schachtel finden wir ein Handbuch, das leider in Schwarz-Weiß gehalten wurde und alle notwendigen Informationen zum Spiel bereithält. Die Special Edition wurde um ein 30-seitiges Büchlein mit den Prophezeiungen Nostradamus’ ergänzt.

Installiert wird das Spiel von einer DVD, die zum Spielen im Laufwerk bleibt. Die Installation verläuft flüssig und schnell; beim Starten muss man keine Hersteller-Logos überspringen, sondern gelangt direkt ins Startmenü. Hat man noch nie Nostradamus gespielt, dann wählt man zu Beginn eines von fünf astrologischen Symbolen aus (Sonne, Mond, Mars, Venus, Saturn); unter diesem Symbol werden dann sämtliche Spielstände gespeichert und geladen. Bis zu fünf Spieler können sich so an dem Spiel versuchen. Im Optionenmenü kann man wählen, ob die Gegenstände, die man im Lauf des Spiels aufhebt, beschrieben werden sollen oder nicht; auch die Geschwindigkeit der Kamera-Rotation, Lautstärke, Helligkeit und Untertitel lassen sich hier einstellen.

Technische Probleme hatte ich beim Spielen nicht, außer an einer Stelle: Da hatte ich plötzlich einen Gegenstand doppelt auf dem Bildschirm und konnte das Bild nicht mehr verlassen oder mich drehen. Das Einzige, was in diesem Fall geholfen hat, war, das Spiel per Task Manager zu beenden und dann neu zu starten. Kurz vor dieser Stelle ist mir außerdem aufgefallen, dass eine Aufgabe im Notizbuch eingetragen war, ohne dass ich irgendetwas getan hätte, um auf diese Aufgabe zu kommen. Erst nach einer weiteren gründlichen Untersuchung einer neuen Umgebung und der Aufnahme eines weiteren Gegenstandes ins Inventar bekam die Notiz einen Sinn. Lustigerweise wurde sie auch nicht durchgestrichen, nachdem ich die darin beschriebene Aufgabe schon längst ausgeführt hatte.

Das sind aber auch die einzigen technischen „Mängel", die mir untergekommen sind. Die Systemanforderungen sind vergleichsweise niedrig und dürfte auch auf älteren Rechnern flüssig laufen.


Story

Eine unheimliche Mordserie sucht die nähere Umgebung von Katharina de Medici heim. Im Glauben, es handle sich um einen Fluch, der ihre Familie vernichten soll, wendet sich die Monarchin an Michel de Nostradamus, der in einem kleinen Dorf in der Provence lebt. Er soll, als Verfasser eines ominösen Vierzeilers, der den Untergang der königlichen Familie vorhersagt, Licht ins Dunkel bringen und den Fluch aufhalten. Da der alte Astrologe aber schon etwas angegriffen und tattrig ist, schickt er seine Tochter Madeleine auf das Schloss der Königin – in Verkleidung, denn eine junge Frau wäre im Jahr 1566 weder als Astrologin noch als Ärztin geduldet. Madeleine gibt sich als ihr Bruder César aus und versucht, der geheimnisvollen Mordserie auf die Spur zu kommen. Dabei muss man als Spieler stets abwägen, welche Konsequenzen der Rollenwechsel haben könnte.

Die Handlung ist dabei in fünf Tage unterteilt und linear aufgebaut, auch wenn manche Aufgaben nicht immer in einer bestimmten Reihenfolge erledigt werden müssen. Bestimmte Aktionen lösen Zwischensequenzen oder Ereignisse aus, die für den weiteren Verlauf des Geschehens maßgeblich sind. Gegen Ende hin verliert sich die Story leider ein wenig bzw. entfernt sich leicht von ihrem Ausgangspunkt, lässt einen oder zwei (unwichtige) Handlungsstränge überhaupt unter den Tisch fallen, und das eigentliche Ende ist mehr als dürftig – leider. Denn obwohl es sich um ein kurzes Spiel handelt, passt bis auf das abrupte Ende einfach alles und die Geschichte wird spannend, stringent und ohne viel Firlefanz erzählt; sie bleibt bis zuletzt nachvollziehbar und verwirrt den Spieler nicht mit Unmengen von Handlungssträngen oder Informationen. Natürlich fehlt es an Spieltiefe; mir persönlich ist eine klare Handlung mit interessanten Charakteren in einem kurzen Spiel aber allemal lieber als ein Adventure, das durch unnötige Minispiele, nervtötende Actioneinlagen, zeitabhängige Rätsel oder ähnlichen Schnickschnack künstlich in die Länge gezogen wird. Manche dieser Elemente – zeitabhängige Aufgaben etwa – finden sich zwar auch in Nostradamus, fügen sich aber harmonisch in das Spiel als Ganzes ein und wurden nur sparsam eingesetzt.

 

Steuerung

Wir steuern Madeleine/César aus der Ego-Perspektive und ausschließlich per Maus. Die Kamera-Rotation kann dabei im Optionsmenü verändert werden – wem die Drehungen zu schnell sind, der kann die Geschwindigkeit der Rotation herabsetzen. Umgekehrt kann man das Tempo der Drehungen aber auch noch erhöhen und so für einen lustigen Karussell-Effekt sorgen. Ob das empfehlenswert ist, bleibt natürlich jedem selbst überlassen; mir persönlich hat das „normale" Tempo schon vollauf gereicht.

Der Mauszeiger hat in seinem normalen Zustand die Form eines goldenen Pfeils und kann, je nach Interaktionsmöglichkeiten, unterschiedliche Formen annehmen; ist keine Aktion möglich, ist der Pfeil nach links geneigt. Ein gerader, auf und ab wippender Pfeil bedeutet, dass man sich in diese Richtung bewegen kann; ein freies Erforschen der Umgebung ist dabei leider nicht möglich, wohl aber eine 360-Grad-Drehung. Die Wegfindung ist klar strukturiert, man behält einen guten Überblick darüber, wo man sich gerade befindet und wo welcher begehbare Ort liegt. Die geringe Anzahl der Schauplätze erleichtert die Orientierung zusätzlich. Für mich, die ich in First-Person-Adventures immer dezente Orientierungsprobleme habe, war Nostradamus in dieser Hinsicht ein echtes Highlight und ein perfektes Beispiel dafür, dass Ich-Perspektive nicht automatisch verwirrte Orientierungslosigkeit mit sich bringt.

Mit anderen Personen kann Madeleine reden, sobald der Mauszeiger sich in ein Gesicht verwandelt. Mit dem Augencursor kann man etwas anschauen. Eine Hand bedeutet: Diesen Gegenstand kann man aufnehmen. Die klassischen Zahnräder deuten auf eine mögliche Aktion; sind sie durchgestrichen, braucht man noch einen Gegenstand oder der betreffende Hot Spot wird überhaupt erst später freigeschaltet. Dann gibt es noch Pfeile, und zwar vertikale (um z. B. Wasser aus einem Brunnen zu holen), horizontale (etwa um etwas zu verschieben – nein, keine Kisten, keine Angst!) und einen sich drehenden (um, ganz klar, etwas zu drehen). Um etwas zu verschieben, hoch zu holen oder zu drehen muss man die linke Maustaste gedrückt halten, was an manchen Stellen etwas Fingerspitzengefühl bzw. mehrere Versuche erfordern kann. Wird der Mauszeiger zur Zange, kann ein Werkzeug benutzt werden.

Das Inventar wird per rechter Maustaste aufgerufen und verlassen. Es besteht aus mehreren Teilen: Links findet man Werkzeuge – Feder, Schere, Skalpell, Zirkel, Lupe, Zange -, die sowohl an Hotspots als auch im Notizbuch eingesetzt werden. Das Mistkübel-Icon entsorgt überflüssige Inventargegenstände – keine Sorge, man kann hier nichts wegschmeißen, was man später noch mal brauchen könnte. Madeleine warnt uns davor. Überflüssige Gegenstände sind selten und das Inventar ist großzügig genug angelegt, um auch mal die eine oder andere Unmäßigkeit beispielsweise beim Sammeln von Kräutern zuzulassen.

Alle Gegenstände, die man aufhebt, landen zunächst in einem Sammelfach. Man muss sie dann entweder einzeln in den Inventarfächern verteilen oder nutzt die automatische Verteilfunktion. Jeweils 16 Fächer stehen auf drei Seiten zur Verfügung. Eine Lupe ermöglicht die genauere Untersuchung der Inventarobjekte. In manchen Fällen ist auch eine Manipulation mit einem weiteren Werkzeug möglich. Sofern man Untertitel und Beschreibung der Objekte im Optionenmenü aktiviert hat, werden Informationen und Madeleines Kommentare zu Gegenständen in einem Textbereich angezeigt.

Im Inventar finden wir außerdem ein Charakterbild von Madeleine, dem wir an bestimmten Orten neue Kleider aus dem Inventar zwecks Rollenwechsel anziehen können. Unter dem Charakterbild befindet sich ein Zähler. Für erfolgreiche Aktionen erhalten wir Punkte, für Fehler gibt es auch Punktabzüge. Einfluss auf den Spielverlauf haben die Punkte, soweit ich das gesehen habe, aber nicht; am Ende bekommt man mitgeteilt, mit wie vielen Punkten man das Spiel abgeschlossen hat. Sekundäraktionen – also solche, die für den unmittelbaren Verlauf des Spiels nicht wichtig sind – können zusätzliche Punkte bringen.

Einige Registerkarten bieten weitere Funktionen: Im Notizbuch (Federsymbol) werden Bemerkungen, Zettel, Notizen und dergleichen abgelegt; auch einige Rätsel müssen hier gelöst werden. Es gibt ein Rezeptregister, eine Todesopferübersicht und einen Lageplan des Schlosses. Mit einer fünften Registerkarte können alle Gespräche noch mal abgerufen und gelesen werden.

Die Benutzung des Inventars ist absolut intuitiv und schnörkellos – genau so gehört sich das auch. Durch die Einbindung von Werkzeugen und einem Notizbuch ergeben sich außerdem zusätzliche Rätselformen, die dem Spiel noch mehr Reiz und Tiefe verleihen.

 

Grafik/Sound

Die Hintergrundmusik ist unaufdringlich, kann aber auch dramatisch anschwellen, wenn es die Szene erfordert. Die Sprachausgabe ist gelungen, wenn auch hin und wieder etwas zu emotionslos. Originell ist dabei die Idee, Madeleine zu Beginn Stimmübungen machen zu lassen, damit sie wie ein Mann klingt – für die Hauptfigur wurden somit zwei Sprecher benötigt, ein Element, das man nun auch nicht alle Tage antrifft und das von den Sprechern gut umgesetzt wurde. Hintergrundgeräusche im Dorf kommen in erster Linie von Vögeln; Schritte hört man nur dann, wenn es kritisch wird oder die Heldin gewarnt werden muss. Ansonsten bewegt sich Madeleine lautlos wie eine Katze durch die Szenerie, was dem Ganzen einen etwas surrealen Touch verleiht. Allerdings ist mir die Abwesenheit von Schrittgeräuschen erst etwa in der Hälfte des Spiels aufgefallen – ein Beweis dafür, dass man das permanente Sohlengeklacker nicht unbedingt braucht, um Stimmung zu erzeugen und einen Spieler in eine Geschichte hinein zu ziehen.

Über die Grafik der vorgerenderten Hintergründe kann man sich wirklich nicht beklagen – wunderschön gemacht, sehr detailliert und realistisch, was die Gebäude, Umgebung und Inneneinrichtungen angeht. Auch die Figuren (in 3D) sind gut gelungen; bei der Mimik wurde auf möglichst synchrone Lippenbewegungen geachtet, die Gestik wurde dagegen etwas reduziert. Die Gesichter sind realistisch und individuell gestaltet – Madeleine hat beispielsweise putzige Sommersprossen auf der Nase, ihr Vater Nostradamus darf stolz ein paar Tränensäcke zur Schau stellen, und Katharina von Medici könnte vielleicht eine gute Faltencreme vertragen.

Bei den Zwischensequenzen hat man zum Teil auf einfache Zeichnungen zurückgegriffen anstatt einen kurzen Film zu zeigen. Gestört haben diese gezeichneten Zwischensequenzen – man kann sie sich ähnlich wie in Keepsake vorstellen – nicht, mich haben sie lediglich ein wenig irritiert. Die Träume, die Madeleine zwischen den einzelnen Kapiteln hat, werden in Form schwarz-weißer Kurzfilme dargestellt; sie lassen sich per Mausklick im Notizbuch erneut abrufen. Manche Träume (oder sind es Visionen?) suchen Madeleine auch am helllichten Tag heim, was zumindest meinen Adrenalinspiegel kurzfristig in die Höhe schnellen ließ.

Das Dorf ist trotz der schönen Grafik etwas steril und ausgestorben, was im Spiel aber auf originelle Weise erklärt wird: Die Leute haben Angst vor der Pest und verlassen ihre Häuser deshalb nicht. Somit nehmen einem die Entwickler den Wind aus den Segeln, wenn man sich wieder mal über unbelebte Straßen – gerade in einem First-Person-Adventure keine Seltenheit - echauffieren will. Gut gemacht! Flackernde Kerzen, stimmungsvolle Wolkenbänke und Vogelschwärme sorgen dafür, dass die Umgebung nicht gänzlich unbelebt und verlassen wirkt. Bewegt man sich in einem Raum mit Fenstern, dann fallen warme, helle Sonnenstrahlen herein und sorgen für schöne Schattenspiele. Ähnlich gelungen sind auch die wenigen Szenen, die nachts spielen; der Mond taucht dabei die gesamte Umgebung in ein mystisches, geheimnisvolles Licht. Zudem sorgt der Wechsel zur Nacht für Abwechslung im Spielverlauf.

Ein Highlight ist sicherlich ein Spiegel im Schloss: Steht Madeleine davor und bewegt man die Maus in irgendeine Richtung, dann dreht sich Madeleine im Spiegel mit! Wagenspuren im Dorf, aber auch rund um das Schloss beweisen, dass hier tatsächlich Menschen leben – auch wenn sie sich grade alle verkrochen haben. Die weitgehende Unbelebtheit der Umgebung wirkt sich natürlich auf die Interaktionsmöglichkeiten Madeleines aus; ihre Ansprechpartner kann man an einer Hand abzählen, und die Gespräche sind meist auch schnell erschöpft.

 

Dialoge

Die Dialoge laufen weitgehend nach einem fixen Muster ab, nicht immer hat man die Möglichkeit, Gesprächsthemen auszuwählen. Die Auswahl der Antwort auf eine Frage hat dabei nicht unbedingt Auswirkung auf den Spielverlauf; es kann höchstens passieren, dass einem Bonuspunkte wieder abgezogen werden. In manchen Situationen ist es erforderlich, ein Gespräch zu einem bestimmten Ende zu bringen, um im Spiel fortfahren zu können. Wenn man dabei patzt, bekommt man ausreichend neue Chancen.

Gesprochen wird in Nostradamus im Vergleich zu anderen Adventures herzlich wenig; viele Informationen bekommt Madeleine nicht von einem Gesprächspartner, sondern aus Büchern, Notizen und dergleichen.

Gesprächsoptionen, die man schon mal benutzt hat, verschwinden oft erst, wenn sich neue Themen ergeben – oder auch gar nicht, was dann schon mal dazu führt, dass man eine andere Person erneut anspricht, nur um dann festzustellen, dass sie einem nichts mehr zu sagen hat.

Madeleine selbst macht immer wieder Bemerkungen zu Personen, Gegenständen oder Entdeckungen; angenehm ist mir aufgefallen, dass sie, wenn eine Aktion nicht möglich ist, nicht immer dieselben standardisierten Sätze von sich gibt, die einem rasch auf die Nerven gehen können. Sie verfügt über ein weitaus größeres Repertoire an solchen Sätzen als ich gewohnt bin – genau betrachtet gibt sie situationsbezogen jedes Mal einen neuen Satz von sich, wenn eine bestimmte Aktion nicht möglich ist. Also beispielsweise „Darum kümmere ich mich später", wenn man will, dass sie einen Apparat im Observatorium ausprobiert, der Zeitpunkt dafür aber noch nicht gekommen ist. Oder „Ich muss erst x machen, damit ich y erledigen kann", wenn man einen Handlungsschritt vergessen hat. Oder „Es ist blockiert", wenn man ein noch verriegeltes Schloss öffnen will. Wenn sie etwas nicht nehmen will oder man beispielsweise beim Zubereiten eines Trankes schon genug Zutaten im Topf hat, wird man darauf ebenso freundlich wie bestimmt hingewiesen, ebenfalls ohne immer denselben Satz um die Ohren gedroschen zu bekommen. Gut gelöst – das sorgt dafür, dass man bei der Stange bleibt.

 

Rätsel

Geübte Spieler sollten in Nostradamus ohne Lösung auskommen, Neulinge werden vermutlich mehrmals einen Blick in eine Komplettlösung riskieren. Während alte Adventure-Füchse Nostradamus in etwa zehn bis maximal zwölf Stunden bewältigen sollten, werden Einsteiger das eine oder andere Rätsel schon als schwierige Kost empfinden und entsprechend länger daran sitzen.

Eine zentrale Aufgabe besteht in der Verkleidung sowie im Absolvieren von Tests, um sich des bevorstehenden Abenteuers würdig zu erweisen. Das Element der Verkleidung ist durchaus originell, auch wenn Kheops nicht die ersten sind, die es verwenden. Ich musste dabei beispielsweise an Louvre denken, wo man die Heldin Morgana auch in mehrere Gewänder stecken muss, damit sie sich ungehindert bewegen kann. Und auch Kate Walker hat in Syberia schon mal Bekanntschaft mit einer Mönchskutte gemacht. Wirklich originell ist im Fall von Nostradamus daher  vielmehr die Tatsache, dass die Spielfigur eine völlig neue Persönlichkeit annehmen muss, andere Stimme inklusive, um einen Fortschritt im Spiel zu erzielen; und das für weite Strecken der Handlung.

Auch Tränke und Pulver müssen gemischt werden – dafür steht ein eigenes, gut ausgerüstetes Labor zur Verfügung. Die Zutaten, meist Pflanzen, finden sich für gewöhnlich in der näheren Umgebung und sind zudem – mit einer Ausnahme - im Überfluss vorhanden.

Auf Madeleines To-Do-Liste stehen außerdem Aufgaben wie Apparate- und Logikrätsel, Schiebepuzzles, Texte entschlüsseln, Codes knacken, Horoskope erstellen, ein Runen-Alphabet dekodieren sowie ein gutes Maß an kriminalistischer Arbeit. Die Rätselkost ist also sehr ausgewogen, auch wenn die mechanischen Rätsel leicht dominieren. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich im Lauf des Spiels ein wenig, ist aber von extrem schwierig, unfair oder gar hundsgemein meilenweit entfernt!

Gegen Ende müssen dann auch Rätsel unter Zeitdruck gelöst werden, wobei Zeitdruck mal wieder relativ ist – man hat durchaus Muße, sich die Indizien anzusehen und ein wenig auszuprobieren. Richtig stressig wird es nie. Besonders nett: Hat man den ersten Teil einer Aufgabe gelöst, wird der Zeitbalken zurückgesetzt und man hat wieder das volle Zeitpensum zur Verfügung. In diesem Fall empfiehlt es sich, abzuspeichern. Im Fall eines Game Over – ja, man kann in Nostradamus auch sterben – landet man unmittelbar vor der kritischen Stelle.

Viele Rätsel erfordern die Zuhilfenahme von Gegenständen im Inventar. Wenn zwei Gegenstände kombiniert werden müssen, dann geschieht das ausschließlich außerhalb des Inventars. Viele Objekte werden dabei an Ort und Stelle angewendet, müssen also nicht permanent herumgeschleppt werden.

Ein Teil der Rätsel hat, wenig überraschend, einen astrologischen Hintergrund; diese Aufgaben sind aber auch ohne entsprechende Vorkenntnisse zu schaffen. Wie immer hilft auch genaues Untersuchen der Umgebung, des Inventars und der Notizen; auch die Gespräche liefern natürlich wichtige Anhaltspunkte und können bei Bedarf nachgelesen werden. Gut gefallen hat mir in diesem Zusammenhang, dass die Prophezeiungen Nostradamus’ immer stärker mit Madeleines Geschichte verwoben werden und man sich wiederholt fragt, ob das Schicksal wirklich unausweichlich ist bzw. ob man durch die eigenen Handlungen nicht eine Art Vorsehung erfüllt.

Sämtliche Aufgaben sind logisch und nachvollziehbar in die Handlung eingebettet; wenn man mal nicht weiter weiß, hilft ein Blick ins Notizbuch mit Madeleines Checkliste. Das Spiel gibt einem hier eine nette Hilfe an die Hand, die langwieriges Herumrennen oder Ausprobieren erspart.

Wirkliche Innovationen oder Überraschungen finden sich im Rätseldesign zwar nicht, die Aufgaben machen aber alle großen Spaß – ja, selbst Schieberätsel und solche, die man unter Zeitdruck lösen muss. Ein Minispiel mit Zufallsgenerator sorgt dafür, dass man auch etwas leisten muss, um an bestimmte Informationen zu gelangen. Es zieht das Spiel nicht künstlich in die Länge, sondern entspricht vielmehr dem Naturell der auslösenden Figur.

Sackgassen habe ich keine gefunden. Richtige Fehler, die sich auf den Spielverlauf auswirken, kann man ebenfalls nicht machen – außer, man reagiert in den seltenen brenzligen Situationen zu langsam und stirbt. Muss man dann doch mal ein Gespräch erneut über sich ergehen lassen, dann lässt sich das mit einem schnellen Druck auf die Leertaste wie bei den Zwischensequenzen abbrechen.

 

Fazit

Nostradamus – Die letzte Prophezeiung entführt einen mühelos in die Welt des 16. Jahrhunderts; historische Hintergründe und Fiktion werden zu einer spannenden Story verknüpft. Durch das Element der Verkleidung ergeben sich neue Handlungsmöglichkeiten und der leicht steigende Schwierigkeitsgrad sorgt dafür, dass man der sympathischen Hauptdarstellerin unbedingt helfen möchte, das Geheimnis zu lüften. Durch die geringe Anzahl an Morden und die wenig gruselige Darstellung der Leichen ist Nostradamus auch für jüngere Spieler geeignet; ob sechsjährige Kinder, wie von der USK freigegeben, mit dem Spiel ihre Freude haben, wage ich aber angesichts der astrologischen Rätsel doch zu bezweifeln.

Grafisch beweisen die Kheops Studios, dass man keinen Monsterrechner braucht, um eine hervorragende Hintergrundgrafik, aber auch schön animierte Gesichter zu präsentieren; technisch kann man dem Spiel praktisch nichts vorwerfen. Zahlreiche logisch eingebundene Rätsel, die nicht allzu schwierig, aber auch nicht allzu einfach sind, halten den Spielspaß ebenso aufrecht wie die Frage, wem man nun eigentlich trauen kann, wer Freund und wer Feind ist und wer hinter den rätselhaften Morden steckt. Einzig die Spiellänge lässt mit etwa zehn bis zwölf Stunden für Adventureprofis etwas zu wünschen übrig; der Vollpreis ist somit nur bedingt gerechtfertigt.

 

 Meine Gesamtbewertung: 85%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98 SE/2000/XP/Vista
  • Pentium III mit 800 MHz
  • 64 MB Ram (empfohlen: 128 MB)
  • 16-fach DVD-Rom-Laufwerk
  • 3D-Grafikkarte mit 64 MB oder besser
  • DirectX-9-kompatible Soundkarte

Gespielt mit:

  • Windows XP SP 2
  • Pentium 4 mit 3 GHz
  • 512 MB Ram
  • Optiarc DVD RW AM-71707
  • Nvidia GeForce 7300 SE/7200 GS

 

Copyright © jehane für Adventure-Archiv, 30. November 2007

 

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Das Hauptmenü
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Hier wählt man das Spielerprofil aus
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Ein Horoskoprätsel im Notizbuch
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Katharina von Medici, leicht säuerlich – na ja, kein Wunder
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Das Inventar mit allen Schikanen
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In der Nahaufnahme können auch Leichen genau untersucht werden
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Grün, grün, grün sind alle meine Kleider… Jean-Aimé, Freund oder Feind?
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Vom Schlosshügel hat man einen hübschen Ausblick aufs Dorf…
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… auch nachts
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Auch das Schloss kann sich in der Nacht sehen lassen
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Die “Hexenküche” des Meisters gibt einiges her
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Die Leichen häufen sich allmählich bedenklich
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So sieht Madeleine aus, wenn sie nicht in Männerklamotten rumrennt
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Blick auf das Schloss der Medici
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Nostradamus himself
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Auch vom Fenster des Observatoriums hat man einen herrlichen Ausblick
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Eines der Astrologierätsel
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Madeleines Notizbuch
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Was er wohl von uns will? Artus? Bist du’s?
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