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Neue Abenteuer auf der Schatzinsel


Erscheinungsdatum: 04/2007

Entwickler: Kheops Studio
Publisher: Nobilis/ Flashpoint

Boxshots

Homepage

Spielsprache: Deutsch

 

USK: ohne Altersbeschränkung

 

 

Ein Review von  Sherlock   04. Juni 2007

 

Mit "Rückkehr zur geheimnisvollen Insel" und "Das Geheimnis der vergessenen Höhle" landete Kheops in der Vergangenheit stets Volltreffer für Adventurefans. Kheops-Adventures sind dafür bekannt, logisch aufgebaut und grafisch sehr gut dazustehen. Nun haben sich die Entwickler einer neuen Herausforderung angenommen. Sie wollten eine Fortsetzung von Robert Louis Stevensons Roman "Die Schatzinsel" herausbringen, die erneut die Abenteuer des nun bereits erwachsenen Jim Hawkins beschreibt. Jim Hawkins schwor laut Stevenson im Roman allerdings, dass er nie wieder zur Schatzinsel zurückkehren wird. Ob die Entwickler den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart (Roman und Adventure) hinbekommen haben, habe ich nun für Euch getestet.  

 

Story

Jim Hawkins, der ehemalige Schiffsjunge auf der Hispaniola bei Ihrer Überfahrt zur "Totenkopfinsel", ist nun selbst Eigner eines Schiffes. Eines Abends klopft ein Papagei, der ihm sehr bekannt vorkommt, an das Fenster seiner Kapitänskajüte. Dieser Papagei überbringt ihm "Long" John Silvers Testament. "Long" John Silver war sein alter Freund, der sich einst auf der Suche nach der Schatzinsel als Pirat entpuppt hat. Die beiden haben sich zuletzt vor 4 Jahren gesehen, nach ihrer Rückkehr von der Totenkopfinsel.
Silver schreibt, dass sein einziger treuer Freund Jim Hawkins es würdig sei, seinen Schatz von der Smaragdinsel "abzuholen". Alles deutet also darauf hin, dass Long John tot ist. Haben ihn seine alten Männer aufgeknüpft? Jim hat keine Zeit zum Überlegen, denn schon hat Long Johns alte Mannschaft Jims Schiff eingenommen und verlangt blutige Rache für den Verrat, den Silver und Jim einst an ihnen begangen hatten. Jim verschanzt sich in seiner Kajüte und muss nun irgendwie das Schiff verlassen. Und da wäre ja auch noch dieser sagenhafte Schatz, von dem in Silvers Testament die Rede ist. Eine abenteuerliche Reise nimmt ihren Lauf...

Vorwissen ist zum Verstehen der Geschichte an sich nicht erforderlich, aber kann ja auch nicht schaden. In den meisten Schulen gilt "Die Schatzinsel" als Pflichtlektüre für den Deutschunterricht. Auch vom älteren Semester dürften die meisten das Buch kennen. Es reicht allerdings auch aus, wenn man eine der zahlreichen Verfilmungen gesehen hat. Zu Beginn und während des Spiels wird die Geschichte des Buches aber auch noch einmal zusammenfassend erklärt.

 

Installation

Das Spiel ist auf 2 CD-ROMs zusammen mit dem ausführlichen Handbuch in einem DVD-Case zu erstehen. Weder bei der Installation noch während des Spielverlaufs sind mir irgendwelche Fehler oder Bugs aufgefallen.

 

Menüs

Nach dem Spielstart erwartet uns direkt das Spielmenü, das mit sehr stimmiger Musik unterlegt ist. Hier kann man unter anderem ein neues Spiel starten, ein gespeichertes Spiel laden, ins Optionsmenü wechseln oder das Spiel beenden. Im Falle eines neuen Spielstarts gelangen wir in ein neues Menü, in dem wir uns anhand von 5 Symbolen ein Spielprofil auswählen. Diese Spielprofile erlauben es, dass bis zu 5 Spieler gleichzeitig dieses Spiel auf ein und demselben Rechner spielen und ihren Fortschritt dementsprechend auch speichern können.

Im Optionsmenü können die Lautstärken der Soundeffekte, Musik und Sprache getrennt eingestellt werden. Hier ist es auch möglich, Untertitel ein- oder auszustellen.

Das Inventar wird mit einem Klick auf die rechte Maustaste geöffnet. Im Inventar gelangt man durch Klick auf die Schaltflächen links unter anderem zu einer Karte der Insel oder auch ins Spiel- und Speichermenü. Speicherstände stehen zur Genüge zur Verfügung. Sie werden automatisch mit Datum, Uhrzeit und einem kleinen Screenshot abgelegt.

 

Steuerung

In 1st-Person-Perspektive spielen wir ausschließlich mit der Maus. Man kann sich 360 Grad um die eigene Achse drehen. Mögliche Richtungen, in die man laufen kann, werden durch Pfeile angezeigt. Wenn man einen solchen Pfeil anklickt, erscheint ähnlich wie in einer Diashow das nächste Szenario vor den Augen des Spielers. Bei Gegenständen, die genommen werden können, verwandelt sich der Cursor in ein Hand-Symbol. Kann man Objekte benutzen, wird der Cursor zu einem Symbol mit zwei Zahnrädern. Sind Interaktionen mit anderen Personen möglich, verwandelt sich der Cursor in ein Sprech-Symbol. Damit ist die Steuerung recht simpel gehalten, so dass sich selbst Adventure-Anfänger innerhalb weiniger Sekunden damit anfreunden können.

Ja, man kann durch Fehler in diesem Adventure sterben. Aber keine Angst: auch ohne vorher zu speichern, gelangt der Spieler immer wieder an die Stelle, bevor er eine Dummheit begangen hat.

 

Hotspots/Inventar/Dialoge

Hotspots sind recht leicht erkennbar, obwohl sie farblich nicht von der Umgebung abgehoben sind. Man kann sich aber schon denken, wenn z.B. unter einer Hängematte eine Flasche im Sand steckt, ist klar, dass diese eingesteckt werden muss. Versteckte Objekte gibt es nicht.

Das Inventar wird durch Klick auf die rechte Maustaste aufgerufen. Dort gibt es mehrere Registerkarten, in denen Gegenstände abgelegt werden können. Direkt nach dem Aufnehmen befindet sich ein Objekt noch rechts oben in einem kleinen Fenster, das unsere Hand darstellen soll.

Man kombiniert Objekte, indem man sie aufeinander anwendet. Eine Befehlszeile unter dem Inventarfenster zeigt diese Gegenstände dann in Form einer Gleichung an, sofern sie zueinander passen. Ein noch fehlendes Teil wird durch ein Fragezeichen repräsentiert. Andere eingesammelte Objekte kann man auch auseinander bauen, indem man das entsprechende Objekt auf ein Schraubenschlüssel-Symbol vor der Befehlszeile anwendet.

Ich empfand es als unheimlich lästig, dass sämtliche aufgenommenen Gegenstände erst in der Hand "gesammelt" wurden. Warum werden sie nicht gleich im Inventar abgelegt? Ich hatte zeitweise bis zu 15 Gegenstände in der Hand. Also müssen diese erst manuell ins Inventar abgelegt werden oder man klickt auf die kleine Schaltfläche "Automatik". Dadurch werden alle Gegenstände, sofern Platz auf dem aktuellen Inventar-Registerblatt vorhanden ist, automatisch ins Inventar verschoben.

Allerdings hat mir sehr gut gefallen, dass man durch das Gleichungssystem gleich feststellt, ob noch und wie viele weitere Gegenstände zu einer Verbindung fehlen.

Im Laufe des Spiels begegnen uns auch einige wenige Charaktere auf der Insel, mit denen wir kommunizieren können. Dialoge werden im typischen Multiple-Choice-Verfahren geführt. Jim Hawkins selbst hört man aber eher selten außerhalb einer Videosequenz reden.

 

Rätsel

Nun kommen wir zum größten Defizit des Spiels. Da das Spiel auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen soll, sind die Rätsel sehr einfach ausgefallen. Lediglich das vorletzte Rätsel (ein Kalender-Schiebe-und-Schalt-Rätsel) hat mir einiges mehr abverlangt, war aber auch machbar. Der Schwierigkeitsgrad dürfte daher gerade Einsteiger ansprechen. Für fortgeschrittene Adventure-Spieler kann dieses Spiel eher als "Pausenfüller" angesehen werden, da sämtliche enthaltenen Rätsel keine wirkliche Herausforderung darstellen. Selbst für Einsteiger hätte ich mir etwas komplexere Rätsel gewünscht. Die Rätsel sind nicht schlecht integriert und weitestgehend auch logisch aufgebaut, aber es sind definitiv (zu) leichte Rätsel. Allerdings ist positiv zu bewerten, dass man schnell darauf kommt, was in der jeweiligen Situation zu tun ist.

Es gibt viele Knoten zu binden. Die möglichen Handgriffe hierzu werden in einem oder zwei kleinen Fenstern angezeigt. Für eins dieser Fenster muss man sich dann entscheiden. Wird das falsche gewählt, muss man von vorn anfangen. Wählt man allerdings das richtige, geht’s weiter zum nächsten Handgriff. Das ganze wird dann solange gemacht, bis der Knoten fertig ist. Die Knotenrätsel habe ich recht positiv aufgefasst. Sie lockerten die Atmosphäre des Spiels in einigen Momenten erholsam auf. In den wenigen Spielstunden gab es davon verhältnismäßig viele zu lösen.

Zwei komplexe Rätsel muß man im Spielverlauf nach und nach lösen. Diese Rätsel wurden von Silver angefertigt und können jederzeit über das Inventar (Karte) aufgerufen werden. Es handelt sich dabei um Seemanns-Verse. Nachdem man ein bestimmtes Detail dieses Rätsels erledigt hat, wird der entsprechende Vers gestrichen. Es ist nicht zwingend erforderlich, sie "der Reihe nach" zu erledigen. Hier bleibt dem Spieler schon etwas Entscheidungsfreiheit.

Es gibt recht viele Inventar-Rätsel, in denen Objekte zusammengefügt und getrennt werden müssen, um ihnen eine neue Verwendung zu geben. Kombinations- und Logikrätsel vervollständigen das Gesamtbild.

 

Grafik/Sound

Wie eingangs erwähnt, ist Kheops bekannt für grafisch perfekte Spiele. Auch hier haben die Entwickler sich nicht lumpen lassen und ein grafisch hervorragendes Spiel hingelegt. Man gewinnt bei den "Zwischensequenzen" allerdings den Eindruck, dass die Entwickler entweder im Zeitdruck waren oder aber ihnen das Geld ausgegangen ist. Es gibt lediglich am Anfang und am Ende animierte Sequenzen. Die Zwischensequenzen werden in Form von Comic-Strips im Artwork-Stil angezeigt.

Ob nun die Comiceinlagen – wie auch schon in „Rückkehr zur verlorenen Insel" ein besonderes grafisches Stilmittel darstellen sollen oder vielleicht eher auf ein zu kleines Budget hinweisen, ich hätte mir mehr Videosequenzen gewünscht, mit denen die Entwickler ihre Perfektion zusätzlich hätten verdeutlichen können.

Der Sound war in jeder Hinsicht grandios. Es gibt Stellen auf der Insel, an denen knurrende Geräusche durch die Luft schwirren und Grusel-Atmosphäre verbreiten. Die wenigen eingesetzten Sprecher sind sehr professionell.

 

Fazit

Stevensons Geschichte wurde handlungsmäßig logisch fortgeführt: Letzten Endes kann man Jim Hawkins auch nicht vorwerfen, er hätte seinen Schwur gebrochen, nie wieder auf die Schatzinsel zurückzukehren. Er ist ja nicht auf der Totenkopfinsel sondern auf der Smaragdinsel gelandet.

Leider verfliegt die anfänglich sehr interessante und packende Story im Laufe des Spiels. Aus der Geschichte hätte man wesentlich mehr machen können. An sich ist sie schon interessant und man fragt sich, wie es denn nun weitergeht, aber als fesselnd würde ich sie keineswegs beschreiben. Die Story hätte etwas komplexer und angesichts der Piraten-Vorgeschichte gemeiner ausfallen können. Hier muss man aber wiederum in Betracht ziehen, dass es sich um ein Familienspiel handelt und eine komplexere Geschichte von jüngeren Spielern nicht verstanden werden könnte. Daher fließt weder dieses noch der etwas magere Rätselteil stark in meine Bewertung ein.

Aus meiner Sicht eignet sich das Spiel sowohl für Genreeinsteiger als auch für Kinder. Fortgeschrittene oder sehr erfahrene Spieler werden hier wohl etwas unterfordert und angesichts der kurzen Spieldauer von um die 8 Stunden eher enttäuscht sein. Erfahrene Spieler können sich allerdings an den für Kheops üblichen wunderschönen Schauplätzen und der stimmungsvollen Musik laben. Auch die anfangs etwas umständliche Inventarsteuerung (insbesondere die "Verbinden-und-Lösen-Funktion" für Gegenstände) könnte ich mir gut auch in zukünftigen Adventures vorstellen.

Ich hätte mir animierte Zwischensequenzen gewünscht, die die einsame Atmosphäre ein wenig auflockern. Als eigenartig empfand ich, dass Jim Hawkins vor der Besetzung des Schiffs durch Silvers alte Mannschaft anscheinend völlig allein auf seinem Schiff war. Bis zum Schluss hat man Kontakt zu sage und schreibe 7 Personen und einem Papagei. Nicht zuletzt dadurch kommt einem diese Karibikinsel recht unbewohnt vor. Die einzigen Tiere dort scheinen Vögel zu sein.

Alles in allem ergibt sich aber ein schönes Spiel für Zwischendurch mit einer Spielzeit von etwa 8 Stunden. Ob dies einen Preis von 35 - 40 Euro rechtfertigt, sollten Kaufinteressierte selbst entscheiden. Daher ergibt sich eine gute

 

Wertung 72 %

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98 SE/ ME/ 2000/ XP
  • Pentium III mit 800 MHz
  • 64 MB RAM
  • 64 MB DirectX 9.0 c kompatible 3D-Grafikkarte
  • DirectX 9.0 c kompatible Soundkarte
  • 16-fach CD-ROM Laufwerk
  • 1,3 GB freier Festplattenspeicher
  • Tastatur
  • Maus

 

Getestet auf:

  • Windows XP Servicepack 2
  • AMD Semperon 3000+ mit 2,0 GHz
  • 768 MB RAM
  • ATI RADEON 9250 Grafikkarte mit 128 MB RAM
  • DirectX 9.0 kompatible Soundkarte
  • 16-fach DVD-ROM Laufwerk

 

 

 

Copyright © sherlock für Adventure-Archiv, 04. Juni 2007

 

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Das Startmenü
Das Startmenü

 

In der Galerie können alle bisherigen Sequenzen noch einmal betrachtet werden.
In der Galerie können alle bisherigen Sequenzen noch einmal betrachtet werden

 

Zwischensequenzen werden als Artwork-Comicstrips angezeigt.
Zwischensequenzen werden als Artwork-Comicstrips angezeigt

 

Das Inventar
Das Inventar

 

Der Weg zur Smaragdinsel
Der Weg zur Smaragdinsel


Long John Silvers Papagei gibt uns jede Menge nützliche Tipps
Long John Silvers Papagei gibt uns jede Menge nützliche Tipps

 

Was liegt wohl am Ende dieser gespenstischen Höhle?
Was liegt wohl am Ende dieser gespenstischen Höhle?



Tolle Hilfe!
Tolle Hilfe!

 

 Einige dieser Knoten müssen im Spielverlauf gebunden werden!Einige dieser Knoten müssen im Spielverlauf gebunden werden!

 

Phantastische Aussicht, oder?
Phantastische Aussicht, oder?

 

So sieht es aus, wenn wir etwas falsch gemacht haben...
So sieht es aus, wenn wir etwas falsch gemacht haben...

 

2 Piraten haben wir schon. Fehlen nur noch 3
2 Piraten haben wir schon. Fehlen nur noch 3.

 

Unter der Meeresoberfläche...
Unter der Meeresoberfläche...

 

Über die Karte gelangen wir an jeden wichtigen Ort der Smaragdinsel.
Über die Karte gelangen wir an jeden wichtigen Ort der Smaragdinsel

 

Da staunste, wa?
Da staunste, wa?